Tag Archiv für "Clubhouse"

Welches Potential hat die App und lohnt es sich den Hype mitzumachen?

Wie es sich für einen neuen coolen Club gehört, kommt man nur mit Einladung rein. Die neue App Clubhouse setzt auf Exklusivität. Somit ist die FOMO (fear of missing out), die Angst etwas zu verpassen vorprogrammiert.

Anfang des Jahres schwappte die FOMO durch alle deutschen Social Media Kanäle. Alle bekannten Influencer und die, die es noch werden wollen, twitterten und posteten über die neue App namens Clubhouse.

Aber was ist Clubhouse überhaupt genau?

Bei Clubhouse geht es primär um Audioinhalte. Es gibt sogenannte rooms, in denen so etwas wie digitale Diskussionen stattfinden, eine Bühne mit Speakern und ein Publikum. Die Personen im Publikum können aber auch selber ihr Mikro einschalten und von den Moderatoren auf die Bühne eingeladen werden.

Sobald man einem Profil folgt, sieht man, ob sich der oder diejenige in einem Raum befindet. Auf diese Weise werden sehr schnell sehr hohe Reichweiten (1.000 Zuhörer sind keine Seltenheit) erzielt.

Was ist das Besondere an Clubhouse?

Clubhouse verspricht Zuhörern das „Twitch“-Gefühl (jeder kann zum Sender werden), kombiniert es mit der persönlichen Ansprache in Podcasts und einer gewissen Themenoffenheit. Somit erinnert die App an einen digitalen Speakers‘ Corner, einen öffentlichen Platz, der dem Meinungsaustausch dient.

Bisher dominieren Talks zu Start-ups, aktuellen Branchenthemen und Trendbewegungen. Dabei sind besonders die Speaker interessant, denen man lauschen kann. Von dem Mitbegründer des Online Handels Tarek Müller (About You) zum Thema E-Commerce, FDP-Chef Christian Lindner, Star Rapper Drake bis hin zur Fridays-for-future-Aktivistin Luisa Neubauer.

Clubhouse
Quelle: https://www.hna.de/verbraucher/clubhouse-social-media-app-experten-warnung-datenschutz-promis-kassel-hna-zr-90173881.html

 

Wer steckt hinter Clubhouse?

Alpha Exploration heißt die Firma, die die App entwickelt hat, Paul Davison und Rohan Seth (ein ehemaliger Google-Mitarbeiter) sind die beiden Gründer. Die App kam im Frühjahr 2020 auf den Markt und gewann sofort ein Investment von mehr als 10 Millionen Dollar. Zu diesem Zeitpunkt wurde die App trotz nur weniger Tausend Nutzer bereits auf etwa 100 Millionen Dollar geschätzt. Dass bislang nur iPhone-Besitzer und Eingeladene Zugang zu der App bekommen, die weltweit inzwischen rund zwei Millionen Nutzer hat, ist verkaufspsychologisch natürlich ein intelligenter Schachzug.

Jetzt mitmachen – oder ist der Hype bald vorbei?

Spannend ist der Ansatz von Clubhouse auf jeden Fall. Selten war es so einfach, so vielen interessanten Gesprächen zuhören zu können, ohne dafür ein Messeticket zu kaufen oder eine Podiumsdiskussion besuchen zu müssen.

Allerdings gibt es viele Beispiele für Apps, die als das nächste große Ding gehandelt wurden. Tik Tok ist vom Hype zu einer inzwischen etablierten Social-Media-Plattform geworden. Konkurrent Snapchat hat immer wieder Probleme, versucht aber nun durch die Zusammenarbeit mit Influencern die Plattform zu sichern.

Ein „lean-back“ Scrollen und Stories schauen gibt es bei Clubhouse allerdings nicht, stattdessen muss man die ganze Zeit aktiv zuhören. Die Talks finden live statt und werden nicht gespeichert. Die Termine sind also gesetzt und wer Besseres zu tun hat, verpasst die Gespräche. Ob die Menschen ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt Lust dazu haben, wenn sie ohnehin langen Digitalkonferenzen aus dem Homeoffice zuhören müssen, ist die Frage. Anders als in Zoom-Meetings müssen sich die User zumindest nicht überlegen, wie sie aussehen und ob der Bildhintergrund aufgeräumt ist.

Bisher ist über die Datenverarbeitung der App noch nicht viel bekannt – außer, dass Clubhouse mit den hochgeladenen Telefonbüchern der Nutzerinnen und Nutzer Schattenprofile auf dem eigenen Netzwerk anlegt. Damit befindet sich Clubhouse in der rechtlichen Grauzone.

Ist Clubhouse also eine Plattform für High-Involvement-Themen, dafür aber mit begrenzter Reichweite?

Die Mediascale hat schon lange erkannt, dass das digitale native Audio eine Schlüsseltechnologie unserer jetzigen Zeit ist und dass sich der Medien- und Werbemarkt durch interaktive Audiomedien in den kommenden Jahren stark wandeln wird. Die Zukunftsfähigkeit von Clubhouse wird davon abhängen, ob die App Geld verdienen kann und ob sie auch für Werbetreibende interessant wird. Im Kundenservice, im Recruiting oder PR-Bereich kann man sich schon jetzt sinnvolle Ansätze vorstellen. Wie das Geschäftsmodell aussieht, mit dem die App langfristig Geld verdienen will, ist noch unklar. Audiowerbung, die den Talks vorgeschaltet wird? Oder werden die Daten der Nutzerinnen zum Kapital des Unternehmens? Das wird eng mit dem Datenschutz der App einhergehen.

Unser Geschäftsführer Wolfgang Bscheid ist bereits auf Clubhouse sehr aktiv, im nächsten Termin diskutiert er mit Ingo Rentz (Horizont), Katrin Ansorge (Horizont), Markus König (Evonik), Barbara Wandrei (Media4Planet) und Jana Bernhard (S20) über Green Media: Wie nachhaltig muss Marketing heute sein?

 

Runde 3 des Mittwochmittag Clubhouse Talks am 10. März: „Let’s talk about Audio! – Warum man bei Podcasts mit der klassischen Radio-Denke nicht weit kommt.“ Diesmal als Gast mit dabei: Audio-Expertin Ina Tenz, Geschäftsleiterin bei Anda Business Communication, erfahrene Radiomacherin und Produzentin der Podcasts „Der fünfte Satz“ mit Boris Becker und „Die Agenda“ mit Gerhard Schröder.

Eine wichtige Erkenntnis des Clubhouse-Talks vornweg: Audio ist nicht gleich Audio. Radio läuft oft im Hintergrund, als Klangteppich, der einen durch den Tag begleitet. Mal ist die Aufmerksamkeit der HörerInnen höher, manchmal gar nicht da. Für Radio spricht: Die hohe Reichweite, die Mischung aus charterprobten Musiktiteln, gute Wortbeiträge und der Schlagabtausch der ModeratorInnen. Sie können das Radio zu einem kurzweiligen Vergnügen machen.

Podcasts hingegen sind das Gegenteil: Über längere Zeit und in Ruhe einem interessanten Thema lauschen – damit bedient das Langformat ganz neue Ansprüche und Nutzungssituationen. Ina Tenz: „Es handelt sich dabei um ein bewusstes Zuhören und selektives Einschalten. Ich entscheide, was ich jetzt in diesem Moment hören will. Und auch für den Host oder Gast ist es eine Art Deutungshoheit der eigenen Geschichte: einmal seine Sicht der Dinge erzählen, Zeit haben, die Gedanken schweifen zu lassen – natürlich ohne den Anspruch auf die absolute Wahrheit.“

Neue Audioformate im Wettbewerb mit Radio

Fakt ist: Die Mediennutzungszeit steigt parallel mit der Auswahl an Audiomedien. Die Vielfalt an Podcasts und Clubhouse setzen das klassische Radio unter Druck, auch weil mit Smartphones und Smart Speakern omnipräsente Abspielgeräte immer dabei sind. Die mit Formatradios groß gewordenen Konsumenten entdecken ganz neue Facetten von Audio. Geschichten, die Zeit brauchen und sich auch entwickeln können. Ina Tenz spricht hier sogar von einer „Konditionierung“: Die Hörer gewöhnen sich daran, dass sie noch mehr, noch tiefere Inhalte bekommen, und ändern entsprechend ihre Erwartungen an Audio.

„Podcasts sind einfach etwas völlig Neues, kein anderes Format bekommt eine so individuelle Aufmerksamkeit und das ist es auch, was Marken sich zunutze machen sollten. Klar muss aber sein: Werbung im Podcast bzw. Kommunikation via Podcasts unterliegt anderen Gesetzmäßigkeiten als Radiowerbung“, ergänzte Wolfgang Bscheid. In Podcasts, so Bscheid, können Marken wirklich Persönlichkeit zeigen. Dabei gilt es, transparent und authentisch zu sein, offen und kreativ mit Markenbotschaften und den Markenwelten umzugehen. Kaufmich-Spots, wie wir sie aus Radio und TV kennen, stören im Podcast hingegen den Flow.

Audio holt Bewegtbild ein

Der Audio-Boom, so eine Erkenntnis, hat scheinbare Wahrheiten nicht nur in Frage gestellt, sondern gleich widerlegt. Immer kürzer, immer schneller, immer provokanter? Es geht auch anders, wie die Erfolge der Langformat-Podcasts zeigen. Die Vormachtstellung des Bewegtbildes? Sie führt dazu, dass die Sehnsucht nach einem Medium wächst, dass nur den Hörsinn bedient und die Augen entspannt. Und die Emotion? Sie ist mindestens genauso stark wie im TV, weil Audio und die Kraft der Stimmen den Film im Kopf auslösen kann.

Fazit des Talks: Audio boomt, aber jedes Medium hat seine eigenen Stärken. Die Stärke der Podcasts liegt darin, endlich wieder ein Medium zu haben, dass ZuhörerInnen in einer meist exklusiven Nutzungssituation über einen längeren Zeitraum erreicht. Ein Buch für die Ohren, dass Werbetreibenden die Chance gibt, Menschen wieder in einer entspannteren Situation und länger als 30 Sekunden zu erreichen.

Clubhouse Talk „Media und Nachhaltigkeit“ mit Peter Christmann, Co-Founder und CEO von Media4Planet

Eigentlich ist es höchste Zeit, dass auch die Media- und Werbebranche sich ernsthaft mit dem Thema Nachhaltigkeit auseinandersetzt. Und so langsam gewinnt die Bewegung deutlich an Fahrt. Das ist – ganz verkürzt – das Ergebnis des ersten Mittwochmittag Mediatalk am 17. Februar zu „Nachhaltigkeit und Media“ auf Clubhouse – powered by Mediaplus. Gastgeber Wolfgang Bscheid, Managing Director der zur Mediaplus-Gruppe gehörenden Mediascale, und Peter Christmann, Co-Founder und CEO von Media4Planet, waren sich in einer Bewertung relativ schnell einig: „Marketer, Werber und Medien sollten als erste der großen Branchen klimaneutral agieren. Wir müssen die Mediabranche grüner machen“ Dabei geht es nicht nur darum, das eigene Unternehmen oder die eigene Agentur klimaneutral aufzustellen, sondern vor allem auch um die 25 Milliarden Euro netto, die Werbetreibende jedes Jahr investieren.

Clubhouse Talk „Media und Nachhaltigkeit“

 

Für Peter Christmann war eine durch Plastik verendete Meeres-Schildkröte im Brasilien-Urlaub sein ganz persönlicher Einstieg in das Thema. Der „Environmentalist“ ist Co-Founder und CEO von Media4Planet, einem Anbieter für ein nachhaltiges Mediamodell und Gründer der Meeresschutz-Organisation Orange Ocean. Christmann will die Mediabranche „grüner machen“, in dem er Werbeflächen günstiger einkauft, diese an nachhaltige Firmen oder Produkte weiterverkauft und mit der Marge die Klimaschutzkommunikation der UNEP (das Umweltprogramm der Vereinten Nationen) unterstützt und CO2 über zertifizierte Klimaschutzprojekte kompensiert. Media4Planet hat bereits erste Projekte gestartet, wurde durch Corona, den Lockdown und Budgetstornierungen in seiner Dynamik aber gebremst.

Ist die werbetreibende Industrie vielleicht auch noch nicht so weit? Um die Bereitschaft und Stimmungslage der Werbetreibenden zu erkunden, hat Mediaplus vor kurzem 160 Marketingentscheider befragt. Das Ergebnis überraschte. Wolfgang Bscheid: „Über 80 Prozent der von uns befragten Marketer sind der Ansicht, dass Werbebudgets Gesellschaften verändern können. Es gibt anscheinend eine hohe Bereitschaft nachhaltiger zu agieren, wenn man Werbetreibenden Angebote macht, ihre Budgets sinnstiftender zu investieren.“

Bscheid weiter: „Natürlich ist jeder gerne grundsätzlich nachhaltig, wenn es nichts kostet. Deshalb muss Nachhaltigkeit auch aus einer Sachargumentation für den Kunden Sinn machen. Wenn man Media nachhaltig plant und schaltet, dann muss sich das am Ende für den Werbetreibenden auch lohnen. Zum Beispiel weil die Kampagnen vor allem in den Zielgruppen eine höhere Werbewirkung erzielen, für die Nachhaltigkeit heute schon ein wichtiger Aspekt ist. Es ist doch schöner, beides zu tun: Nachhaltig zu werben und trotzdem die gesteckten Mediaziele zu erreichen.“

Um das gemeinsame Ziel einer nachhaltigeren Wirtschaft schneller zu erreichen, plädiert Peter Christmann für einen Schulterschluss auch mit Verbänden wie der OWM (dem Verband der Werbetreibenden) und der OMG (dem Verband der Mediaagenturen): „Deutschland hat sich verpflichtet, bis 2030 rund 55 Prozent der CO2-Emissionen gegenüber 1990 einzusparen. Das geht nur in einem gemeinsamen Ansatz zwischen Politik, Industrie, NROs und Verbrauchern. Es ist also höchste Zeit für einen Schulterschluss.“

Um mit Werbetreibenden beim Thema Green Media in einen konstruktiven Dialog zu gehen, regt Wolfgang Bscheid eine gemeinsame Basisarbeit der Branche an: „Da geht es um Leistungskataloge, Lösungen, aber auch um standardisierte KPIs, um Nachhaltigkeit überprüfbar zu machen. Wir müssen eine verlässliche Grundlage schaffen, um nachhaltige Media exakt zu definieren. Dabei geht es nicht nur um ökologische Themen, sondern auch um die ökonomischen und sozialen Dimensionen der Nachhaltigkeit.“

Das Fazit des Clubhouse Talks: Gemeinsam mit allen Marktteilnehmern müssen Lösungen gesucht und definiert werden, um den Kunden entsprechende Wege zu zeigen.

Der Mittwochmittag Mediatalk zu „Nachhaltigkeit und Media“ – powered by @Mediaplus – wird fortgesetzt. Am 3. März ab 12 Uhr spricht Gastgeber Wolfgang Bscheid mit Udo Schendel, dem CEO Weischer.JvB, über nachhaltige Außenwerbung. https://www.joinclubhouse.com/event/PYb88zb3