Tag Archiv für "Klartext!"

Heute ist kein Geburtstag im klassischen Sinne. Trotzdem feiern wir bei mediascale ein Jubiläum: Dieser Tage erscheint der 500. Artikel in unserem Corporate-Blog „Klartext“. Ein Grund mal einen kurzen Blick zurück zu werfen. Und außerdem beteiligen wir uns mit dieser kleinen Nabelschau auch an der Blogparade des PR-Blogger, der gerade Beispiele für Content Marketing und Corporate Blogs sammelt.

Der Start: Der Wille war da, der Weg war steinig

Ans Herz gelegt hatte uns das Thema Corporate Blog vor über fünf Jahren unsere PR-Agentur cocodibu. Ihre Empfehlung: Wir sollten eine „eigene, medienunabhängige Kommunikationsplattform für die Agentur (auch unter Suchmaschinen-Aspekten) aufbauen“. Ziel sollte es sein, mediascale „als Meinungsführer zu ausgewählten Themen in der Blogosphäre und darüber hinaus stärker zu verankern und dadurch auch bekannter zu machen“. Das klingt marketingtechnisch toll und ist durchaus ambitioniert für ein Unternehmen, das damals gerade mal etwas über zwei Dutzend Mitarbeiter beschäftigte. Und, ehrlich gesagt, wir waren intern durchaus sehr skeptisch, ob sich so ein Corporate Blog in den Unternehmensalltag integrieren lässt. Aber unsere Geschäftsführung entschied: Wir probieren das.

Das inhaltliche Konzept entwickelte cocodibu (www.cocodibu.de), technisch und optisch umgesetzt haben den Blog dann unsere Augsburger Kollegen von .NFQ (www.nfq.de). Und am 28. September 2009, drei Monate nach dem Go, ging der erste Beitrag auf dem Klartext-Blog (bei uns ist der Name Programm) online: Julian Simons schilderte seine Eindrücke von der Premiere der dmexco, die als Nachfolgerin der OMD gerade in Köln zum ersten Mal über die Bühne gegangen war.

Für die restlichen 499 Beiträge haben wir dann gute 5 Jahre und 3 Monate gebraucht. Gerade am Anfang war der Start durchaus steinig: Um das Ziel von zwei Beiträgen pro Woche zu erreichen, wurden die Mitarbeiter der Leitungsebene quasi zwangsverpflichtet. Das hat nicht jedem/r Kollegen/in gleich viel Spaß bereitet. Schließlich war das Finden von Artikelideen und das Texten erst mal ein Zusatzjob neben dem normalen Job (das ist es heute übrigens auch noch!). Der normative Zwang war aber unabdingbar, um eine Mindestfrequenz an Artikeln und Beiträgen zu stemmen. Außerdem waren wir zwar des Deutschen mächtig und durchaus textaffin, aber ja keine ausgebildeten Journalisten.

Die Redaktionsorganisation: Wie ist der Blog intern organisiert?

Seit dem Start von Klartext habe ich die Ehre und das Vergnügen die Redaktionsmanagerin des Blogs zu sein. Quasi die Peitschen-Lilly in der Firma, die die Kolleginn/en sanft aber unablässig darauf hinweist, dass der Redaktionsschluss für ihren Beitrag naht. Unterstützt werde ich dabei von unserer PR-Agentur, die eine CvD-Rolle übernimmt. D.h. sie liest die Artikel Korrektur, ergänzt Links, Bilder oder andere Elemente, schaltet den Beitrag final frei und teasert ihn parallel über Facebook und Twitter an. Geplant werden die Beiträge etwa vier Wochen im Voraus, so dass jeder Autor frühzeitig weiß, wann er in die Tasten greifen muss. Flexibel sind wir trotzdem: Wenn etwas kurzfristig nicht kommt oder etwas aktuell dazwischenkommt, können wir reagieren.

Sind wir anfangs noch zu Redaktionssitzungen zusammengekommen, so hat sich der Ablauf mittlerweile eingespielt und funktioniert per Mail, auf Zuruf bzw. durch diktatorische Entscheidungen der Redaktionsmanagerin. So füllt sich der Redaktionsplan teilweise durch Zuteilung und teilweise durch den aktiven Input der Kolleginn/en.

AutorInnen und Frequenz: 2mal pro Woche, Kernteam und Gelegentliche

Angefangen hat 2009 alles mit einem kleinen Autoren-Team von vier Mitarbeitern aus der Leitungsebene von mediascale. Mittlerweile schreiben regelmäßig etwa zehn Mitarbeiter für den Klartext-Blog. Aus allen Hierarchieebenen und Tätigkeitsbereichen. Es gibt weiter ein Kernteam von vier Autoren, die alle zwei bis drei Wochen publizieren. Und eine Gruppe von Kollegen, die alle zwei, drei Monate einen Beitrag beisteuern. Schreiben darf grundsätzlich jeder Mitarbeiter, auch wenn es nicht jeder aktiv praktiziert.

Formate und Inhalte: Service, Meinung, Video und  noch mehr

Das Schwierigste an einem Corporate-Blog ist, inhaltliche Formen zu finden, die einerseits zum Unternehmen und zu seinen Autoren passen und andererseits lesenswert und unterhaltend für potentielle Leser sind. Content Marketer würden sagen: qualitativ guter Content. Das ist bei harten Fachthemen wie Real Time Bidding, Targeting, Social Advertising, Suchmaschinenmarketing & Co ein Prozess, der Zeit braucht und für den man Gefühl entwickeln muss. Wir hatten Glück, dass die anfangs beteiligten Autoren sehr unterschiedliche Charaktere sind, mit sehr unterschiedlichen Stilformen: Vom satirisch Hochbegabten über den Meinungsstarken bis hin zum sehr serviceorientierten Schreiberling. Das Feedback unserer Leser, aber auch die nackten Abrufzahlen, zeigen uns: Dieser Mix der Charaktere, der sich im Schreibstil wiederfindet, kommt ganz gut an. So umfasste die Top 10-Liste unserer erfolgreichsten Blogbeiträge im Jahr 2014 deshalb auch Glossarbeiträge ebenso wie Videoblogs, Meinungsbeiträge und sogar ein Kundenportrait. Die Vielfalt der möglichen Formate macht aber nicht nur den Lesern Spaß, sondern auch uns Autoren:

– Im Glossar erklären wir auf einfache Art und Weise Fachbegriffe aus dem Alltag eines
Performance Marketers – vom Google Qualitätsfaktor bis zur ortsbezogenen Werbung

– Sind wir auf Veranstaltungen verfassen wir häufig ein Review dazu – garantiert subjektiv

– oder wir lassen uns von Willy Astor inspirieren und beschreiben einen Tag in der Agentur

– auch Jahresaus– und -rückblicke sind selbstverständlich

– ebenso Interviews mit unseren Kunden und den Fachjournalisten unserer Branche

– und wenn wir mal ganz viel Zeit haben, posten wir sogar Backrezepte zu Nikolaus

Seit September 2011 haben wir die Textbeiträge um einen eigenen Videoblog (zusätzlich auf einem mediascale-eigenen YouTube-Channel) ergänzt: „Bscheid gsagt“ ist ein reines Interviewformat mit mittlerweile schon über 50 Folgen. Ein/e Interviewer/in aus dem Off (die Kollegen von cocodibu) unterhält sich mit Wolfgang Bscheid über Themen, die die Branche bewegen – aktuell und grundsätzlich. Von der Datenqualität im Targeting über das Customer Journey Tracking bis hin zu Wearables oder Digital Outdoor. Um die Videos kostengünstig zu produzieren, werden die fünf bis sechs Folgen inhaltlich vorbereitet und an einem halben Drehtag hier im Haus von Benedikt Schreiber (www.benediktschreiber.de) abgedreht. Und natürlich gibt es am Ende des Jahres immer eine Folge mit den lustigsten Outtakes.

 ROI, Erfolge und Amüsantes

Lohnt es sich, gerade als kleineres Unternehmen, einen Corporate-Blog zu betreiben? Unser Fazit nach fünfeinviertel Jahren: Ja, sonst hätten wir aufgehört. Da wir als Performance-Agentur (fast) alles tracken, natürlich auch unsere Webseite und den Blog, wissen wir: Der Blog hat mittlerweile stabil mehr Traffic als unsere Webseite. In Zahlen sind das in den zurückliegenden drei Quartalen etwa 4.000 bis 5.000 Visits pro Quartal.

Während Interessenten in der Suchmaschine meist direkt nach dem Namen unserer Firma suchen und die Webseite finden, kommen sie auf den Blog eher über thematische Suchbegriffe aus unserer Fachwelt (Targeting, Real Time Advertising, Performance Marketing, Social Advertising uvm.). Das war so beabsichtigt und funktioniert gut. Auch der Videoblog hat in der Fachcommunity mittlerweile durchaus Kultstatus.

Außerdem lesen Klartext etliche Fachjournalisten unserer Branche, die sich gelegentlich von den Artikeln inspirieren lassen. Das mündet dann in Interview- oder Statement-Anfragen an das mediascale-Management oder geht sogar so weit, dass Passagen aus Blogartikeln (ohne vorherige Anfrage) zitiert werden. Auch Kunden und Marktpartner lesen mit, wie wir immer wieder durch persönliches Feedback erfahren.

Einer unserer Blogautoren, mein geschätzter Kollege und mediascale Geschäftsführer Dominik Frings, schwingt so eine spitze Feder, dass er mittlerweile nicht nur eine eigene Rubrik im Blog hat („Findet Frings“), sondern auch vom Fachmedium LEAD Digital zum Digital Leader und festen Kolumnisten ernannt wurde.

Außerdem sind wir gelegentlich mit ausgewählten Beiträgen von Klartext im Corporate Blog unseres Mutterhauses Serviceplan präsent.

Wenn es einen Bereich gibt, wo sich unsere Erwartungen nicht erfüllt haben, dann ist das die Interaktion. Direktes Feedback, in Form von Kommentaren unter den Artikeln, bekommen wir leider viel zu selten – mal abgesehen von den tausenden Link-SPAM-Kommentaren.

Alles in allem ist unser Klartext-Blog aber keine schlechte Ausbeute für ein Content Marketing-Projekt, wie wir finden. Falls Sie anderer Ansicht sind, dann wäre jetzt der ideale Zeitpunkt, uns das zu sagen. Nur los, wir würden uns auf Ihre Meinung freuen.

Ihre Klartext-Blogger

P.S. Dies ist auch ein Beitrag für die Blogparade “Content-Marketing und Corporate Blogs 2015″ #cmcb15

Dirk Ebbighausen
Dirk Ebbighausen

 

Heute gibt es endlich mal wieder ein Kundeninterview. Passend zum herrlichen Wetter, geht es heute um das Reiseportal der Thomas Cook AG. Dirk Ebbighausen, Head of Regional Marketing, eCommerce Central Europe der Thomas Cook AG erzählt uns im Gespräch wie eine erfolgreiche verkaufsorientierte Online-Kampagne aussehen sollte und dass man manchmal für ein Fussballspiel eine ganz schön weite Reise antreten muss.

 

1. Herr Ebbighausen, Verraten Sie uns das Geheimrezept, wie eine erfolgreiche verkaufsorientierte Online-Kampagne aussehen muss?

Wenn ich das hätte, würde ich es meistbietend verkaufen… ;)

Spaß beiseite – ich denke, dass es wichtig ist, sich im Vorfeld einer Kampagne genau zu überlegen, was man eigentlich erreichen will. Geht es uns beispielsweise darum, Volumen zu generieren um jeden Preis oder wollen wir möglichst effizient qualifizierten Traffic auf zielgruppenspezifischen Portalen einkaufen? Darauf aufbauend erstellen wir einen passenden Mediaplan. Bei der Planung setzen wir auf einen Mix aus bewährten Platzierungen und das Testen von neuen Formaten, was sowohl die Seitenauswahl als auch die Werbemittel angeht. Im Kampagnenverlauf überprüfen wir das Erreichen der vorher definierten Ziele und optimieren kontinuierlich darauf hin.

2. Was ist das typische Verhalten eines Users online, der sich eine Reise kaufen möchte, da eine Reise meistens kein Spontankauf ist?

Viele User besuchen eine Reihe von Reiseportalen, der Entscheidungsprozess kann sich über mehrere Wochen hinweg ziehen. Kundenbewertungen und sonstige reiserelevante Inhalte spielen eine große Rolle bei der Entscheidungsfindung.

3. Wie sehen sinnvolle Targeting-Kriterien für ein Reiseportal aus?

Das hängt davon ab, in welcher Phase des Reiseplanungsprozesses Sie den Kunden ansprechen. Ganz am Anfang beispielsweise, wenn ein Nutzer erstmals an Urlaub denkt, hat er vielleicht noch gar kein konkretes Urlaubsziel im Kopf. Hier kann man eher über die Inspirationsschiene kommen. Wenn bereits ein bestimmtes Urlaubsziel feststeht, sind spezifische Angebote zu diesem Ziel für den Nutzer relevant.

4. Welche Werbeformen sprechen Ihre Kunden aus Erfahrung am besten an?

Bei der Bannerwerbung sind es Formate mit konkreten Preisangeboten. Auch generische Formate, die mit Abschlägen werben, funktionieren gut. Großformatige Banner erzielen natürlich immer die besten Werte.

5. Thomas Cook war der Erfinder der Pauschalreise und stellte das Konzept erstmals in 1841 vor. Welcher Aspekt der Pauschalreisen hat sich über die Jahre am meisten verändert?

Was die Pauschalreisen an sich angeht, sind wir nun wieder ein Stück weit da, wo Thomas Cook damals angefangen hat –  nämlich Reisen anzubieten, die wirklich den Bedürfnissen und Vorstellungen der Kunden entsprechen. Hier spielt das Netz eine große Rolle, denn dank Google und Co. ist heute sehr transparent, welche Reiseprodukte Kunden online suchen und buchen.

Von „vorpaketierten Reisen“, die zusätzlich zum Vertrieb in Reisebüros ins Netz gestellt wurden, gab es in den vergangenen Jahren eine Entwicklung hin zu dynamischen Paketen, wo quasi in Echtzeit Flüge und Hotels zu Pauschalreisen zusammengesetzt werden.

Deutsche Kunden agieren zwar oft noch nach dem „research online, purchase offline“ Prinzip, aber durch die Informations- und Anbieterfülle und die damit verbundene Transparenz im Netz, sinkt die Hemmschwelle auch hochpreisige Produkte online zu buchen.

6. Sich von anderen Reiseanbietern abzuheben ist so schwer, weil ….

…fast alle relevanten Wettbewerber eine Bestpreisgarantie und eine große Auswahl an Reiseveranstaltern anbieten, und alle in irgendeiner Weise zertifiziert sind; sei es durch TÜV-Siegel oder dergleichen, so dass es USPs wie Preis, Vielfalt und Qualität/Sicherheit eigentlich nicht gibt. Wir sehen eine Möglichkeit, uns vom Wettbewerb abzugrenzen, darin, eine Seite anzubieten, die relevante Inhalte offeriert und die in der Benutzung Spaß macht.

7. Welche Online-Marketing-Kampagne ist Ihnen in letzter Zeit besonders aufgefallen? Warum?

Zugegebenermaßen bin ich selbst, glaube ich, inzwischen resistent gegen Onlinewerbung, jedenfalls fällt mir spontan keine ein. Außer natürlich unsere thomascook.de -Kampagne im Januar diesen Jahres, als wir da zum Beispiel die bild.de Homepage für einen Tag zugepflastert haben, das sah schon schick aus.

8. Xing, Facebook oder etwas anderes? In welchen Sozialen Netzwerken fühlen Sie sich persönlich zu Hause?

Ich habe Profile auf Xing, LinkedIn und Facebook, bin dort jedoch eher selten und zumeist reaktiv unterwegs und schaue, was es Neues in meinen Netzwerken gibt.

9. Nutzen Sie auch online Reiseportale um Ihren Urlaub zu buchen oder basteln Sie sich Ihre Reise lieber selbst zusammen?

Ich bin persönlich nicht der klassische Pauschalreisende, nutze aber das Netz intensiv auf der Suche nach schönen Reisezielen und Tipps vor Ort.

10. Sie reisen sehr gerne, was ist eines Ihrer Lieblingsziele in der Ferne und was machen Sie dort am liebsten?

Das ist eine ganz schwierige Frage, weil tagesformabhängig. Wenn man mich das an einem trüben Novembertag fragt, wünsche ich mich wahrscheinlich an einen Strand auf irgendeiner Insel in Südostasien…

Ein Reiseziel, das immer geht, ist New York, denn Stadt und Umgebung haben immer was zu bieten, egal zu welcher Jahreszeit und worauf man gerade Lust hat.

11. Als Fußballfan, Hand aufs Herz, was war Ihre weiteste Reise um ein Spiel live zu sehen (auch wenn es nicht Köln war ;)?

Das war zur WM 2006, ich lebte damals in New York und bin mit Freunden, die bereits Eintrittskarten zum Spiel USA-Italien hatten, nach Deutschland geflogen, in der Hoffnung vor Ort auch noch an eine Karte zu kommen. Das hat dann leider nicht geklappt, stattdessen habe ich das Spiel live in einem rappelvollen italienischen Restaurant verfolgt – als einziger im USA-Trikot, auch das war ein denkwürdiges Erlebnis.

Unser Klartext!-Blog feiert diesen Herbst seinen zweiten Geburtstag und ist damit nun wirklich aus dem Gröbsten raus. Zeit, einen Blick auf die Anfänge zu richten. Mediascale-Geschäftsführer Wolfgang Bscheid wünschte sich damals einen Blog, der sich um alle wichtigen Themen rund um Online-Kampagnen und Branchennews dreht, sich dabei aber auch durch eine persönliche Note auszeichnet. Der nicht unverständlich rumschwurbelt, sondern Klartext redet. So wurden im August 2009 einige Mediascaler plötzlich zu einem Blogteam zusammen gewürfelt. Davon waren wir am Anfang so gar nicht begeistert – um ehrlich zu sein: Niemand war wild darauf, einen Blogartikel neben seiner normalen Arbeit zu schreiben. Unser größter Verweigerer damals war Dominik Frings. Er war partout nicht gewillt, staubtrockene Ergüsse über irgendein superspezifisches Online-Thema zu fabrizieren. Und das auch noch politisch korrekt.

Nur die Tatsache, für den Blog in normalem Plauderton schreiben zu dürfen, konnte ihn dazu bewegen, einen ersten Artikel zu verfassen. Sie ahnen es: Aus dem Verweigerer wurde einer unserer eifrigsten Autoren, dessen Beiträge zu Recht zu den meistgelesenen dieses Corporate Blogs gehören. Immer lustig und Gott sei Dank nie staubtrocken. Wir freuen uns auf viele weitere Texte à la Dominik!

Meine Aufgabe war es von Anfang an, die Meute zu koordinieren: Redaktionssitzungen einberufen, Themenpläne erstellen, Artikel aufeinander abstimmen, an Abgabetermine erinnern und für stetigen Nachschub im Blog sorgen. Das war zu Beginn gar nicht so einfach. Denn nicht nur Dominik hatte Vorbehalte, auch die anderen Schreiberlinge waren anfänglich etwas allzu schüchtern.

Der Start war ein bisschen holprig, doch schon bald entstieg der Blog seinen Kinderschuhen, die Ausreden wurden seltener, und der Redaktionsplan füllte sich oft fast von alleine. Mittlerweile muss ich nur noch ganz selten die Peitsche auspacken, um jemanden zu einem Artikel zu bewegen. Hier ein zumeist techniklastiges Thema von Tobias Wegmann, da eine Abhandlung über Dialog-Marketing von Alexander Emmendörfer. Zwischendurch eine Zahlenattacke über Bilanzen und Geschäftsergebnisse von Julian Simons, alles angereichert mit Search-News von Taskin Erdem, immer mal wieder Vermischtem von mir und seit neuestem auch Videoblog-Folgen von Wolfgang Bscheid. Vom Gewinnspiel über Social Media-News bis hin zu interessanten mediascale-Interna war schon einiges dabei. Und gelegentlich waren die Themen anscheinend attraktiv, denn das ein oder andere Fachmedium verlinkte zu unserem Blog oder zitierte daraus.

Soweit die Prosa! Als sehr performance-orientierte Agentur haben wir aber auch bald nach dem Start angefangen zu tracken, welchen Leistungsbeitrag der Blog liefert. Das Ergebnis nach zwei Jahren: Im dritten Quartal 2011 waren erstmals mehr Unique Visitors auf unserem Blog als auf unserer Webseite. Dabei bewegen wir uns im vierstelligen Bereich, was für einen B2B-Fachblog, glaube ich, ganz in Ordnung ist. Die Blogartikel helfen uns sehr beim SEO auf Google. So kommen viele Nutzer unseres Blogs über Google zu uns, weil sie Themen oder Kernkompetenzen aus unserem Agenturalltag suchen. Über Google auf der Webseite landen die Nutzer hauptsächlich, weil sie das Unternehmen und seine Geschäftsführer in das Suchfeld eintippen. Und noch ein positiver Effekt: Der Blog leitet vielfach mehr Besucher auf unsere Webseite als umgekehrt. Alles in allem also wahrscheinlich kein ganz so schlechtes Zwischenfazit.

An dieser Stelle möchte ich es auch nicht versäumen, mich ganz herzlich bei cocodibu zu bedanken. Unsere PR-Agentur war nicht nur Hebamme, sondern spielt auch jetzt noch regelmäßig Kindermädchen – redigiert unsere Texte und bringt immer wieder spannende Themenvorschläge. Liebe Susanne, lieber Christian, vielen Dank dafür!

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Was sind die aktuellen Trends der Branche? Ist Facebook wirklich so schlecht wie sein Ruf und welches Werbeformat kommt in den nächsten Monaten richtig groß raus? Wir wollten es wissen und haben          deshalb bei ausgewählten Online-Experten und Fachredakteuren nachgefragt. Heute im Interview: Jens von Rauchhaupt, stellv. Chefredakteur adzine.

1.    Wie wird man schreibender Experte für Performance Marketing?

Das ist wohl eher ein schleichender Prozess. Und als Experten würde ich mich auch nicht gleich bezeichnen. Die echten Experten sitzen in den Agenturen, die die  Budgets der Advertiser innehaben und sinnvoll, also effizient einsetzen. Ich bin ja nur Fachjournalist für Online Marketing und wie Sie sicherlich wissen, hat sich im Display Bereich der Anteil der Werbespendings deutlich in Richtung Performance Marketing verschoben. Ich muss also eher versuchen auf der Höhe der Zeit zu sein und das ist schwieriger als es den Anschein hat. Schließlich ist Perfomance Marketing ja nur eine Teildisziplinen des Online Marketings. Und hier gilt wie überall in der Branche: Panta rhei!

2.    Wo informieren Sie sich über die aktuellen Themen und Trends der Branche?

Die Basis stellen natürlich die eingehenden Pressemitteilungen dar. Da ich bei Adzine das Online Ressort verantworte und daher auch häufig die News generiere, kommt da so einiges auf den Tisch. Weitere Quellen sind Beiträge von unseren Contentpartnern aus UK. Ganz wichtig sind natürlich die persönlichen Gespräche, also die so genannten Hintergrundgespräche. Wir haben da einige Leute in der Szene, die auch als informelle Mitarbeiter durchgehen könnten. Besonders wertvoll für uns sind dabei solche Personen, die mehr oder weniger von Anfang an dabei sind und viele Online Marketing Stationen beruflich durchschritten haben.

3.    Welche Performance Marketing Kampagne ist Ihnen in den letzten sechs Monaten besonders aufgefallen? Warum?

Die neuen Dreier Anzeigen, meistens mit Telco Visuals, weil sie drei unterschiedliche Cookies setzen. Dann Groupon-Citydeal Kampagnen und diese mehr als fragwürdigen Gewinnspiele zu Apple-Produkten, bei denen man gleich ein nutzloses Mobile Entertainment Abo an der Backe hat. Wäre ich in letzter Zeit im Internet auch mal ordentlich „shoppen“ gegangen, dann wären mir wahrscheinlich einige zalando- oder mirapodo-Kampagnen aufgefallen. Citydeal ist mir aufgrund des besonders hervorgehobenen Ortsbezugs aufgefallen. Die erwähnten Abofallen interessieren mich aufgrund ihrer rechtlichen Fragwürdigkeit: Ich glaube nicht, dass man die Auslobung eines Preises mit einer Bedingung (Abo) verknüpfen darf. Wir lassen das gerade prüfen. Apropos Abo: Mir sticht auch immer wieder die Pop-Under Werbung für das FAZ-Abo ins Auge. Pop-Under Werbemittel halte ich für eine extrem interessante Werbeform, weil sie – anders als Pop-Up und Layer Ads – die Internetnutzung nicht unterbricht.

4.    Gibt es aus Ihrer Sicht einen Trend im Performance Marketing, der sich in den nächsten zwölf Monaten durchsetzen wird?

Also wenn Retargeting vor einen Jahr trendy war, dann ist die fortschreitende Einkaufsautomatisierung auf Advertiserseite ein Trend der nächsten 12 Monate, Stichwort DSP (Demand Side Plattformen und Realtime Bidding). Wir berichten dazu ausgiebig in der neuen Adzine Print 2/2010. Als weitere Trends sehe ich den auf uns zukommenden Parallelschwung von TV- und Online Werbung. Die Advertiser werden immer häufiger TV-Kampagnen mithilfe von Performance-Kampagnen im Netz verlängern, um den Abverkauf anzukurbeln. Es macht durchaus Sinn, nicht nur die Keywords der TV-Kampagnen im SEM zu nutzen, sondern auch im Bereich Display mit bekannten Visuals aus den TV Kampagnen performancebasiert zu arbeiten. Die Hannoversche Leben macht das ja z.B. schon länger. Einen weiteren Trend sehe ich zudem im Aufbau von anonymen Profildatenhäusern, die als Marktplatz, also als eine Art Profil Exchange fungieren. Hier werden die Adserver-Anbieter eine interessante Rolle spielen. Aber das Thema berührt auch das klassische Display-Advertising.

5.    Haben Sie einen Pop-Up-Blocker im Browser? Und wie gehen Sie mit Werbung im Netz generell um?

Ich sehe vor allem den Einsatz von Layer Ads kritisch. Sie sind absolut kontraproduktiv für den Werbungtreibenden. Am Ende (des Tages) zahlt er die Zeche in Form von genervten Verbrauchern. Das wirft ein schlechtes Bild auf die beworbene Marke. Außerdem sind die CTRs dort häufig falsch, da die meisten User das Werbemittel fast immer schließen wollen. Ich setze aber keinen Pop-Up-Blocker mehr ein, und natürlich auch keinen Ad Blocker. Ich muss ja sehen können, worüber ich schreiben will. Und wie gesagt: Pop-Under Werbemittel halte ich für eine sehr elegante Lösung.

6.    Online Behavioral Advertising finden Sie …

absolut notwendig, um die richtige Zielgruppe anzusprechen. Das gilt vor allem Publisher übergreifend. Der Advertiser will ja nicht immer die Zielgruppe mit denselben Werbeträgern erreichen. Ich glaube, zu Beginn hatten die Premiumvermarkter das Thema etwas falsch adressiert, da sie dachten, dass sie mit Behavioral Advertising (wieso eigentlich nicht Targeting?) eine Lizenz zum Gelddrucken erworben haben. Natürlich rechtfertigt der Einsatz der Behavioral Targeting/Advertising Technologie  einen höheren Preis. Allerdings muss der wohl aus Advertiser-Sicht immer im Verhältnis zum gewünschten Erfolg stehen.

7.    Apropos Facebook: Sind Sie drin? Und bestätigen Sie berufliche Kontakte als Freunde? Oder was ist Ihre ganz persönliche Social Media-Strategie?

Das sind  alles Baustellen bei mir. Als Journalist muss man doppelt aufpassen, was man kommuniziert. So halte ich mich im Netz mit persönlichen Meinungen inzwischen ziemlich zurück, um Neutralität zu wahren. Ja, ich habe einen Facebook Account, aber auch einen StudiVz und einen Lokalisten und MySpace und Twitter Account. Allerdings nutze ich in meinem persönlichen Social Media Leben meinen alten Spitznamen aus der Schulzeit. D.h.: Ich bestätige keine beruflichen Kontakte als Freunde. Für die berufliche Kontaktpflege gibt es schließlich Xing.