Tag Archiv für "Second Screen"

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Die Begriffe der Screen-Nutzung haben sich in den vergangenen Jahren stark gewandelt und sich auch dem veränderten Nutzungsverhalten angepasst. Heute soll diese Entwicklung im Laufe der Zeit einmal näher betrachtet werden.

 

Dafür ist es notwendig einmal zurück zum Beginn der TV-Nutzung zurückzugehen. Dem ursprünglichen First-Screen. Mit der ersten Übertragung von bewegten Bildern in den 1920er Jahren ist die Televisionstechnik für die damalige Zeit als neuartiges Medium einzuordnen. Hieraus entwickelten sich das heutige Fernsehprogramm, wie auch die Technik für Kinovorstellungen. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ist durch den andauernden technischen Fortschritt das heute bekannte Internet entstanden. Als wichtige Grundlage dafür ist die Verbreitung und Verfügbarkeit von Telefon-Breitbandanschlüssen zu sehen. Zu Beginn des aktuellen Jahrtausends kamen dann die ersten Smartphones hinzu, deren Verbreitung in Deutschland vergangenes Jahr bei über 46 Mio. lag. Tendenz weiter steigend.

Durch die Entwicklung der verschiedenen Medien hat sich auch die Mediennutzung gewandelt. Besonders deutlich zu sehen ist es in den vergangenen 20 Jahren durch das Internet. Ein Vergleich der Nutzungsdauer von Fernsehen, Hörfunk und Internet über einen Zeitraum von mehr als zehn Jahren durch die Online Studie von ARD und ZDF weist eine starke Steigerung im Bereich des Internets auf.

Es zeigt sich auch, dass die Nutzung dieser Medien in ihrer Gesamtheit in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen ist. Von knapp sieben Stunden im Jahr 2000 auf über neun Stunden in 2014. Da allerdings feststeht, dass die verfügbare Zeit für die Nutzung mit 24 Stunden je Tag konstant geblieben ist, lässt sich folgern, dass verschiedene Medien mit hoher Wahrscheinlichkeit auch parallel genutzt werden.

Dabei wird eines der Medien als Hauptmedium gesehen, während alle weiteren unter den Begriff der Begleit- bzw. Hintergrundmedien fallen. Beispielsweise wird morgens die Tageszeitung gelesen und gleichzeitig Musik über das Radio konsumiert. Dabei gilt das Medium Print als Hauptmedium und die Radionutzung erfolgt über das Hintergrundmedium. Die Unterscheidung zwischen Haupt- und Hintergrundmedium ist dabei allerdings nicht immer eindeutig zu treffen. In der Regel wird das Medium, welchem die höchste Aufmerksamkeit der Nutzer zuteil wird, als Hauptmedium gesehen. Im aufgezeigten Beispiel der Parallelnutzung von Tageszeitung und Radio gilt das Lesen der Zeitung als Beschäftigung mit dem Hauptmedium, da der Nutzer den Großteil seiner Aufmerksamkeit darauf verwendet.

Unsere heutige Mediennutzung ist häufig auch an die Verwendung mehrerer Screens gekoppelt. Ob lineares TV oder Pay-TV, Radionutzung über Streaming-Apps, Mobile oder Digital OOH. Dadurch hat sich in den vergangenen Jahren der Begriff Second-Screen-Mediennutzung etabliert. Damit war zuerst die Parallelnutzung von TV und Internet gemeint. Im Allgemeinen wurde davon ausgegangen, dass TV als erster Screen anzusehen ist und somit das Hauptmedium bildet. Dies ist vor allem auf die langjährige Etablierung des Mediums TV im Nutzungsverhalten gegenüber den neueren Onlinemedien zurückzuführen. Ein weiterer Aspekt, warum TV als First-Screen gesehen wird, liegt in seiner Größe. Die Oberfläche eines TV-Bildschirms ist denen eines stationären PCs oder Laptops deutlich überlegen.

Dabei umfasst die Second-Screen-Nutzung nicht nur die Verwendung des zweiten Bildschirms mit Thematiken, die eine direkte inhaltliche oder technische Verbindung zum Fernsehprogramm aufweisen. Vielmehr werden auch abgerufene Inhalte die nichts mit dem aktuellen TV-Programm zu tun haben damit beschrieben. Voraussetzung für die Second-Screen-Nutzung ist demnach lediglich die parallele Nutzung eines Mediums über einen zweiten Bildschirm unabhängig von den konsumierten Inhalten auf den beiden genutzten Geräten. Bei dem Abruf von E-Mails über ein Endgerät und dem gleichzeitigen Konsum von TV-Inhalten, fällt dieser Vorgang ebenfalls unter den Nutzungsbegriff der Second-Screen-Nutzung.

Der Begriff des zweiten Screens sollte sämtliche digitalen Endgeräte mit einschließen, nicht mehr nur den stationären PC oder Laptop. Ob Spielekonsole, Tablet, Smartphone oder Wearable überall wird ein Screen für die Nutzung eines Mediums verwendet. Damit zeigt sich, dass der Begriff Second-Screen mittlerweile nicht mehr ausreicht um die aktuelle Mediennutzung zu beschreiben. Daher spricht man heute von eher einer Multi-Screen-Mediennutzung. Damit ist die gleichzeitige Nutzung von mindestens zwei Endgeräten gleichzeitig gemeint.

Man kann also sagen, dass es von der ersten TV-Nutzung in den 1920er Jahren bis zur Second-Screen-Nutzung zu Beginn des aktuellen Jahrtausends fast 80 Jahre gedauert hat. Der Sprung zur Multi-Screen-Nutzung hingegen keine zehn Jahre. Wir sind gespannt, wie es weitergeht.

Fernsehtechnisch hat sich ja so einiges getan die letzten Jahre. Statt in die Röhre zu gucken, schauen wir jetzt stattdessen auf einen Flatscreen. Aber wie wir ja alle wissen, zählen nicht nur die optischen Werte, sondern das was drinsteckt. So auch bei unserem besten Freund dem Fernseher, der uns im Schnitt täglich 192 Minuten begleitet. Eine integrierte Internetfunktionalität bei neueren TV-Geräten ist bspw. inzwischen Standard und macht ruck-zuck aus einem herkömmlichen TV einen Smart TV. Für alle TVs die noch nicht „smart“ sind, gibt es natürlich auch eine Lösung: sogenannte OTT (Over the top)-Geräte wie den Amazon Fire Stick oder Apple TV. Zusammengefasst fällt alles unter den Begriff „Connected TV“.

Für uns als Mediaagentur ist die Verschmelzung von DEM klassischen Medium TV mit dem Internet natürlich nicht ganz uninteressant. Es eröffnen sich immerhin ganz neue Möglichkeiten der Vermarktung aber auch der Messung des Fernsehverhaltens. Als Planer muss man sich auf eine veränderte Fernsehnutzung, neue TV-Nutzerprofile und teilweise noch unerforschte Werbewirkungen einstellen. Die Studie „Smart TV Insights 2015“ hat hinsichtlich dieser Punkte interessante Erkenntnisse ermitteln können. So fällt bspw. ein großer Teil der Fernsehnutzungszeit bei Smart TVs auf On-Demand-Inhalte (32 Prozent), dabei ist die „Fernsehen“-Dauer von Smart-TV-Besitzern sowieso schon länger als die von Besitzern anderer TV-Geräte.
Die beliebtesten Apps auf Smart TVs sind Film- und Serienapps, gefolgt von Musik- bzw. Radioapps und Newsapps. Videospiele, Social Networking und Onlineshopping wird dagegen weniger intensiv genutzt. Die Primetime liegt tatsächlich wie beim klassischen TV auch zwischen 20 und 23 Uhr. Analog zum Nutzerprofil des Onliners ist auch der typische Smart-TV-Besitzer eher jünger, gebildeter und hat eine höhere Kaufkraft als der Nicht-Smart-TV-Besitzer (hier: NSTVB): 78 Prozent sind zwischen 15 und 49 Jahren (NSTVB: 71 Prozent), 60 Prozent haben ihr Abitur/Fachabitur gemacht (NSTVB: 55 Prozent) und das jährliche HH-Netto-Einkommen liegt bei 51 Prozent über 38.000 € (NSTVB: 40 Prozent). Die Ergebnisse der Studie belegen außerdem, dass Werbung auf Smart-TV-Plattformen hohe Aktivierungswerte erzielt.

 

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Quelle: Smart TV Insights

Werbung auf einer Smart TV Plattform hat also einen Einfluss die Kaufabsicht, das Kaufverhalten aber auch auf Kaufempfehlungen.

Die Möglichkeiten der Werbevermarktung selbst haben sich durch Connected TVs deutlich gesteigert, so bieten neben Smart TV Portalen und dem Second Screen auch  HbbTV (Hybrid Broadcasting Broadband TV) zahlreiche Chancen für Werbetreibende, sowohl relevant als auch interaktiv an den Zuschauer heranzutreten. Viele Fernsehvermarkter konzentrieren sich noch hauptsächlich auf die Möglichkeiten von HbbTV. Inzwischen bieten ca. 100 Sender zusätzliche Inhalte an, die über den sogenannten „Red Button“, der Fernbedienung im jeweiligen Programm abgerufen werden können. Dabei handelt es sich um eine Schaltfläche, meist in Form eines Banners, die beim Einschalten eines HbbTV-fähigen Senders erscheint und den Zuschauer bspw. auf eine Microsite weiterleitet.

Quelle: SevenOneMedia
Quelle: SevenOneMedia

 

Somit gibt es einige Vorteile von Connected TV: Werbung wird adressierbar und unabhängig vom Ausstrahlungszeitpunkt des TV-Spots. Tendenziell sitzen mehrere Personen gemeinsam vor dem Fernseher, d.h. man erreicht mit der Ausstrahlung eines Werbespots im Schnitt zwei bis drei Personen. Die Zielgruppe ist mit der Online-Zielgruppe vergleichbar, sie ist äußerst attraktiv, sieht im Schnitt länger fern ist aber über den klassischen TV-Kanal schwer erreichbar. Durch internetfähige TV-Geräte wird allerdings gezieltes Targeting, Frequency Capping aber auch die Ausweisung erforderlicher Messgrößen möglich gemacht.

Der Absatz von Smart TVs im deutschen Markt steigt zwar stetig, trotzdem bildet Deutschland im europäischen Vergleich noch das Schlusslicht. Hier wurden 2013 nur 58 Prozent der internetfähigen  Geräte auch tatsächlich mit dem Internet verbunden. Teilweise wissen Besitzer eines Smart TVs noch nicht einmal, ob sie ein solches Gerät besitzen. Ein wichtiges Kriterium für die Nutzung eines Smart TVs ist die Bedienerfreundlichkeit, diese ist aber für viele Konsumenten noch nicht zufriedenstellend. Auch die Themen Datensammlung und Datenmessung sind noch in den Anfängen und nicht mit dem Stand von Online vergleichbar. Ein Problem ist hier auf jeden Fall die Verlinkung auf Microsites statt der Verlinkung auf bestehende Kundenlandingpages und die damit verbundene Einschränkung der Datenmessung.

Connected TV ist also eine großartige Gelegenheit für die Werbeindustrie, da es auf der einen Seite  die veränderten Sehgewohnheiten der Konsumenten vorteilhaft nutzen kann und auf der anderen Seite zukünftig eine Messung ermöglicht, wie sie online schon gang und gäbe ist. Der Markt ist allerdings noch in den Kinderschuhen und Werbegelder sitzen diesbezüglich noch nicht so locker. Doch die Digitalisierung der Gesellschaft ist in vollem Gange, der Boom des Smart-TV-Absatzes wird weiter anhalten und die Mediaindustrie das Potential ausschöpfen.

Im letzten Teil der Reihe zum Thema Mediennutzungsverhalten widmen wir uns der Parallelnutzung. Damit ist zumeist gemeint, dass neben dem Fernsehprogramm ein weiteres, digitales Medium genutzt wird. Das kann das Handy sein, der Laptop, der stationäre PC oder auch ein Tablet. Neben dem Begriff Parallelnutzung hört man auch oftmals das Wort Second Screen – eine klare Definition der beiden Begriffe hat IP Deutschland in der Studie „Kartografie von Bewegtbild 4“ gegeben:

Von Parallelnutzung spricht man immer, wenn neben dem Hauptscreen (Fernseher) ein weiterer Screen genutzt wird – egal ob zum Mails checken, shoppen oder recherchieren. Laut einer Studie der Sevenonemedia nutzen über 68% der Deutschen Medien parallel. Und wie nicht anders zu erwarten: Bei den jüngeren Zielgruppen der 14-29jährigen sind es sogar durchschnittlich 81%.

Von Second Screen spricht man, sobald der zusätzliche Screen in seiner Nutzung einen TV- oder Formatbezug hat. Beispiel: Im Fernsehen läuft Germany´s Next Topmodel und parallel dazu erfolgt ein Austausch zur Sendung über etwa Facebook oder Twitter. So genannten „talk of town“ Sendungen wie „Let´s dance“, „Superstar“, etc. rufen dabei eine besonders hohe Parallelnutzung hervor.

In der Werbung wird die Nutzung des Second Screen in einigen Kampagnen aktiv herbeigeführt, z.B. um Zusatzinformationen für den User bereit zu stellen, wie im Beispiel von Toyota:

Parallel1Fernsehsender wie z.B. RTL bieten zu ausgewählten Formaten Zusatzinfos – im Fall von RTL in der RTLInside App. Aber auch die öffentlich-rechtlichen Sender bieten hochwertigen Zusatzcontent auf dem Second Screen. So zum Beispiel gesehen während der WM in Brasilien: In der App gab es 20 frei wählbare Kameraperspektiven parallel zum Fernsehbild abzurufen.

Parallel2

Hier geht es zum Teil I – Mediennutzungsverhalten

Hier geht es zum Teil II – Mediennutzungsverhalten: Junge Zielgruppen

Hier geht es zum Teil III – Mediennutzungsverhalten: Mobile

Think-performance-google-2010

Google, naja ihr wisst schon, diese Suchmaschine, dieser Technologieanbieter, der Handyhersteller, dieses Unternehmen, das Betriebssysteme für Smartphones und Tablets liefert, diese Videoplattform, der Vermarkter für Displaywerbung, die Socialplattform, der Appstore, etc. hat uns zu ihrem Event im Haus der Kunst in München – quasi P1 – eingeladen. Was glaubt Ihr worum es ging?

Genau: Es ging um Big Data, Customer Journey, Mobile, Internationalisierung, Multi-Screen-User, Programmatic Buying und Fussball. Das Übliche also. Keine Ahnung, wie viele Gäste eingeladen wurden, gefühlt waren 1000 Menschen anwesend. Ich hatte auch das Gefühl, dass es sich eher um eine Verkaufsveranstaltung von Google an Unternehmen direkt handelt. Gut, es waren auch einige Agenturen eingeladen, aber angesprochen wurden dann doch die Unternehmen. Es war ein Mix an recht einfach gehaltenen Vorträgen von Google Spezialisten und Kunden (also Fallbeispielen mit Google), in einem stetigen Wechsel von englisch und deutsch, die immer von einem Beatbox-Duo eingeläutet wurden, mit dem Ziel, den Zuhörer von Google zu überzeugen. Bevor ich es weiter ausschmücke eine kleine Zusammenfassung: Wer in Zukunft als Unternehmen bestehen will, muss alle Daten erfassen, ob Online oder Offline, er muss sein Geschäft ins Ausland expandieren und sein Geschäftsmodell sinnvoll auf mobilen Endgeräten abbilden. Sonst kann er gleich einpacken…

IMG_0551So, und jetzt mal die Disziplinen einzeln unter die Lupe genommen:

(Big) Data

Daten, Daten, Daten… Das ist wahrlich nichts Neues im Zusammenhang mit Google. Zuletzt wurde ja sogar gerichtlich entschieden, dass Google damit aufhören soll, alle Informationen zu speichern und vereinzelt das Recht zur Löschung von bestimmten Daten gewährleistet werden soll. Das spricht aber natürlich gegen Google’s Credo: Jedem, alle Informationen, wo auch immer man ist – quasi universell – zugänglich zu machen. Das bedeutet: Alles was Google finden kann, soll jedem zur Verfügung gestellt werden. Ein nobles Unterfangen. Wie wir alle wissen, klappt das nicht so wirklich und ein solches Credo von einem Unternehmen, welches nur aus Geheimnissen besteht, ist auch etwas fraglich. Wurscht, ich möchte heute keine moralischen Fragen der Gesellschaft erörtern, sondern über das Event berichten ;).

Zum Thema zurück. Google’s Auffassung – die ich auch teile –  ist, nur wenn man weiss, was man richtig oder falsch macht, führt das zu einer Verbesserung. Herausfinden, was man richtig oder falsch macht, kann man für gewöhnlich mit Daten. Allerdings müssen hierzu die Daten auch komplett und einheitlich sein. Da sehr viele Marktteilnehmer das nicht mal mit ihren Online Daten hinbekommen, wird es ungleich schwieriger auch noch Offline Daten in Auswertungen zu bekommen. Big Data, Budget Allocation und Attribution Modelling sind hier die Buzzwords der letzten Zeit. Wir arbeiten natürlich intern auch an Lösungen, mit denen Unternehmen ganz genau wissen mit welcher Maßnahme, welche Werbewirkung, welche Umsätze über welche Kanäle erzielt werden können, bevor sie stattfinden. Puh, schwierig …noch. Der Grundgedanke ist genial, aber noch mangelt es an der Umsetzbarkeit. Wie schön wäre es, wenn ein Budget zur Verfügung steht und durch Angabe von wenigen Zielen adhoc ein Mediaplan rausspringt. Der Traum eines jeden Marketing Teams. Google versucht hier mit seinem eigenen Produkt zu Punkten: Google Analytics bzw. Google Analytics Premium bzw., wie sie es nannten, Universal Analytics. In den gezeigten Cases, kann man sehen, wie zumindest Daten gesammelt werden können. Daten zu Endgeräten, Kanälen, Ländern und Daten aus dem stationären Handel. Natürlich sind die Fallbeispiele relativ einfach, aber irgendwo muss man ja anfangen.

Im Grunde unterstützen wir diesen Grundgedanken, aber noch ist es nicht das, was wir unter Attribution Modelling verstehen. Mit einem guten Data-Warehouse-System und einem stringent geführten Datenerfassungssystem, bekommt man diese Auswertungen mit recht viel anderen Analyse Tools auch hin. Uns interessiert eher die Art der Auswertung und die daraus folgenden Schritte und das alles am besten automatisiert.

Was uns zum Nächsten Agendapunkt bringt:

Programmatic Buying

Dazu kann ich nur sagen, schön, dass alle nun erkannt haben, was Google schon seit einer halben Ewigkeit bereits über das Google Display Network anbietet: Auktionsbasierter Einkauf nach vorgegebenen Zielgruppen. Auf dem Event wurde das Thema natürlich weitergesponnen und bringt das erste Thema Data mit Programmatic Buying zusammen. Man möge sich vorstellen, dass ein System ständig alle Daten erhält und durch Echtzeitauswertung Media einkauft. Alles automatisch natürlich. Da stellt sich die Frage, ob es überhaupt noch Marketing Personal benötigt, völlig egal, ob auf Kundenseite oder Agenturseite. Wir werden dann alle nicht mehr nötig sein, da man ja auch keine Strategen oder Einkäufer braucht. Na ob sich da mal Google nicht verschätzt? Aber wie soll man auch die Weltherrschaft erlangen, wenn man nicht in Utopien denkt.

Jetzt erst mal zu einem aktuelleren Part:

Mobile

Hier ist sich wieder jeder einig. Das was seit Jahren angekündigt wurde – man konnte es schon nicht mehr hören – hat sich nun mehr als nur etabliert: Der mobile Markt. Zwar wird noch ein bisschen darüber gestritten, ob Tablets nun dazugehören oder nicht, aber mit der rasanten Zunahme an Samrtphones sind auch dementsprechend die Nutzung, Verweildauer und damit auch beachtliche Werbebudgets in diesem Segment untergekommen. In manchen Ländern und Industrien teilweise schon über den Budgets für Desktop. Ich denke das kann man auch sehr gut nachvollziehen, jeder hat so ein Ding. Laut Google aber eben noch nicht überall und auch noch nicht mit einer zufriedenstellenden Geschwindigkeit. Auch die Geräte können noch an Funktionalität und Design zulegen. Man konnte aber schon erkennen, dass Google hier neben der textlichen Suche und ihrer Videoplattform YouTube versucht ein drittes Standbein aufzuziehen. Nach Android, dem Kauf von Motorola, dem Launch von Google Play, den Nexus Geräten, hätte es dann jeder mitbekommen müssen, wo der Technologiegigant sich unter anderem etablieren und noch mehr Brötchen verdienen will. Die Beiträge kann ich sehr kurz zusammenfassen. Wer dachte, dass Mobile ja eh nur 10% des Traffics ausmacht und über mobile Endgeräte sowieso kein Umsatz generiert wird, der kann aktuell nur sagen, „HILFE, wir brauchen sofort eine mobile Webseite über die man abschließen kann“. Denn in den Fallbeispielen, bei denen es übrigens nicht um Soft-Conversions ging, konnte man erkennen wie groß bereits der Anteil an Abschlüssen ist. Noch ist das Segment nicht ganz „sauber“, da es unter das nächste Buzzword Multiscreen fällt und damit sich auch wieder die Datenerfassung und Werbeauslieferung erschwert. Aber ich denke es wird einfacher sein, hier einen Weg zu finden eine Multi-Screen-Customer-Journey zu erfassen, als eine in stetigem Wechsel zwischen Online und Offline. Also, nix wie ran an eine sinnvolle, performante, vielleicht ein wenig abgespeckte mobile Präsenz und Bewerbung.

Zukunft und Internationalisierung:

Über die Zukunft von Google lässt sich schwer etwas sagen. Das Unternehmen gehört zu den innovativsten seiner Zeit. Selbstfahrende Autos, Häuser und Wohnungen, die automatisiert geregelt werden, komplette Netzabdeckung mit Hotspot-Ballons, etc. Die Zukunft für Unternehmen sieht Google auch in der Internationalisierung und Globalisierung.  Google nennt hier ganz klare Expansionsziele: BRIC und SMIT, also Brasilien, Russland, Indien, China und Südkorea, Mexiko, Indonesien und Türkei. Das ist jetzt natürlich auch nix Neues, aber auch von Google noch mal die Bestätigung, dass auch Google in diesen Ländern massiven Zuwachs allein schon wegen den Userzahlen und der unglaublich schnellwachsenden Kaufkraft erkennen kann.

Zum Ende gab dann noch ein bisschen Fussball zum Ausklang, Vorschau Pokal Finale und WM mit Stefan Reuter. Hier wollte man wohl den Bogen spannen zu Performance, die nur durch harte Arbeit und Talent zu Erfolg führt und einem nicht einfach in den Schoß fällt.IMG_0553

Es war ein ganz rundes Event, bei dem ich jetzt kaum Neuigkeiten mitnehmen konnte, aber eben einige Bestätigungen, in welche Richtung es geht bzw. gehen könnte.

 

Gerade vermelden die Marktzahlensammler von Nielsen Media Research für den September 2012 neue Rekordwerte: „Der Deutsche Online-Werbemarkt wächst wie nie“ titelt wuv.de.Das aktuelle Hoch ist doch mal ein guter Anlass, unsere Experten zu befragen, wer oder was die Onlinewerbung bis 2022 bedrohen kann. Ist es der „übertriebene“ Datenschutz in Deutschland? Sind es störrische Nutzer, die sich mit Camouflage Software gegen Tracking wehren? Oder monopolistische Tendenzen?

Allzu viele Argumente für eine Bedrohung sehen unsere Experten nicht, aber lesen Sie selbst.

 

Alexander Erlmeier

Alexander Erlmeier (Country Manager DACH, ICQ): „Externe Bedrohung: die extreme Zunahme und substituierende Nutzung des Second Screen sowie dessen unzureichenden und unkreativen Vermarktungsansätze.Hausgemachte Bedrohung: Unprofessionalität im Bereich klassische Display Werbung. Die Preisfindung und Mediaplanung muss sich dem Diktat der messbaren Performance unterstellen. Die Performance muss nicht notwendigerweise unmittelbar messbar sein. Sie darf und soll sogar mittelbar auf die Währung Branding einzahlen; eben aber zielgruppengenauer, messbar und preisgerecht.“

Doris Eichmeier

Doris Eichmeier (Content-Strategin): „Die Nutzer, weil sie Werbung leid sind. Sie fordern vor allem nützliche Inhalte, Orientierung und Storytelling rundum Marken und Produkte – am besten in Echtzeit. Marketer müssen ,Werbung‘ neu definieren.“

Ruth Schöllhammer (Schöllhammer Beratung): „Die Werbung an sich verliert an Bedeutung. Erfolgreiche Unternehmen unterhalten und informieren ihre Besucher und sprechen mit ihren Kunden und lassen Fans mitreden.“

 

Thomas Port

Thomas Port (Geschäftsführer, SevenOne Media): „Alles ist trackbar. Die Datenschutz-Insel Deutschland wird sich nicht halten lassen.“

Thomas Hohenacker (Inhaber Malte Media): „Nur sie selbst, die Werbeformen müssen sich ständig neu erfinden.“

Ulrich Schmidt (Managing Dircetor, ad pepper media): „Die Konsolidierung und Monopolisierung von Auslieferungs- und Buchungskanälen. Das geht auf Kosten der Innovation, Vielfalt und Marge.“

Harald Kratel

Harald Kratel (Geschäftsführer, Madaus, Licht + Vernier Werbeagentur): „Der Umgang mit Daten. Wir werden Fälle erleben, wo Leute ausspioniert wurden und Skandale ans Licht der Welt gebracht wurden, die dazu führen werden, dass User sich eine ,Camouflage-Software‘ zulegen werden, und dann ist alles Targeting nutzlos!“

Catharina Wilhelm (Leiterin der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, DeutschlandCard): „Neue „intelligente“ Technologien, die die Menschen anderweitig steuern werden.“

 

Torsten Ahlers

Torsten Ahlers (CEO, Next Audience): „Übertriebener Datenschutz.“

Klaus Täubrich (Geschäftsführer, TVzweinull): „Nur dass unser Vertrieb schwächelt und dass Europa auseinanderbricht.“

Eric Hofmann (Marketingleiter Fashionation): „Eine Bedrohung sehe ich nicht. Wenn es Verdrängung gibt, dann durch neue Werbeformate, die wir heute noch gar nicht kennen – vorzugsweise aus dem Bereich Mobile.“

Die Frage, wie hoch der Budgetanteil von Digital/Online in zehn Jahren sein wird, hatten unsere Experten in der vorigen Folge beantwortet.

Haben Sie auch eine Prognose, Meinung oder einen klaren Blick in die Zukunft? Oder wollen Sie bei der nächsten Frage der Woche dabei sein? Dann einfach Kommentar hinterlassen oder eine formlose Mail an presseanfragen@mediascale.de schicken.

Wir haben ja im August schon mal das Thema Social TV gestreift, uns damals aber eher auf die technischen Aspekte konzentriert. Heute fragen wir nach, wer auf dem Second Screen die Hosen anhat und das Rennen macht. Also: Wer erzielt wirklich Reichweite? Die Sender, die Eigentümer oder Lizenznehmer der Programme sind, mit eigenen programmbegleitenden Applikationen? Soziale Netzwerke wie Facebook & Twitter, wo wir schon seit längerem von „Tatort“ über „Wetten, dass“ bis „Berlin Tag& Nacht“ alles mehr oder minder ungefragt kommentieren? Gerätehersteller wie Samsung oder LG bzw. Apple-TV oder Google-TV? Senderübergreifende Social TV Communities wie Zapitano oder couchfunk, die eine eigene Fangemeinde binden? Wem Wolfgang Bscheid, Geschäftsführer von mediascale, die größten Chancen auf dem Second Screen einräumt, erfahren Sie in der aktuellen Folge von “Bscheid gsagt”:

 

 

Weitere Folgen von Bscheid gsagt gibt es im YouTube-Kanal von mediascale.

Vera Günther

Heute gibt es endlich mal wieder ein Klartext-Interview. Die Fachjournalistin Vera Günther spricht über den Unterschied zwischen PR und Journalismus, lässt sich gerne von Blogs inspirieren und verrät uns, welche App auf ihrem Smartphone am meisten genutzt wird.

1. Frau Günther, Sie sind freie Fachjournalistin in der Online-Branche. Welches digitale Thema beschäftigt Sie zurzeit am intensivsten?

Das verzweifelte Bemühen, mit den Entwicklungen Stand zu halten. Die gesamte digitale Welt wächst zusammen. Radio funkt im Internet, Plakate verbinden sich mit Smartphones, die wiederum dienen als Second Screen, während ich fernsehe. Bewegte Bilder auf jedem Kanal und riesige Datenmengen, die über Auktionsmodelle oder Ad Trading den Besitzer wechseln. Dazu immer wieder neue interaktive Werbeformate und Diskussionen über Mediawährungen. Ich weiß gar nicht, mit was ich mich momentan zuerst beschäftigen soll.

2. Sie haben nicht nur als Journalistin, sondern auch als PR-Fachfrau gearbeitet. Auf welcher Seite fühlen Sie sich wohler? Und warum?

Es hat beides seinen Reiz, PR-Arbeit ist im Grunde ja vielseitiger als Journalismus. Allerdings bin ich trotzdem lieber Journalistin, ich liebe die Recherche, den Dingen auf den Grund zu gehen, Themen herauszukitzeln und dann auch etwas kritischer an Texte herangehen zu dürfen. Da sind die Möglichkeiten in der PR ja zugegebenermaßen beschränkt, auch wenn man nicht immer zwangsläufig mit Superlativen und zu vielen ausschmückenden Adjektiven arbeiten sollte.

3. Wie oft werden Sie via Twitter oder Blogs auf Themen gebracht, über die Sie dann später schreiben?

Über Twitter? Eigentlich nie. Man müsste schon sehr viele Tweets verfolgen, um dann über den einen wichtigen zu stolpern. Und wer hat schon die Zeit dazu? Gut gemachte Blogs können hingegen sehr viele Anregungen und auch Hintergründe für Artikel liefern.

4. Welche Online- oder Social Media-Kampagne ist Ihnen in den letzten sechs Monaten besonders aufgefallen? Warum?

Dazu müsste die Kampagne erst mal Zeit haben, abgespielt zu werden. Klick und weg. Seit der clever gemachten Greenpeace-Antwort auf VWs Darth Vader Spot, ist mir eigentlich sehr wenig ins Auge gestochen. Sehr eindringlich fand ich allerdings die „Deutschland findet Euch“-Kampagne für die „Initiative Vermisste Kinder“, die ja auch zahlreiche Preise abgeräumt hat. Genial, wenn auch höchst kontraproduktiv für Onlinewerbung, ist dabei die Idee des Vermisst-Add-on. Ein Bannerblocker, der dafür sorgt, dass statt Werbebannern Vermisstenanzeigen von Kindern eingeblendet werden.

5. Gute Werbung ist…

… so originell oder eindringlich, dass man sie gerne schaut und so intelligent mit der Marke verwoben, dass man sich diese dabei auch merken kann.

6. Was wird auf der diesjährigen dmexco Ihrer Meinung nach das Gesprächsthema Nummer eins sein? Und welches Thema wird schon jetzt grenzenlos überschätzt?

Ich glaube, dass es das eine beherrschende Thema nicht geben wird, dazu schwirren mit Bewegtbild, Realtime Bidding, Big Data, Multiscreen momentan viel zu viele Themen durch den Raum. Die Bereiche Mobile und Second Screen werden aber ganz sicher ein viel größeres Gewicht haben als noch in den Vorjahren, weil nach dem Hype nun langsam auch die gelungenen Realisierungen kommen. Ansonsten geht es wie immer um Währungen. Währungen für Bewegtbild, Währungen für Mobile, Währungen für Webradio. Nach wie vor glaube ich, dass das Thema Social Media als Lösung für die werbemüden Zielgruppen überschätzt wird.

7. Xing, Twitter, Facebook oder Google+? Wie sieht es mit Ihrer persönlichen Online Reputation aus, und wie viel Zeit nehmen Sie sich für die Pflege?

Ganz schlecht sieht es damit aus, jederzeit aktuell halte ich eigentlich nur mein Xing-Profil als digitale Visitenkarte im Netz. Xing nutze ich regelmäßig, um mit meinem Netzwerk zu kommunizieren und neue Kontakte zu suchen. Meine tapferen 18 Twitter-Follower hingegen stehen wohl eher auf den schweigsamen Typ, und auch in Facebook nehme ich eher beobachtend teil. Wenn ich meinen Freunden etwas mitteilen möchte, mache ich das immer noch lieber gezielt per Email oder persönlich.

8. Sie haben zwei Söhne im Grundschulalter. Handy, Wii Nintendo, iPad – welche Geräte finden sich bei Ihnen zu Hause? Und gibt es feste Regeln im Umgang mit digitalen Medien?

Wii – Was? Gibt es bei uns nicht und vermisst auch keiner. Glücklicherweise mussten wir für den Umgang mit digitalen Medien noch keine Regeln aufstellen. Unsere Söhne spielen häufiger Monopoly (klassisch auf dem Spielbrett) als FiFA 12 auf dem PC. Meistgenutzte  Applikation auf meinem Smartphone ist insbesondere in der Bundesliga-Saison die Kicker-App. Ansonsten sind meine Söhne eher auf dem Bolzplatz als vor irgendeiner Form von Mattscheibe zu finden.

9. Und zum Schluss: Was ist Ihr Lieblingssommerurlaubsziel? Und warum? Und wann fahren Sie das nächste Mal hin?

Da gäbe es viele. Motorradfahren über den Passo di Falzorego oder Passo die Gavia in Südtirol, oder Paddeln in Kanada oder Norwegen. Was das Motorradfahren angeht, so war die Fahrt zum TÜV meine letzte große Tour seit Jahren, Paddeln in Norwegen steht hingegen für nächstes Jahr auf dem Plan. Durch Jobwechsel bleibt für dieses Jahr nur eine Woche auf einer Berghütte in Österreich, auch sehr schön, aber viel zu kurz.