Tag Archiv für "Virtual Reality"

Täglich sind wir einer Flut von Informationen und Content ausgesetzt. Dass dabei mal etwas untergeht oder keine Beachtung geschenkt bekommt, ist nicht selten. Hier kommt das Storytelling ins Spiel. Durch Geschichten sollen Inhalte interessant und ansprechend vermitteln werden.

Allerdings steckt dahinter mehr als nur eine Geschichte; Storytelling ist eher eine Erzähltechnik, bei der ein paar Regeln beachtet und der ein paar „Zutaten“ hinzugefügt werden sollten. Um eine Geschichte möglichst gut erzählen, muss sie vor allem Emotionen vermitteln, kann beispielsweise unterhaltsame aber auch lehrreiche Elemente enthalten. Man erinnert sich leichter an emotionale Geschichten, als an sachliche und trockene Produkteigenschaften. Das Gehirn nimmt es gleich auf, egal, ob man etwas Aufregendes erlebt oder nur dabei zusieht. Inhaltlich setzt sich eine gute Geschichte auch meist aus den folgenden drei Bestandteile zusammen: einem Protagonisten, der einem Konflikt gegenübersteht und schlussendlich eine Lösung dafür findet. Bestenfalls kann sich der Zuhörer mit dem Protagonisten und dessen Problem identifizieren oder Parallelen zu seiner Situation erkennen. Dies erhöht sowohl den Emotionsgehalt als auch den Erinnerungswert.

Neben all der Erzähltechnik sollte natürlich eines nicht vergessen werden: die Kernbotschaft und damit das Kommunikationsziel. Deshalb muss man sich seiner Zielgruppe bewusst sein und sowohl die Art der Geschichte als auch das Kommunikationsmittel auf sie ausrichten. Technische Innovationen bieten hierbei neue Möglichkeiten, Stories zu erzählen und erlebbar zu machen. Hierzu stellen wir euch drei Wege vor, wie eure Story an den Kunden gelangt:

Bei einem location based Storytelling ist der Zuhörer entweder virtuell oder tatsächlich an dem Ort, an dem die Geschichte stattfindet. Mithilfe von Geofencing werden beispielsweise Nutzer ausfindig gemacht, die sich an einem bestimmten Ort der Story befinden und ihnen dann die Geschichte ausgespielt. Der „Experiencer“ (Geschichtenerleber) taucht in die Schauplätze der Geschichte ein und wird somit selbst Teil der Geschichte. Das location based Storytelling bietet sich z. B. sehr gut für Produkte mit touristischem Hintergrund an. Dabei sollte die Geschichte auch immer einen konkreten Bezug zum Ort oder einer Region haben, kann z. B. Schauplätze, Sehenswürdigkeiten und Attraktionen enthalten. Dazu passend können Touren oder spezielle Angebote empfohlen werden, um potenzielle Kunden anzusprechen.

Mit Hilfe von Virtual Reality kann der User in das Geschehen eingebunden werden und diese unmittelbar erleben. Dies stärkt natürlich die Emotionen und den Erinnerungswert und intensiviert somit die Verbindung zum Zuschauer. Virtual Reality ist dabei als Tool zu verstehen, das eine inhaltlich überzeugende Geschichte transportiert. Eine „Einstiegsvariante“ wäre beispielsweise ein 360° Bild oder Video, das man am Desktop mithilfe der Maus oder mobil durch das umherschwenken des Smartphones erkunden kann. Mit einem ergänzenden Voice-Over kann durch die einzelnen Szenen geführt werden und die einzelnen Teile der Story erklärt werden. Aber auch VR-Brillen werden immer massentauglicher und können somit gut für eine Produktkommunikation eingesetzt werden. Produkte, die eher abstrakt sind und zunächst keine große Nähe zum Nutzer aufbauen, können durch Virtual Reality erlebbar gemacht werden: Verschiedene Facetten werden gezeigt, der User kann möglicherweise sogar damit interagieren, Bewegung und Licht ergänzen die Story.

Eine weitere, smarte Art, Geschichten medial schön zu erzählen, ist die der Kontaktdosensteuerung. Dabei bekommt der User bei jedem Kontakt mit einer Kampagne ein inhaltlich anders gestaltetes Werbemittel angezeigt, wodurch eine Geschichte erzählt werden kann. Diese Art von Storytelling wurde beispielsweise im letzten Jahr vom ADAC in Form einer Imagekampagne umgesetzt. Teil der Story waren die vier Buchstaben A-D-A-C, wobei hinter jedem dieser Buchstaben eine Message steckte. So hat man beim ersten Kontakt den Buchstaben A mit der dazugehörigen Message erhalten, bei einem zweiten Kontakt den Buchstaben D. Nach insgesamt vier Kontakten schließt sich dann der Kreis und man hat die ganze Story durchlebt. So hat man schon bei dem zweiten, dritten Kontakt den Erinnerungswert an den ersten, der User beschäftigt sich damit, erkennt eine Verbindung zwischen den Kontakten und begreift, dass es eine Story ist, die er zusammensetzen kann. Das Engagement und der Erinnerungswert werden somit gesteigert.

Kontaktdosensteuerung am Beispiel der ADAC Imagekampagne 2018

 

Eine gute Story mit vielen Emotionen reicht allein nicht aus. Es müssen Wege und Mittel gefunden werden, diese an die Zielgruppe heranzuführen, um die Verbindung zu dieser zu stärken. Die mediale Umsetzung kann dabei auf verschiedene Weise funktionieren, sollte aber immer zum Unternehmen sowie zur Zielgruppe passen.

Coca-Cola hat es bereits bei der Fußball Weltmeisterschaft im letzten Jahr vorgemacht und nun ziehen Unternehmen wie Mercedes, Toyota und Chrysler nach. Sie alle nutzen die Virtual Reality. Nein, die Rede ist nicht von Narnia oder Pandora, sondern von einem neuen Kommunikationskanal, der Unternehmen neue Wege und Strategien für ihre Werbebotschaften eröffnet.

 

Die Virtual Reality ermöglicht das Eintauchen in eine künstliche Welt. So hat Coca Cola bei der letzten Fußball-Weltmeisterschaft ein Virtual Reality-Event veranstaltet, bei dem die Teilnehmer sich im Stadion bewegen konnten, ohne vor Ort zu sein und ohne Eintrittskarte. Und auch Toyota und Chrysler fangen an, sich mit dem neuen Medium auseinander zu setzen und präsentierten auf der New York Auto Show einen interaktiven Fahrsimulator, der dem Fahrer das Gefühl gibt, in einem Actionsfilm als Stuntman mitzuspielen. Dabei geht es nicht nur um die reine Werbebotschaft, sondern um das komplette Erlebnis.

 

So viel Potenzial in dieser neuen Technologie steckt und so viele Welten sie uns auch in Zukunft öffnen wird, birgt die Virtual Reality auch einige Herausforderungen. Denn die Grenzen des neuen Mediums sind noch nicht bekannt und Erfahrungen müssen erst einmal gemacht werden. Wo sind die ethnischen und strategischen Grenzen?

Nehmen wir das Beispiel eines Konzerts der eigenen Lieblingsband: Durch die Virtual Reality können viel mehr Menschen Backstage dabei sein, ohne eine der stark limitierten Backstage-Karten zu erwerben. So kann der Besucher seine Band begleiten, persönliche Einblicke bekommen und den Blick in das Publikum genießen. Und genau in dieser Welt der stummen und uneingeschränkten Beobachter verstecken sich die ethnischen und strategischen Fragen, die die Kommunikationsexperten in den nächsten Jahren noch stark beschäftigen werden. Wann ist die Magie eines Events oder eines Produktes vorbei? Wie sieht es mit der Privatsphäre der Protagonisten aus? Wie viele Einblicke sollte man gewähren, damit die Illusion noch bestehen bleibt? Und dabei ist das Beispiel von einem Konzert noch ein sehr harmloses.

 

Bis die Virtual Reality wirklich als Kommunikationsinstrument im Massenmarkt angekommen ist, werden noch Jahre vergehen. Die Technologie muss sich entwickeln, die Akzeptanz der Gesellschaft muss wachsen und die Preise für diese neue Technik müssen fallen. Aber schon jetzt zeigt sich schon: Die Virtual Reality wird die Kommunikation von Unternehmen in den nächsten Jahren sehr stark prägen. So wie es auch schon Social Media und Smartphones in den letzten Jahren getan haben.