Tag Archiv für "Video Interstitial"

Wenn Techniker sich Produkte ausdenken oder Standards definieren, so lassen sie bei der Namensgebung meist alle Hemmungen fallen und erfinden  Begriffe, die kein Juniormarketer durchgehen lassen würde. Sie verewigen ihren Lieblingshorrorfilm, das Kuscheltier, das sie als Kind vollgesabbert haben oder verunglimpfen den Vornamen ihrer Schwiegermutter. Ähnliches ist den Kollegen beim Internet Advertising Bureau auch bei  der Schöpfung von VAST gelungen, einer Abkürzung, die so scheußlich ist, dass wohl niemand spontan etwas Positives mit dem Begriff verbinden wird.

Dabei ist VAST eine durch und durch begrüßenswerte Neuerung, die der ganzen Branche die Arbeit erleichtern wird. VAST steht für  Digital Video Ad Serving Template und müsste damit eigentlich DVAST heißen – aber das  war wohl nicht wüst  genug. VAST soll helfen, die technische Zusammenarbeit der Marktpartner, das heißt der Websitebetreiber, Vermarkter und Agenturen, im Bereich der  Instreamwerbemittel so einfach (naja, einfach…) und unkompliziert zu machen, wie sie es bei den üblichen Onlinekampagnen auf den Standardwebeplätzen endlich geworden ist.

Die Herausforderung im Bewegtbildbereich ist vor allem die Kommunikation zwischen den Filmplayern und den Adservern. Im Gegensatz zu Standardwerbeformen, die über einen Werbeplatz des Adservers ausgeliefert werden können, muss im Bewegtbildbereich die Werbung über den Player mit Hilfe eines XML Sheet gestartet werden. Um  hier eine reibungslosere Abwicklung der Kampagnen zu gewährleisten stellt VAST einen Standard bereit, der die Kommunikation zwischen dem Player und dem Adserver regelt. Dadurch wird es möglich, dass auch bei Streaming-Videos der Werbespot problemlos durch den Adserver der Agentur oder des Kunden im Redirectverfahren ausgeliefert werden kann. Er muss also nicht mehr physisch beim Vermarkter angeliefert werden, um von diesem eingebaut und ausgeliefert zu werden.  Auch für das Tracking der unterschiedlichsten Filmevents wie SpotStart, SpotStop, SpotCompleted, Replay, Fullscreen und einige mehr, stellt VAST vordefinierte Trigger zur Verfügung, die das Adservertracking dann nutzen kann. Ab diesem Herbst werden alle  namhaften Vermarkter und Videodienstleister in Deutschland VAST im Grundsatz unterstützen, so lauten zumindest die Absichtserklärungen.

Und wir freuen uns  dann schon auf VPAID. Das ist kein revolutionär neues Abrechnungssystem für Pornovideos, sondern die Abkürzung für Video Player-Ad Interface Definition, ebenfalls ein IAB-Standard.  Damit soll es möglich werden auch Interaktionen in Videostreams standardisiert über alle Player und Dienstleister zu steuern, was innovativen Kampagnenideen sicher häufiger als heute zur Umsetzung verhelfen wird.

Keine Sorge, ich möchte mich mit der Überschrift nicht selbst beschreiben, sonst hätte ich wohl „smart“ weggelassen. Aber immer wenn ich das Gefühl habe, alles gesehen zu haben, kommt doch wieder etwas um die Ecke, wo ich mir nur verwundert die Augen reibe. So geschehen bei dem Video-Interstitial, dass mir auf meiner Startseite wuv.de begegnete. Zunächst bleibt festzuhalten, dass die Werbeform zwar unheimlich innovativ daherkommt, aber so gesehen schon ein alter Hut ist und zudem unglaublich nervt (und hier spreche ich als User). Als dann der Ton losvuvuzelate, musste ich allerdings schnell den Mousezeiger hindern, den „Schließen“-Button zu betätigen, denn es war nicht irgendeine Werbung. Nein, es war der (ACHTUNG!) 60-Sekünder, der die Wahl zur Miss Media bewarb.

screen_cormopolitan

60 Sekunden sind natürlich für ein Online-Video eine total übliche Laufzeit. Es ist ja hinlänglich bekannt, dass User im Netz gerne 2-Minüter über sich ergehen lassen, bevor der eigentliche Content startet. Inhaltlich wurde der sehr runde Eindruck dann wunderschön aufgegriffen mit den zwei blonden Damen, die im leicht säuseligen Ton die Features einer Miss Media charakterisieren (stark, smart, sexy soll SIE sein!). Chefredakteurin hin oder her, es ist eine bedenkliche Entwicklung, sich als Heidi für Mediamusen hinzustellen und Frauen zu suchen, die Gucken, Laufen und Präsentieren können.

Sie fragen jetzt zu Recht, ob es nicht vielleicht noch weitere Steigerungen geben kann und ja, in meinem stetig brodelnden Gehirn haben sich bereits die ersten Ideen angesammelt, die ich gerne mit Ihnen teilen möchte. Wie wäre es mit dem Format „Deutschland sucht den Superplaner“, bei dem eine Jury aus anerkannten Experten die Kandidaten auseinandernehmen. Parallel könnte Detlev D. Soost den Delinquenten den Marsch blasen. Alternativ hätten wir noch ein flottes „Bauer sucht Agenturverkäufer Süd“ (Sorry Boris, aber der musste raus). Als finalen Exitus kommt dann „Big Planner“, bei dem zehn ausgewählt unterbelichtete Juniorplaner 100 Tage in ein Büro gesperrt werden und versuchen müssen eine Planung zu erstellen, bei der nur Guerilla, Social Media und Teletext vorkommen und mit den AGOF internet facts hergeleitet werden soll. Währenddessen müssen die Herrschaften schwere Prüfungen bestehen, z.B. ein Häschenkostüm anziehen und im Garten Screenshots suchen oder sich bei DDB als Social Media Manager bzw. Channel Planner bewerben. Ich freue mich jetzt schon und suche nach einem geeigneten Produzenten. In der Zwischenzeit muss ich den Miss Medias leider mitteilen: Es tut mir leid, ich habe heute leider kein Foto für euch!