Tag Archiv für "Wiedereinstieg"

Hallo, hier bin ich wieder! ich habe es geschafft, die Kinder sind versorgt und ich kann mich wieder in die Arbeit stürzen.

Ganz so einfach ist es natürlich nicht und es braucht viel Zeit, Geduld und Nerven, bis man wirklich wieder so richtig im Job angekommen ist. Zwei Mal bin ich nun wieder ins Berufsleben eingestiegen. Es hätte jeweils nicht unterschiedlicher ablaufen können: Der erste Wiedereinstieg mit einem Kind und der zweite mit zwei Kindern inklusive Corona. Aber das Gute ist, es gibt eine Lernkurve. Also, vielleicht kann ich ja meine Erfahrungen teilen und anderen den Wiedereinstieg erleichtern – denkt sie, während der Newsletter der Kita mit Anregungen für die Testung des Umfeldes der Kita-Kinder eintrudelt, die Matschhosen durch die Waschmaschine laufen und sie feststellt, dass die Schlappen für die Turnstunde morgen im Kindergarten immer noch nicht angekommen sind…

Also fangen wir von vorne an:

Vor jedem Wiedereinstieg stellen sich eine Vielzahl an Fragen….

Und weil ich To-Do- und Checklisten liebe, hier meine persönliche Liste, sortiert nach Priorität:

Prio 1: Betreuung für’s Kind

Die Frage aller Fragen: Bekommen wir einen Kita-Platz? Alle Eltern werden es kennen: Den ersehnten Kita-Platz zu bekommen, gleicht einem Marathon. Aber genau mit dieser Frage steht und fällt der Wiedereinstieg in den Job. Wenn das geklappt hat, kann man auch schon mit der Planung beginnen. Wann kann’s losgehen? Wie viele Stunden kann ich wieder arbeiten und wie sieht mein täglicher Zeit- und Aufgabenplan aus?

Mein erstes Learning: Frühzeitig Gedanken machen, wie lange das Kind betreut werden soll.

Es mag ein simpler Tipp sein, aber aus eigener Erfahrung kann ich sagen, es macht wirklich Sinn, sich vorher einmal Gedanken zu machen. Schnell musste ich z.B. feststellen, dass ein guter Puffer zwischen Arbeitszeit und Kitazeit einiges an Stress erspart. Denn 15 Minuten zwischen Feierabend und Abholen scheint bei 5 Minuten Fußweg zunächst nach genügend Zeit, aber wie oft macht man schon pünktlich Feierabend? Und wo in diesen 15 Minuten bleibt meine Zeit zum Durchatmen? Das Kind ist nämlich ausgeruht und fit, die Mama oder der Papa nach der Arbeitszeit erstmal reif fürs Sofa zum Kopf abschalten. Das bedeutet: Die Buchungszeiten in Kita/Kindergarten lieber großzügig planen, damit man nicht mit Headset zum Abholen rasen oder die Kolleg:innen bitten muss, den Laptop zuzuklappen, weil erst 5 von 5.687 Updates installiert sind.

Auch der Kita-Standort ist ein Thema. Nah am Zuhause oder nah am Arbeitsplatz? Die Nähe zum Schreibtisch ist praktisch, weil man das Bringen und Abholen mit dem Arbeitsweg verbinden kann. Die Nähe am Zuhause ist praktisch, wenn man im Homeoffice oder nicht an jedem Tag der Woche arbeitet. Während es beim ersten Wiedereinstieg super praktisch war, dass Kita und Agentur nah beieinander lagen, wurde genau das zum organisatorischen Hindernislauf beim zweiten Wiedereinstieg während Corona.

Prio 2: Stundenpensum

Jetzt will man sofort loslegen und auch einen ordentlichen Arbeitstag haben – eben richtig was schaffen. Wie früher. Früher gab es aber nur einen Bestimmer über den eigenen Zeitplan, jetzt spielt da mindestens ein weiterer kleiner Mensch mit, der deine Aufmerksamkeit braucht. Und sind wir ehrlich, er spielt auch die erste Geige. Man sollte sich also rechtzeitig Gedanken machen, wie viele Stunden und Arbeitstage sinnvoll umsetzbar sind. Ich habe schnell gelernt, dass es einfacher ist, langsam anzufangen. Schon in der Eingewöhnung ging es los mit Krankheit, Schließtagen und Personalmangel. Deshalb ist es auch völlig in Ordnung, mal einen Schritt zurückzutreten und Stunden zu reduzieren. Eine offene Kommunikation darüber, wie es sich für mich zurück in der Arbeitswelt anfühlt, ist unglaublich wichtig. Hier habe ich mit der Mediascale einen tollen Arbeitgeber gefunden, der viel Flexibilität und Verständnis mitbringt. Sei es eine Reduzierung der Arbeitsstunden oder einfach nur das Verständnis im Team, dass man doch früher den Laptop ausschalten muss, Arbeitstage tauscht oder das Kind im Team-Meeting auf dem Schoß sitzen hat. Gerne denke ich an meinen ersten Wiedereinstieg zurück, da haben wir spontan einen „bring your kid to work half-day“ eingelegt. Wenn die Mama zu einem Termin kommen muss und die Großeltern noch nicht da sind, kann man so etwas mit einem so flexiblen Team auch mal machen. Das eröffnet viele neue Perspektiven für alle Beteiligten.

Prio 3: Nennen wir es mal Rahmenbedingung

Die erste Zeit ist durchaus anstrengend. Es dauert etwas, bis sich die neuen Abläufe in der Familie etablieren. Für jedes Familienmitglied beginnt ein neuer Abschnitt. Der Alltag muss deutlich geplanter ablaufen und es gibt weniger Platz für spontane Änderungen. Das kann bei allen schon mal an den Nerven nagen.

Noch während des ersten Wiedereinstiegs, der Hand in Hand mit der Eingewöhnung des Kindes in die Kita ging, habe ich gelernt, dass die Rahmenbedingungen stimmen müssen. Je mehr Ruhe und Zeit man für die Umstellung der Abläufe hat, desto besser und schneller spielt sich alles ein. Für den zweiten Wiedereinstieg habe ich mir bewusst Zeit gelassen. Zwischen Kita- und Kindergarten-Eingewöhnung und Wiedereinstieg habe ich einen Monat Auszeit genommen. Auch für mich selbst, um alle Baustellen und Projekte Zuhause abzuschließen und um einfach mal durchzuatmen.

Und wenn all diese ersten Hürden geschafft sind, dann macht der Wiedereinstieg einfach nur Spaß. Es ist ein tolles Gefühl, endlich mal wieder an einem Projekt zu sitzen, ohne alle 5 Minuten unterbrochen zu werden. Natürlich ändert sich einiges, und wenn man zurückkommt, muss man sich erstmal wieder in viele neue Tools einarbeiten und neue Abläufe lernen. Ich habe aber auch festgestellt, dass im Kern doch alles wie immer ist. Es ist wie mit dem Fahrradfahren – man verlernt es nicht.

Ah ja und diese Ruhe… noch nie in meinem Leben kam mir ein Büro so ruhig vor. Und man muss sich nicht auf der Toilette verstecken, wenn man was naschen will und es fragt dann auch niemand „Was hast du im Mund?“. Beim Mittagessen fliegt kein Besteck durch die Gegend und es weint auch niemand am Tisch, weil das Wasser ein Grad zu kalt oder zu warm ist.

Aber es gibt nichts Schöneres, wenn beim Abholen jeder stolz von seinem Tag erzählen kann und davon, was er heute gemacht hat. Die einen berichten dann eben von Raketen aus Magnetbausteinen und Hüpfpferden oder vom Bildermalen, die anderen von einem Tag am „Com-put-i-her“ mit bunten Kugeln im Hintergrund.

 

In einem weiteren Teil der Reihe „Ein Blick hinter die Schreibtische der mediascale“ interviewen wir heute Agnes Ley, die über ihren Wiedereinstieg nach der Elternzeit berichtet.

  1. Agnes, was hast du bei der mediascale gemacht, bevor du in Elternzeit gegangen bist?

Ich habe vor meiner Elternzeit bereits zehn Jahre bei der mediascale gearbeitet. Angefangen hatte ich als Trainee und konnte mich im Lauf der Zeit bis zur Unit-Leiterin hocharbeiten. Das hat viel Spaß gemacht, war aber auch zeitweise anstrengend, besonders in heißen Phasen wie der Einarbeitung in einen neu gewonnenen Kunden oder wenn wir die Jahresstrategie für große Kunden erarbeitet haben. Trotzdem habe ich immer viel Freude mit meinen Chefs und Kollegen gehabt.

  1. Und deshalb bist du auch nach der Elternzeit wieder zur mediascale zurückgekommen?

Genau. Wobei ich anfangs nicht sicher war, ob das gut geht. Wir sind Dienstleister für unsere Kunden und der Kunde will einen Ansprechpartner bei der Agentur, den er immer erreichen kann. Gleichzeitig wollte ich jedoch nur in Teilzeit wieder einsteigen. Insofern hatte ich etwas Bedenken, dass die Chefs die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, wenn ich sage, ich würde dann jetzt gerne wieder 15 Wochenstunden arbeiten.

  1. Und war es so?

Ganz im Gegenteil. Unsere Geschäftsführer haben sich total gefreut und hatten sogar eine Auswahl unterschiedlicher Aufgabenbereiche, die sie mir angeboten haben – das hat mich wirklich erstaunt. Allerdings muss ich sagen, das wäre vor einigen Jahren so noch nicht möglich gewesen. Als wir noch deutlich weniger Mitarbeiter hatten, musste jeder bei den Kampagnen anpacken. Mittlerweile ist die mediascale eine große Agentur geworden und da fallen auch spannende Aufgaben an, die nichts mit unseren Kundenprojekten zu tun haben.

  1. Und was genau machst du jetzt?

Ich bin mittlerweile schon wieder über ein Jahr an Board und da hat sich ein bunter Aufgabenmix ergeben, der mir viel Spaß macht: Recruiting-Maßnahmen, Redaktionsplanung für unseren Blog, Erarbeitung und Durchführung mehrstufiger Akquise-Strategien oder die Stärkung unserer Kollegen in Österreich. Denn für die bin ich der Draht in unsere Abteilungen hier in München, was mir besonders Spaß macht.

  1. Was war das herausforderndste Projekt im letzten Jahr?

Die Konzeption und komplette Umsetzung von einem Video-Dreh, bei dem ich mehrere Videos für Bewerber und Interessenten gemacht habe. Vor der Kamera zu stehen war eine neue Erfahrung und auch, was man alles bedenken muss vor dem großen Drehtag, war recht umfangreich. Aber schlussendlich lief alles gut und ich freue mich jetzt sehr auf die Veröffentlichung der ersten Folge.

  1. Auf was freust du dich morgens am meisten?

Achtung, Klischee: Dass ich eine Abwechslung vom Mama-Alltag habe. Und wenn zufälligerweise auch noch Donnerstag ist, dann auf die Lunch-Yoga Stunde von Julia.

  1. Wer ist dein (berufliches) Vorbild?

Ich habe höchsten Respekt vor allen Müttern, die ihre Elternzeit genutzt haben, sich ein eigenes Business aufzubauen. Manche starten einen Blog, andere produzieren und vertreiben Artikel, die sie selbst gerne während der ersten Monate mit Baby gehabt hätten, wieder andere gründen eine Community für Frauen, etc. etc. Schleierhaft ist mir nur, woher man die Energie und die Zeit neben so einem kleinen Wusel nimmt, aber ganz neidlos: Hut ab!