Tag Archiv für "Adblocker"

Was haben wir nicht für aufregende Diskussionen auf der d3con erlebt. Wie sich die ganze Branche mehrfach lauthals auf den Adblocker eingeschossen hatte und den guten Herrn Faida beschimpft haben.

Wie uns erklärt wurde, dass wir ab morgen eigentlich alles und jeden programmatisch planen und umsetzen werden und wir Agenturen eigentlich vollkommen überholt sind, weil der Advertiser alles selbst macht.

Ich könnte die Liste lange fortsetzen, doch ist die Frage ja, wie es nun dieses Jahr war. Die Antwort ist so sachlich wie die Konferenz es war: informativ und fast schon normal… doch vielleicht ist auch genau das die Qualität, die das Thema programmatische Kampagnensteuerung so dringend braucht: raus aus der Hype-Ecke, rein in die planerische und konzeptionelle Normalität.

Und da gab es interessante Vorträge und Diskussionen, die sehr plastisch aufgezeigt haben, wo wir mit dem Thema heute stehen und welche Herausforderungen wir noch vor uns haben:

Es ging um richtige Attributionen, also um die Einordnung, wie wir mit Daten und Profilen heute in Kampagnen Mehrwert schaffen. Es wurde viel über Fraud und Datenschutz gesprochen. Hier besteht Unsicherheit und hier müssen wir mit Themen wie Kampagnenkontrolle, Selbstregulierung und besserer Information gegenüber unseren Kunden noch besser werden. Auch ging es zum ersten Mal darum, dass Programmatic nicht nur Online betrifft, sondern wir in vielen weiteren Kanälen wie OoH oder Radio vor genau denselben Chancen und Herausforderungen stehen werden.

Wir sind in der Normalität des Mediengeschäfts angekommen. Davon überzeugt hat mich, dass auch auf dieser Veranstaltung ein – wie soll ich es höflich formulieren – „Sales-Podium“ zur Diskussion geladen wurde, das man sich gut hätte sparen können. Denn wenn in einer Diskussion ein Panelteilnehmer aufsteht, um die Leistungen seines Unternehmens im Elevatorpitch zu beschwören und auch sonst viel Redeanteil für die Verkäufe seines Produktes veranschlagt, egal, ob er danach gefragt wurde oder nicht, dann kann man sich sicher sein, dass die d3con keine Nischenkonferenz für digitale Early Birds mehr ist.

Der beste Twitterkommentar hierzu ist folgender:

https://twitter.com/ChristinaDaee/status/709724890958577664

Und da macht es natürlich Sinn, wenn der gute Herr Strerath nun endlich auch eingeladen wird und zum Thema Adblocker das markige Statement rausgibt, „…dass die Werbung einfach kacke sei, man sie deswegen blockt und man sich da nicht wundern dürfe….“ Nun ja, die Logik ist ungefähr so bestechend, wie wenn man sagen würde, man soll sich bitte nicht beschweren, dass aufgrund der AntiBabypille weniger Kinder geboren werden, denn am Ende sehen die Kinder, die da im Moment kommen sowieso alle kacke aus und da ist es nur verständlich, dass man die Pille nimmt, um das zu vermeiden….

Lohnt es sich trotzdem? Auf jeden Fall! Die Panels waren gut besetzt, die Themen interessant und auch Advertiser wurden gesichtet, die sich positiv geäußert haben, dass auch für sie die Konferenz ein echter Mehrwert war. Was will man mehr in der neuen Normalität?

Sind Sie Teil der Werbeindustrie? Dann kennen Sie das: Erzählt man, was beruflich das tägliche Schnitzel sichert, fallen folgende Sätze so gut wie immer: (Online-)Werbung? Die ignoriere ich. Banner? Habe ich noch nie drauf geklickt! TV-Werbung? Schalte ich weg!

Werbung ist halt ein Thema, zu dem niemand stehen möchte und reiht sich ein in eine Vielzahl von Themen, die man am liebsten verdrängt: Umweltverschmutzung? Machen andere – und ab geht es mit dem Urlaubsflieger auf die CO2-Antillen. Würden offiziöse Meinungsäußerungen auch nur ansatzweise zutreffen, wäre die Erotikindustrie von sehr überschaubarer Größe und das TV-Programm hätte wieder Niveau. Dass es nicht so ist, können Sie auf RTL2 eindrucksvoll mit ihrer getauschten Frau bestaunen.

Die Steigerung des Gutmenschen ist der Realitätsignorant, der z.B. ein öffentliches Nahverkehrssystem mit 24-Stunden-Beförderungsgarantie wünscht, jedoch nicht bereit ist ein Ticket zu kaufen. Ein O-Ton, den ich live erleben durfte: „Ich hasse Schaffner und würde nie regulär zahlen. Die Bahn kommt ja auch eh immer zu spät.“ Der Sinngehalt einer solchen Aussage lässt sich in einer Amöbe spielend unterbringen. Gleiches gilt für die Kollegen, die freudestrahlend erzählen, dass sie nunmehr Werbung via Adblocker unterdrücken, was ohnehin viel besser sei und das Internet besser macht.

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