Tag Archiv für "Meinungen"

Bei Pinguinen gibt es immer einen der als erster von der Eisscholle ins Wasser springt.  Alle anderen warten erst einmal ab, ob er etwas zu fressen findet oder gefressen wird. Erst dann folgen sie ihm.

Wer ist bei uns mutig genug, den Sprung ins kalte Wasser zu wagen? Diese Frage habe ich mir gestellt, als ich beim diesjährigen Innovationstag am vergangenen Mittwoch dem Vortrag von Frederik Pferdt zugehört habe.

Der Innovationstag bei Serviceplan stand in diesem Jahr ganz im Zeichen der Transformation. Die Agenda hat deutlich gezeigt, wie allumfassend sich unsere Welt verändert: Ob Europa, Geschäftsmodelle, Customer Journey, transatlantische Beziehungen, Politik, Sport oder Unternehmenskultur. Alle Bereiche befinden sich im Wandel und wurden von unterschiedlichen Speakern in spannenden und inspirierenden Vorträgen in einem neuen Licht beleuchtet.

Die Botschaft war schnell klar: Um besser zu werden, brauchen wir Innovationen und dafür müssen wir Veränderungen zulassen. Aber das reicht noch nicht aus. Wir sind gefordert, den Wandel aktiv mit zu gestalten. Doch wie kann das in der Alltagsroutine gelingen?

Besonders beeindruckt hat mich zu dieser Fragestellung der sehr interaktiv gestaltete Beitrag von Frederik Pferdt. Der Gründer von Google’s „The Garage“ und Innovationsexperte hat uns herausgefordert, unsere Denkweise neu zu programmieren.

Sehr eindrucksvoll und leidenschaftlich hat Frederik das Publikum animiert, einen Zukunftsentwurf 2030 zu gestalten. Dabei haben wir alle festgestellt, dass es nicht einfach ist, sich die Zukunft vorzustellen. Viele Ideen sind in Ansätzen schon real, doch für echte Visionen fehlt uns oft die Phantasie.

Um also echte Innovationen zu entwickeln, ist unsere Kreativität und unsere Empathie gefordert. Frederik hat uns ermutigt, spannende Fragen zu stellen: „Was wäre wenn, …“? und die Fragen unserer Mitarbeiter mit einem optimistischen Blick auf das Potential hin zu bewerten, dass diese Fragen beinhalten. Er hat mich überzeugt, dass die Antwort nur: „Ja, und …!“ lauten darf. Mit einer gesunden Missachtung des Unmöglichen sollen die Fragen nicht abgeschmettert, sondern transparent geteilt und weiterentwickelt werden, damit neue Ideen wachsen können.

Es muss erlaubt sein, durch Erfolg und Misserfolg lernen zu dürfen. Das Vertrauen im Team und von der Geschäftsführung ist die wichtigste Voraussetzung, um bessere Lösungen zu entwickeln. Folglich müssen wir eine sichere Umgebung schaffen, die Fragen und neue Ideen zulässt. Nur so werden Innovationen entwickelt, die sich in der Umsetzung als erfolgreich erweisen können.

Diese Perspektive war für mich sehr anschaulich und einleuchtend. Ich habe mir daher fest vorgenommen, offen zu sein für Fragen, die im ersten Augenblick vielleicht unrealistisch erscheinen.

Zum Abschluss seines Vortrags hat Frederik von seiner Pinguinbeobachtung in der Antarktis berichtet und uns dringend empfohlen, einen Pinguin-Award an die Mitarbeiter zu vergeben, die neugierig und mutig genug sind, voran zu gehen und neue Ideen zu entwickeln.

Bei der Umsetzung der Ideen gibt es dann vielleicht sogar einen Award für unsere Kunden.

Nach meinem werten Chef, darf ich nun ein wenig zum Thema Customer Journey beitragen. Ginge es nach Douglas Adams, sollte man auf der Suche nach den Nutzerpfaden des Kunden niemals seinen Reiseführer, seinen Bubble Fish und sein Handtuch vergessen. Sie werden sich nun zu Recht fragen, ob der rührige Autor genau das für die Nutzeranalysen vorschlägt und da kann ich Sie gleich beruhigen: Ja, genau das tue ich!

So ganz alleine bin ich da allerdings nicht, denn es gibt viele, die sich mit der prophetischen McGyver Methode  („Ich brauche eine Avocado, eine Zeitung und ein altes Ofenrohr) an das Thema heranwagen. Das Beste daran ist eigentlich immer das Versprechen eines „AdServerum Mobile“, welcher alle Userströme darstellt und einem auf Knopfdruck sagt, wohin man welches Budget packt, damit sich am Ende der Umsatz verdreifachen möge. Hätte jemand ein solches Tool tatsächlich erfunden,  hätten wir längst davon erfahren. Denn dieser Jemand müsste es schnell zu Ruhm und Reichtum bringen und das wäre irgendeinem in der Branche vermutlich schon aufgefallen. So einfach ist es dann aber doch nicht. Anders als beim Tracking von Websites, bei denen die Zahl der möglichen Ströme zwar schon sehr mannigfaltig ist und die Festplatten zu terrabytieren kann, ist die Lage im real existierenden Kampagnenuniversum ungleich komplexer.

Betrachten wir die eigene Homepage als Oort’sche Wolke, so ist die dazugehörige Maßnahmenübergreifende Kampagnenbetrachtung die Milchstraße. Und durch diese wurde bislang noch kein Schnellweg hindurch gebaut. Man kann vieles aus der Distanz erkennen und Rückschlüsse ziehen, wann z.B. der User das Netz betreten hat, auf welchen abwegigen Websites er sich herumtreibt und welche (Un-)Logiken dem zu Grunde liegen. Das erfordert allerdings neben exakt justierten Messgeräten viel Zeit und analytisches Geschick, um  aussagekräftige Ergebnisse zu bekommen, denn es gibt genauso viele chaotische Verläufe wie uniforme Muster.  Letzten Endes wird man nicht umhin kommen, die IST-Situation eines Kunden unter die Lupe zu nehmen und zu schauen, welches Modell sinnvoll und auch praktikabel ist. Alle gemein haben sie, dass sie sehr zeitintensiv sind und zumeist nicht auf Wochen- oder Monatsbasis ermittelt werden können. Das gilt zumindest ab dem Zeitpunkt, bei dem Affiliate neben Search und Display mit in die Betrachtung rückt. Aber fangen wir mit den beiden zuletzt genannten Kandidaten an.

Display und Suchmaschine unterscheiden sich sehr grundlegend von ihrer Wirkungsweise. Während Suche in den meisten Fällen vorhandenen Bedarf abgreift – und ja, es gibt auch Awareness-Kampagnen bei Google & Co., aber auch diese sind einer Off- wie Onlinewerbung eher nachgelagert – weckt Display Bedürfnisse und steht in der Wertschöpfungskette zumeist am Anfang. Hierzu gibt es auch inzwischen relativ standardisierte Verfahren die sehr schön dokumentieren inwieweit Display den Search CPO positiv beeinflusst, inwieweit Image-Kampagnen die Nachfrage nach – trotz Brand Bidding immer noch günstigen – Brandkeywords verstärkt oder wie ganz allgemein ein Leistungszuwachs in der Suche (SEO wie auch SEM!) einer Kampagne zugeschrieben werden kann. So einfach diese Welt erklärt ist, also im Grunde ein zweidimensionaler Kosmos, so sehr steckt der Teufel auch hier bereits im Detail, wenn ich über Optimierungen auf Keyword(gruppen)- oder Platzierungsebene nachdenke. Denn dann fällt erst auf, wie viele Daten überhaupt benötigt werden, um neben der besten Budgetallokation auf Makroebene, die mindestens genauso wichtige Detailoptimierung in den Kampagnen durchführen zu können.

Richtigen Spaß bekommt der fleißige Datensammler aber erst, wenn er mit Affiliate die dritte Dimension hinzubekommt, welche zugleich auch die diffuseste ist. Hier treffen Pull- und Push Kommunikation im bunten Sammelsurium aufeinander. Es werden View-Möglichkeiten einbezogen, die zum Teil zu einer wahren View-Schwemme führen können, sofern sie denn alle real erzeugt bzw. mitgetrackt werden. Nehmen wir dann zu guter Letzt noch eCRM und SEO dazu, darf sich Sysiphos durchaus als glücklicher Mensch schätzen.

Das Arbeiten mit vereinfachenden Modellen („Last Four“ oder „3-Touchpoints“) wird hier zum Teil unumgänglich. Die Frage bleibt allerdings, welches Modell nun die realen Wirkmechanismen am besten widerspiegelt? Im Regelfall helfen hier nur Vergleichsrechnungen und individuelle Anpassungen, um für jeden Kunden das beste Modell abzuleiten. Für derartige Iterationen bedarf es gerade zu Beginn hohen Abstimmungs- und Diskussionsaufwand zwischen Kunde und Agentur und jede Menge Hirnschmalz. Als Arbeitsmittel empfehle ich: Ein Handtuch (weil man es immer gebrauchen kann), einen Bubble Fish (um den Homo Technicus zu verstehen) und den Reiseführer (eine Technik, die alle Informationen bereit hält).

P.S.: Und wie immer wird am Ende die Antwort auf die Frage nach dem großen Ganzen lauten: „42“

…das Zauberwort der Zukunft lautet Real Time Bidding! Denn der Internetmarkt zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass er jedes Jahr etwas spektakulär Neues zu bieten hat. Noch vor einem Jahr hat Targeting zu hitzigsten Diskussion geführt. Zwölf Monate später gehört es für viele Agenturen und Vermarkter bereits zum Tagesgeschäft. Aktuell nimmt eine neue Innovation Anlauf, den Markt zu verändern: Real Time Bidding.

Wer den Begriff „Real Time Bidding“ googelt, wird sich sehr schnell auf klassischen Brokersites wiederfinden. Und hier liegt auch sein Ursprung: Echtzeithandel. Das Thema ist im Grunde nicht neu. Egal ob gefrorener Orangensaft oder Zement – an den Börsen dieser Welt kann heute mit fast jeder Ware gehandelt werden. Und dank der technischen Entwicklung der vergangenen Jahre auch in Echtzeit. Warum also sollte das nicht auch mit Online-Werbeplätzen möglich sein?

Die Systeme dazu gibt es bereits. Speziell in den USA werden bereits nennenswerte Umsätze über Bidding-Plattformen erzielt. Aber wo steckt die wirkliche Innovation? Oder besser gefragt: Wem soll diese Innovation das Leben leichter oder die Taschen voller machen?

Schauen wir uns  zuallererst das Prinzip einer Bidding-Plattform an: Die Grundfunktion ist denkbar einfach. Auf der einen Seite werden über entsprechende Schnittstellen die Reichweitenangebote der Publisher (ihr verfügbares Inventar) eingespielt. Die Gegenseite, also die Einkäufer von Agenturen oder Kunden, haben nun die Möglichkeit, ihre Gebote für das jeweils gewünschte Produkt abzugeben. Und eigentlich war es das auch schon.

Die wirkliche Spannung entsteht – wie schon an der Börse  – erst aus dem Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage. Und hier verbirgt sich schon die erste Stolperfalle: Bricht die Nachfrage ein, können die Kurse – in diesem Fall die Preise – oft ins Bodenlose fallen. Diese schmerzliche Erfahrung werden viele von Ihnen in den letzten Jahren am eigenen Leib erlebt haben. Denn das ist der Fluch der Transparenz: Jeder kann „Just in Time“ sehen, wie es um die Begehrlichkeit der unterschiedlichen Werbeplätze und -formen bestellt ist.

Aber genau darin liegt auch der Charme einer Handelsplattform. Es gibt zwei Marktsituationen, in denen Bidding-Systeme eine hohe Dynamik erzeugen können. Für den Websitebetreiber, die Publisher, und/oder -Vermarkter wird es in einem reinen Käufermarkt richtig kritisch. Also dann, wenn es viel Angebot und wenig Nachfrage gibt. Leider ist gerade dies eines der größten aktuellen Probleme des deutschen Online-Werbemarkts.  Denn für viele Umfelder, Inventarkategorien und Zielgruppen gibt es seit langem ein deutlich größeres Angebot als die Nachfrage benötigt. Das war bisher ein offenes Geheimnis für die Akteure, ein Bidding-System würde daraus aber eine transparente Wahrheit für alle machen. An der Bidding-Börse würde damit das Preisniveau für diese Angebote faktisch abstürzen. Schöne Perspektiven für Kunden und Agenturen.

Die zweite spannende Situation, ist der Verkäufermarkt, wenn zuviele ein und dasselbe Angebot wollen und das Angebot die Nachfrage bei weitem übersteigt. Ist dies der Fall, können sich die Vermarkter die Hände reiben. Die spannende Frage lautet also: Wer hat oder braucht welches Angebot?

In Amerika, wo das Bidding deutlich weiter ist, sieht die Sache ein bisschen anders aus. Denn in den USA spricht man nicht mehr in erster Linie über Platzierungen, sondern über Profilgruppen. Damit ist auch der zu handelnde Wert nicht  mehr die Werbefläche an sich, sondern das Profil des Users. Und weil man in den USA in Punkto Profil- und Datenhandel deutlich weniger rechtliche Einschränkungen hat als hier zu Lande, dreht sich dort die Nachfrage meist um wirklich aktuelle konsumrelevante Interessenteninformationen. So interessieren sich beispielsweise die Marketer der Automobilbranche vor allem für User, die sich gerade für einen Autokauf interessieren. Deshalb wird voraussichtlich die Nachfrage nach diesen Profilgruppen das Angebot deutlich übersteigen. Gleichzeitig wir das Angebot an konventionellen Männer- oder Motorsport- Umfeldern deutlich grösser sein als die entsprechende Nachfrage. Eine Branche und zwei völlig unterschiedliche Marktsituationen. Das verspricht spannend zu werden.

Jetzt müssen Sie nur noch für sich die Frage beantworten, welches Produkt Sie zukünftig handeln möchten? Dann wissen Sie, ob Ihnen Real Time Bidding Lust oder Frust bereiten wird!

Wenn Techniker sich Produkte ausdenken oder Standards definieren, so lassen sie bei der Namensgebung meist alle Hemmungen fallen und erfinden  Begriffe, die kein Juniormarketer durchgehen lassen würde. Sie verewigen ihren Lieblingshorrorfilm, das Kuscheltier, das sie als Kind vollgesabbert haben oder verunglimpfen den Vornamen ihrer Schwiegermutter. Ähnliches ist den Kollegen beim Internet Advertising Bureau auch bei  der Schöpfung von VAST gelungen, einer Abkürzung, die so scheußlich ist, dass wohl niemand spontan etwas Positives mit dem Begriff verbinden wird.

Dabei ist VAST eine durch und durch begrüßenswerte Neuerung, die der ganzen Branche die Arbeit erleichtern wird. VAST steht für  Digital Video Ad Serving Template und müsste damit eigentlich DVAST heißen – aber das  war wohl nicht wüst  genug. VAST soll helfen, die technische Zusammenarbeit der Marktpartner, das heißt der Websitebetreiber, Vermarkter und Agenturen, im Bereich der  Instreamwerbemittel so einfach (naja, einfach…) und unkompliziert zu machen, wie sie es bei den üblichen Onlinekampagnen auf den Standardwebeplätzen endlich geworden ist.

Die Herausforderung im Bewegtbildbereich ist vor allem die Kommunikation zwischen den Filmplayern und den Adservern. Im Gegensatz zu Standardwerbeformen, die über einen Werbeplatz des Adservers ausgeliefert werden können, muss im Bewegtbildbereich die Werbung über den Player mit Hilfe eines XML Sheet gestartet werden. Um  hier eine reibungslosere Abwicklung der Kampagnen zu gewährleisten stellt VAST einen Standard bereit, der die Kommunikation zwischen dem Player und dem Adserver regelt. Dadurch wird es möglich, dass auch bei Streaming-Videos der Werbespot problemlos durch den Adserver der Agentur oder des Kunden im Redirectverfahren ausgeliefert werden kann. Er muss also nicht mehr physisch beim Vermarkter angeliefert werden, um von diesem eingebaut und ausgeliefert zu werden.  Auch für das Tracking der unterschiedlichsten Filmevents wie SpotStart, SpotStop, SpotCompleted, Replay, Fullscreen und einige mehr, stellt VAST vordefinierte Trigger zur Verfügung, die das Adservertracking dann nutzen kann. Ab diesem Herbst werden alle  namhaften Vermarkter und Videodienstleister in Deutschland VAST im Grundsatz unterstützen, so lauten zumindest die Absichtserklärungen.

Und wir freuen uns  dann schon auf VPAID. Das ist kein revolutionär neues Abrechnungssystem für Pornovideos, sondern die Abkürzung für Video Player-Ad Interface Definition, ebenfalls ein IAB-Standard.  Damit soll es möglich werden auch Interaktionen in Videostreams standardisiert über alle Player und Dienstleister zu steuern, was innovativen Kampagnenideen sicher häufiger als heute zur Umsetzung verhelfen wird.

„Jeder Verleger sollte sich einmal am Tag hinsetzen, beten und ihm dafür danken, dass er mit diesem Gerät die Verlagsbranche gerettet hat“ (Horizont, Ausgabe 26). Einprägsame Worte eines jüngst eher verzweifelt wirkenden Mathias Döpfner, seines Zeichens Axel-Springer-Chef und einer der großen Verleger in Deutschland.  Gemeint ist damit Steve Jobs und die Einführung des iPads, das die Verlagsbranche, so zumindest der Glaube von Herrn Döpfner, aus dem Tal der Tränen ins gelobte Land führen wird. Aber ist diese Einschätzung überhaupt richtig? Oder ist eine solche Reaktion nicht doch etwas zu euphorisch? Denn Fakt ist, dass die Geschichte der Markteinführung des iPads auch einen ganz anderen Ausgang nehmen könnte! Und dann wäre Herr Döpfner wohl eher vergleichbar mit Priamos, dem Herrscher Trojas, der das nette Holzpferd auch für ein wunderbares Abschiedsgeschenk der Griechen gehalten hatte. Der Rest ist hinlänglich bekannt.

Woher kommt dieser unbeirrbare Glaube, dass das iPad vor allem für Verlage eine neue Erlösquelle sein könnte? Warum sollten User plötzlich massenhaft für Inhalte bezahlen, die einen Click weiter wie immer kostenlos zu haben sind? Zumal die Revolution ja leider nur im Bereich der Gestaltung zu finden ist. Oder was sollten Verlage plötzlich inhaltlich zu leisten in der Lage sein, was ihnen im Netz nicht möglich war? Noch mehr Multimedialität? Da wird sich der eine oder andere Leser sicher freuen. In der Bilanz tauchen diese Positionen aber immer noch auf der Kostenseite auf. Und wer sich mal die Mühe gemacht hat, die Kommentare zu diversen News-Apps zu lesen, der wird festellten, dass es durchaus eine Fraktion gibt, der es weniger auf multimedialen Schnickschnack ankommt, als vielmehr auf schnelle informative Angebote. Eine Postition, die ich durchaus nachvollziehen kann. Auf diesem Weg komme ich jedenfalls sicher nicht weiter und schon gar nicht zu einem völlig neuen revolutionären Verlagsangebot.

Aber sehen wir uns doch mal die andere Seite an: Das iPad ist in erster Linie ein superschönes und praktisches „mobile“ Device. Und wem das Web auf dem Handy bisher zu fuzzelig war, der wird mit dem iPad seine wahre Freude haben. Grosses Display, einfache Bedienung und optimale Lesbarkeit. Einfach eine perfekte Alternative zur guten alten Zeitung. Oder nicht? Immer akuell und interaktiv. Warum sollte ich mir jetzt eigentlich noch die Printausgabe kaufen? Denn auch auf dem Sofa und am Frühstückstisch ist das iPad eine wirkliche Augenweide.

Tja, aus dieser Perspektive sieht die Sache schon ganz anders aus. Statt neue Erlöse über kostenpflichtige News-Aps zu schaffen, könnte das iPad auch die letzten Reste treuer Printkunden in die elektronische Welt konvertieren. Und dann, spätestens dann, brennt Troja wirklich.

Im Performance-Marketing hat sich in den letzten Jahren eine Kenngröße als dominierend heraus kristallisiert: der CPO (Cost per Order). Direkt verbunden mit diesem Leistungswert ist die zentrale Frage, wem bzw. welcher Disziplin soll oder kann die entsprechende Order zugerechnet werden?

Anfangs haben die unterschiedlichen Disziplinen wie Display, Affiliate oder Search vorwiegend auf ihre eigenen Trackingsysteme gesetzt.

Da diese Vorgehensweise aber immer zu einem mehr oder weniger großen Anteil an „Doppelzählungen“ – und damit meist auch „Doppelvergütungen“ – führt, haben sich in der Zwischenzeit viele Kunden zu einem übergreifenden Tracking mittels einer so genannten Cookie-Weiche entschieden. Die entsprechende Zuweisungsregel lautet dabei „Last Cookie wins“. Damit bekommt immer der letzte Klick vor dem anschließenden Kauf die Order zugesprochen. Im Prinzip eine saubere und transparente Lösung. Zumal der Kunde das zentrale Problem der Doppelvergütung gelöst sieht.

Bei genauerer Betrachtung birgt die Regelung „Last Cookie wins“ jedoch einige schwerwiegende Schwachpunkte.

Neben der Möglichkeit, diese „Last Clicks“ technisch zu erzeugen (siehe auch Affiliate-Betrug) ist vor allem die sehr einseitige Gewichtung der Kommunikationsleistung ein zentrales Problem dieser Bewertungssystematik. So finden zum Beispiel Sichtkontakte, die eventuell einen maßgeblichen Anteil am Aufbau der Markenbekanntheit, der Sympathie und nicht zuletzt der Kaufbereitschaft haben, keinerlei Berücksichtigung. Aber auch der Tatsache, dass unterschiedliche Kommunikationsangebote typischerweise  an unterschiedlichen Positionen innerhalb des Kaufentscheidungsprozesses genutzt werden, wird bei einer „Last Cookie wins“ Regelung nicht berücksichtigt. Dies führt zum Beispiel dazu, dass Search bei den „Last Clicks“ überproportional  stark vertreten ist, da die meisten User Google vor dem Kauf als Navigationshilfe nutzen. Das Problem stellt sich also wie folgt dar: Mit „Last Cookie wins“ verfügt der Markt zwar über eine einfache und durchaus praktikable Lösung für die Zuweisung der Orders. Leider ist diese Systematik jedoch nicht in der Lage, eine wirkliche Dokumentation der benötigten Kommunikationsleistung zu erbringen.

In der Diskussion um einen Lösungsweg taucht ein Begriff immer häufiger auf: Die Customer Journey. Sie umfasst  den gesamten elektronischen Weg des Konsumenten – vom ersten Sichtkontakt mit einem Banner bis zur Kaufbestätigung und evtl. sogar noch darüber hinaus. Aber nicht nur die vollständige Erfassung aller so genannten Tuchpoints versteckt sich hinter der Vision einer „Customer Journey“, sondern gleichzeitig soll endlich auch eine Leistungsbewertung jedes einzelnen Kommunikationsbeitrags entstehen. Damit wäre Online gelungen, was alle anderen Medien seit Jahren vergeblich versuchen: ein individueller, kampagnenbezogener Leistungsnachweis, der alle nur denkbaren Kommunikationsbausteine innerhalb eines Bewertungssystems vergleichbar macht.

Das Ergebnis für den Kunden: Maximale Transparenz, optimale Planungsgrundlagen, sichere Budgetverteilung.

Es ist heutzutage nicht einfach sich über die unterschiedlichsten Verlautbarungen der Online-Branche, die täglich über den Ticker flattern, noch zu wundern, geschweige denn zu amüsieren.

Da schlage ich z.B. die aktuelle W&V (Nr. 18) auf und auf Seite 28 erklärt mir Herr Berndt von Publicis, dass für ihn ein „Bannering – System, das in Echtzeit Banner-Strategie und Kreation optimiert“ eine echte Innovation ist und sich mit diesem Tool bei der Neugeschäftsakquisition Türen öffnen. Na dann mal Glück auf, wenn das mal keine News ist! An dieser Stelle verweise ich gerne auf unseren Gewinn des NewMediaAwards 2009, den wir bereits letztes Jahr für eine Kampagne erhalten haben, in der genau solch ein Tool Teil des Erfolges war und durch die Jury mit dem Sieg belohnt wurde. Innovation sieht daher anders aus…

Merke 1: Nur weil ich etwas nicht kannte, ist es noch lange keine Innovation!

Auch die bahnbrechende News in der letzten Veröffentlichung des Adzine– Newsletters im Rahmen einer atemberaubenden Tooldarstellung der Onlinespeerspitze McKinsey: im Rahmen derer Analysen wurde die Modemarke Esprit hervorgehoben, die lt. Nielsen eine Steigerungsrate in den Spendings von 2008 auf 2009 von 48 Millionen Euro aufweist…. 48 Millionen Euro Steigerungsrate – wer’s glaubt wird selig. Es wäre schon ein Wunder, wenn das Gesamtspending 48 Mio Euro sein würde. Und auch dann sollte man den Zahlen nicht einfach glauben, denn 48Mio Euro bedeutet bei Nielsen ein Spending mit einem Durchschnitts-TKP von 5 Euro. Sind wir mal realistisch und nehmen unser Fachwissen hinzu, so stellen wir fest, dass Esprit v.a. eine massive Affiliatestrategie fährt und auch sonst eigentlich nur Restplätze bucht. Das wiederum heisst, dass der Durchschnitts-TKP sicherlich nicht bei 5 Euro, sondern eher bei max. 0,50 Euro liegt, eher aber wohl sogar bei nur 0,25 Euro. Und das bedeutet, dass aus der angenommenen Steigerungsrate von 48 Mio Euro irgendwas zwischen 2,4 Mio Euro und 4,8 Mio Euro werden wird – und jetzt sind wir wohl realistischerweise bei den Gesamtspendings und nicht bei der Steigerungsrate.

Merke 2 – Statistiken sind geduldig und im Detail meist falsch oder anders und glaube nur den Zahlen, die Du selbst gemessen hast….

Und so ließe sich die Liste der Hot News beliebig fortsetzen. Ich erspare es uns und fordere alle auf, sich sowohl bei der Veröffentlichung als auch der Interpretation solch nervenaufreibender Messages immer wieder selbst zu fragen,  ob das denn wirklich neu und auch nur einigermaßen fundiert ist. Denn am Ende sollte der Braten nicht nur dem Journalisten schmecken, sondern v.a. dem mündigen Leser ….

In den letzten Tagen sorgten die Webguerillas, eine Agentur für alternative Werbeformen, mit einem Media Manifest für reichlich Aufregung. In zwölf Thesen plädierten sie für eine neue Media-Messung und behaupteten, dass die klassische Werbung nicht mehr funktioniere, da sich die Zielgruppen heute nicht mehr auf den Content-Sites aufhielten, sondern vielmehr in den Social Communities. Das ist jedoch falsch. Warum? Das lesen Sie hier…

Die Thesen und Forderungen der webguerillas im Einzelnen:

1.) Communities versus klassischer Content-Websites: Social Communities laufen den klassischen Medien, Content-Sites und Portalen aktuell in der Gunst der Nutzer den Rang ab. Traditionelles Werbeverhalten und bisherige Media-Währungen verlieren damit an Wert.

Natürlich ist es unbestritten, dass Social-Media in den letzten Jahren ein enormes Wachstum an den Tag gelegt hat. Sieht man sich jedoch die aktuellen Reichweiten-Statistiken an, stellt man fest, dass der Großteil der Sitekontakte nach wie vor auf die klassischen Content-Sites und Portale  entfällt. Und auch die Wachstumsraten bei Anbietern wie z.B. T-Online, Bild.de oder MSN (im Durschnitt über 20 Prozent Wachstum von 2008 auf 2009) sind durchaus mit den Leistungswerten entsprechender Community-Sites vergleichbar. Es kann also derzeit nicht die Rede davon sein, dass wir eine marktübergreifende Reichweitenverschiebung von Content-Sites und Portalen hin zu Community-Sites erleben.

Die Aussage der ersten These, dass  „traditionelles Werbeverhalten und die bisherigen Media-Währungen an Wert verlieren“ ist daher nicht nachvollziehbar. Denn das Eine hat mit dem Anderen nichts zu tun. Vor allem nicht, da auch bei Buchungen innerhalb von Community-Sites mit den klassischen Media-Währungen wie TKP oder CPC gearbeitet wird. Natürlich ist es richtig, dass Werbung innerhalb von Community-Sites anderen Gesetzmäßigkeiten unterliegt als Kampagnen auf Content-Sites und Portalen. Hier geht es aber in erster Linie um die inhaltliche Abstimmung des Angebots und nicht um die mediale Reichweitenplanung.

2.) Werbesog statt Werbedruck: Eine hohe Zahl an Werbekontakten ist kein Erfolgsparameter. Künftig geht es darum, Konsumenten zu animieren, zu aktivieren und ihr jeweiliges, persönliches Netzwerk in Kampagnen mit einzubeziehen.

Eine hohe Zahl an Werbekontakten war noch NIE ein wirklicher Erfolgsparameter. Der Erfolg einer Kampagne wird im Netz schon immer anhand der Zielerreichung gemessen. Also z.B. anhand des generierten CPOs. Eine gut geplante Kampagne versucht zudem eine exakt definierte Kontaktdosis nicht zu überschreiten. Denn dass es eine ideale Anzahl an Kampagnenkontakten gibt und alles, was drüber hinaus geht ineffizient ist, weiß mittlerweile jeder. Diese Erkenntnis gab es sogar schon vor dem Internet. Richtig ist natürlich die Aussage, dass es zukünftig vermehrt darum geht, den Konsumenten zu animieren. Aber auch das ist keine Erkenntnis, die speziell für Community-Sites, sondern für jede Art von Kommunikation gilt. Und natürlich sollte ein moderner Mediaplaner dabei auch die persönlichen Netzwerke seiner Kampagnen- Zielgruppen mit einbeziehen. Was sie übrigens schon lange tun, sonst gäbe es nämlich keinerlei Werbung für Marken und Produktaktionen innerhalb von Communities.

3.) Fangemeinde statt Zielgruppe: Die klassische Zielgruppe gibt es nicht mehr. Benötigt wird ein Verfahren, das Markenfans Milieu übergreifend sicher identifiziert.

Klassische Zielgruppenmodelle verlieren tatsächlich  zunehmend an Bedeutung. Der modernste Ansatz, um hier neue Planungsgrundlagen zu schaffen, ist jedoch nicht in Communities zu werben, sondern die entsprechende Zielgruppe über Profiling zu generieren und anschließend zu erreichen. Denn profilgesteuerte Mediaplanung geht ja genau den Schritt von der statistischen Zielgruppenwahrscheinlichkeit hin zum ganz persönlichen Marken- und Produktinteresse der User. Daher ist die These „Fangemeinde statt Zielgruppe“ in der praktischen Umsetzung ziemlich unrealistisch. Würden wir die Kampagnen unserer Kunden nur noch den Fans ausgewählter Communities zeigen, dann würden so manche Umsatzziele in weite Ferne rücken. Natürlich verfügen einige wenige Marken über eine relevante Fangemeinde. Es wird aber auch in Zukunft viele Produkte geben, die wir kaufen, ohne dass wir gleich einer Fangruppe beitreten. Diese Thesen klingen zwar sehr modern, haben aber mit der Mediapraxis nicht viel zu tun.

4.) Aktivitätsverlust statt Streuverlust: Der Begriff „Streuverlust“ ist überholt. Grundlage ist künftig der individuelle Dialog mit dem Konsumenten.

Aktivitätsverlust statt Streuverlust? Auch das ist nicht neu und sollte durch eine gute Kommunikationsplanung vermeidbar sein. Wobei der Aktivitätsverlust – wenn er denn eintritt – sehr oft mit der Qualität der Produkte oder der Attraktivität der Marke zu tun hat und weniger mit der Mediaplanung. Der Streuverlust wiederum ist ein zentrales Thema innerhalb der Planung. Und er ist in jedem Fall zu vermeiden bzw. so gering als möglich zu halten. Das kann auch jeder Printplaner bestätigen.

Der zweite Teil der These „Grundlage ist künftig der individuelle Dialog mit dem Konsumenten“ ist sicher richtig. Aber auch hier gibt es kein „entweder… oder“. Der Dialog mit den Kunden ist ein zugegebenermaßen sehr wichtiger Bestandteil im Kommunikations-Mix. Aber er ist mit Sicherheit keine allein seligmachende Lösung. Und ganz nebenbei: Auch das ist nicht neu. Dazu sollte man sich einfach mal das Gründungsdatum der ersten deutschen Dialogagentur ansehen.

5.) Tausend-Gesprächs-Preis statt Tausend-Kontakt-Preis: Der TKP sagt nichts über das Aktivierungspotenzial der Konsumenten aus. Dieses misst künftig der Tausend-Gesprächs-Preis als ein Parameter für den aktiven Dialog.

Im Grunde wiederholt diese These Punkt 1. Richtig ist, dass der TKP nichts über das Aktivierungspotenzial der Konsumenten aussagt. Aber die anschließende Leistungsmessung kann das sehr wohl. Hier scheint der Autor des Manifests nicht sehr viel praktische Erfahrung mit dem Thema Mediaplanung zu haben, denn es gibt so gut wie keine Online-Kampagne, die auf TKP optimiert wird. Die Optimierung findet in der Regel auf sehr klaren Indikatoren des Aktivierungspotenzials statt wie z.B. CPO (Kauf als Aktivierung), CPA (Adressabgabe als Aktivierung), CPC (Click Interesse als Aktivierung). TKP ist NUR eine Währung zum Handel mit Kontakten. Nicht mehr und nicht weniger.

6.) Gross-Involvement statt Gross Rating Point: Es reicht nicht aus, den durchschnittlichen Werbedruck zu messen, im Web 2.0-Zeitalter kann auch die tatsächliche Werbewirkung ermittelt werden.

Nicht erst im Zeitalter von Web 2.0 lässt sich die Werbewirkung messen. Ganz im Gegenteil: Es wäre sehr wünschenswert, wenn Communities die Werbewirkung einer Aktion endlich vernünftig dokumentieren könnten, statt am Ende einfach nur die Anzahl der neu gewonnenen Freunde aufzulisten. Hier könnte mach sich doch die detaillierten Werbewirkungsanalysen klassischer Medien als Vorlage nehmen.

Und als kleine Anmerkung: GRPs gab es in Online noch nie. Dieser Begriff wird ausschließlich in der klassischen Planung verwendet und hier macht er auch Sinn, da es leider keine bessere Möglichkeit gibt, den Werbedruck in der Zielgruppe zum Ausdruck zu bringen.

7.) Always on statt Einschaltquote: Jüngere Zielgruppen sehen TV immer öfter (nicht linear) übers Netz. Zeitgleich vernetzen sie sich in Communities und lesen die neuesten Nachrichten. Für diesen „Always on“-Modus bedarf es einer neuen Messgröße

Warum? Was es im Bereich des „Non-Liniaren-Fernsehens“ sicher braucht, sind neue Messverfahren. Aber warum sollten sich die Messgrößen verändern? Den Kunden interessiert, wie viele Menschen haben meinen Spot oder besser meine Botschaft gesehen. Dabei ist es nicht wirklich relevant ob das „live“ oder „on demand“ stattfindet. Und hier gibt es ja bereits einige Initiativen: Wie man beispielsweise zukünftig auch den zeitversetzten TV-Konsum erfassen und bewerten kann. Und soweit es sich um IP basierte TV-Angebote handelt, kommen sowieso die bereits für andere IP-Angebote (wie z.B. das Internet) entwickelte Tracking- und Analyse-Systeme zum Einsatz.

8.) Involvieren statt rezipieren: Der aktive Medienkonsument im Lean-forward-Modus ersetzt zunehmend den trägen Couch Potatoe.

Das bleibt abzuwarten. Ich kenne viele „Onliner“, die ganz gerne die Füße hochlegen und sich auch mal gerne einfach berieseln lassen. Ich glaube nicht, dass der Mensch, auch wenn die Angebote es ihm erlauben würden, zukünftig nur noch im Lean-forward-Modus ist. Viel wahrscheinlicher ist es, dass beide Modelle ihre Zeit haben. Richtig ist, dass wir immer mehr Angebote haben, die wir im Lean-forward-Modus nutzen können. Auch damit können Kunden und Agenturen richtig umgehen.  Wer sich die diesjährigen Cannes-Auszeichnungen ansieht stellt fest, dass sich der Trend zu intermedialen Aktionskampagnen immer deutlicher durchsetzt. Das zeigt, dass Agenturen durchaus gelernt haben, mit dem Lean-forward-Modus umzugehen.

9.) Marken-Content versus Medien-Content: Die klassische Medienlandschaft löst sich auf: Brands und Blogger konkurrieren mit redaktionellen Content-Sites um die Aufmerksamkeit der User.

Lassen wir die Kirche im Dorf. Wenn wir den Anteil der Brands und Blogger am gesamten Medienkonsum unserer Bevölkerung betrachten, dann ist er immer noch verschwindend gering. Richtig wiederum ist, dass es für Marken in Zukunft in erster Linie um Entertainment gehen wird. Je mehr der Nutzer selbst entscheiden kann, welche „Werbung“ er sich ansieht und welche er weg-clickt oder weg-spult, desto mehr wird der Werbeerfolg am Unterhaltungswert festgemacht werden.

10.) Echtzeit-Monitoring statt Reichweiten-Umfragen: Die derzeitigen Reichweiten-Umfragen sind im Web2.0-Zeitalter ein Anachronismus. Sie führen zu einer unzureichenden Darstellung der Mediennutzung und müssen durch ein ganzheitliches Echtzeit-Monitoring ersetzt werden.

Wo liegt der wirkliche Unterschied zwischen einer Reichweitenumfrage und einem ganzheitlichen Echtzeit-Monitoring? Oder besser: warum soll das Eine das Andere ersetzten? Wir nutzen doch schon heute Social-Media-Monitoring zur Analyse des Umfangs oder der Auseinandersetzung mit Marken, Produkten oder Themen und stellen diese Daten in Relation zu unseren Kampagnen. Daraus ziehen wir dann Rückschlüsse über deren Wirkungsweise. Aber warum sollten wir deshalb auf gezielte Befragungen als Instrument der Werbewirkungsmessung verzichten? Beide Werkzeuge können einen wichtigen Beitrag zur Bewertung und Optimierung von Kampagnen liefern. Vor allem da die Informationen des Social-Media-Monitorings viele Aspekte der Werbewirkung von Kampagnen einfach nicht abbilden können. Der beste Umgang mit neuen Angeboten ist aus meiner Sicht, sie dort zu integrieren, wo sie sinnvoll sind, statt bewährte und  funktionierende Systeme blindwütig zu ersetzen.

11.) Globales Dorf statt Nielsen-Gebiete: Die Einteilung der Deutschland-Karte nach Nielsen-Gebieten entspricht dem Postkutschen-Zeitalter. Es bedarf Einteilungen und Messgrößen, die dem kosmopolitischen Weltbild entsprechen.

Diese These hat mit der Praxis einer Mediaagentur wenig zu tun. Was spricht dagegen, den Vertrieb von Medien wie z.B. Tageszeitungen in Nielsen-Gebiete aufzuteilen? Diese Medien werden schlicht und einfach regional genutzt. Wie übrigens auch der Bäcker um die Ecke. Und dort, wo wir am ehesten ein „Globales Dort“ finden – nämlich im Netz, waren Nielsen-Gebiete noch nie ein Thema. Und auch wenn es der Autor nicht wirklich wahrhaben möchte, sind viele Themen unseres Lebens eben nicht global. Selbst wenn wir heute unsere Bücher bei Amazon kaufen können, ist der mit Abstand größte Teil unseres Handelns noch immer regional. Daher haben viele unserer Kunden bei der Steuerung ihrer Kampagnen nach wie vor einen entsprechend nationalen oder regionalen Fokus. Und keine Sorge: Sobald wir wirklich in einer weitgehend globalen Welt leben, wird sich keiner mehr an Nielsen-Gebiete erinnern. Weil Kampagnen den Konsumenten folgen und nicht, weil es ein Manifest so definiert hat.

12.) Markenbotschafter versus Werbeträger: Die in den klassischen Medien geschalteten Werbebotschaften verlieren weiter an Akzeptanz. Stattdessen berichten Multiplikatoren im Netz authentisch über ihre Markenpräferenzen.

Die Werbewirkung von Online-Kampagnen hat in den letzten Jahr nicht wirklich signifikant an Leistung eingebüßt. Natürlich finden Leser oder User Werbung zu einem beträchtlichen Teil störend. Aber Marken wie Coke, Nike oder Audi sind zum größten Teil das Ergebnis von gut gemachter Kommunikation. Das Markenbild und die damit verbundene emotionale Bindung sind die Produkte von Werbung. Nicht die frenetischen Geschmacksbeschreibungen begeisterter Konsumenten haben Coke zu dem gemacht, was es heute ist, sondern geplante und breit gestreute Markenkampagnen. Das Bild einer Marke oder eines Produkts in unseren Köpfen setzt sich aus vielen unterschiedlichen Einflüssen zusammen. Der Bericht eines authentischen Verwenders ist ein wichtiger Baustein. Aber eben nur einer.

Das gesamte Manifest propagiert im Grunde einen schnellen Austausch von alten Modellen und Werkzeugen. Mit Sicherheit werden einige der genannten Begriffe, Regeln oder Strukturen in den nächsten Jahren verschwinden. Aber nur dort, wo sich neue Ansätze als einfacher oder effizienter erwiesen haben. Der Autor stellt die Planer von heute wie steinzeitliche Überbleibsel dar, die mit Gewalt  an alten Zöpfen festhalten. Für mich hat er jedoch wenig Ahnung vom Planungsalltag einer modernen Agentur. Wir können ihm aber gerne einen Praktikumsplatz anbieten.

Viele wird es wundern, aber die bunte Online Welt hat viel mehr mit Karneval zu tun als man auf den ersten Blick vermuten mag. Man beachte bitte, dass ich bewusst von „Karneval“ spreche und nicht von Fasching, was glaube ich historisch eine Mischung aus „Fascho“ und „Petting“ ist (ich kann mich da aber auch irren). Jedenfalls hat ein Tanz grantliger Marktfrauen nichts mit rheinischem Frohsinn gemein und noch nicht mal mit Frohsinn überhaupt. Die Antwort auf die Frage „Wie es denn war?“ ist hierbei entlarvend, denn in der Regel folgt ein „Oooch, war ganz lustig“, was so abenteuerlich klingt wie Arte-Nachtschleifen oder Synchronschwimmen im Dunkeln. Zusammenfassend heißt die Formel: Oktoberfest macht nur in München, Karneval nur im Rheinland Spaß.

Aber was sind nun eigentlich die „Touchpoints“ zwischen Karneval und Online Media, wenn die werberdeutsche Formulierung an der Stelle erlaubt sei. Nun zum einen gibt es bei beiden Anlässen Clowns, Piraten, Cowboys und Selbstdarsteller. Wer sich allerdings wie maskiert, das muss jeder selber rausfinden. Kleiner Tipp zur Kleiderwahl: Um im Kölner Karneval am schnellsten Anschluss zu finden, sollte man sich statistisch gesehen als Matrose (Mann) oder als Krankenschwester (Frau bzw. solche welche die Rolle übernehmen möchten) verkleiden. Zum anderen gibt es immer einen kurzen aber gewaltigen Hype, der im Rausch verfliegt und in einem brachialen Kater endet. Anfang der 00-Jahre knallte es zum ersten Mal, genauso wie zum Ende. Davor und dazwischen hat die Branche sich selbst gefeiert und in schulterklopfenden Aufmunterungen überboten. Häufigster Dialog auf der (eh.) OMD war sicherlich: „Und wie läuft es bei dir?“ „Alles super! Bei uns geht es steil bergauf! Prost!“ Das Gefühl des Überschwangs und der Euphorie ist natürlich auch dem Karneval nicht fremd und erhält nur selten Dämpfer – wie überfüllte Kneipen oder merkwürdige Balzriruale des besten Kumpels.

Für das sinnlose Plündern der Spesenkasse und das nicht immer kontrollierte Paarungsverhalten gibt es bei uns in Kölle dann aber immer eine finale Absolution, welche in der Nubbelverbrennung vollzogen wird. Der Nubbel ist eine Strohpuppe, der am Karnevalsdienstag die Anklage verlesen wird, bei der ihr alle Sünden übertragen werden. Zum Schluss wird sie verbrannt und man kann wieder sorglos durchs Leben gehen bis zur nächsten Session. Das Motto „Dat wor dä Nubbel“ könnten wir natürlich auch mal für eine DMEXCO hernehmen und am zweiten Messetag eine kleine Sündenverbrennung vornehmen. Anklagepunkte gibt es eigentlich auch immer genug und im Zweifelsfall nimmt man Dauerbrenner wie:

– Stetiges Streben nach Wachstumsraten jenseits der 30%, wo jeder der in BWL und VWL aufgepasst hat wissen sollte, dass solche Entwicklungen immer zu Spekulationsblasen  führen!

– Übertriebene Selbstdarstellung in allen Lagen!

– Kultivierung einer Sprache, die zwar vor Anglizismen strotzt, einem Engländer aber unverständlich bleiben wird!

Ich würde mich über ein kleines Feuer am Rhein sehr freuen und wir könnten dabei noch ein paar Lycos-Aktien oder Arbeitsverträge von AOL mit auf den Scheiterhaufen geben. Spaß dürfte garantiert sein. Bei aller Freude über die vergebenen Sünden darf aber eins nicht vergessen werden: Die Scheidungsquote im Rheinland ist nach Karneval trotzdem am höchsten. Rituell mögen die Lasten weg sein, real gibt es aber durchaus Menschen, denen die Symbolik alleine nicht ausreicht.

An apple a day keeps the doctor away. Für die menschliche Physis mag ein Apfel am Tag positive Auswirkungen haben, ob aber die Medien und Inhaltsproduzenten am neuesten Apple, dem iPad, gesunden, muß sich zeigen. Dem mediascale-Orakel haben wir das iPad vorgelegt und vom Spieglein an der Wand folgende Weissagungen bekommen:

1. Der Tablet stützt Online nicht Print!
Die Zielgruppe wird sich primär aus internetaffinen Usern zusammensetzen , eher „Spiegel Online als Spiegel Print“.  Diese  werden ein entsprechendes Nutzerverhalten an den Tag legen und auch  eher neue Onlinewerbeformen akzeptieren, als aus dem Printbereich Gewohntes.

2. Ein Paid-Content-Modell kann funktionieren!
Bezahlmodelle für Medieninhalte können auf dem Tablett eher funktionieren, als in jedem anderen Onlinemedium. Gerade zum Start des iPad werden die meisten User aus der Welt von iTunes, iPod und iPhone kommen. Diese sind es damit gewohnt,  dass gewisse Dienste und Inhalte kostenpflichtig sind.

3. Apple profitiert in jedem Fall!
Apple wird auf jeden Fall gut  verdienen, auch an den Inhalten – weil sie mit itunes ein allseits akzeptiertes Billingsystem haben. Zudem sind sie nicht so dringend auf eine originär große Reichweite angewiesen wie die Verlage. Ob sich alle Forschungs- und Entwicklungskosten decken lassen, ist natürlich auch eine Frage der Verbreitung. Jedoch ist die Not hier nicht so hoch wie bei den Contentlieferanten. Somit verhandelt Apple von einer starken Position und wird einen hohen Share für sich in Anspruch nehmen.

Also lautet unsere mediascale-Bauernregel für die T-App-loids: The iPad ware, increases the Apple share.

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