Tag Archiv für "Sommerloch"

Dieses Jahr war ich knapp drei Wochen im Sommerurlaub – ohne Mails und ohne Internet. Nach meiner Rückkehr stelle ich mir die Frage: Wie viel verpasst man eigentlich, wenn man mal 3 Wochen offline ist?

Das große Weltgeschehen bekommt man – sofern man nicht gerade in der Wüste oder im Dschungel weilt-  eigentlich immer und überall mit: durch die Headlines der internationalen Zeitungen. Hinzu kommt, dass irgendjemand meistens in der Nähe ist, der einen über vermeintlich Wichtiges auf dem Laufenden hält – so erreichte mich die Nachricht des Todes von Robin Williams auf die gute alte „Hast du schön gehört?“-Methode.

Was in der Ferne tatsächlich komplett an mir vorbei gegangen war: Die IceBucket Challenge. Mittlerweile ist der Hype ja schon wieder am Abflauen, aber mal schauen, vielleicht mache ich bei der Aktion Hummus not Hamas mit!

Und was hat die Branche bewegt? Ein Blick in meinen Posteingang zeigt vor allem: Unzählige Einladungen zur dmexco. Der Branchentreff wirft seine Schatten voraus!

Und: Bild-Text-Kombinationen wurden in meiner Abwesenheit umbenannt – man sagt jetzt „Native Ads“ dazu. Hört sich einfach besser an :)

Was verpasst man nun also in drei Wochen? Aus meiner Sicht: Gar nicht so viel! Und das denken sich auch die Manager bei Daimler Benz, die eine Möglichkeit eingerichtet haben, die den Mitarbeitern das lästige Lesen der Mails während, aber auch nach dem Urlaub erspart. Mails, die während des Urlaubs ankommen werden einfach gelöscht… natürlich mit entsprechendem Hinweis und alternativem Ansprechpartner.

Wohl dem, der die Sommermonate für Ferien, Müßiggang und Erholung nutzen kann, passiert doch in Politik, Medien und Werbewirtschaft in der Regel nichts von Belang, abgesehen von alljährlichen Suchen nach vermeintlichen Alligatoren in deutschen Baggerseen oder unerklärlichen Benzin-Preiserhöhungen zur Reisezeit. Dem geneigten Leser kann ich allerdings versichern: Der Schein trügt! Hinter den Kulissen laufen speziell im Online Werbemarkt die „Saisonvorbereitungen auf Hochtouren“… Sie verzeihen die Fußball-Metapher, doch es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, vergleicht man die aktuellen Vorgänge in der Online Werbebranche mit der deutschen Bundesliga.

Jedes Jahr im Sommer versuchen die Vereine (Vermarkter) fieberhaft, möglichst günstig ihren Kader (Portfolio) aufzurüsten. Den vorläufigen Höhepunkt erreicht diese Hysterie (Vereine und Vermarkter) Ende August. Bei den Vereinen endet die offizielle Transferperiode und bei den Vermarktern steht die dmexco vor der Tür. Das heißt, irgendwie muss man ja die Neuzugänge noch mit einem Preisschild versehen und ungeliebte Ladenhüter möglichst der Konkurrenz andrehen.

Nachdem ja nun schon seit einiger Zeit die AGOF internet facts auf Einzelmonatsbasis erhoben werden, hat sich ein regelrechtes Wettbieten um die letzten verbliebenen Unique User etabliert. Es führt dazu, dass einzelne Publisher und vermeintlich kleinere Verlagshäuser oder Portale immer häufiger und in immer kürzeren Abständen ihre Vermarktungspartnerschaften wechseln. Da Internetnutzer ein endliches Gut sind, kann nur wachsen, wer andere im Verdrängungswettbewerb aussticht, was in teilweise völlig abstrusen Transfers (Vermarktungswechseln) endet.

Wenn also in der Liga gilt „Geld schießt keine Tore“, heißt das dann in unserer Branche nicht umgekehrt „Garantiesummen für Publisher sichern nicht zwangsläufig den Erfolg in der Vermarktung“? Vielleicht haben Sie ja noch ein Juwel aus der dritten Liga für uns, das alle Erstliga-Scouts bislang übersehen haben.

Da ist man mal zwei Wochen im Urlaub, entspannt sich unter Italiens Sonne und was passiert? Nicht viel, es ist ja auch Hochdruckgebiet und Sommerloch angesagt! BP kann weiterhin nicht dichthalten, CDU-Politiker sagen mal leise, mal laut „Servus“ und in Bayern rauchen wir demnächst nur noch unter Brücken und in den dafür vorgesehenen Containern am Flughafen. Nebenbei ist Herr Kaiser dem Melitta-Mann endlich ins Rentnerdasein gefolgt und ist laut Damenwelt durch einen attraktiven jungen Herrn ersetzt worden. Genauso sollte das neue iPhone ja auch die Vorgängergeneration ersetzen, hat aber leider nicht den dafür notwendigen Empfang. Die vorgeschlagene Abhilfe in Form einer Gummihülle ist dabei schon eine wirklich bahnbrechende Entschädigung. Die Tendenz, dass der Endkonsument häufig der Beta-Tester ist (was Apple aktuell eigentlich gar nicht nötig hat), hat sich ja schon vor Jahren auch durch andere Unternehmen etablieren können. Nun aber wird dem die Krone aufgesetzt, indem eine doch sehr zweitklassige Lösung als Stein der Weisen verkauft wird.

Ich hätte da noch ein paar Vorschläge für andere Unternehmen um ähnlich souverän durch die raue See zu segeln: BP könnte allen Anwohnern der Golfküste einen Liter frisches Mineralwasser schenken, Facebook jedem Nutzer ein eigenes ganz persönliches Passwort geben, dass nur er kennt (und Facebook natürlich) und die Bahn schenkt jedem Reisenden in einem unklimatisierten ICE ein Wassereis (ich würde „Flutschfinger“ oder „Capri“ vorschlagen).

Zu guter Letzt hätte ich auch noch gerne eine Art TV-Gummi, welcher uns vor der Vielzahl schlechter Formate schützt. Die wiederum stören mich schon, wenn ich sie nur im Newsletter oder in der Programmzeitschrift zur Kenntnis nehmen muss. Das Gummi muss aber – im Gegensatz zu der Apfelschale – einen wirklich sichern Schutz gegen Bauer Heinrich und Tine Wittler (vgl. Alien vs. Predator), Abnehmshows (!) mit Vera Int-Veen(!) und E-Promi-Massaker mit …, ach ist ja auch egal wer den Quatsch moderiert, bieten. Hier ist die Passform also entscheidend, wie die Bravo bereits trefflich festgestellt hat. Alternativ könnte von Anfang an wiederum die Erdölindustrie als mahnendes Beispiel dienen, denn derartige Katastrophen würden mit einem Blow-Out-Preventer gar nicht erst entstehen. Ich bin mir sicher,  (denkender) Mensch und Natur wünschen sich nichts sehnlicher außer vielleicht noch ein fröhliches Hitzefrei.