Tag Archiv für "Teilzeit"

Es ist das Jahr 2023. Mütter und Väter in ganz Deutschland haben Vollzeit-Betreuungsplätze für ihre Kinder. Krankheitsausfälle der Erzieher:innen werden in den Einrichtungen mit links aufgefangen. Arbeitgeber:innen ermöglichen ihren Mitarbeitenden flexible Arbeitsmodelle, die eine eigenverantwortliche Einteilung der Stunden und des Workloads ermöglichen. Die Gesellschaft versteht sich als Familien-zugewandt und übernimmt Verantwortung für eine gemeinsame Zukunft. Es ist ein Leichtes, Arbeit und Familie unter einen Hut zu bringen. Spagate werden nur noch im Sportunterricht gemacht.

Ach ne, sorry. Es muss heißen „es ist das Jahr 2123“… Leider sieht die Wirklichkeit für viele Eltern aktuell nämlich noch nicht wie eben beschrieben aus. Betreuungsplätze gibt es, aber nicht für jeden und in Vollzeit (was soll das überhaupt sein? 8-18 Uhr?) schon mal gar nicht. Krankheitsausfälle des erziehenden Personals werden meistens eher durch die Eltern, als durch die Einrichtungen geschultert – der Personalmangel ist an jeder Ecke überdeutlich spürbar. Flexible Arbeitsmodell gibt es sicherlich für einige Glückliche, aber sie müssen teilweise noch hart erkämpft werden, sind dann eher den Frauen vorbehalten und in vielen Branchen und Bereichen sowieso undenkbar (oder wie viele Führungskräfte, Politiker:innen oder Lehrer:innen kennt ihr, die von sich behaupten können Vertrauensarbeitszeit, Home Office oder Teilzeit sind für sie selbstverständlich umsetzbar?). Von einer familien- oder kinderfreundlichen Gesellschaft möchte ich gar nicht erst anfangen.

Ich denke, bei dieser Perspektive kann ich mich relativ glücklich schätzen, hier in der Mediascale zu arbeiten. Nicht ohne Grund wurden wir 2022 als einer der besten Arbeitgeber für Frauen in Deutschland ausgezeichnet. Klar, nicht alle Frauen sind Mütter und nicht alle Eltern sind Frauen, aber die Schnittmenge ist hier aktuell am größten. Von daher ist diese Auszeichnung für uns ein tolles Signal und eine Bestätigung für unsere Bemühungen, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu fördern.

Es ist ohne Frage ein Spagat, den man als Elternteil zwischen Kind und Karriere vollziehen muss.

Mit unseren flexiblen Arbeitsmodellen wird er aber schon mal etwas leichter. Ob immer im Office, 50% Remote oder aus einer ganz anderen Stadt – von wo wir arbeiten, ist hier primär den Mitarbeitenden überlassen. Eine große Erleichterung, wenn man sich dadurch Wege sparen und die Zeit stattdessen tatsächlich mit Arbeiten oder der Familie (oder auch ganz anderen Dingen, wie bspw. Sport) verbringen kann.

Auch bei der Definition der Wochenarbeitszeit können die Mitarbeitenden mitgestalten. Und das gilt nicht nur für Mütter/Väter. So gibt es bei uns neben der klassischen 5-Tage-Vollzeit-Woche inzwischen mindestens zehn andere Modelle. Von 3-Tage-Wochen mit 15h-20h über 4-Tage-Wochen mit 16h-32h bis zu 5-Tage-Wochen mit 25h-35h ist nahezu alles dabei. Der Kreativität (aka Flexibilität) sind hier kaum Grenzen gesetzt.

Aber deutlich wichtiger als ein flexibles Arbeitszeitmodell im Vertrag stehen zu haben, ist am Ende der tatsächliche Umgang damit. Wie kurzfristig kann ich meine Stunden bei bestimmten Anlässen von einem Tag auf einen andern schieben? Was passiert, wenn ich mein Kind ungeplant früher aus der Kita holen muss? Wie reagieren Kolleg:innen und Vorgesetzt bei Kind-krank oder Erzieher:innen-krank bedingten Tagen? Und im Umkehrschluss natürlich auch: wie groß ist meine eigene Bereitschaft flexibel zu sein und meine Arbeitszeiten, wenn notwendig, punktuell an Terminanforderungen anzupassen?

Wie geht Teilzeit in einer Führungsposition bei der Mediascale?

Vor etwa vier Monaten kam ich aus knapp 1,5 Jahren Elternzeit zurück in meinen Job. Vier Monate jetzt, in denen ich fünf Tage die Woche in Teilzeit auf ca. 80% arbeite. Das sei ganz schön viel, bekam ich von vielen Seiten vorab zu hören. Ob anerkennend, missbilligend oder verwundert, ich glaub es gab viele Meinungen dazu.

Und auch hier habe ich das Glück (eigentlich möchte ich es nicht Glück nennen, sollte es doch meiner Meinung nach eine Selbstverständlichkeit sein), dass wir uns als Eltern die Betreuungszeiten so aufteilen können, dass ich einige Tage in der Woche auch Vollzeit arbeiten kann. Der Spagat findet dennoch statt – in meinem Kopf. Werde ich meiner Tochter gerecht, wenn ich am Tag mehr Zeit im Büro als mit ihr verbringe? An meinen kurzen Tagen wird der Spagat noch größer. Ich merke, dass ich oftmals gehen muss, wenn ich eigentlich noch mitten in einem To Do stecke. Die Frage ist also immer: abbrechen und morgen wieder anknüpfen, wohlwissend, dass ich mich erst mal wieder ein paar Minuten reinfuchsen muss, bis ich auf 100% Leistung bin? Oder länger bleiben und dafür die Zeit, die ich mit meiner Tochter habe (und sie ja auch mit mir), kürzen? Beide Optionen fühlen sich nicht richtig an. Eine Seite kommt immer irgendwie zu kurz.

Falle ich aus, weil meine Tochter oder ihre Erzieherin krank ist, habe ich ein schlechtes Gewissen gegenüber meinen Kolleg:innen, weil ich Termine absagen oder verschieben muss, weil Arbeit liegen bleibt oder weil ich Kund:innen vertrösten muss. In meinen ca. 4 Monaten zurück im Job sind bereits jetzt einige Ausfallzeiten angefallen. Nach Möglichkeit versucht man dann zuhause mit Kind auf dem Schoß doch das eine oder andere zu regeln (klappt nicht so gut, 1,5-Jährige bleiben einfach nicht gerne länger still sitzen…). Aber noch nicht ein einziges Mal habe ich den Eindruck vermittelt bekommen, dass es mir irgendjemand im Büro übelnehmen würde.

Eine meiner größten Herausforderungen ist also wohl, mich selbst von diesem gedanklichen Spagat frei zu machen und darauf zu vertrauen, dass meine Kolleg:innen genau dieses Vertrauen auch in mich haben.

Und dann kommt noch die Balance. Wie ist die für mich richtige Balance zwischen Job, Familie und auch Zeit für mich selbst? Eines ist sie ganz sicher nicht: fix definiert. Aber das war sie auch vor meiner Tochter nicht. Am Ende muss ich hier einfach jeden Tag eine neue, passende Antwort für mich finden.

Im ersten Corona-Jahr gab es bei Mediascale einen Babyboom. Insgesamt sind fünf junge, gut ausgebildete und talentierte Frauen in Mutterschutz und Elternzeit gegangen, um sich den Herausforderungen zu widmen, die das Muttersein so mit sich bringt. Bei damals 49 Mitarbeitenden war das ein Anteil von 10% aller Kolleg:innen, was uns vor eine Herausforderung gestellt hat.

Dennoch freue ich mich über jedes „Mediascale-Baby“, da es mir als Mutter ein besonderes Anliegen ist, dass jede:r bei uns die persönliche Familienplanung mit dem Job in Einklang bringen kann.

Auf den Babyboom folgt das Mütter-Comeback

Für alle Mütter war vor zwei Jahren schon klar, dass sie gerne wieder zurückkehren möchten. Dieses Jahr ist es nun soweit. Wenn die Mütter einen Betreuungsplatz für ihre Kinder bekommen, wofür wir fest die Daumen drücken, planen sie ein Comeback ab Mitte des Jahres.

Hanna Stanka ist bereits als Erste Mitte Februar wieder gestartet und aktuell dabei, sich in der neuen Rolle als Working Mum einzuleben.

Natürlich gibt es neben Hanna und mir mit Agnes Ley, Liza Munding und Vera Jentsch schon einige Working Mums in der Agentur.

Working Mums Lunch

Um auf die individuellen Comebacks gut vorbereitet zu sein, hatte ich die Idee, ein Austausch-Format ins Leben zu rufen. Mitte März sind wir damit gestartet und treffen uns seitdem alle 6 Wochen, um die besonderen Bedürfnisse und Anforderungen von Working Mums im Blick zu haben und uns gegenseitig zu unterstützen. Unser Kreis wird dann hoffentlich im Laufe des Jahres weiter wachsen.

Mütter-Comeback Lunch der mediascale
Lunch der Mediascale Mütter

 

Meine Söhne sind inzwischen 13 und 18 Jahre alt, und mein eigener Wiedereinstieg liegt somit schon etwas länger zurück. Damals war ich die erste Mutter in der Mediaplus Gruppe, die in Teilzeit und zeitweise im Homeoffice gearbeitet hat. Die Zeiten haben sich geändert und dieses Arbeits-Lebens-Modell ist nicht mehr so exotisch wie früher.

Dennoch scheinen einige Hürden immer noch vorhanden zu sein. Ganz besonders dann, wenn es mal nicht optimal läuft. Als Working Mum ist man darauf angewiesen, dass die Kolleg:innen einspringen, wenn man als Mutter gefordert ist. Mit gutem Gewissen sich um sein/e Kind/er zu kümmern und trotzdem eine verlässliche Kollegin zu sein, ist bei allen Müttern, die ich kenne, der hohe Anspruch an sich selbst. Dieser lässt sich nicht immer leicht erfüllen und erfordert auf beiden Seiten viel Verständnis und offene Kommunikation.

Einen Job zu haben, der mir Spaß macht, für den ich mich gerne engagiere und für den ich Anerkennung erhalte, ist für mich neben meiner Rolle als Mutter sehr wertvoll und befriedigend.

Diese Doppelrolle habe ich auch während meiner Teilzeit-Tätigkeit nur sehr selten als belastend empfunden. Ich persönlich habe immer viel Unterstützung und Verständnis erhalten. Dieses gute Gefühl möchte ich jetzt gerne allen Working Mums bei Mediascale ebenfalls ermöglichen.

Das Thema Respekt und Rücksichtnahme hört aus meiner Sicht nicht bei den Working Mums auf. Jeder Mitarbeitende hat persönliche Bedürfnisse, die über den Job hinausgehen. Das können Väter sein, die die Gelegenheit bekommen, ihre Elternzeit zu nutzen sowie Mitarbeitende, die kranke Angehörige pflegen wollen oder eine ganz andere persönliche Herausforderung zu meistern haben.

Mir ist es besonders wichtig, dass wir bei der Mediascale Mensch sein dürfen und Verständnis und Fürsorge füreinander entwickeln. Das ist für mich gelebte Diversität.