Tag Archiv für "Mediennutzung"

Es gibt etwas zu feiern, denn die 100. Folge von Bscheid gsagt ist online!

In der heutigen Folge beschäftigen wir uns mit den Aspekten Digitalisierung und Freiheit. Dank Video-on-demand-Angeboten wie Netflix oder Amazon Prime haben Konsumenten heute einen sehr großen Freiheitsgrad bei der Mediennutzung. Und auch die klassische Einkaufssituation ist eine andere, denn Konsumenten haben inzwischen die weltweite Produktauswahl jederzeit online verfügbar.

Für Marken entstehen dadurch neue Herausforderungen, da es immer schwieriger wird Konsumenten an sich zu binden. Wie also schafft man es Konsumenten so zu begeistern, damit sie trotz der Freiheiten greifbar bleiben? Dieser Thematik widmet sich Wolfgang Bscheid in der Jubiläumsfolge von Bscheid gsagt.

mediascale, multiscreem, second screen

Die Begriffe der Screen-Nutzung haben sich in den vergangenen Jahren stark gewandelt und sich auch dem veränderten Nutzungsverhalten angepasst. Heute soll diese Entwicklung im Laufe der Zeit einmal näher betrachtet werden.

 

Dafür ist es notwendig einmal zurück zum Beginn der TV-Nutzung zurückzugehen. Dem ursprünglichen First-Screen. Mit der ersten Übertragung von bewegten Bildern in den 1920er Jahren ist die Televisionstechnik für die damalige Zeit als neuartiges Medium einzuordnen. Hieraus entwickelten sich das heutige Fernsehprogramm, wie auch die Technik für Kinovorstellungen. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ist durch den andauernden technischen Fortschritt das heute bekannte Internet entstanden. Als wichtige Grundlage dafür ist die Verbreitung und Verfügbarkeit von Telefon-Breitbandanschlüssen zu sehen. Zu Beginn des aktuellen Jahrtausends kamen dann die ersten Smartphones hinzu, deren Verbreitung in Deutschland vergangenes Jahr bei über 46 Mio. lag. Tendenz weiter steigend.

Durch die Entwicklung der verschiedenen Medien hat sich auch die Mediennutzung gewandelt. Besonders deutlich zu sehen ist es in den vergangenen 20 Jahren durch das Internet. Ein Vergleich der Nutzungsdauer von Fernsehen, Hörfunk und Internet über einen Zeitraum von mehr als zehn Jahren durch die Online Studie von ARD und ZDF weist eine starke Steigerung im Bereich des Internets auf.

Es zeigt sich auch, dass die Nutzung dieser Medien in ihrer Gesamtheit in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen ist. Von knapp sieben Stunden im Jahr 2000 auf über neun Stunden in 2014. Da allerdings feststeht, dass die verfügbare Zeit für die Nutzung mit 24 Stunden je Tag konstant geblieben ist, lässt sich folgern, dass verschiedene Medien mit hoher Wahrscheinlichkeit auch parallel genutzt werden.

Dabei wird eines der Medien als Hauptmedium gesehen, während alle weiteren unter den Begriff der Begleit- bzw. Hintergrundmedien fallen. Beispielsweise wird morgens die Tageszeitung gelesen und gleichzeitig Musik über das Radio konsumiert. Dabei gilt das Medium Print als Hauptmedium und die Radionutzung erfolgt über das Hintergrundmedium. Die Unterscheidung zwischen Haupt- und Hintergrundmedium ist dabei allerdings nicht immer eindeutig zu treffen. In der Regel wird das Medium, welchem die höchste Aufmerksamkeit der Nutzer zuteil wird, als Hauptmedium gesehen. Im aufgezeigten Beispiel der Parallelnutzung von Tageszeitung und Radio gilt das Lesen der Zeitung als Beschäftigung mit dem Hauptmedium, da der Nutzer den Großteil seiner Aufmerksamkeit darauf verwendet.

Unsere heutige Mediennutzung ist häufig auch an die Verwendung mehrerer Screens gekoppelt. Ob lineares TV oder Pay-TV, Radionutzung über Streaming-Apps, Mobile oder Digital OOH. Dadurch hat sich in den vergangenen Jahren der Begriff Second-Screen-Mediennutzung etabliert. Damit war zuerst die Parallelnutzung von TV und Internet gemeint. Im Allgemeinen wurde davon ausgegangen, dass TV als erster Screen anzusehen ist und somit das Hauptmedium bildet. Dies ist vor allem auf die langjährige Etablierung des Mediums TV im Nutzungsverhalten gegenüber den neueren Onlinemedien zurückzuführen. Ein weiterer Aspekt, warum TV als First-Screen gesehen wird, liegt in seiner Größe. Die Oberfläche eines TV-Bildschirms ist denen eines stationären PCs oder Laptops deutlich überlegen.

Dabei umfasst die Second-Screen-Nutzung nicht nur die Verwendung des zweiten Bildschirms mit Thematiken, die eine direkte inhaltliche oder technische Verbindung zum Fernsehprogramm aufweisen. Vielmehr werden auch abgerufene Inhalte die nichts mit dem aktuellen TV-Programm zu tun haben damit beschrieben. Voraussetzung für die Second-Screen-Nutzung ist demnach lediglich die parallele Nutzung eines Mediums über einen zweiten Bildschirm unabhängig von den konsumierten Inhalten auf den beiden genutzten Geräten. Bei dem Abruf von E-Mails über ein Endgerät und dem gleichzeitigen Konsum von TV-Inhalten, fällt dieser Vorgang ebenfalls unter den Nutzungsbegriff der Second-Screen-Nutzung.

Der Begriff des zweiten Screens sollte sämtliche digitalen Endgeräte mit einschließen, nicht mehr nur den stationären PC oder Laptop. Ob Spielekonsole, Tablet, Smartphone oder Wearable überall wird ein Screen für die Nutzung eines Mediums verwendet. Damit zeigt sich, dass der Begriff Second-Screen mittlerweile nicht mehr ausreicht um die aktuelle Mediennutzung zu beschreiben. Daher spricht man heute von eher einer Multi-Screen-Mediennutzung. Damit ist die gleichzeitige Nutzung von mindestens zwei Endgeräten gleichzeitig gemeint.

Man kann also sagen, dass es von der ersten TV-Nutzung in den 1920er Jahren bis zur Second-Screen-Nutzung zu Beginn des aktuellen Jahrtausends fast 80 Jahre gedauert hat. Der Sprung zur Multi-Screen-Nutzung hingegen keine zehn Jahre. Wir sind gespannt, wie es weitergeht.

Manchmal beginnt die Totenmesse schon, wenn noch gar niemand unter der Erde ist. Facebook liegt hinsichtlich Nutzung und Beliebtheit nicht mehr ganz so im Trend der Jugendlichen und schon sehen die ersten Apokalyptiker das Ende nahen. Dabei lautet die Frage eigentlich: Braucht Facebook auf absehbare Zeit eine nachwachsende enthusiastische Generation und inwieweit.

Denn auch wenn sich die Gunst verschiebt und WhatsApp und Co. im Trend liegen, so ist es dennoch nur ein Bruchteil, die Facebook nicht nutzen. Und nebenbei ist die Entwicklung doch nur zu normal:

Facebook ist inzwischen Mainstream und ich persönlich fände ein Netzwerk auch nicht mehr so prickelnd, in dem sich meine Mutter mit mir befreunden möchte und meine junggebliebene Großmutter Peinlichkeiten ihres Rentnerdasein postet. Das belegen nicht nur Studien, sondern eigene kleine Feldforschungen bei Bewerbern und auf Vorträgen.

Nur: Jugendliche stehen gar nicht so oft im Fokus von Werbung wie suggeriert wird. Im vergangenen Jahr erwähnten vielleicht maximal 10 Prozent aller Briefings, die uns erreichen, diese Zielgruppe. Denn häufig fehlt nicht nur die Kaufkraft, sondern auch (beidseitiges) Interesse. Das mag nun sehr stark branchenindividuell variieren (und ja Markenbindung beginnt am besten in jungen Jahren), aber in der Regel zielt die Werbung auf ältere (über 20) und solventere Konsumenten. Und wenn ich als Facebook schon alle anderen User bei mir versammelt habe, kann ich es mir durchaus leisten, nicht mehr die Nr. 1 sozialer Kommunikation unter den Teenagern zu sein. Dies gilt umso mehr, wenn die Mitbewerber (noch) nicht um die Mediatöpfe konkurrieren. WhatsApp hat man gerade erworben und es ist medial (noch) nicht buchbar. Und Newcomer wie Snapchat müssen erst mal zeigen, ob sie dauerhaft bestehen.

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