Tag Archiv für "Digital Native"

Für meine Bachelorarbeit am Institut für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung an der LMU habe ich mich mit den Erwartungen junger Erwachsener an Medien während der Corona-Pandemie beschäftigt. Da uns die Pandemie (leider) immer noch begleitet und wir uns mitten in der befürchteten zweiten Welle befinden, hat die Relevanz dieses Themas nicht abgenommen. In diesem Blogeintrag möchte ich deshalb einige meiner Ergebnisse mit euch teilen.

Das Ziel meiner Forschungsarbeit war es zu bestimmen, wie sich die Erwartungen von Digital Natives an klassische Medien von den Erwartungen an soziale Medien in der Covid- 19-Pandemie unterscheiden. Dazu wurden sechs Digital Natives in der Altersgruppe von 20 bis 25 Jahren nach ihrer Medienzuwendung und den Motiven und Erwartungen ihrer Mediennutzung in der Krisensituation befragt. Die Interviews wurden im Zeitraum vom 02.05.2020 bis 18.05.2020 durchgeführt, also kurz nach dem ersten strengen Lockdown. Der Schwerpunkt lag hierbei auf drei Bedürfniskategorien. Zum einen ging es um die kognitiven Bedürfnisse, also das Bedürfnis nach Information, Wissen, Umweltbeobachtung und danach Up-to date zu sein. Des Weiteren wurden affektive Bedürfnisse abgefragt, darunter fallen das Bedürfnis nach Unterhaltung, Ablenkung, Spannung und Entspannung. Zu guter Letzt wurden auch die sozialen Bedürfnisse, wie das Bedürfnis nach einem Gefühl der Zusammengehörigkeit, sozialer Integration, Anschlusskommunikation und Eigendarstellung betrachtet.

Die klassischen Medien haben sich vor allem als Vorreiter bei der Befriedigung kognitiver Bedürfnisse erwiesen. Die hohe persönliche Betroffenheit hat dazu geführt, dass es den jungen Erwachsenen wichtiger war denn je, Up-to-date zu sein. Vor allem Tageszeitungen und deren digitale Angebote wurden genutzt. Um sich zu informieren, wurden kaum bis gar keine sozialen Medien erwähnt. Die Erwartung darüber, ob sich InfluencerInnen in sozialen Medien zum Thema Corona-Pandemie äußern sollten, ging bei allen in eine ähnliche Richtung: Es besteht keine Erwartung an diese Personen. Die Befragten halten es sogar für gefährlich, wenn diese Personen sich dazu äußern würden und wünschen sich, dass diese eher die Rolle als Unterhalter beibehalten.

Eine Verbesserung der Laune, weniger Langeweile und Ablenkung wurden den sozialen Medien gutgeschrieben, also die Befriedigung affektiver Bedürfnisse. Als die beliebtesten sozialen Medien wurden hier Instagram und YouTube erwähnt. „Wenn mir langweilig ist, ist der erste Gedanke, der mir in den Kopf kommt YouTube, weil es auch echt die Sachen sind, die mich interessieren“, antwortete ein Befragter. Die Interviewten möchten bei der Nutzung sozialer Medien ihr „Gehirn ausschalten und was zu lachen haben.“ Instagram erfüllt weitere affektive Bedürfnisse der Digital Natives. Vor allem bei der Suche nach inspirierenden Beiträgen werden die Interviewteilnehmenden dort fündig. Von den psychischen Belastungen der Pandemie können sich die jungen Erwachsenen auch mit dieser Applikation ablenken und werden durch Videos, Stories, Bilder und Memes unterhalten und aufgemuntert. Für die Digital Natives scheint es wesentlich zu sein, selbstbestimmt und aktiv nach Inhalten suchen zu können, die sie interessieren. Vor allem in der Krisensituation hören, sehen und lesen die Digital Natives in den Medien viel über das Virus und die möglichen wirtschaftlichen Folgen. Das setzt die jungen Erwachsenen unter Druck und kann ein Grund dafür sein, dass soziale Medien in dieser Bedürfniskategorie besonders relevant sind. Die Digital Natives können dort autonom bestimmen, welchen Medieninhalten sie sich zuwenden möchten und welchen nicht. Das Ignorieren von Nachrichten zum Thema Corona wird vor allem auf sozialen Medien durch ein triviales „Nicht Anklicken“ möglich.

Zur Befriedigung sozialer Bedürfnisse wurden ausschließlich soziale Medien herangezogen – das dürfte keine große Überraschung sein. Die Interaktion mit anderen Nutzenden auf Plattformen wie Instagram habe dabei geholfen, sich weniger alleine zu fühlen. Auch das eigene Mitteilen wird durch soziale Medien möglich und die Funktion von Hashtags schafft ein besonderes Zusammengehörigkeitsgefühl. Interessant war jedoch, dass in dieser Kategorie vor allem die Grenzen sozialer Medien deutlich wurden. Die Pandemie hat die Relevanz ‚echter‘ sozialer Kontakte in den Fokus gerückt. Die Befragten waren zwar dankbar für die sozialen Plattformen, betonten aber, dass diese niemals den echten Kontakt ersetzen könnten.

Corona hat alle gelehrt, dass viele Dinge im Leben zweitrangig sind und hat auch bei jungen Erwachsenen für neue Prioritäten gesorgt. Nun befinden wir uns mitten in der zweiten Welle und es ist wieder der Zusammenhalt aller Generationen gefragt.

Es gibt inzwischen wenige Mitmenschen, die nicht in irgendeiner Art und Weise täglich Zeit am Computer verbringen. Sei es beruflich bedingt, Facebook, Aktien-check, oder einfach nur die Zeitung lesen, Online ist mitten im Leben. Unsere Digital Natives wachsen inzwischen schon in der Grundschule mit dem Internet auf und man sieht immer mehr Kinder unter zehn Jahren mit einem Smartphone in der Hand auf dem Spielplatz. Irgendwie seltsam, oder? Da fragt man sich doch am besten selbst, ob man in zehn Jahren immer noch die Binärcodes schiebt, oder auch mal offline die Seele baumeln lassen kann.

Unsere Experten spekulieren, dass man auch in zehn Jahren noch onlineverbunden sein wird. Was natürlich auch ganz entspannt sein kann, wenn der verträumte Blick Richtung Bergsee wandert…

Doris Eichmeier

Doris Eichmeier (Content-Strategin): „Bücher waren früher verpönt, weil sie angeblich die Leser vom echten Leben fernhalten würden. Aktuell ist es schick, über fernsehende Mitbürger die Nase zu rümpfen. Bestimmt sind demnächst die Online-Medien dran, das scheint der Lauf der Dinge zu sein. Ich persönlich halte jeden Aussteigertrend für unreflektiert: Das Medium als solches ist nicht qualitätsentscheidend – es  kommt darauf an, welche Inhalte man darin auswählt. Ich verzichte ja auch nicht auf Bücher, nur weil ich Uta Danella unsäglich finde. Auf keinen Fall wäre ich ein Online-Aussteiger – was würde ich alles verpassen!“

Eric Hofmann (Marketingleiter Fashionation): „Ja, definitiv. Online-Aussteiger werde ich, falls ich bis dahin genug auf der hohen Kante habe und aus dem Garten meines eigenen Hauses in die Berge oder auf einen See schauen kann ;-) -> Online schaue ich dann nur noch, wie der FC Bayern so performt, wie das Wetter wird und natürlich werde ich online Dinge bestellen, die ich am See in den Bergen nicht bekomme ;-).“

Alexander Erlmeier (Country Manager DACH, ICQ): „Wenn ich so weiter mache, dann gebe ich mir noch 10 Jahre, bevor ich den Stecker ziehe bzw. das W-LAN deaktiviere.“

Thomas Hohenacker

Thomas Hohenacker (Inhaber Malte Media): „Es wird massenweise Therapiecamps für Onlinesüchtige geben.
Nachdem wir in 10 Jahren implantierbare Onlinechips haben werden, wird es auch Camps geben, die diese wieder ‚explantieren’  und dann die Entzugserscheinungen behandeln werden.“

Harald Kratel (Geschäftsführer, Madaus, Licht + Vernier Werbeagentur): „Nie, aber das höchste Luxus Gut wird „Zeit + Ruhe“ sein. Dann werden Leute sich den Luxus gönnen „Offline“ zu gehen. Und da bin ich dabei…oder?“

 

 

Catharina Wilhelm

Catharina Wilhelm (Leiterin der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, DeutschlandCard): „…. Ich starte bereits jetzt damit.“

Ruth Schöllhammer (Schöllhammer Beratung): „Es gibt immer ein sowohl als auch, ich bin dabei – sowohl als auch.“

Torsten Ahlers (CEO, Next Audience): „Ja wird es, ich werde nicht dabei sein.“

Thomas Port (Geschäftsführer, SevenOne Media): „Wären Sie dabei? Sehr gute Frage, nachdem ich gerade überlege, meinen Facebook Account zu löschen. Wegen der Datenproblematik vermute ich, dass auch Aussteiger zunehmen werden.“

Ulrich Schmidt (Managing Dircetor, ad pepper media): „Das ist gut vorstellbar. Zeitweise würde ich mich dafür registrieren.“

 

In der Nächsten Folge lesen Sie: Was wird es 2022 in der „Onlinewerbung“ geben, woran heute noch keiner denkt? Und was wird sich bis 2022 in der „Onlinewerbung“ überhaupt nicht verändern?