Tag Archiv für "blogger"

Ein durchtrainierter Kerl im Fitnessstudio erklärt uns, wie sehr ihm sein Proteinpulver „XY“ beim Muskelaufbau geholfen hat. Die stets auf eine perfekte Erscheinung bedachte Videobloggerin will uns glauben machen, der Glanz ihrer Zähne stehe in direktem Zusammenhang mit dem neuen „amazing“ Teeth Whitener, den sie nutzt. Das sind nur zwei Beispiele, wie sogenannte Influencer ihren hunderttausenden Followern auf Instagram, YouTube, Facebook und Co. suggerieren, wie begeistert sie von verschiedenen Produkten sind.

influencer-marketing-1
(Quelle: Instagram via Onlinemarketing.de)

 

Influencer Marketing ist gerade in aller Munde: Mit dem kometenhaften Aufstieg sozialer Medien hat sich ein riesiges Ökosystem an Social Influencern aufgetan, die oft mit großem Aufwand akribisch aus ihrem Leben berichten. Vor allen Dingen in den Bereichen der drei großen F´s – Food, Fashion und Fitness – gibt es mittlerweile eine Vielzahl an erfolgreich agierenden Bloggern mit einer großen Anhängerschaft. Im Gegensatz zu den meisten Film- und Musikstars der Vergangenheit schaffen es diese Influencer, eine deutlich interaktivere Beziehung zu ihren Fans aufzubauen.

Dieses innige Verhältnis zwischen Bloggern und ihren Followern wollen sich nun auch immer mehr Unternehmen zu Nutze machen, denen es zunehmend schwerfällt, insbesondere jüngere Zielgruppen über klassische Mediakanäle werblich zu erreichen. Sie hoffen, dass sich die auf Sympathie aufbauende Beziehung zwischen Influencern und ihren Followern auf ihre Produkte übertragen lässt. Essentiell sind hier das Vertrauen und das authentische Umfeld, in dem sich solch ein Produkt-Sponsoring abspielt.

Tatsächlich gibt es auch eine Menge guter Gründe für Unternehmen, ihren Marketing Mix um diesen Kanal zu erweitern. So generieren Mund-zu-Mund-Marketing-Maßnahmen zwischen Konsumenten, zu welchen auch Influencer Marketing zählt, das Zweifache an Umsatz im Vergleich zu bezahlten Werbemaßnahmen (McKinsey). Auch vertrauen 92 Prozent der Konsumenten diesen Mund-zu-Mund-Empfehlungen, während lediglich 36 Prozent klassischen Display Ads Vertrauen schenken. Laut einer Umfrage von Variety sind mittlerweile 8 der 10 beliebtesten Stars amerikanischer Jugendlicher YouTuber und nicht „klassische“ Stars wie Sängerin Taylor Swift. Infolge dieser Erkenntnisse planten laut eMarketer 84 Prozent der Unternehmen in 2015 in den nächsten zwölf Monaten eine Influencer Kampagne zu starten und 81 Prozent der Unternehmen, die eine solche bereits in der Vergangenheit durchgeführt hatten, bezeichneten diese als effektiv.

Ist also Influencer Marketing die neue eierlegende Wollmilchsau? Es bleiben zumindest Zweifel, dass jede Influencer-Aktion automatisch zu einem Erfolg führt. So gibt es zahlreiche Herausforderungen, denen ein Unternehmen gegenübersteht, eine erfolgreiche Influencer Kampagne aufzusetzen. Ganz vorne liegt hier, laut einer Studie (eMarketer) die Herausforderung, den richtigen Influencer für sich zu finden. So ist es essentiell, einen authentischen Zusammenhang zwischen dem Influencer und dem Produkt herzustellen. Laut eines erfolgreichen Ex-YouTubers des sich in 2015 aufgelösten Trios Y-Titty, ist Influencer Marketing allzu oft einfach nur schnödes Product Placement, welches mitunter die Glaubwürdigkeit des Influencers nicht nutzt, im Zweifel sogar untergräbt. Hier sollen vor allen Dingen gute Geschichten Marken helfen, nicht in der Flut an Content unterzugehen.

Weitere Herausforderungen sind laut der Studie das richtige Herantreten an potentielle Influencer. So können Kontakte entweder direkt, oder über eine Vielzahl an spezialisierten Agenturen geknüpft werden. Auch wird der nur schwer zu messende Kampagnenerfolg als problematisch angesehen sowie das Verfolgen der Aktivitäten des Influencers auf seinen verschiedenen Plattformen.

Doch sind es nicht nur operative und kreative Herausforderungen, die Unternehmen bewältigen müssen. Die Branche kämpft zunehmend mit dem Vorwurf der Schleichwerbung. So ist es laut gesetzlicher Regelung in Deutschland verboten, den werblichen Charakter von geschäftlichen Handlungen zu verschleiern. Auch in den USA, dem Ursprungsland von Influencer Marketing, aktualisierte die Behörde für Wettbewerbs- und Verbraucherschutz (FTC) ihre Richtlinien und legt mittlerweile großen Wert auf die Kenntlichmachung bezahlten Contents. Wenn bei einem Post nicht ohne Weiteres ersichtlich ist, dass es sich dabei um bezahlte Werbung handelt, empfiehlt die Behörde, diesen als werblich zu kennzeichnen, beispielweise durch das Hinzufügen eines #ad oder #spon im Post. Noch wird weder in den USA noch in Deutschland diese Kennzeichnungspflicht umfassend kontrolliert, schon allein aus Mangel an Ressourcen, doch ein allmähliches Umdenken ist festzustellen.

influencer-marketing-2
Beispiel für die Kennzeichnung eines werblichen Posts mit dem #sponsored (Quelle: Instagram)

 

Zuletzt droht langfristig möglicherweise auch ein weiteres Problem: Die zunehmende Kommerzialisierung von Plattformen wie Instagram durch Unternehmen und Influencer könnte gerade einer der ursprünglichen Anziehungspunkte solcher Plattformen (User generierte, authentische Inhalte vs. gestellte Werbung und Content mit Stars) erodieren. Hieraus könnte sich bei einem Teil der Nutzer ein gewisser Zynismus gegenüber den gesponserten Inhalten entwickeln. Wenn Nutzer nicht mehr ausreichend originäre, authentische Inhalte verfolgen können, wenden sie sich eventuell ab.

Influencer Marketing wird auch in Zukunft wachsen, die Branche muss aber achtsam bleiben, die ursprünglichen Vorteile von vertrauensbasiertem Influencer Marketing zu bewahren und etwaige regulatorischen Maßnahmen einzuhalten.

Olaf Kolbrück
Olaf Kolbrück

Was sind die aktuellen Trends der Branche? Was ist Ihr Lieblings-Social-Network und wie viel Zeit verbringen Sie täglich mit Social Media? Wir wollen es wissen und fragen deshalb bei ausgewählten Online-Experten und Fachredakteuren nach. Heute im Interview: Olaf Kolbrück, meinungsstarker Off-the record-Blogger, Reporter Internet und eBusiness sowie Redakteur im Ressort Marketing bei  Horizont, der in Frankfurt beheimateten Zeitung für Marketing, Werbung und Medien.

1.  Herr Kolbrück, Xing, Facebook oder beides? Welche Plattform erfüllt für Sie welchen Zweck und wie viel Zeit nehmen Sie sich für die Pflege?

Facebook und Twitter sind meine erste Morgenlektüre. Noch vor Spiegel Online und Faz.net. Facebook und Twitter sind für mich eine wohl sortierte Informationsquelle für meine privaten Interessen und beruflichen Themen, weil Menschen, die mich interessieren, die Inhalte liefern, die mir nahe sind. Manchmal ist es aber auch schlicht unterhaltsam. Lesen, nachdenken, antworten, eigene Inhalte beitragen – das kann und darf über den Tag verteilt gut länger als eine Stunde dauern. Das klingt viel? Aber der abendliche Blick in Facebook ersetzt mir ja auch Heute-Journal und Tagesthemen. Xing? Das ist für mich nur noch ein Telefonbuch deluxe.

Und warum tragen Sie einen Hut in Ihrem Facebook-Profil?

Aus purer Eitelkeit. Weil er mir gut steht. Sagt man. Natürlich auch, weil ich ein uniques Bild wollte, das ein Stück Privatheit ausdrückt und nicht nach cooler Beraterpose oder Bewerber-Mimik aussieht. Also auch wieder aus Eitelkeit.

2.  Welche Online- oder Social Media-Kampagne ist Ihnen in den letzten sechs Monaten besonders aufgefallen? Warum?

Social Media und Kampagne – das passt zusammen wie Fußgängerzonen und Autos  Klar, man kann dort auch mit dem Pkw fahren, es ist aber nicht wirklich sinnvoll, wenn man voran kommen will. Es geht bei Social Media in erster Linie um Prozesse zwischen und mit Menschen, nicht um einen Feldzug. Wie man das Web als fröhliches Thekengespräch und durchaus als Tupperware-Party begreifen kann, ohne in klassische Werbe- und Vertriebsdenke zu verfallen, zeigt die Facebook-Präsenz von dm-Drogeriemarkt. Hier wird mit einem Lächeln, persönlicher Note und menschlicher Nähe der Dialog mit dem Kunden betrieben. Die Kette muss gar nicht groß Werbung in eigener Sache machen. Das Bild von der lebendigen und kundennahen Marke vermittelt der Austausch mit den Fans selbst und glaubwürdiger als jede Kampagne.

3.  Würde Sie Ihr Verlag bezahlt ein halbes Jahr freistellen, um einen Blog oder eine Webseite zu gründen, was würden Sie ins Leben rufen?

Zusammen mit Kollegen habe ich vor kurzem das Projekt Mykeynote.tv im Verlag gestartet. Es geht also auch ohne Freistellung.

4.  Online Behavioral Advertising ist…

…ein Weg, deutlich relevantere Werbeinhalte zu präsentieren. Er wird an Akzeptanz gewinnen, wenn durch mehr Transparenz das Vertrauen der Konsumenten in diese Werbeform steigt.

5.  Wie oft werden Sie via Twitter oder Blogs auf Themen gebracht, über die Sie dann später schreiben?

Zugespitzt gesagt: beinahe täglich. Früher, um eine alte journalistische Plattitüde zu zitieren, lagen die Themen auf der Straße, heute liegen sie in der Timeline. Aber nicht alles, was wunderbar in 140 Zeichen passt, hat Substanz für mehr. Nicht jedes Thema ist also das Ergebnis von Twitter und Co. Das Mitmach-Web kann es nicht ersetzen, selbst nachzudenken, Dinge zu hinterfragen, selbst zu recherchieren und dadurch Themen zu finden. Manchmal hilft ebenso ein Plausch mit Freunden und Kollegen – oder Gedrucktes.

6.  In Amerika werden via Realtime Bidding bereits Profildaten von Menschen mit konkreten Kaufabsichten gehandelt. Wie wird sich das Thema in Deutschland entwickeln?

Sobald Verlage und Media-Agenturen das Potenzial verstanden haben, könnte es der Online-Werbung einen mächtigen Schub geben und das Wachstum der Web-Werbung potenzieren. Spätestens 2012 wird das Realtime Biding auch hierzulande eine relevante Größe  sein.

7.  Herr Kolbrück, jetzt mal „off the record“:  Fühlen Sie sich als prominentester Blogger von Horizont den Printkollegen manchmal ein wenig überlegen?

Gewiss nicht. Im Vergleich zur Expertise und stilistischen Finesse von Kollegen, schreibe ich als Blogger doch nur hin und wieder ungefragt ein paar Dinge, die mir auf dem Herzen liegen, mit leichter Hand ins Internet.

tanja_gabler

Was halten Sie vom Disput zwischen Bloggern und Journalisten? Warum mögen Sie Facebook oder Twitter und was nervt Sie daran? Klicken Redakteure auf Online-Werbung? Klartext ist neugierig und fragt bei ausgewählten Online-Experten und Fachredakteuren nach. Heute im Interview: Tanja Gabler, Bloggerin und Leiterin der Online-Redaktion von Internet World Business.

Journalisten contra Blogger – ein Grabenkampf mit Happy End oder ein unsinniger Disput ohne Ende?

Für mich sind Journalisten und Blogger Kollegen, die mit unterschiedlichen Stilmitteln beziehungsweise in anderen Textformen arbeiten. Viele Journalisten haben eigene Blogs – und viele Blogs werden längst in den klassischen Medien zitiert. Das liegt einerseits daran, dass die Qualität der Blogbeiträge gestiegen ist, und andererseits daran, dass viele (Online-)Medien ihr Misstrauen gegenüber dieser Ausdrucksform verloren haben.

2.    Warum mögen Sie Twitter, Facebook und Co.? Und was nervt?

Twitter ist wie ein Gespräch unter Freunden, in das ich mich einklinken kann, wenn ich Lust darauf habe. Hier bekomme ich in Sekundenschnelle Antworten auf Fragen. Ich erfahre, wer was zu sagen hat und welche Themen die Branche gerade bewegen. Nervig ist nur, wegen Pressemeldungen nicht nur über Mail und Telefon, sondern auch über Twitter und Facebook kontaktiert zu werden.

3.    Welche aktuellen Themen und Kampagnen der Online-Branche bewegen Sie derzeit?

Am spannendsten finde ich im Moment Social Media: wie soziale Netzwerke die Art prägen, wie wir Informationen erhalten und weitergeben – und wie sie den Umgang zwischen Unternehmen und Verbrauchern verändern. Ein großes Thema, über das wir auch bei internetworld.de viel berichten, ist derzeit die Erfolgsmessung von Marketingaktivitäten auf Facebook oder Twitter. In diesem Bereich bewegt sich gerade viel.

4.    Targeting und Profiling sind…

… wenn sie gekonnt eingesetzt werden, wichtige Instrumente für Werbetreibende, um User mit bestimmten Interessen oder Merkmalen zu erreichen. Die Anonymität der Internetnutzer sollte selbstverständlich gewahrt bleiben.

5.    Was halten Sie von Internet-Hypes wie ‚Chatroulette‘? Und welche Seite im Netz würden Sie verbieten, wenn Sie könnten?

Bei Chatroulette habe ich schon Tränen gelacht. Wer’s nicht glaubt, soll’s ausprobieren, am besten mit einer Frau vor der Webcam. Gut gefallen hat mir auch die FCUK-Kampagne, bei der Chatroulette-User einen Einkaufsgutschein gewinnen konnten, wenn es ihnen gelang, eine Frau von sich zu überzeugen. Welche Seiten ich verbieten würde? Da ich gegen Zensur bin, nur jene, die ohnehin illegal sind.

6.    Haben Sie einen Pop-Up-Blocker im Browser? Und wie gehen Sie mit Werbung im Netz generell um?

Ich hab keinen Pop-up-Blocker aktiviert. Denn nur über Werbeeinnahmen ist es möglich, journalistische Inhalte für die User kostenlos anzubieten. Deshalb stehe ich Werbung positiv gegenüber, auch wenn ich mich selbst nur schwer zum Klick auf Banner verleiten lasse.

7.    Wenn Sie heute nicht Fachjournalistin für die digitale Wirtschaft wären, dann…

… wäre ich in der PR oder im Marketing tätig. Hauptsache online.

Haben Sie Folge 1 unserer Interviewserie verpasst? Hier finden Sie das Interview mit Jens von Rauchhaupt, dem stellv. Chefredakteur von Adzine.