Tag Archiv für "Geo-Targeting"

Mein Briefkasten führt inzwischen ein sehr einsames Leben. Abgesehen von der einen oder anderen seltenen Rechnung oder Mitteilungen der Hausverwaltung landet nicht mehr viel in ihm. Nicht mal mehr die Benachrichtigungen der Paketdienste finden noch ihren Weg dorthin, wird doch inzwischen alles digital abgewickelt. Umso mehr dürfte er sich kürzlich gefreut haben, als die folgende Einladung bei ihm reinflatterte:

nebenan.de nennt sich die Plattform, die Nachbarn helfen will, sich im echten Leben miteinander zu vernetzen – quasi von der digitalen Welt in die analoge. Bereits 2015 wurde das Netzwerk gegründet und zählt inzwischen laut eigener Angabe deutschlandweit über 1,2 Millionen aktive Nutzer.

Der Name ist Programm: Die Community gliedert sich in sogenannte Nachbarschaften. Als angemeldeter Nutzer muss ich meinen Standort verifizieren und meinen vollen Namen und Adresse angeben. Entsprechend dieser Adresse findet die Zuordnung zu einer konkreten Nachbarschaft statt. 701 direkte Nachbarn befinden sich bereits in meinem Einzugsgebiet, 5.922 Nachbarn in der Umgebung, sprich an meine Nachbarschaft angrenzende Gebiete. Alle quasi nebenan und auch nur mit diesen kann ich in Kontakt treten.

Beispiel Nachbarschaft Südliche Au, Quelle nebenan.de

 

Der Funktionen sind dabei ähnlich wie bei anderen sozialen Netzwerken. Nutzer erstellen Profile, posten Gesuche oder Verkäufe (eBay Kleinanzeigen lässt grüßen), promoten Veranstaltungen oder organisieren sich in Gruppen zum Katzensitting, Stammtisch und Spieleabenden (kennt man auch vom Platzhirsch namens Facebook) und doch unterscheidet sich nebenan.de von den anderen Plattformen besonders in einem Punkt. Ziel des Netzwerkes ist es, in der Umgebung des eigenen Wohnsitzes Nachbarn kennenzulernen, Kontakte aufzubauen und zu vertiefen und sich gegenseitig zu helfen.

Veröffentlicht ein Nutzer nun ein Posting, hat er die Wahl, dieses nur für sein Wohnhaus, seine Nachbarschaft, seine Nachbarschaft und Umgebung oder auch außerhalb von nebenan.de sichtbar zu stellen. Verschiedene Optionen stehen für Postings zur Wahl:

Optionen für Postings, Quelle nebenan.de

 

Ziemlich gute Geo-Daten, wird sich der eine oder andere jetzt denken. Die Möglichkeiten, die so ein genaues Zielgruppen-Targeting bieten würde… herrlich. Aber genau das ist der Knackpunkt. Die Plattform ist nahezu werbefrei und plant es auch in absehbarer Zeit zu bleiben.

Wieso ist nebenan.de dennoch interessant für Unternehmen?

Genauso wie die Nutzer, können auch Unternehmen eigene Profile anlegen, sogenannte lokale Gewerbe. Lokal heißt dabei: das Unternehmen muss tatsächlich über eine Filiale innerhalb der entsprechenden Nachbarschaft verfügen.

Gewerbeprofile können dann genutzt werden, um das eigene Geschäft vorzustellen und gezielt besondere Angebote oder Veranstaltungen zu bewerben. Die letzteren beiden Optionen funktionieren über das klassische Posten eines Beitrags, der den Nutzern dann im eigenen Feed angezeigt wird. Die Gewerbeposts fügen sich so in das Umfeld der restlichen Gesuche, Veranstaltungen, Angebote etc. der privaten Nutzer. Der Feed ist dabei stets chronologisch, ohne jegliche Algorithmen, die vorgeben, die Interessen der Nutzer besser zu kennen, als die Nutzer selbst.

Beispiel Gewerblicher Post, Quelle nebenan.de

 

Gewerbeposts können paketweise auf monatlicher Basis gebucht werden. Hier gibt es aktuell drei Paketstufen mit einem, drei oder fünf gewerblichen Posts pro Monat. Das große Paket geht zudem mit einer einwöchigen Festplatzierung im Feed einher.

Aber auch ohne bezahlte Posts können die Unternehmen mit den Nutzern in der Nachbarschaft kommunizieren und in Kontakt treten. Neben Direktnachrichten und einem ausführlichen Gewerbeprofil gibt es nämlich zusätzlich die Möglichkeit, von Nutzern empfohlen zu werden. Empfehlungen können Nutzer auch ohne ein vorhandenes Gewerbeprofil des Unternehmens aussprechen, beispielsweise wird häufig nach Ärzteempfehlungen oder – wie jetzt im Frühjahr – nach einem Fahrradservice gefragt. In diesem Moment mit einem Profil verfügbar zu sein, erhöht natürlich die Chancen, Kunden ins eigene Geschäft zu bekommen.

Beispiel Suche & Empfehlung, Quelle nebenan.de

 

Welche Relevanz hat das soziale Netzwerk für Unternehmen?

Spannend wird das Ganze für Unternehmen, die lokal aktiv sind, sich also auch in das Nachbarschaftskonstrukt einfügen. Kleine Filialisten, die keine Etats für große Kampagnen haben oder eigenständig operieren. Einzelhändler, die den Kontakt mit den umliegend ansässigen Bewohnern suchen. Unternehmen, Praxen, Geschäfte, die sich zur sozialen Infrastruktur in ihrem Viertel zählen.

Die werblichen Möglichkeiten sind tatsächlich im Vergleich zu anderen Social Media Plattformen stark eingeschränkt bzw. quasi nicht existent. Nebenan.de verfolgt ein anderes Credo: Lokale Gewerbe gehören zu einer lebendigen Nachbarschaft dazu. Gemeinsam bringen wir zusammen, was zusammengehört. Die Plattform als Begegnungsort und natives Empfehlungsmarketing: Lokal gewinnt.

In unserer an Buzzwords nicht gerade armen Branche ist es eines der neueren, wenn auch jenseits des Atlantiks schon eine ganze Weile in Gebrauch: Ad Verification. Was verbirgt sich dahinter? Ursprünglich handelte es sich um eine relativ eng definierte Dienstleistung, die daraus entstand, dass auf dem amerikanischen Onlinemarkt traditionell ein beträchtlicher Anteil der Kampagnen über Adnetworks – also Zweit- oder Drittverwerter von Reichweiten – gebucht wird. Da so keine direkte Beziehung zum Publisher mehr besteht, der mit seiner Reputation für die Qualität seines Umfeldes einstehen muss, und viele dieser Buchungen zudem blind, also ohne Nennung aller infrage kommenden Websiten, erfolgten, entstand ein Marktumfeld für eine neue Art von technischen Dienstleistern.

Diese spezialisierten sich darauf, mit verschiedenen Methoden (Referrerprüfung, Webcrawler, manuellem „Nachsurfen“ von Kampagnen) zu überwachen, ob die Banner in einem Contentumfeld erscheinen, das als  „brandsafe“ gilt, also dem Image einer Marke nicht abträglich ist. Auf dem deutschen Markt führen entsprechende Dienstleister bisher ein Schattendasein, da aufgrund der Unterschiede in der Marktstruktur Banner z.B. auf  Pornoseiten seltene und sofort nachhaltig beseitigte Ausrutscher blieben. Auch in den USA sind die entsprechenden Unternehmen nicht unumstritten, unterstellt man ihnen doch, nicht immer nur die Interessen neutraler Messdienstleister zu verfolgen.

Allerdings wird auch hierzulande aus mehreren Gründen der Ruf nach einer stärkeren Kontrolle und Nachprüfbarkeit der Werbeleistung immer lauter vernehmbar. Zum einen geben immer mehr Markenartikler verstärkt Geld für Onlinekampagnen aus und fühlen sich mit den für die eCommerce-Etats erprobten Leistungswerten (Order, Cost per Order) nicht recht wohl. Schließlich verkaufen sie meist nichts über das Web. Zum anderen führt allmähliche Zunahme von automatisierten Handelsprozessen über RTB-Plattformen oder Ad-Exchanges zur Notwendigkeit, auch in Deutschland Kontrollmechanismen einzuführen, die Skandale wie den hier geschilderten verhindern helfen.

Unter Ad Verification verstehen wir deshalb heute mehr als nur eine Prüfung des redaktionellen Werbeumfelds, es muss hier ein ganzes Bündel von Maßnahmen bedacht werden. Im einzelnen enthält das Framework folgende Bausteine:

An- und Auslieferung: Wird die Kampagne tatsächlich ausgeliefert? Wird sie im richtigen Zeitraum ausgeliefert?

Sichtbarkeit: Wird der Banner mit der erwarteten bzw. gebuchten Sichtbarkeit auf dem Bildschirm ausgeliefert?

Seitenkontext: Ist das Umfeld brandsafe? Entspricht das Contentumfeld der Buchung?

Konkurrenzausschluss: Wird ein gebuchter Ausschluss für Konkurrenzmarken beachtet?

Geo-Targeting: Läuft die Kampagne in den gebuchten Regionen?

Targeting: Wird das gebuchte Targeting auf die Kampagne angewendet?

Frequency Cap: Stimmt die gebuchte Kontaktdosis?

Dieses komplexe Leistungsbild kann natürlich kein einzelner Dienstleister und keine Wundersoftware alleine komplett abbilden. Auch ist es unrealistisch, dass jeder oben genannte Parameter in jeder Kampagne über die gesamte Fläche komplett nachgemessen werden könnte. Vielmehr geht es darum, dass die Agentur dem Kunden hilft, das optimale Framework aus Planungs- und Buchungsqualität, Adserver, Trackingsoftware, externen Daten und eventuell weiteren Dienstleistungen zusammen zu stellen.