Tag Archiv für "Online-Branche"

Nach einer stressbedingten Schreibblockade und einem gezielten Ducken bei der Vergabe von Blog-Themen, ist es nun mal wieder an der Zeit, meinen Senf zum aktuellen Weltgeschehen dazu zu geben. Was läge da näher als ein ordentlicher Jahresrückblick? Viele – und da nehme ich mich zunächst nicht aus – fragen sich jetzt sicherlich: Macht es denn überhaupt Sinn, schon nach elf Monaten die kompletten zwölf Monate zu beurteilen? Aber das ist doch heutzutage gar kein Thema mehr: In Zeiten, in denen Lebkuchen bereits zum Sangria auf Mallorca serviert werden, Ostern direkt in die Weihnachtszeit mündet (und umgekehrt), und Günther Jauch bereits am 4.12. Belanglosigkeiten mit Menschen austauscht, deren Lebensleistung darin besteht, nicht vom Traktor überrollt worden zu sein oder trotz Schlaganfall weiter zu rauchen, ja in diesen Zeiten kann auch ich jetzt schon mal 340 Tage Revue passieren lassen.

Aber kaum bin ich beim Thema, schon drängt sich mir hartnäckig die Schreibblockade auf, die mir doch in den vergangenen Wochen so ein guter Freund gewesen ist. Es kann natürlich auch daran liegen, dass wirklich nicht so viel passiert ist. Während in der Offlinewelt ganze Länder havarieren, war die Onlinewelt nahezu beschaulich, auch wenn es zum Teil einen etwas anderen Anschein hatte.

RTB hat immer noch nicht den Markt revolutioniert, und auch die Spendings auf Mobile haben noch nicht die Onlineumsätze überflügelt. In der U-Bahn fällt immer noch öfter das Wort Facebook als Google+. Microsoft kauft immer noch Yahoo (inzwischen zum halben Preis von vor vier Jahren) – oder auch nicht. Dabei fällt mir ein, einige Umwälzungen sind doch durchaus von Interesse: Google baute seine Macht im mobilen Web nachhaltig aus. Dies ist nicht primär an dem Kauf von Motorola festzumachen, sondern vielmehr an der Verbreitung des eigenen Betriebssystems Android. Die Zeiten, in denen ein Großteil des mobilen Traffics vorwiegend von iPhones kamen (auf manchen Seiten bis zu 70%) dürften vorbei sein. Google macht sich inzwischen bei einer Vielzahl namhafter Smartphone-Herstellern breit, während iOS dem Apple-User vorbehalten bleibt. Das soll nicht heißen, dass es Apple deswegen schlecht geht, aber die Dominanz ist dahin, und es ist zu erwarten, dass App-Entwickler zukünftig zuerst eine Android-Version bauen werden, bevor sie sich mit dem angebissenen Apfel beschäftigen.

Und wo wir gerade beim Thema sind: Der Tod von Steve Jobs ist natürlich auch eine Zäsur für die Branche. Bei aller Genialität war seine anschließende Verklärung zu einer digitalen Gottheit aber auch nur noch in Teilen nachzuvollziehen, denen ich scheinbar nicht folgen kann. Die Gnade der Wiedergeburt wird mir eventuell eines Tages Erleuchtung bringen. Das bei alledem der Markt für mobile Onlinewerbung kurz vor dem Durchbruch steht, sei an dieser Stelle noch vermerkt, allein in 2011 war es noch nicht so weit. Getrost darf man aber davon ausgehen, dass wir bis spätestens 2013 Vollzug werden melden können, da lege ich mich gerne fest. Nebenbei kam nun auch bereits das Thema Mobile RTB auf, wobei hier die Kirche noch deutlich länger im Dorf stehen bleiben wird. Social Media darf als letzter Aspekt nicht fehlen. Hier ist meines Erachtens die größte Leistung, dass sich inzwischen eine realistischere Beschäftigung und Draufsicht etabliert hat. Diese geht weg von der Heilsverkündigung und eher hin zu konkreten Projekten und der Einsicht, dass ein neuer Kommunikationskanal vielleicht einen anderen Umgang bedingt. Dieser aber genauso wenig neu ist, wie das Internet selber.

Um es auf den Punkt zu bringen: Ich bin der festen Überzeugung, dass eine ganze Reihe von Grundsteinen in 2011 gelegt wurden, die unsere digitale (werbliche) Kommunikation verändern werden. Ergebnisse werden folgen. Wenn nächstes Jahr daraus nichts wird, dann schreibe ich den gleichen Artikel halt nochmal mit ein paar anderen Buzzwords und hoffe auf den kollektiven Geist des Vergessens.