Tag Archiv für "Flash"

Das bevorstehende Ende von Flash als bevorzugtes Mittel und Zweck zur werblichen Darstellung digitaler Inhalte scheint beschlossen. Seit Wochen schon wird sich dieses Themas angenommen und die Köpfe in mancher Kreativ- und Produktionsagentur dürften bereits dunkle Rauchzeichen von sich geben. Nun könnte man unter medialen Aspekten entspannt auf die Dinge schauen, wäre da nicht die Schnittstellenfunktion hin zur Mediainventarseite. Denn komplexere (zu Deutsch „längere“) Set Up Prozesse können die eine oder andere Planung gehörig durcheinander wirbeln. Mittelfristig dürfte das Leben jedoch einfacher werden, da ein einheitlicher Standard auf Desktop und Mobile Devices Zeit und Nerven schonen wird. Aber der Reihe nach.

Der Anfang vom Ende begann mit einem angenagten Apfel und dem Siegeszug seiner Produkte, denen die Flash-Kompatibilität dank gehöriger Ressentiments seines inzwischen verstorbenen Gründers nicht in die Wiege gelegt wurde. Flash war auf iPhone und iPad somit ohnehin schon ein Fremdkörper. Da der Anteil der mit diesen Endgeräten surfenden Spezies zwar nicht unendlich hoch, die Zielgruppe aber werblich durchaus attraktiv (zu Deutsch „betucht) ist, gab es schon seit längerem die Fragestellung, hierfür eigene Formate in HTML 5 zu bauen oder seine GIFs ein wenig zu hübschen. So oder so, die Dominanz von Flash begann zu bröckeln.

Bei allen Nachteilen dieses Formats (und damit meine ich nicht nur unlängst entdeckte Sicherheitslücken) gab es jedoch einen unschätzbaren Vorteil: Die weitestgehende Homogenität und klaren Spezifikationen, deren Einhaltung nur ganz unausgeschlafene Pixelschubser auch nach Jahren noch Probleme bereitete. Verglichen damit ist die neue HTML 5 Welt der Wilde Westen und das Abstecken der Claims (zu Deutsch „Standards“) eher ein Glücksspiel. Deswegen hieß es auch lange Zeit: HTML5? [„Fününü“], ist so schwierig [„Schluchz“], werden die Werbemittel bis zu 5 GB groß [„Heul“] und so weiter, und so weiter.

Bei einem Kunden-Workshop vor gut einem Jahr wagte ich jedoch schon mal die steile These, dass HTML5 in 1-2 Jahren Flash ablösen wird, was seitens des Kreativen (Martin, du erinnerst dich) vehement auf 3-4 Jahre vertagt wurde. Zugegeben, dass eine häufig genutzte Alphabet-Tochter mit einer simplen Ankündigung den Prozess beschleunigt hat, war eher ein Glückstreffer für meine visionäre Kredibilität. Dennoch war der Wechsel überfällig und ist begrüßenswert. Denn er schafft wieder Klarheit durch Vereinheitlichung. Und siehe da, plötzlich kamen OVK-Richtlinien nicht mehr nur gebückt um die Ecke (zu Deutsch „auf mehrfache Nachfrage“), die Dateigrößen atomisierten sich geradezu von irgendwas mit vielen Nullen auf 80-200KB für Standards und nun war doch nicht mehr alles ein ganz schlimmes Desaster.

Natürlich ist der Transformationsprozess holprig, bekommt man die Formate nicht mehr ganz so klein, muss man immer wieder erklären, warum man immer noch Fallbacks braucht, aber das alles nehme ich gerne in Kauf und wünsche mir nur eins: Alles, bloß kein Flashback!

Adobe Flash ist seit vielen Jahren der Produktionsstandard für animierte Onlinewerbemittel. Die Kreativen arbeiten gerne mit der Entwicklungsumgebung und die Mediamenschen sind froh über den belastbaren Adserver-Workflow, der sich mit Flashbannern realisieren lässt. Doch damit wird es nun zu Ende gehen. Flash als Standard zum Abspielen von animierten Webinhalten steht schon länger in der Kritik. Denn das Programm ist als Ressourcenfresser auf dem Rechner berüchtigt, hatte immer wieder mit Sicherheitslücken zu kämpfen und geriet darüber hinaus zwischen die Fronten im Machtkampf der großen Geräte- und Systemhersteller. Apple hat Flash schon vor geraumer Zeit aus seinen Produkten praktisch verbannt. Angesichts des geringen Marktanteils von Apple bei den stationären PCs und der Tatsache, dass mobile Werbemittel meist sowieso nicht animiert wurden, bewog dies allein bisher nur wenige Werbekunden zum Abschied von der Technologie.

Doch die Ankündigung von Google, dass der Browser Chrome demnächst Flashfilme nur noch dann von selbst abspielen wird, wenn diese „zentralen Content der Website“ bereitstellen, wird das ändern. Wir haben die Auswirkungen dieser Einstellung vorab getestet, alle Flashwerbemittel, die wir vorgefunden haben, funktionierten nur noch auf Klick, beim Laden der Seite erscheinen sie als Standbild mit Play-Button:

stern_de

Der Anteil von Google Chrome am deutschen Browsermarkt beträgt in etwa ein Viertel. All diesen Usern ab September nur noch ein nichtanimiertes Fallbackwerbemittel zu zeigen, kann bestenfalls eine Übergangslösung sein.

Mit HTML 5 steht schon länger eine Alternative zu Flash zur Verfügung. Allerdings ist HTML 5 kein Standardprogramm eines bestimmten Softwareherstellers. Es ist mehr als eine Ansammlung von Methoden zur Erzeugung animierter Webinhalte zu verstehen. Diese fehlende Vereinheitlichung bremste bis jetzt die Verbreitung von HTML 5, genauso wie die Tatsache, dass die Kreativagenturen voller kompetenter Flash-Producer sind. Erfahrene Script-Programmierer, wie man sie für die Erstellung von HTML-5-Werbemitteln benötigt, sind aktuell dagegen noch wesentlich dünner gesät.

Doch jetzt wird es für Werbekunden Zeit umzusteigen. Alle mit HTML 5 auftretenden Schwierigkeiten sind zudem lösbar. Mögliche Probleme durch Scriptinteraction mit dem Code der Website, die manchmal als Argument gegen HTML 5 angeführt werden, lassen sich durch eine vernünftige Einbindung der Werbeplätze vermeiden. Wenn die Banner durch den Agenturserver ausgeliefert werden, können wir dieses Problem schon an der Wurzel ausmerzen.

Bewegen werden sich die Vermarkter auch bei den Werbemittelspezifikationen. Die Größenbeschränkung von 40 Kilobyte für Standardwerbemittel, bis heute der heilige Gral des OVK, wird fallen müssen. Denn Werbemittel in HTML 5 sind meist etwas größer als ihre Brüder in Flash. Eine Grenze von 100 Kilobyte, wie sie Google schon heute für sein Netzwerk angibt, könnte zur sinnvollen neuen Richtgröße werden.

 

 

 

 

 

Und da haben wir wieder mal ein Thema in der Online Branche, das gelobtes Land verspricht. Denn mit HTML5 Bannern wird ja alles viiieeel besser werden. Zwischen Wunschdenken und Realität ist jedoch aktuell noch eine große Kluft – eine Betrachtung der wichtigsten Aussagen zu HTML5 aus Mediasicht:

HTML5 ersetzt Flash

Der Großteil der Banner im Netz wird aktuell in Flash umgesetzt. Flash Banner können jedoch auf den mobilen Apple Devices nicht angezeigt werden, da kein Flash unterstütz wird. Gleichzeitig wird Flash für mobile Endgeräte nicht weiterentwickelt, weshalb auch für Android und andere Systeme langfristig eine andere Lösung her muss. HTML5 kann der Standard werden, der Desktop wie Mobile Devices mit einem Werbemittelset abdeckt.

Mit HTML5 muss man nur noch einen Banner für alle Devices bauen.

Das ist nur sehr bedingt richtig. In einem HTML5 Banner definiert ein Kreativer die Position der eingesetzten Elemente für unterschiedliche Größen. So kann z.B. festgelegt werden, dass bei einer querformatigen Darstellung das Logo links eingeblendet wird und bei einer hochformatigen Darstellung des Werbemittels das Logo oben mittig erscheint. Ebenso kann definiert werden, dass bei einer kleinen Formatgröße des Werbemittels einige Elemente gar nicht angezeigt werden. Theoretisch reicht also eine einzige Datei, die sich dann an unterschiedliche Formate anpasst. Will man allerdings, dass der Banner in allen möglichen Formaten auch optimal aussieht, so muss in der Kreation auch jedes Format gesondert definiert werden: Welche Elemente werden verwendet und wie werden sie angeordnet. Der Aufwand in der Kreation bleibt also durchaus vorhanden.

HTML5 kann man bereits für die Online Kampagnen nutzen

Da kann ich ein klares Nein antworten. Es gibt nur sehr wenige Vermarkter, die schon Erfahrung mit dem Einsatz von HTML5 Werbemitteln haben. Die meisten haben noch gar keine Spezifikationen. Insofern verhält es sich wie in den Anfangstagen der Flash Banner. Ich erinnere mich daran, dass man damals von der Kreativ Agentur jedes Werbemittel in Mehrfacher Anfertigung erhalten hat. Besonders die ClickTag Schreib-Variante war damals ein Knackpunkt, für den es anfangs keinen Standard gab. Ein Vermarkter wollte clickTAG, der nächste clickTag oder auch Clicktag, da gab es so einiges. Und so werden wir uns auch bei HTML5 gedulden müssen, bis sich ein Standard etabliert hat. Aktuell eine Kampagne zu fahren, die 10 oder mehr Vermarkter bedient und in HTML5 ausgeliefert werden soll halte ich für ein sehr gewagtes Projekt, das neben viel Vorlauf noch mehr Nerven aller Beteiligten verzehren dürfte. Da viele Vermarkter noch keine Spezifikationen haben, muss auf Gutdünken produziert werden, um die Werbemittel dann in x Änderungsrunden funktionstüchtig zu kriegen.

Fazit: Auch wenn die Situation aktuell noch keine sehr komfortable ist und sicher noch zwei strenge Winter ins Land gehen, bevor HTML5 unser täglich Brot ist, sollte man sich der Thematik schön langsam annähern. Es muss ja nicht gleich die ganze Kampagne sein, aber auf Einzelplatzierungen erste Gehversuche zu wagen kann nicht schaden.