Tag Archiv für "Denise Schindler"

 „Siegen!“- Das ist die Antwort von Denise Schindler auf die Frage nach dem, was sie im Leben antreibt. Mit 35 Jahren gilt die Top-Athletin aktuell als das deutsche Gesicht des paralympischen Sports und machte ihrem Nicknamen „Killerbiene“ erst vor Kurzem in Tokio wieder alle Ehre, indem sie die erste zu ergatternde Medaille für Deutschland mit nach Hause brachte.

Denise Schindler als Interview Gast der aktuellen Folge

In der neuen Podcastfolge von BSCHEIDGSAGT darf unser Geschäftsführer Wolfgang Bscheid auch mal hinter die Fassade der sonst so taffen Sportlerin blicken und bekommt Einblicke in ganz persönliche, prägende  Erlebnisse in ihrer Jugend. Ihr Weg zum Erfolg und zum Glück war alles andere als leicht: Im Alter von 2 Jahren verlor Denise bei einem Tramunfall ihren rechten Unterschenkel und musste sich daraufhin ins Leben zurück kämpfen. Unangenehme Situationen, mit denen sie bereits im frühen Alter zurechtkommen musste, waren für sie ganz normaler Alltag: „Ich kann mich noch an eine Stunde erinnern, bei der Mannschaften gewählt wurden. Weil in einer Gruppe mehr Leute drin waren, hat sich die andere Gruppe beim Sportlehrer beschwert. Dieser meinte darauf, dass das nichts macht, weil die eine Gruppe ja behindert ist. Das macht es nicht leichter, als pubertierender Teenager mit der eigenen Situation umzugehen und den eigenen Körper zu lieben.“ Eine Sache, die Ihr bei dieser schwierigen Aufgabe geholfen hat: der Sport. „Durch den Sport habe ich gemerkt, was ich mit eineinhalb Beinen schaffen kann. Das gab mir Vertrauen in meinen Körper.“

Porträt Denise Schindler
Denise Schindler

 

Prothese und Spitzensport? Na logo!

Mit Prothese zur gefragten Spitzensportlerin werden? Bei diesem Gedanken runzeln viele immer noch skeptisch die Stirn. Und auch Denise Schindler hat nicht daran geglaubt, bis ein Gang ins heimische Fitnessstudio ihr Leben um 180 Grad drehte. Ein einziger Besuch im Cyclingkurs und das Feuer für den Radsport war entfacht. Hobbysportlerin zu sein, reichte ihr irgendwann nicht mehr, denn sie wollte –typisch Denise – ganz nach oben.

Doch allein im paralympischen Sport tätig zu sein, reichte finanziell lange Zeit nicht aus, berichtet die Athletin und macht damit auf die immer noch herrschenden Unterschiede und Missstände aufmerksam. Sie sei sehr froh darüber, dass mittlerweile viele Menschen wissen, was Inklusion ist, betont aber im Gespräch, wieviel es dies bezüglich noch zu tun gibt. So war ihre Teilnahme in Tokio an den paralympischen Spielen ein Beispiel dafür, dass es immer noch – trotz Inklusionsdebatte – viel zu viele Diskrepanzen gibt. Die paralympischen Spiele stehen beispielsweise immer noch im Schatten der olympischen Spiele.

Trotz der Barrieren in der Gesellschaft und trotz Ihres „Makels“, bewies sie unter dem Motto „Jetzt erst recht!“ all ihren Widersachern, dass es sich lohnt zu kämpfen, und stellte 2018 neben dem Gewinn von zahlreichen Medaillen in Straßenrennen und einer Bronze-Medaille auf der Rennbahn in Tokio einen inoffiziellen Weltrekord in der 3000-Meter-Einerverfolgung auf. Im Podcast-Interview bleibt eine Aussage ganz besonders präsent: „Alles ist möglich, wenn du es wirklich willst.“

Doch selber erfolgreich zu sein, reicht für sie nicht aus. Sie möchte sich aktiv für mehr Inklusion und mehr „Sexyness“ im paralympischen Sport einsetzen und appelliert an alle Unternehmen und Marken: „Traut euch! Der paralympische Sport bietet viele spannende Geschichten.“

 

Wie tickt die Killerbiene privat

Von sieben Tagen die Woche sitzt Denise Schindler sechs Tage auf dem Fahrrad. Alles oder gar nichts, lautet das Motto des Radprofis, welches sich auch in einer ausgewogenen, vitaminreichen Ernährung widerspiegelt. Doch immer perfekt sein ist anstrengend. Ab und zu muss man laut Denise auch mal die Grenzen des Körpers anerkennen, auf sein eigenes Wohl achten und der Disziplin eine Pause gönnen – zum Beispiel mit einer Maß auf der Wiesn.

Ihrer Ausstrahlung nach ist es kaum zu glauben, aber nur „perfekt“ zu sein ist nicht ihr Ding. Im Gespräch rechnet Denise Schindler mit dem idealisierten Schönheitsbild in den sozialen Medien ab. „Kein Mensch ist perfekt und das muss er auch nicht sein.“ Es ist ihr ein Anliegen, Jugendlichen den Druck für den perfekten „Look“ zu nehmen und authentisch zu sein. Deswegen postet sie auch mal ein Foto ohne „Holidayfilter“. Bei aller Dankbarkeit für ihre Fanbase ist es Denise jedoch wichtig, ihre Privatsphäre zu wahren – Fotos von gemütlichen Couchabenden zuhause wird man von ihr also nicht zu sehen bekommen.

Dafür zeigt sie sich ihren Fans in ihrem autobiografischen Buch „Vom Glück Pech zu haben“ von einer nahbaren, intimen Seite. Denn darin lässt sie sie an ihrer körperlichen und seelischen Entwicklung sowie ihren inneren Kämpfen teilhaben.