Findet Frings

Nehmen wir an, Sie haben seinerzeit dem Tabak sehr zugesagt und sich die Lunge schön geteert. Eines Tages kommt die Erkenntnis, dass zwei Treppenstufen bis zur Luftnot nicht der Mount Everest sein können, und Sie stoppen mit dem Konsum des blauen Dunstes. Dann sind Sie – richtig erkannt – Ex-Raucher! Was tun diese Menschen dann in der Regel ganz besonders gerne? Genau, sie machen denen Vorhaltungen, die noch immer glimmstengeln und es nicht – wie sie – geschafft haben. Die militantesten Gegner sind die Befürworter von früher.

In dieser Analogie ist es wohl zu verstehen, dass sich nun Hr. Plöchinger von der SZ so vehement gegen die unlauteren Methoden bei den IVW- und AGOF-Zählungen ausspricht. Denn dass auch bei der Süddeutschen die ein oder andere Page Impression seinerzeit zusätzlich hinzugeführt wurde, ist kein wirkliches Geheimnis in der Branche. Insofern wäre hier eine etwas stärker zum Ausdruck gebrachte Vergangenheitsbewältigung ein Zeichen von Größe gewesen. Sei es drum, Recht hat er, wenn er es als falsch ansieht, quantitative Erhebungen zur Bemessung journalistischer Qualität heranzuziehen. In Wahrheit tut dies auch kein denkender Mensch, ansonsten wäre die Bild wohl nicht ganz oben bei Besuchen (Online) und Auflagen (Offline). Gleiches gilt für die interessante, wenn auch belanglose Reihenfolge der beliebtesten Medieninhalte auf Facebook. Hier führt „Berlin -Tag & Nacht“. Sollten Sie diese Pseudo-Dokusoap nicht kennen, haben sie definitiv nichts verpasst, da das Format den geistigen Anspruch einer Schar Pattex schnüffelnder Amöben hat, die zudem aus prekären Verhältnissen kommen.

Dass die Jagd nach Größe auch anderweitig kontraproduktiv ist, sei an der Stelle auch noch angemerkt. Die zum Teil fragwürdigen Zusammenstellungen der Reichweite bei AGOF & Co. führen ja nicht nur zu einem Erscheinen bei den größten Einzeltiteln, sondern verwässern auch die Zielgruppenrelevanz. Anders ausgedrückt habe ich für den Einkauf qualitativer Reichweiten eine vergleichsweise große Anzahl von Möglichkeiten. Diese interessiert mich aber nur bei breiten Zielgruppen, und da würde man im Zweifelsfall ohnehin mit allen Vermarktern reden, die große Reichweiten führen. Wenn ich aber sehr selektive Zielgruppen habe, dann ist es durchaus entscheidend, wie hoch die Zielgruppendichte auf den jeweiligen Angeboten ist. Wenn ich also beispielsweise vermögende Männer im mittleren Alter suche, falle ich in der Affinitätsbetrachtung beispielsweise als N24 zurück, wenn zeitgleich auch noch wer-weiss-was.de oder andere Spießgesellen hier mit eingerechnet werden. Vielleicht stehe ich dann immer noch recht weit vorne im Ranking, verliere aber in jedem Fall an Relevanz und bin vielleicht nur noch zweite Wahl. Dies kann vor allem deswegen fatal sein, da aus Sicht eines Werbekunden eine vergleichsweise unspezifische Reichweite einen deutlich niedrigeren Wert besitzt als eine Reichweite mit klaren Konturen und einer hohen Deckungsgleichheit mit einer spitzen Zielgruppe. Ich würde es mir zumindest aus Sicht eines Publishers genau überlegen, ob das nun mein erklärtes Ziel ist.

Nach diesem kleinen Denkanstoß soll aber auch nicht zu kurz kommen, dass es gewisse Medienportale gibt, die sich fast ausschließlich auf quantitative Erfolgsfaktoren beschränken und es zudem schaffen, zum wiederholten Male ohne Capping BanderoleAds herauszufeuern. Namen will ich keine nennen. Ich lasse lieber Bilder sprechen:

0 Kommentare zu “Wahre Größe zeigt sich im Erkennen der eigenen Begrenztheit

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