Tag Archiv für "Mediamix"

Getreu diesem Motto nach einem Lied von Olaf Berger ging es für drei Kolleginnen der mediascale zum YouTube Festival 2022 an der Station Berlin, um neue Inspirationen zu sammeln und Wissen auszutauschen.

Der Beginn der Veranstaltung stand ganz unter dem Motto Insights und Ideen – bei einer Vielzahl an Vorträgen auf fünf Bühnen konnte man von Unternehmen wie yfood, Porsche und Westwing lernen, wie sie erfolgreich Kommunikation auf YouTube umsetzen.  Darüber hinaus wurden Creator*innen interviewt, Live-Podcasts aufgenommen oder die Besucher*innen konnten in Jam-Sessions selbst mitmachen und Erfahrungen teilen.

Die drei wichtigsten Key Messages aus der anschließenden Live-Show sind folgende:

  1. YouTube hat eine Reichweite von 49 Millionen und Erwachsene in Deutschland schauen täglich im Schnitt 40 Minuten Videos auf YouTube. Immer wichtiger wird das TV-Gerät als Screen, mehr als 30 Millionen Menschen schauen YouTube darauf.

 

  1. Um herauszufinden wie effizient und wirksam Marketingaktivitäten sind und welche Optimierungsmaßnahmen im Media-Mix sowohl die Effektivität als auch die Effizienz steigern, setzen Marketingverantwortliche auf Marketing-Mix-Modelle.
Quelle: thinkwithgoogle

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Google beauftragte Nielsen mit einer Metaanalyse aus 144 MMMs von 102 Marken aus der Konsumgüterindustrie in Deutschland und kommt zu dem Ergebnis, dass YouTube im Mediamix oftmals vernachlässigt wird und durchaus gute Ergebnisse erzielen kann.1

  1. Im Mittelpunkt der Liveshow und des gesamten Abends stand das Format YouTube Shorts –  kurze, maximal 60 Sekunden lange Videos auf YouTube, was als Reaktion auf TikTok und Instagram Reels zu verstehen ist. Mittlerweile gibt es bereits 30 Milliarden tägliche Aufrufe auf YouTube Short, die Zahl hat sich in einem Jahr vervierfacht. So bietet sich für Creator*innen eine weitere Möglichkeit mit kurzen, simplen Videos (neue) Nutzer*innen zu erreichen.

Bei der Live-Show wurden aber nicht nur wichtige Key Messages und neue Insights zu YouTube geteilt, sondern hier standen vor allem die Creator*innen im Fokus. So wurde Andreas Briese, Country Director YouTube Germany & Regional Director YouTube Central Europe in einer Badewanne von The Real Life Guys auf die Bühne gefahren, Jonas Ems drehte mit uns ein YouTube Short und Jacob Beautemps vom Kanal „Breaking Lab“ demonstrierte mit einem Live-Experiment den Ausstoß von CO2 in der Halle. Der Abschluss der Live-Show wurde durch ein Konzert von Zoe Wees perfekt abgerundet.

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  1. https://www.thinkwithgoogle.com/intl/de-de/marketing-strategien/video/nielsen-metaanalyse-bewegtbild-mix/

Jetzt ist es also raus. Weißer Rauch ist aufgestiegen über den Köpfen der Journaille und den sogenannten Experten. Habemus Sündenbock! Die Mediaagenturen sind die modernen Raubritter, welche aktiv den Untergang des Qualitätsjournalismus betreiben und sich ganz nonchalant noch selbst abschaffen, während sie dem unmündigen Kunden noch ein altes Seemannsgarn um die Nase binden. Onlinewerbung taugt eh nur zum Nerven des Users und auch wenn Telegramme nicht unbedingt wieder eingeführt werden sollten, so darf es kein Verbot geben, darüber nachzudenken.

Ja, so verwirrt wie Sie nun schauen, so sparsam habe auch ich reagiert. Stein des Anstoßes war ein Artikel auf faz.net, welcher eine Digitalisierungsoffensive der Agenturen mehr oder minder auf die Optimierung der Erlöse reduzierte. Die Mediaagentur ist auch die treibende Kraft, die Budgets von Print ins Netz verlagern will und damit jede Kundenklinke putzt, die nicht unter Strom steht. Als ob das nicht schon genug der einseitigen und unreflektierten Darstellung sei, kommt dann noch eine Stimme aus dem Off, die uns erklärt, was vermeintlich hinter den listigen Worten einer Mediaagentur steckt.

Ich bin ja nun selber Onliner und könnte mich bei der Debatte entspannt zurücklehnen, da man von mir eh erwartet, dass ich das Internet nur schön rede. Will ich aber nicht. Fakt ist, dass digitale Kommunikation nicht per se zielführend ist. Des Weiteren ist sie zunächst mal sehr mühsam und nicht nach der Planung und dem Aufhängen von ein paar poppigen, peppigen Pappplakaten erledigt. Wenn ich also glaube, mir es mit einer digitalen Kampagne einfach (= wenig Aufwand auf dem Rücken eines Dukatenesels) zu machen, dann heilt eine Planung, die Google, Facebook, Targetingreichweite, klassische Reichweite, Affiliate, Shoppingintegrationen und ein paar Sonderformate in sich vereint, radikal schnell. Wenn von penetrant aufploppenden Bannern die Rede ist, dann sollte man mal eines der vielen Lifestyle-Heftchen aufschlagen und beten, nicht von der Masse an Beilagen erschlagen zu werden. So viel Bier kann ich zur Wiederaufforstung des Regenwaldes gar nicht trinken und der Gang zum Altpapier ist sicherlich mühsamer als ein Click auf den Close-Button. Um mich jetzt aber nicht zu sehr im Detail zu verlieren folgende Kernbotschaft:

Wenn die Wirkungsnachweise für das Medium Online im Vergleich zu anderen Medien so hinterwäldlerisch sind, warum profilieren sich andere Medien (Print!) nicht darüber? Anstatt zu jammern, würde ich doch genau das ins Rennen werfen, was mich abhebt. Dass der Printmarkt im Vergleich zur Mediennutzung seit jeher überkapitalisiert war, mag man vermutlich in Zeiten sinkender Auflagen noch weniger gerne hören, aber ein Blick auf Nutzung und Spendings spricht eine eindeutige Sprache. Die daraus resultierenden Budgetshifts sind eine Zwangsläufigkeit, sie aber nun allein den Mediaagenturen anzulasten, ist völliger Nonsense. Wer glaubt, dass hier einzig die Agenturlandschaft die treibende Kraft ist, hat schon lange nicht mehr mit einem Kunden gesprochen. Denn hier ist der Digitaldrang zum Teil noch viel stärker. Einen Kunden hält oder gewinnt man aber auch nicht durch eine reine Bytehörigkeit, sondern durch das Aufzeigen des besten individuellen Mediamixes und einer Beweisführung hierfür. Das kann man als desillusionierter Journalist oder graue Eminenz nicht unbedingt wissen, aber dann sollte man sich auch nicht auf so dünnes Eis begeben. Es bleibt natürlich immer ein Rest Deutung und Deutungshoheit. Dem werde ich aber nicht durch das Abspulen von Halbwahrheiten und wild zusammengeworfenen (und zum Teil inhaltlich falschen) Plattitüden sinnvoll entgegentreten können, ohne nicht selber als Märchenonkel im Wald dazustehen.