Tag Archiv für "Nachhaltigkeit"

Das Internet kostet nichts – unter dem Aspekt der Energie- und Umweltkrise ist das eine längst überholte Aussage. In Teil drei der Interviewreihe „Let’s talk about: Nachhaltigkeit in der Mediaplanung“ spricht unsere Nachhaltigkeits-Koordinatorin Agnes Ley mit Martin Kaltenbach, Director Operations bei .NFQ | Digital Creatives. Dabei geht es um die Geheimnisse wirklich guter Kreation und, warum schon 5 Kilobyte Einsparung bei einem Ad viel ausmachen können.

Martin Kaltenbach, Director Operations bei .NFQ | Digital Creatives: „Jedes Kilobyte pro Werbemittel spart Kohlendioxid ein!“

Hallo Martin! Du bist Experte in Sachen digitaler Kreation. Ist es wirklich relevant, ob ein digitales Werbemittel 5 Kilobyte mehr oder weniger hat?

Die Antwort auf deine Frage lautet aus meiner Sicht klar „Nein – es ist nicht egal“. Denn bei digitalen Werbemitteln (egal ob Desktop oder Mobile) zählt am Ende die Masse an Ad-Impressions. Bisher haben wir uns viel zu wenig Gedanken gemacht, wie das Internet funktioniert. Man hatte die Einstellung „das kostet doch nichts“. Hier findet aber ein Umdenken statt. Daten brauchen Server, werden übermittelt und müssen auf einem Endgerät wie Smartphone oder Laptop dargestellt werden. Das alles braucht Energie. Wenn wir beispielsweise über eine Kampagne mit 25 Millionen Ad-Impressions reden und pro Werbemittel-Kontakt 5 Kilobyte einsparen – dann macht das in Summe 125.000.000 Kilobyte bzw. 119,2 Gigabyte Datenmenge die eingespart werden können. Und hier reden wir nur von EINER Kampagne und einer Ersparnis von 5KB pro Werbemittel.

Es potenziert sich also doch ganz schön und schon kleine Einsparungen machen Sinn. Gibt es eigentlich eine Möglichkeit, die genaue Einsparung von CO2-Emissionen zu berechnen?

Ja die gibt es. Studien haben verschiedene Modelle hervorgebracht anhand derer man das Einsparpotential in CO2-Emissionen umrechnen kann. Die einfachste Betrachtung ist der Blick auf den Ausstoß an CO2 pro übermitteltem Datenvolumen. Hier rechnen wir aktuell mit durchschnittlich 0,05891 kg CO2 je Gigabyte. Angenommen wir haben eine Kampagne mit 25 Millionen AD‘s und ein Werbemittel ist im Durchschnitt 80 Kilobyte schwer, was nicht sehr groß ist, dann verursacht diese Kampagne 112,4 kg CO2. Sparen wir 5 Kilobyte pro Ad ein, reden wir über eine Reduktion von ca. 7 kg CO2, was etwas mehr als 6 Prozent CO2-Einsparpotential entspricht. Und das ist nur der Effekt einer simplen KB-Reduktion durch beispielsweise gute Bild-Komprimierung. Läuft die Kampagne auf Ökostrom-Servern und reduziert man externe Trackings, so kann das Einsparpotential schnell bei 80 bis 95 Prozent liegen.

Wie gehst du vor um neu entwickelte oder angelieferte Werbemittel nachhaltiger zu gestalten?

Die besten Effekte kann man in der Tat erzielen, wenn ein Werbemittel von Sekunde 1 mit dem Aspekt der Nachhaltigkeit entwickelt wird. Und hier spielt der Punkt Einsparung und Reduktion weniger eine Rolle, denn am besten funktioniert Werbung, wenn sie plakativ, aufmerksamkeitsstark und eindeutig ist. Es wird optisch also nur das benötigt, was einer relevanten Verkaufs- oder Branding-Aussage dienlich ist. Daneben achtet man auf eine einfache Optik, die Kilobyte-sparend ist, effiziente Animationen und sauberes Coding. Auch bestehende Werbemittel lassen sich „grüner“ machen. Von einer optimalen Bild-Komprimierung, über das richtige Datei-Format bis hin zur Optimierung des HTML-Codes ist vieles möglich. Wichtig ist hier aber immer die Balance zwischen Optimierungs-Potential und Qualität. Denn es ist niemandem geholfen, wenn wir zwar 5 Kilobyte Dateigewicht reduzieren, dafür aber auf verpixelte unschöne Werbemittel schauen, die für keinen User attraktiv sind.

Was sind aus deiner Sicht die Show-Stopper für nachhaltige Werbemittel?

Wie beschrieben sollte der Ansatz schon beim ersten Briefing, Konzept und Storyboard präsent sein. Nachhaltigkeit erlangen wir, wenn wir an jedem Punkt der Kampagne neue Denkweisen etablieren. Braucht es wirklich ein Foto-Shooting in Südafrika, oder kann man auf Stock-Ressourcen zurückgreifen? Hat meine Werbemaßnahme eine klare, eindeutige Aussage und verpufft nicht durch schlechte Kommunikation oder viel zu viel Information? Hier ist der viel größere Hebel, Werbung effizient, besser und dadurch nachhaltiger zu machen.

Vielen Dank für die spannenden Insights! Darf ich noch fragen, wie du es persönlich mit der Nachhaltigkeit hältst?

Ich gebe mein Bestes und versuche ständig mein Verhalten und meine Sichtweisen zu hinterfragen. Leichter gesagt als getan. Aktuell befinden wir uns noch in einer Phase, in welcher Nachhaltigkeit viel zu oft mit Verzicht und Einschränkung gekoppelt wird. Daher versuche ich es über eine andere Frage an mich selbst: Wertschätze ich die Dinge in meinem Leben? Genieße und handle ich bewusst? Wenn ich hierauf mit einem echten Ja antworten kann, bin ich in der Regel maßvoll – was für mich ein kleiner Baustein von echter Nachhaltigkeit ist.

­


Hier geht es zu den letzten Beiträgen von :
Let’s Talk about: Nachhaltigkeit in der Mediaplanung:

Teil1: Die Gretchenfrage: Wie nachhaltig ist denn Ihr Media-Business, Wolfgang Bscheid?
Teil2: Die eine nachhaltige Zielgruppe gibt es nicht!

Wem klingt der Song der Fantastischen 4 noch im Ohr? Mfg, mit freundlichen Grüßen…

Der Song nahm die Vielzahl der Abkürzungen gehörig auf die Schippe und ist zum echten Ohrwurm avanciert. Im Mediabereich allgemein (GRP, POS, TKP, IVW, CTR und USP), aber auch im Bereich der nachhaltigen Media wird sehr viel mit Abkürzungen gearbeitet. Und damit Sie hier mitreden können, folgt nach dem ersten Teil (Nachhaltige Media verstehen: leicht gemacht!) mit SDG, CCF und CO2-Ausgleich die Fortsetzung.

Los geht´s mit CSR, der Corporate Social Responsibility: hiermit werden die Aktivitäten eines Unternehmens beschrieben, die es in Richtung Nachhaltigkeit unternimmt und zwar über das gesetzlich Geforderte hinaus. Neben dem Handeln im eigenen Geschäftsbereich eines Unternehmens, das eben möglichst nachhaltig gestaltet wird, wenn man CSR betreibt, umfasst der Begriff auch das Verhalten gegenüber den Mitarbeitenden sowie ggü. der Umwelt im Allgemeinen. Damit kommen die freiwilligen Mehrleistungen mittlerweile aus allen drei Blöcken der Nachhaltigkeit (ökologisch, ökonomisch, sozial) und die Bezeichnung wurde im Laufe der Zeit daran angepasst. Heutzutage spricht man oft über CR= Corporate Responsibility, damit deutlich wird, dass nicht „nur“ der soziale Bereich gemeint ist, sondern der Nachhaltigkeit in allen Belangen Rechnung getragen wird. Wikipedia (Corporate Social Responsibility) fasst schön zusammen: CSR bezeichnet den „freiwilligen Beitrag der Wirtschaft zu einer nachhaltigen Entwicklung“.

Als eine Folge der unternehmerischen Überlegungen rund um CSR bzw. CR kann ESG gesehen werden. E=Environment, S=Social, G=Governance. So weit, so einfach, was aber meint diese Abkürzung? In Ergänzung zu CSR geht es um eine Operationalisierung, es geht darum, das Engagement eines Unternehmens in den drei Bereichen Messbar zu machen. Dafür werden ESG Kriterien festgelegt und die Erreichung von Zielen innerhalb dieser Kriterien gemessen.

Die letzte Abkürzung für heute ist einfach und recht schnell erklärt, denn GHG meint Greenhousegas und begegnet uns am häufigsten im Zusammenhang mit dem GHG Protocol. Dabei geht es um die Bilanzierung von Emissionen verursacht durch Treibhausgase. Viele Unternehmen nutzen das GHG Protocol zur Bestandsaufnahme ihrer Treibhausgasemissionen. Damit gilt es als Basis, um sich bewusst zu machen, wo Emissionen entstehen, um daraus Maßnahmen und Ziele zur Reduktion abzuleiten.

Was haben nun aber all diese Abkürzungen mit Media zu tun? Durch Mediaschaltungen werden Emissionen produziert. Nehmen wir Digitale Kampagnen, die für jede Ausspielung Strom verbrauchen – beim Nutzer, durch den ausliefernden AdServer, durch Aufrufe diverser Trackingpixel. Wie gehen wir als Branche künftig damit um? Wann beginnen wir einen Carbon Footprint für Kampagnen zu berechnen? Setzen wir uns Ziele, wie wir die Emissionen verringern können – beispielsweise durch Werbemittel mit weniger KB? Wie verhält es sich mit sozialer Nachhaltigkeit in der Media? Wollen wir uns Gedanken zum Thema ethischer Journalismus machen und dann auch den nächsten Schritt gehen und evtl. Mediabuchungen nach solchen Erkenntnissen bewerten? In wieweit trifft uns als Mediabranche das Lieferkettengesetz? Wie ranken wir künftig Reichweiten bzw. Vermarkter nach sustainable Gesichtspunkten?

Wie in Teil I eingangs geschrieben: Ich weiß nicht, wann die große Welle kommt und Kampagnen einfach standardmäßig nachhaltig sind. Aber ich bin sicher, dass sie kommt. Machen wir uns gemeinsam auf den Weg!

Wir finden das Thema spannend, Sie auch? Dann kommen wir gerne ins Gespräch, schreiben Sie uns unter: nachhaltigkeit-mediaplus@house-of-communication.com

Die eine nachhaltige Zielgruppe gibt es nicht. Mediaplus hat deshalb die GreenTarget Groups entwickelt. In Teil zwei der Interviewreihe „Let’s talk about:Nachhaltigkeit in der Mediaplanung“ spricht unsere Nachhaltigkeits-Koordinatorin Agnes Ley mit Dominik Kropp, Head of Knowledge Management Insights bei Mediaplus.

Hallo Dominik, ihr habt die GreenTargetgroups entwickelt. Was steckt dahinter?

Nachhaltigkeit ist in unterschiedlichen Facetten schon lange Thema in der Gesellschaft, natürlich auch im Marketing. Doch in den letzten Jahren hat sich eine enorme Dynamik entwickelt. Die durch den Klimawandel verursachten ökologischen Krisen machen die Bedeutung von Nachhaltigkeit für viele Menschen konkreter und greifbarer. Folglich wirkt es sich auch stärker auf das Verhalten aus. Inzwischen ist das Thema mitten im Mainstream angekommen. Wir reden hier über mehr als 60 Prozent der Bevölkerung, für die Nachhaltigkeit im Leben eine relevante Rolle spielt.* Die eine nachhaltige Zielgruppe, die man mal schnell mit einem Öko-Label auf dem Produkt ködert, gibt es allerdings nicht (mehr). Auch die Vorstellung, dass ökologisch nachhaltig handelnde Menschen mit Birkenstocklatschen am Wochenmarkt ihre Jute-Beutel füllen, ist überholt. Nachhaltiges Leben hat sich ausdifferenziert und deutlich an Vielfalt gewonnen. Überspitzt formuliert: Heute geht’s eben auch mit den nachhaltig produzierten Sneakern in den Bio-Supermarkt.

Wie relevant sind solche Überlegungen derzeit?  Sind die inflationär gestiegenen Preise und der damit einhergehende Sparzwang nicht wichtiger als nachhaltige Standards?

Das wäre eine durchaus nachvollziehbare Reaktion. Aber schon die ersten zwei Jahre Corona-Krise haben gezeigt, dass Nachhaltigkeit beim Konsum nicht an Relevanz verliert, sondern sogar befeuert wird. Viele Haushalte müssen aufgrund der hohen Inflation mit knapperen Budgets auskommen. Doch eine GfK-Analyse zum gegenwärtigen Einkaufsverhalten hat gezeigt, dass sozial-ökologische Einstellungen und Bedürfnisse bei den Kaufentscheidungen nicht vollkommen zurückgestellt werden. Aktuell greifen Verbraucher häufiger zu günstigeren Alternativen im Bio-Sortiment – z. B. Handels- statt Herstellermarken. Sie verzichten aber nicht gänzlich auf bestimmte Standards.

Was ist typisch für einen nachhaltigen Konsumenten?

Die gemeinsame Basis ist erstmal, dass nachhaltige Überlegungen bei Kaufentscheidungen eine Rolle spielen. Wie eingangs beschrieben, trifft dies mittlerweile auf die Mehrheit der Bevölkerung zu – natürlich in unterschiedlich starker Ausprägung. Im Umkehrschluss heißt das aber auch, dass für etwa 40 Prozent Nachhaltigkeitsaspekte nicht kaufrelevant sind. Auffallend ist aber, dass bestimmte Zielgruppen das Engagement von Marken viel intensiver beurteilen. Aktivitäten von Marken werden hinterfragt, Hintergrund-Infos sind für die Verbraucher entscheidend, um die Ernsthaftigkeit einschätzen zu können. Konsumenten wollen keine Haltung nur der Haltung wegen. Greenwashing wird durchschaut und abgestraft.

Welche nachhaltigen Zielgruppen habt ihr in eurem Modell identifiziert und wie ticken sie?

Die Spannweite reicht von Konsumenten, die beim Einkaufen hauptsächlich auf Bio- und Öko-Siegel achten, bis hin zu Personen, die sich aktiv engagieren und denen der Umweltschutz am Herzen liegt. Bei diesen zwei Gruppen haben wir es mit völlig unterschiedlichen Motivatoren zu tun. Signifikante Unterschiede gibt es vor allem in Hinblick auf Werte, Einstellungen und Lebensstil. Genau deshalb haben wir die Zielgruppen auch mit dem Mediaplus-eigenen Ansatz Value Media Planning gebildet. Wir haben vier verschiedene Personas ausgearbeitet – vom intrinsisch motivierten Umweltschützer bis zum grünen Pragmatiker. Daneben gibt es noch die grünen Genießer sowie die Ästheten.

 

Quelle:Mediaplus Insights

Und wie können die neu definierten Zielgruppen für Media-Kampagnen genutzt werden?

Der große Vorteil ist, dass die Zielgruppen über die Wertefaktoren von Value Media Planning direkt in die Media überführt werden können und somit crossmedial planbar sind – sowohl in den klassischen Medien über das AGF/GfK TV-Panel und mit der best for planning für Print als auch im Digitalen mit dem AGOF-Tool TOP modular. Die Integration in NE.R.O. AI macht sogar eine Ansprache der Zielgruppen per kontextuellem Targeting möglich.

In welche dieser Zielgruppe würdest denn du dich am ehesten einordnen und warum?

Am ehesten der grüne Pragmatiker. Ich achte vor allem bei Lebensmitteln und Kleidung auf Nachhaltigkeit. Gewisse Standards sind mir wichtig, ich lasse aber sicher die Konsequenz vermissen, die bspw. die Zielgruppe der aktiven Umweltschützer auszeichnet. Ich wünsche mir, dass es zukünftig noch einfacher wird, nachhaltige Kaufentscheidungen zu treffen. Es passiert in die Richtung gerade schon viel. Es ist aber noch ein langer Weg.

Dominik Kropp, Head of Knowledge Management Insights bei Mediaplus

 

*Zielgruppe (Weite) LOHAS best for planning 2021

„Let´s talk about: Nachhaltigkeit in der Mediaplanung“, Teil 1: Die Gretchenfrage: Wie nachhaltig ist denn unsere eigenes Media-Business, Wolfgang Bscheid?

Nachhaltigkeit ist in aller Munde. Unverpackt einkaufen, radln statt Auto, Plastik vermeiden – der neue Lifestyle ist lange dem angestaubten Öko-Image entwachsen. Auch in unsere Büros ist die Nachhaltigkeit längst eingezogen.

Im ersten Teil meiner Interviewreihe „Let´s talk about: Nachhaltigkeit in der Mediaplanung“ spreche ich mit Wolfgang Bscheid, Managing Partner bei Mediascale, darüber, wie es mit der Nachhaltigkeit im Kern unseres Doings aussieht: Wie kann Mediaplanung, wie können Mediakampagnen nachhaltiger werden? Denn genau diese Fragen beschäftigen Wolfgang seit mehr als 2 Jahren.

Hallo Wolfgang, was hat dich damals auf die Idee gebracht, den Gedanken der Nachhaltigkeit auch für unseren Arbeitsprozess zu analysieren?

Es war die grundsätzliche Frage, ob das überhaupt geht. Also, ob auch Mediaplanung nachhaltig sein kann und falls ja, wie das aussehen könnte.

Du hast die „Initiative Nachhaltige Media“ gegründet. Stieß das zu Beginn in deinem Arbeitsumfeld auf Begeisterung oder Skepsis?

Eigentlich war die Begeisterung von Anfang an zu spüren. Zum Start wollte ich mich nur mit ein oder zwei Kolleg:innen darüber austauschen, wie sich der Gedanke der Nachhaltigkeit in unsere Planungsarbeit integrieren lassen könnte. Aber plötzlich hatten wir ein großes Team über alle Bereiche und steckten mitten in jeder Menge spannender Diskussionen zu ganz unterschiedlichen Aspekten der Nachhaltigkeit.

Und wie ist Euch der Einstieg in das Thema gelungen?

Über Fragen. Und dann nochmal Fragen. Zuerst mussten wir uns eingestehen, dass wir eigentlich viel zu wenig über das Thema oder die Idee von nachhaltiger Media wussten. So haben wir uns als erstes Ziel gesetzt, den gesamten Komplex besser zu verstehen: was Kunden bewegt, wie Konsumenten auf das Thema blicken und welche Möglichkeiten Medien und Agenturen zur Verfügung stehen, um etwas zu verändern.

Welche Ansatzpunkte zu einer nachhaltigeren Kampagne gibt es im Mediaplanungsprozess?

Für den Bereich ökologische Nachhaltigkeit gibt es derzeit zwei Wege, die man beschreiten kann: Kompensation und Veränderung. Im Dialog mit unseren Kunden wurde sehr schnell klar, dass sich bereits eine eindeutige Einstellung herausgebildet hat. Zuerst und primär geht es darum, zu versuchen, das eigene Tun in Hinblick auf mehr Nachhaltigkeit zu verändern. Und erst dann ist es legitim, den Gap zu einer CO2-neutralen Kampagne durch Kompensation zu schließen.

Aber wir schauen uns ja nicht nur die ökologische Facette der Nachhaltigkeit an, sondern wir arbeiten daran, zukünftig auch sozial und ökonomisch sinnvoll zu handeln. Unser Ziel ist es, unseren Kunden entsprechend ihrer spezifischen Schwerpunkte, ein zusätzliches Auswahlsystem bereit zu stellen, damit sie Platzierungsentscheidungen für ihre Kampagnen differenzierter treffen können. Derzeit arbeiten wir zusammen mit unterschiedlichen Medienpartnern an einem entsprechenden Scoring-Modell, das eine objektive und transparente Bewertung der Angebote ermöglicht.

Gemeinsam mit der Uni Florida haben wir zudem ein umfangreiches Forschungsprojekt zum Themenkomplex „Ethischer Journalismus“ gestartet, das uns Aufschluss darüber geben soll, wie wir unseren Kunden für ihre Kampagnen redaktionelle Umfelder bereitstellen können, die ihren erweiterten Ansprüchen an „Brand Safety“ gerecht werden.

Hört sich spannend an, was davon ist heute schon umsetzbar?

Mit dem Green GRP bieten wir unseren Kunden in Kooperation mit „ClimatePartner“ schon seit längerem die Möglichkeit, die CO2 Belastung ihrer Kampagnen valide zu erheben und über entsprechende Kompensationsprojekte auszugleichen. Darüber hinaus haben wir schon heute einen sehr guten Überblick, welche Medienpartner sich wie stark in den unterschiedlichen Bereichen der Nachhaltigkeit engagieren und können somit unseren Kunden eine valide Einschätzung klimafreundlicher Planungsalternativen geben.

Anders gefragt: Wo hakt es noch?

Ich würde sagen die Liste der To-dos ist lang! Viele Kunden stehen noch ganz am Anfang und haben viele offene Fragen. Als erstes gilt es zu prüfen, wie die jeweilige Nachhaltigkeitsposition des Unternehmens in die Mediaplanung umzusetzen ist. Also was darf man buchen und was besser nicht? Und welche Konsequenzen hat das im Einzelnen: müssen Zielsetzungen und Ergebniserwartungen entsprechend angepasst werden?

Dabei sind die meisten unserer Konzepte, wie z.B. die Scoring-Modelle, nicht isoliert zu betrachten. Es wäre in den meisten Fällen eher kontraproduktiv, wenn jede Agentur versucht, ihren eigenen Standard zu etablieren. Wir müssen hier immer versuchen, einen Marktstandard anzustreben. Daher benötigt es sehr, sehr viel Abstimmungsarbeit im Kreis aller Beteiligten. Nicht nur unsere Kunden sind involviert, auch unsere Medienpartner müssen die jeweiligen Lösungen akzeptieren und unterstützen.  Vor dem Hintergrund einer immer komplexeren Medienlandschaft ist vorstellbar, dass das eine nicht ganz leichte Aufgabe ist. Aber wir sind zuversichtlich, am Ende alle Ansprüche unter einen Hut zu bekommen.

Wo geht die Reise hin? Wo siehst du unsere Initiative Nachhaltige Media und die Mediabranche in Sachen Nachhaltigkeit in 2 Jahren?

Ich glaube, wir werden das Thema ökologische Nachhaltigkeit bis dahin in ein gutes und praktikables Modell überführt haben, so dass wir für Kunden, die sich eine „Grüne Planung“ wünschen, eine valide und faire Auswahl treffen können. Schwieriger sehe ich die Situation im Bereich soziale Nachhaltigkeit. Speziell wenn es um die Bewertung der redaktionellen Umfeld-Qualität geht.  Zum einen muss man aufpassen, dass Maßnahmen nicht in einer Zensur münden, wie wir sie teilweise in den USA beobachten, sondern sich ganz gezielt gegen Phänomene wie z.B. Hate Speach richten. Zum anderen sollte die Bewertung und Auswahl so objektiv wie möglich sein, um am Ende nicht von der persönlichen Einschätzung des Marketing-Entscheiders oder Mediaplaners abhängig zu machen, welche Platzierung gebucht wird und welche nicht. Das ist also ein in mehreren Bereichen sehr sensibles Thema, das viel Fingerspitzengefühl verlangt. Und genau darum haben wir uns auch dazu entschieden, einen ersten Richtlinien-Katalog und eine Machbarkeitsstudie von einer der kompetentesten Institutionen, der Uni Florida, entwickeln zu lassen.

Sollte es uns aber gelingen hier eine Lösung zu entwickeln, die es unseren Kunden ermöglicht, zukünftig ihren eigenen Anspruch im Bereich soziale Nachhaltigkeit auch auf ihre Mediaplanung zu übertragen, wäre das ein tolles Signal für mehr „ethischen Journalismus“, von dem nicht zuletzt die Gesellschaft als Ganzes profitieren könnte.

Gibt es auch einen Quickwin – etwas, das jedes Unternehmen aus dem Stand verbessern kann, um eine nachhaltigere Mediastrategie umzusetzen?

Ja. Wie jeder von uns einen Urlaubsflug über eine entsprechende CO2 Kompensation ausgleichen kann, so kann auch jedes Unternehmen schon heute seine Kampagnen per Green GRP kompensieren. Und wer schnell etwas tun möchte, sollte das tun. Auch wenn Veränderung der mittel- und langfristig wichtigere Teil auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit ist.

Zum Schluss noch etwas Persönliches: Wenn wir über grüne Zielgruppen reden, dann unterscheiden wir mehrere Typen, je nach dem Grad ihres Engagements, ihrer Verzichtbereitschaft und ihrer Einstellung zur Nachhaltigkeit. Welcher Typ bist du und warum?

Ich denke, ich bin da irgendwo dazwischen. Ich versuche, es jeden Tag ein bisschen besser zu machen. Auch wenn viele meiner Gewohnheiten leider eine große Beharrungskraft haben. Aber Gott sei Dank bin ich Teil einer Gesellschaft, die sich langsam auf den Weg macht und das wird sicher helfen, auch die hartnäckigsten Gewohnheiten langsam aufzuweichen. Ich bin auf alle Fälle sehr zuversichtlich, was unsere Gesellschaft, unsere Projekte und auch ein bisschen was mich betrifft.

 

Danke für´s Gespräch und alles Gute weiterhin auf dem Weg der Nachhaltigkeit!

Zäumen Sie auch manchmal das Pferd von hinten auf? Wir haben bisher noch gar nicht über Nachhaltige Mediaplanung gesprochen, doch in meinem letzten Artikel habe ich bereits darüber berichtet, wie diese auf die Konsumierenden wirkt. Falsche Reihenfolge? Ich finde nicht, denn nun wissen Sie aus den Forschungsergebnissen: Die Konsumierenden danken uns nachhaltiges Handeln! Es lohnt sich also herauszufinden, wie nachhaltige Media umsetzbar ist. Ehrlicherweise hat es noch einen Grund, warum ich um den Teil der Umsetzung seit längerem herumschleiche: Wir haben in der Mediaplus Initiative Nachhaltige Media bis dato noch keine Antwort darauf, wie nachhaltige Media umfassend gelingen kann. Denn dieses Feld ist noch so neu, dass wir uns alle gemeinsam auf den Weg in eine grünere Media-Zukunft machen müssen. Nähern wir uns also dem Thema an:

Nachhaltigkeit ist ein weites Themenfeld, bei dem wir soziale, ökologische und ökonomische Nachhaltigkeit unterscheiden. Durch die aktuell präsente Klimaveränderung, liegt uns zumeist die ökologische Nachhaltigkeit sehr am Herzen. Klimaneutrale Kommunikation ist schon vielfach umgesetzt, aber was bedeutet das eigentlich? Die meisten klimaneutralen Kampagnen sind schlicht CO2 kompensiert. Das ist ein erster Schritt – ein sehr guter erster Schritt, wie ich finde, denn: Alles ist besser, als nichts zu tun! Daher war auch in unserem Haus die Kompensation der erste Step: die Entwicklung des GreenGRP. Besonders stolz sind wir darauf, dass unser mit Climate Partner als offene Marktinitiative entwickeltes Vorgehen nun vom OWM verbandsweit eingesetzt wird (mehr dazu).

Jetzt muss es aber weitergehen und der nächste logische Schritt lautet: Schon bei der Kampagnenplanung müssen wir CO2 vermeiden, um künftig weniger zu kompensieren. Dafür gibt es eine ganze Menge Einzellösungen. Wir können luftreinigende Plakate buchen, für OOH Kampagnen gibt es Anbieter, die den CO2 Ausstoß durch den Einsatz nachhaltiger Rohstoffe reduzieren, die Umstellung der AdServer auf Ökostrom… diese Liste lässt sich noch weiterführen. Die Komplexität aber liegt darin, dass wir es in der Mediaplanung mit unterschiedlichen Mediengattungen zu tun haben, die jeweils eigene Herausforderungen mitbringen – jede für sich hochkomplex. Als altes Online-Gewächs widme ich mich exemplarisch hier der digitalen Disziplin:

  • GreenAd: Wie kann bei der Erstellung des Werbemittels eingespart werden? Wo lassen sich KiloByte einsparen, um den CO2-Ausstoß beim Datentraffic zu reduzieren?
  • GreenDelivery: Laufen die Server mit Ökostrom? Welche Tracking- und Datenskripte sind verzichtbar? Wussten Sie, dass es einen unterschiedlichen CO2-Ausstoß verursacht, ob ein Werbemittel im WLAN oder LTE ausgespielt wird?
  • GreenListing: Wodurch zeichnet sich eine „grüne“ Reichweite / Platzierung aus? Möchte und kann ich auf Reichweiten verzichten, wenn sie nicht grün sind?

Auf diese Weise jedes Medium in Gänze zu analysieren, Antworten zu finden und alles in einem gattungsübergreifenden Planungsprozess zusammen zu fügen, das ist die Herausforderung.

Nicht zu vernachlässigen, dass es neben der ökologischen Nachhaltigkeit auch noch die Dimensionen soziale und ökonomische Nachhaltigkeit gibt. Besonders die soziale Nachhaltigkeit ist vielen Konsumierenden wichtig. Auf einer Skala von 0 bis 5 schloss diese Dimension in der Wahrnehmung am stärksten ab. Daher forschen wir gemeinsam mit den Universitäten Florida und Hamburg, um künftig besser bewerten zu können, welche Aspekte der sozialen Nachhaltigkeit in den Planungsprozess einfließen müssen.

Quelle: „Sustainable Media Management“, 2021, University of Florida, Mediaplus, Mediascale; Betreuende Professorin Prof. Dr. Lisa-Charlotte Wolter; N=808

 

Aber: ein Schritt nach dem anderen – jetzt heißt es erst mal: Media, go green!

Wenn Sie Lust haben, uns auf diesem Weg zu begleiten, einen Workshop zum Thema interessant finden oder mit anderen am Thema Interessierten im Sustainability Circle zu diskutieren, dann schreiben Sie uns: nachhaltigkeit-mediaplus@house-of-communication.com

Eine der ersten und häufigsten Fragen, die wir von der Mediaplus Initiative Nachhaltige Media im Gespräch mit Kund:innen hören, ist die, nach der Sichtweise der Konsumierenden. Haben Sie schon mal von Nachhaltigkeit in der Media gehört? Werden nachhaltige Mediaumsetzungen positiv aufgenommen und führen sie zu einer Steigerung der Sympathiewerte und Kaufbereitschaft? Offene Fragen, die zu Zweifeln bei vielen Kund:innen führen.

Macht es aus wirtschaftlicher Sicht überhaupt Sinn, in ein nachhaltiges Konzept zu investieren?

Gemeinsam mit der University of Florida haben wir dazu eine Konsumentenbefragung durchgeführt, um Licht ins Dunkel zu bringen. Neben den folgenden spannenden Ergebnissen hat diese Umfrage übrigens zum Gewinn des emma Best Paper Awards geführt:

emma – European Media Management Association Gewinnerinnen
Quelle: emma – European Media Management Association

 

Wie sieht der aktuelle Wissensstand bezüglich nachhaltige Media bei Konsumierenden aus?

Im Kern haben wir erfahren, dass die Konsument:innen nach eigenem Empfinden wenig über die Nachhaltigkeit von Marken wissen und sich mehr informative Inhalte dazu wünschen. Eine transparente Kommunikation der Nachhaltigkeitsaktivitäten ist für viele sogar kaufentscheidend.

nachhaltige Media Management
Quelle: „Sustainable Media Management“, 2021, University of Florida, Mediaplus, Mediascale; Betreuende Professorin Prof. Dr. Lisa-Charlotte Wolter; N=808

 

Konsumierende sehen Marken an erster Stelle, wenn es um die Kommunikation nachhaltiger Botschaften geht. Presse-, Webseiten- und Werbekommunikation sind die bevorzugten Kanäle. Die Marken selbst müssen also das Thema Nachhaltigkeit zu ihrer Botschaft machen!

Sustainable Media Management
Quelle: „Sustainable Media Management“, 2021, University of Florida, Mediaplus, Mediascale; Betreuende Professorin Prof. Dr. Lisa-Charlotte Wolter; N=808

 

Da unsere Konsument:innen die Infos zum nachhaltigen Handeln generell gutheißen, sollten wir sie auch über nachhaltige Mediastrategien aufklären. Etwa durch die Integration eines Sigels („Klimaneutral“) oder eine deutlichere Kennzeichnung, wie eine vorgeschaltete Vignette.

Mediaplus, Kreationsbeispiel einer Info-Vignette für einen klimaneutralen Werbespot

Quelle: Mediaplus, Kreationsbeispiel einer Info-Vignette für einen klimaneutralen Werbespot

So haben erste Tests einen deutlichen Uplift durch den Einsatz einer Vignette erzielt. Im Vergleich zum TV-Spot ohne vorgeschaltete Vignette weisen diejenigen, die eine Vignette gesehen haben, eine höhere AdAwareness auf (+9%), sie empfinden die Werbung als glaubwürdiger und die Kaufbereitschaft stieg folglich um 12%. Die Aussage „Die Werbung gibt mir ein gutes Gefühl“ wurde sogar um 25% durch die Einblendung der Vignette gesteigert! Wow! Zweifelsohne danken es uns die Konsument:innen also, wenn wir Gutes tun und parallel darüber sprechen.

Wirkungsvergleich

Quelle: Mediaplus Insights. Basis: Wirkungsvergleich è 335 Befragte mit Kontakt zum Einzel-Spot TV vs. 197 Befragte mit Kontakt zu Vignette + Einzel-Spot TV, denen Nachhaltigkeit wichtig ist

Bleibt zum Schluss die Frage: Wie sieht eine nachhaltige Mediastrategie aus?

In unserem nächsten Blogartikel lesen Sie dazu mehr. Und wenn Sie es nicht mehr erwarten können, dann schreiben Sie uns gerne: nachhaltigkeit-mediaplus@house-of-communication.com

Aus Trends wird entweder das neue „Normal“ oder sie verschwinden wieder von der Bildfläche. Zur zweiten Kategorie fällt mir spontan „Second Life“ ein – erinnert sich noch jemand? In die Kategorie „Hit“ zählen wir bei Mediascale nachhaltige Mediastrategien. Denn Nachhaltigkeit ist für viele Unternehmen ein zentrales Thema, das es nun auch in die Kommunikation und Mediaplanung zu überführen gilt.

Nachhaltige Media bei der Mediascale

Seit mittlerweile 1,5 Jahren beschäftigen wir uns in der Projektgruppe Nachhaltige Media damit, das Thema für unsere Kunden zu erschließen. Zum Start haben wir evaluiert, wie Konsumenten, Medien und Unternehmen das Thema sehen. Einen kleinen Einblick in unsere Befragungs-Ergebnisse sehen Sie in den Grafiken.

Umfrageergebnis bei Mediaentscheidern - Nachhaltige Media
Umfrageergebnis bei Mediaentscheidern Quelle: Appinio/Mediascale; Basis: All(N=158)

 

Transparente Kommunikation
„Sustainable Media Management“, 2021, University of Florida, Mediaplus, Mediascale; Betreuende Professorin Prof. Dr. Lisa-Charlotte Wolter; N=808

 

Gemeinsam mit großen Medienhäusern arbeiten wir an weiteren Umfragen, forschen zusammen mit der Uni Florida und der Hamburg Media School auf diesem Gebiet und freuen uns auf neuen Input durch eine Masterarbeit einer Kollegin mit Fokus auf den werbepsychologischen Effekt nachhaltiger Kommunikation.

Doch jetzt wollen wir in den Dialog gehen, denn noch spannender als die Forschung ist für uns der persönliche Austausch mit unseren Kunden in den letzten Monaten, der uns gezeigt hat, dass es immer noch einen hohen Klärungsbedarf zum Thema Nachhaltigkeit in der Mediakommunikation gibt. Hier wird deutlich, wie viele ungeklärte Fragestellungen es zum Thema Nachhaltigkeit in der Mediakommunikation zu beantworten gilt:

  • Welche Möglichkeiten der nachhaltigen Kommunikation gibt es?
  • Wie tragen wir ethischem Journalismus Rechnung?
  • Wenn unsere Kommunikation nachhaltig umgesetzt ist, wie kennzeichnen wir das gegenüber dem Konsumenten? Wie nimmt der Konsument diese Infos wahr?
  • Sollten wir in die Kommunikation gehen, wenn unsere Produkte / Lieferketten / Produktionen (noch) nicht den Nachhaltigkeitsanforderungen gerecht werden?

Die Liste ließe sich durchaus noch erweitern.

Die Konsumenten werfen einen immer kritischeren Blick auf die Marken, die sie kaufen. Das ganzheitliche Agieren einer Marke rückt mehr und mehr in den Fokus. Daher halten wir es für wichtig, schon jetzt über die nachhaltige Kommunikation der Zukunft zu sprechen.

Bewegen Sie ähnliche Fragestellungen?

Wenn Sie Interesse an einem kurzen Impuls zum Thema oder an einem Workshop haben, dann freuen wir uns sehr auf Ihre Teilnahme. Gerade beim Thema Nachhaltige Media sehen wir den Austausch und das Voneinander Lernen als große Chance. Wir glauben an dieses Zukunftsthema und bringen es durch Forschungsprojekte voran, gehen in den Austausch mit Unternehmen in unserem monatlichen Sustainability Circle und entwickeln das Thema frühzeitig – gerne gemeinschaftlich mit Ihnen! Ich freue mich auf Ihre Nachricht!

 

Welches Potential hat die App und lohnt es sich den Hype mitzumachen?

Wie es sich für einen neuen coolen Club gehört, kommt man nur mit Einladung rein. Die neue App Clubhouse setzt auf Exklusivität. Somit ist die FOMO (fear of missing out), die Angst etwas zu verpassen vorprogrammiert.

Anfang des Jahres schwappte die FOMO durch alle deutschen Social Media Kanäle. Alle bekannten Influencer und die, die es noch werden wollen, twitterten und posteten über die neue App namens Clubhouse.

Aber was ist Clubhouse überhaupt genau?

Bei Clubhouse geht es primär um Audioinhalte. Es gibt sogenannte rooms, in denen so etwas wie digitale Diskussionen stattfinden, eine Bühne mit Speakern und ein Publikum. Die Personen im Publikum können aber auch selber ihr Mikro einschalten und von den Moderatoren auf die Bühne eingeladen werden.

Sobald man einem Profil folgt, sieht man, ob sich der oder diejenige in einem Raum befindet. Auf diese Weise werden sehr schnell sehr hohe Reichweiten (1.000 Zuhörer sind keine Seltenheit) erzielt.

Was ist das Besondere an Clubhouse?

Clubhouse verspricht Zuhörern das „Twitch“-Gefühl (jeder kann zum Sender werden), kombiniert es mit der persönlichen Ansprache in Podcasts und einer gewissen Themenoffenheit. Somit erinnert die App an einen digitalen Speakers‘ Corner, einen öffentlichen Platz, der dem Meinungsaustausch dient.

Bisher dominieren Talks zu Start-ups, aktuellen Branchenthemen und Trendbewegungen. Dabei sind besonders die Speaker interessant, denen man lauschen kann. Von dem Mitbegründer des Online Handels Tarek Müller (About You) zum Thema E-Commerce, FDP-Chef Christian Lindner, Star Rapper Drake bis hin zur Fridays-for-future-Aktivistin Luisa Neubauer.

Clubhouse
Quelle: https://www.hna.de/verbraucher/clubhouse-social-media-app-experten-warnung-datenschutz-promis-kassel-hna-zr-90173881.html

 

Wer steckt hinter Clubhouse?

Alpha Exploration heißt die Firma, die die App entwickelt hat, Paul Davison und Rohan Seth (ein ehemaliger Google-Mitarbeiter) sind die beiden Gründer. Die App kam im Frühjahr 2020 auf den Markt und gewann sofort ein Investment von mehr als 10 Millionen Dollar. Zu diesem Zeitpunkt wurde die App trotz nur weniger Tausend Nutzer bereits auf etwa 100 Millionen Dollar geschätzt. Dass bislang nur iPhone-Besitzer und Eingeladene Zugang zu der App bekommen, die weltweit inzwischen rund zwei Millionen Nutzer hat, ist verkaufspsychologisch natürlich ein intelligenter Schachzug.

Jetzt mitmachen – oder ist der Hype bald vorbei?

Spannend ist der Ansatz von Clubhouse auf jeden Fall. Selten war es so einfach, so vielen interessanten Gesprächen zuhören zu können, ohne dafür ein Messeticket zu kaufen oder eine Podiumsdiskussion besuchen zu müssen.

Allerdings gibt es viele Beispiele für Apps, die als das nächste große Ding gehandelt wurden. Tik Tok ist vom Hype zu einer inzwischen etablierten Social-Media-Plattform geworden. Konkurrent Snapchat hat immer wieder Probleme, versucht aber nun durch die Zusammenarbeit mit Influencern die Plattform zu sichern.

Ein „lean-back“ Scrollen und Stories schauen gibt es bei Clubhouse allerdings nicht, stattdessen muss man die ganze Zeit aktiv zuhören. Die Talks finden live statt und werden nicht gespeichert. Die Termine sind also gesetzt und wer Besseres zu tun hat, verpasst die Gespräche. Ob die Menschen ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt Lust dazu haben, wenn sie ohnehin langen Digitalkonferenzen aus dem Homeoffice zuhören müssen, ist die Frage. Anders als in Zoom-Meetings müssen sich die User zumindest nicht überlegen, wie sie aussehen und ob der Bildhintergrund aufgeräumt ist.

Bisher ist über die Datenverarbeitung der App noch nicht viel bekannt – außer, dass Clubhouse mit den hochgeladenen Telefonbüchern der Nutzerinnen und Nutzer Schattenprofile auf dem eigenen Netzwerk anlegt. Damit befindet sich Clubhouse in der rechtlichen Grauzone.

Ist Clubhouse also eine Plattform für High-Involvement-Themen, dafür aber mit begrenzter Reichweite?

Die Mediascale hat schon lange erkannt, dass das digitale native Audio eine Schlüsseltechnologie unserer jetzigen Zeit ist und dass sich der Medien- und Werbemarkt durch interaktive Audiomedien in den kommenden Jahren stark wandeln wird. Die Zukunftsfähigkeit von Clubhouse wird davon abhängen, ob die App Geld verdienen kann und ob sie auch für Werbetreibende interessant wird. Im Kundenservice, im Recruiting oder PR-Bereich kann man sich schon jetzt sinnvolle Ansätze vorstellen. Wie das Geschäftsmodell aussieht, mit dem die App langfristig Geld verdienen will, ist noch unklar. Audiowerbung, die den Talks vorgeschaltet wird? Oder werden die Daten der Nutzerinnen zum Kapital des Unternehmens? Das wird eng mit dem Datenschutz der App einhergehen.

Unser Geschäftsführer Wolfgang Bscheid ist bereits auf Clubhouse sehr aktiv, im nächsten Termin diskutiert er mit Ingo Rentz (Horizont), Katrin Ansorge (Horizont), Markus König (Evonik), Barbara Wandrei (Media4Planet) und Jana Bernhard (S20) über Green Media: Wie nachhaltig muss Marketing heute sein?

 

Clubhouse Talk „Media & Nachhaltigkeit“ mit Udo Schendel, CEO von Weischer.JvB, und Florian Weischer, Co-Chairman von Weischer

Ob ökologisch, wirtschaftlich oder sozial – Nachhaltigkeit ist das Thema der Stunde. Am 3. März startete Gastgeber Wolfgang Bscheid die zweite Runde des Mittwochmittag Mediatalks auf Clubhouse. Dieses Mal mit an Bord: Florian Weischer, Inhaber der gleichnamigen Mediengruppe, und Udo Schendel, CEO von Weischer.JvB. Auf das Thema Umweltschutz sind die beiden auf ganz verschiedene Weise gestoßen: Während der stetig steigende Flutpegel der Elbe ein Umdenken beim in Hamburg beheimateten Florian Weischer bewirkte, gab Udo Schendel zu, ein Late Adopter gewesen zu sein, für den häufige Flugreisen lange nicht in Frage standen. In Berührung mit den Nachhaltigkeitszielen der UN gekommen, setzte bei Udo Schendel dann der Aha-Moment ein. Und genau darum ging es auch bei der Diskussion: Es ist okay, nicht zu den Early Adoptern zu gehören, am Ende zählt die Initiative. Da lohnt es sich, auch mal ins kalte Wasser zu springen: Mit Weischer.Green bietet die Agentur für Außenwerbung ihren Kunden erstmals klimaneutrale OOH-Kampagnen an. Das Besondere an dem Projekt: Die Idee für nachhaltige Außenwerbung entwickelte sich aus der Motivation und den Ideen der Mitarbeiter heraus. Ähnlich auch bei Mediascale. Wolfgang Bscheid: „Als wir vergangenes Jahr bei Mediascale das Projekt Nachhaltige Media gestartet haben, war die Begeisterung sofort groß. Das war eines der populärsten internen Projekte, die wir je gemacht haben. Im digitalen Business ist ja das Meiste kennzahlengetrieben und selten haptisch anfassbar. Deshalb ist es für die Mitarbeitermotivation und die Unternehmenskultur unglaublich wertvoll, nach konkreten Ideen für Verbesserungen zu forschen. Beim Thema nachhaltige Mediaplanung hat das super funktioniert!“

Clubhouse Talk „Media & Nachhaltigkeit“

 

Einigkeit bestand darüber, dass nachhaltige Ziele durch die gesamten Ebenen eines Unternehmens hindurch kommuniziert und skalierbar gemacht werden müssen. „Vor allem die Vorstände oder Gesellschafter müssen den Managern klar machen, dass sie offen für eine systematische Umstrukturierung in Richtung nachhaltige Mediaplanung sind“, weiß Florian Weischer. Bevor eine nachhaltige Kampagne messbar werden kann, muss allerdings eine gründliche Analyse her: „Die Einflussfaktoren auf den CO2-Abdruck einer OOH-Kampagne müssen definiert werden. Wie groß sind unsere Spuren beispielsweise in der Logistik, Produktion, Technologie, bei der Aussteuerung bzw. beim Stromverbrauch der Screens? Mit den Daten dazu konnten wir unsere Systematik entsprechend anpassen“, erklärt Udo Schendel. Es gibt bei Weischer jetzt sogar einen eigens definierten KPI: Der Tausender-Kontakt-Emissionswert (TKE) ermittelt den CO2-Ausstoß einer Kampagne im Verhältnis zur Reichweite. Wird Weischer.JvB diesen USP dem Markt zur Verfügung stellen? „Natürlich ist das auf den ersten Blick ein Wettbewerbsvorteil, aber wir teilen unser Know-How und die Mechanik gerne mit dem Markt. Umso mehr Leute im Nachhaltigkeitsboot sitzen, desto besser. Wir wollen nicht nur im OOH-Bereich, sondern auch branchenübergreifend diesen Standard setzen“, ergänzt Florian Weischer.

Beim Fazit herrschte bei allen Beteiligten Konsens: Werbetreibende, Agenturen und Medien müssen die Marketingprozesse auf links drehen, in die Diskussion gehen und auch Fragen aufwerfen, auf die es derzeit noch keine Antworten gibt. Das Ziel einer nachhaltigeren Mediaplanung ist es wert.

Clubhouse Talk „Media und Nachhaltigkeit“ mit Peter Christmann, Co-Founder und CEO von Media4Planet

Eigentlich ist es höchste Zeit, dass auch die Media- und Werbebranche sich ernsthaft mit dem Thema Nachhaltigkeit auseinandersetzt. Und so langsam gewinnt die Bewegung deutlich an Fahrt. Das ist – ganz verkürzt – das Ergebnis des ersten Mittwochmittag Mediatalk am 17. Februar zu „Nachhaltigkeit und Media“ auf Clubhouse – powered by Mediaplus. Gastgeber Wolfgang Bscheid, Managing Director der zur Mediaplus-Gruppe gehörenden Mediascale, und Peter Christmann, Co-Founder und CEO von Media4Planet, waren sich in einer Bewertung relativ schnell einig: „Marketer, Werber und Medien sollten als erste der großen Branchen klimaneutral agieren. Wir müssen die Mediabranche grüner machen“ Dabei geht es nicht nur darum, das eigene Unternehmen oder die eigene Agentur klimaneutral aufzustellen, sondern vor allem auch um die 25 Milliarden Euro netto, die Werbetreibende jedes Jahr investieren.

Clubhouse Talk „Media und Nachhaltigkeit“

 

Für Peter Christmann war eine durch Plastik verendete Meeres-Schildkröte im Brasilien-Urlaub sein ganz persönlicher Einstieg in das Thema. Der „Environmentalist“ ist Co-Founder und CEO von Media4Planet, einem Anbieter für ein nachhaltiges Mediamodell und Gründer der Meeresschutz-Organisation Orange Ocean. Christmann will die Mediabranche „grüner machen“, in dem er Werbeflächen günstiger einkauft, diese an nachhaltige Firmen oder Produkte weiterverkauft und mit der Marge die Klimaschutzkommunikation der UNEP (das Umweltprogramm der Vereinten Nationen) unterstützt und CO2 über zertifizierte Klimaschutzprojekte kompensiert. Media4Planet hat bereits erste Projekte gestartet, wurde durch Corona, den Lockdown und Budgetstornierungen in seiner Dynamik aber gebremst.

Ist die werbetreibende Industrie vielleicht auch noch nicht so weit? Um die Bereitschaft und Stimmungslage der Werbetreibenden zu erkunden, hat Mediaplus vor kurzem 160 Marketingentscheider befragt. Das Ergebnis überraschte. Wolfgang Bscheid: „Über 80 Prozent der von uns befragten Marketer sind der Ansicht, dass Werbebudgets Gesellschaften verändern können. Es gibt anscheinend eine hohe Bereitschaft nachhaltiger zu agieren, wenn man Werbetreibenden Angebote macht, ihre Budgets sinnstiftender zu investieren.“

Bscheid weiter: „Natürlich ist jeder gerne grundsätzlich nachhaltig, wenn es nichts kostet. Deshalb muss Nachhaltigkeit auch aus einer Sachargumentation für den Kunden Sinn machen. Wenn man Media nachhaltig plant und schaltet, dann muss sich das am Ende für den Werbetreibenden auch lohnen. Zum Beispiel weil die Kampagnen vor allem in den Zielgruppen eine höhere Werbewirkung erzielen, für die Nachhaltigkeit heute schon ein wichtiger Aspekt ist. Es ist doch schöner, beides zu tun: Nachhaltig zu werben und trotzdem die gesteckten Mediaziele zu erreichen.“

Um das gemeinsame Ziel einer nachhaltigeren Wirtschaft schneller zu erreichen, plädiert Peter Christmann für einen Schulterschluss auch mit Verbänden wie der OWM (dem Verband der Werbetreibenden) und der OMG (dem Verband der Mediaagenturen): „Deutschland hat sich verpflichtet, bis 2030 rund 55 Prozent der CO2-Emissionen gegenüber 1990 einzusparen. Das geht nur in einem gemeinsamen Ansatz zwischen Politik, Industrie, NROs und Verbrauchern. Es ist also höchste Zeit für einen Schulterschluss.“

Um mit Werbetreibenden beim Thema Green Media in einen konstruktiven Dialog zu gehen, regt Wolfgang Bscheid eine gemeinsame Basisarbeit der Branche an: „Da geht es um Leistungskataloge, Lösungen, aber auch um standardisierte KPIs, um Nachhaltigkeit überprüfbar zu machen. Wir müssen eine verlässliche Grundlage schaffen, um nachhaltige Media exakt zu definieren. Dabei geht es nicht nur um ökologische Themen, sondern auch um die ökonomischen und sozialen Dimensionen der Nachhaltigkeit.“

Das Fazit des Clubhouse Talks: Gemeinsam mit allen Marktteilnehmern müssen Lösungen gesucht und definiert werden, um den Kunden entsprechende Wege zu zeigen.

Der Mittwochmittag Mediatalk zu „Nachhaltigkeit und Media“ – powered by @Mediaplus – wird fortgesetzt. Am 3. März ab 12 Uhr spricht Gastgeber Wolfgang Bscheid mit Udo Schendel, dem CEO Weischer.JvB, über nachhaltige Außenwerbung. https://www.joinclubhouse.com/event/PYb88zb3

 

1 2