Tag Archiv für "Affinitätsindex"

Mal ehrlich, haben Sie im privaten Umfeld jemals das Wort Affinität in den Munde genommen? Wahrscheinlich nicht. Es ist auch tatsächlich etwas, dass, außer in der Werbewelt und vielleicht noch in der Physik, kaum jemand dieses Wort verwendet. Sucht man nach Synonymen tauchen Wörter auf wie: Analogie, Entsprechung, Gleichartigkeit, Vergleichbarkeit, Verwandtschaft, Verwandtsein, Übereinstimmung, Anklang, Gemeinsamkeit, Ähnlichkeit auf.

In medialer Hinsicht trifft das Wort Gemeinsamkeiten am besten den Punkt. Denn was ich suche, sind Platzierungen deren User mit meiner Zielgruppe ein hohes Maß an Gemeinsamkeiten aufweist. Nehmen wir an, ich habe ein Produkt, welches sich nur an Männer richtet, um es an einem einfachen Beispiel festzumachen. Dieses möchte ich als Werbetreibender nur dort bewerben, wo ein möglichst hoher Anteil der User das Merkmal „männlich“ aufweist. Um nun die Platzierungen zu ermitteln, gibt man das Merkmal z.B. in die AGOF ein und bekommt eine Auflistung aller Websites und deren Affinität zu eben jenem Merkmal. Auf einem Freemail-Portal (ohne Targeting) habe ich i.d.R. einen fast exakt gleich hohen Anteil Männer zu Frauen, wie es die Gesamtnutzerschaft (Online) in Gänze hat (47:53). Wenn ich nun zum Beispiel auf kicker.de schaue und dort einen Anteil von (fiktiven) 70,5 Prozent Männern habe, erhöht sich meine Affinität auf 150. Hätte ich dort 94 Prozent Männer, wäre es 200. Mathematisch betrachtet lautet die Formel wie folgt:

 

Affinitätsindex:

Anteil ZG an Mediennutzerschaft in % / Anteil der ZG an Onliner Gesamt in % x 100

Ein Beispiel:

Anteil Männer Seite A: 55% | Anteil Männer Seite B: 37%

Seite A: 55% ÷ 47% x 100 = 117 -> Seite A erreicht Männer überdurchschnittlich

Seite B: 37% ÷ 47% x 100 = 79   -> Seite B erreicht Männer unterdurchschnittlich

 

Soweit ist ja alles einleuchtend. Komplexer wird die Thematik dadurch, dass Affinität kein geeigneter Indikator für Streuverluste ist und auch dessen absolute Höhe nur dann eine Aussagekraft hat, wenn man ihn ins Verhältnis zur Grundgesamtheit setzt. In Bezug auf das Merkmal Männer ist die maximale Affinität 213, da ab dieser Zahl mein Trefferbild bei 100% liegen würde. Bei einer kleineren Zielgruppe, die beispielsweise nur 10% der Online User abdeckt, würden bei einer Affinität von 213 lediglich 21,3% der Einblendungen in der Zielgruppe landen und die Platzierung hätte folglich auch eine geringere Attraktivität, da eine maximale Affinität von 1000 möglich wäre. Weder eine 100-prozentige Zielerreichung, noch eine Affinität von 1000 wird man jedoch in der Realität erreichen. Zur Einordnung sollte Folgendes immer beachtet werden:

Affinität ist immer relativ zur Zielgruppengesamtgröße und sollte nie isoliert betrachtet werden. Es lohnt also immer einen Blick auf den Zielgruppenanteil einer Seite zu werfen, um den Streuverlust zu ermitteln und sich der Verhältnismäßigkeiten bewusst zu werden.