Klartext!

Am vergangenen Wochenende hatten wir eine Familien-Videokonferenz über Skype. Das ist für uns nicht neu. Da meine Geschwister im Norden Deutschlands und in der Schweiz leben, haben wir so auch schon vor Corona kommuniziert.

Neu war, dass unsere Mutter mit ihren fast 80 Jahren zum ersten Mal mit dabei war. Sie hat sich riesig gefreut, uns mal alle gemeinsam wiederzusehen, da sie momentan kaum soziale Kontakte hat. Und meine Mutter ist kein Einzelfall. Laut unserer wöchentlichen Marktforschung, die wir seit der 13. Kalenderwoche – die zweite Woche der Schulschließungen und die erste Woche der Ausgangsbeschränkungen – regelmäßig erheben, ist die Online-Nutzung in allen Altersgruppen überproportional gewachsen. Mit 18 Prozent Zuwachs am stärksten bei den 60- bis 69-Jährigen.

Durch den demografischen Wandel ist fast jede/r Dritte in der deutschsprachigen Bevölkerung älter als 60 Jahre, was laut der aktuellen Best for planning b4p 2019 III einem Potential von mehr als 22 Millionen Menschen entspricht. Es ist daher sicher mal interessant, sich diese Zielgruppe und ihre Mediennutzung etwas genauer anzusehen.

Natürlich ist die Intensität der Internet-Nutzung bei den älteren Zielgruppen lange nicht so hoch, wie bei den ganz Jungen. Und im Vergleich zu klassischen Medien wie Hörfunk und Fernsehen kann das Internet in der Generation 60plus noch nicht mithalten. Bei diesen Medien ist die Nutzungsdauer im vergangenen Jahrzehnt aber annähernd konstant geblieben, während sie sich bei der Online-Nutzung verdreifacht hat.

Die Älteren nutzen das Internet vor allem zum Kommunizieren und zum Schreiben von E-Mails. Die Online-Recherche zu Gesundheitsthemen hatte auch vor der Corona-Krise schon eine große Bedeutung für diese Zielgruppe.

Unser Corona-Tracker zeigt deutlich, dass durchschnittlich 40 Prozent der über 55-jährigen die Nachrichten im Internet stärker nutzen. Spannend ist hier die zeitliche Entwicklung. Sie zeigt ein über die Wochen stetig nachlassendes Interesse. Eine identische Entwicklung gibt es für die Nachrichtennutzung im klassischen Fernsehen. Somit kehrt langsam eine neue Routine ein, in der sich die Bevölkerung auf ein Leben mit dem Corona-Virus einstellt. Ein Buzzword gibt das dafür auch schon: „The new normal“. Parallel dazu hat sich in der Corona-Krise die Nutzung von Online-Streaming-Diensten und Mediatheken bei 10 Prozent der Generation ab 55 Jahren verstärkt. 16 Prozent nutzen Videotelefonie aktuell stärker als vor der Corona-Krise, wozu nun auch meine Mutter zählt.

Wenn man also der aktuell schwierigen Situation etwas Positives abgewinnen möchte, so ist dies sicher die steile Lernkurve bei der Digitalkompetenz älterer Zielgruppen. Durch die neu erworbenen Fähigkeiten wird den Generationen 60plus vielleicht eine längere Selbstständigkeit im Alter ermöglicht.

Vor der Corona-Krise hätten wir meine Mutter niemals dazu gebracht, sich mit ihrem Tablet in einen Videocall einzuwählen. Sie wird jetzt sicher auch nicht Online-Shoppen oder eine Video-Sprechstunde beim Arzt besuchen. Aber alleine die neue Option, ihre sozialen Kontakte zu pflegen, hat sie optimistisch und neugierig gemacht.

Ältere Zeilgruppen bergen also noch ein großes Potential. Gut ein Drittel der über 55-jährigen wünscht sich laut der aktuellen Erhebungen von Marken, dass diese stärker auf die Bedürfnisse ihrer Kunden eingehen. Bei der digitalen Beratung unserer Kunden lohnt also ein differenzierterer Blick auf diese Zielgruppen, um die individuelle Aussteuerung von Kampagnen für diesen Adressatenkreis zu verbessern.

 

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