Klartext!

Dominik: Mensch Tobi, hallo Taskin. Schön euch hier auf der Beautyfarm zu treffen. Diese Messen schleifen einem ja auch immer tiefe Krater in die Stirn. Wie lief die Sause denn bei euch? Alle drei Handhelds ins Wlan einwählen können und dann schön ran an die guten Gespräche und die erfolgsversprechenden NB-Kontakte? Ich habe ja überlegt, dass man den Pitchprozess vereinfachen könnte, wenn man alle auf einem Marktplatz  (Client Acquisition Plattform „CAP“) anmelden würde und dann wird gebiddet bis das Konditionensheet knarzt. In US und UK sind sie da ja auch schon viel weiter und in Holland werden die Kunden „predictive“ vergeben. Langlaufende Verträge sind da total out, stattdessen bieten sich bei jeder Impression 5 Agenturen für den gleichen Auftraggeber wund.

Tobias: Ich kann gerade durch meine Gurkenmaske den Markt nicht sehen, aber ich fühle das animalische Grollen des Vulkans, der uns ad astra katapultieren wird. Vorher aber noch ein Heublumenbad.

Taskin: Ah, ihr seid auch schon wieder zurück. Hatte ja letztens schon geschrieben, dass so ne Pitch-App mit Real Time Bidding über eine internationale Plattform alle Akquiseprobleme auf einen Schlag lösen würde. Abschlüsse können dann per Authentifizierung à la Apple-Store per Passwort abgeschlossen werden. Ansonsten war das diesjährige Klassentreffen schon ein bisschen zu überlaufen, wenn ihr mich fragt. Am Ende des ersten Messetags war es schon ein tolles Erlebnis auf das Taxi vor der Messe gefühlt fünf Stunden zu warten. Doch die Krönung kam eher am Morgen des zweiten Tages… Gar keine Taxen. Zum Glück war Kollege Thilo von der Mediaplus mit seinem Auto da. So hat die Anfahrt zur Messe nur noch zwei Stunden gedauert.

Dominik: Die Give Aways werden ja auch wieder mehr. Am meisten freut mich, dass sie inzwischen auf die Zielgruppen zugeschnitten und regelbasiert ausgeliefert werden. Bei „Retarget Yourself“ haben Promotoren die nicht interessierte Laufkundschaft so lange mit selbstleuchtenden Gyrotwistern verfolgt, bis diese sie angenommen haben. Ein Promotor wurde freitags erschlagen im Rhein gefunden, ein anderer musste von seiner Mutter vor der Tür eines Werbekunden in Buxtehude abgeholt werden. Nachhaltigere Kommunikation geht ja schon kaum noch.

Tobias: Stimmt, man konnte ja am Abend die Standparties kaum betreten, weil alle Gänge mit den Give-Away-Tüten der Besucher blockiert waren.  Soll auch unschöne Szenen gegeben haben, als blonde Mediakämpferinnen sich im Kampf um den letzten USB-Stick mit Himbeergeschmack die Moleskin-Notizbücher an die  Frisur warfen.

Taskin: Offensichtlich geht’s der Branche wieder besser. Alle können sich wieder entsprechende Give Aways leisten, bis auf einen sehr, sehr kleinen Technologiedienstleister mit Hauptsitz in Mountain View CA in den USA. Die armen Amerikaner, die ja kaum noch Umsätze generieren, weil Ihnen Yahoo und Bing auf dem Suchmaschinenmarkt und Apple, Samsung & Co in Sachen Mobile alle Umsätze offenbar weggenommen haben. So wie ich gehört habe, geht es sogar so weit, dass man sich nicht einmal mehr den Stand leisten konnte und die Betreiber den Stand stellen mussten. Klar, dass man sich dann schon seit Jahren keine Give Aways mehr leisten kann. Mann, Mann…wie hießen die jetzt eigentlich noch mal? Irgendwas mit 10 hoch 100.

Dominik: Ich war übrigens auch noch in der Arena der ausdebattierten Belanglosigkeiten. Würde mich nicht wundern, wenn wir die in Zukunft nur noch virtuell mit Avataren machen und während sich unsere digitalen Über-Ichs die bekannten Thesen anhören, entern wir den Currywurst-Stand und gehen schon mal auf dem Kutter feiern. Könnte mich jedenfalls nicht beklagen, wenn es so wäre, da das Rahmenprogramm ja wieder an Attraktivität zunimmt. Würde mich nur nicht wundern, wenn wir im nächsten Jahr die Boote direkt bei IP in den Hof stellen. Dann haben die es auch nicht so weit und vermeiden lästige Symptome von Seekrankheit. Ansonsten hattest du recht Tobi, war wieder alles sehr mobile. Wenn der Konsument nun auch endlich verstehen würde, dass innovative Werbeformen als Selbstzweck total fancy sind, dann brauchen wir keine Banner mehr. Da muss man halt mutig ran und das Handy kapern. Standards und der ganze Tand sind dann vollkommen obsolet.

Tobias: Ein geiles Viral exklusiv pushen und du brauchst kein Mediabudget mehr. Ganz alte ADC-Weisheit. Klappt immer.

Taskin: Ich hab mir wie üblich jeglichen Vortrag und Debatte gespart, da die Inhalte für gewöhnlich auch nichts Neues liefern, sondern eher Marktschreier-Charakter haben. Jeder ist toll und der andere auch und alle haben Wahnsinnsideen, die sie aber nur oberflächlich bis gar nicht präsentieren wollen. Für manche mag das unglaublich interessant sein – nach ihrer Metzgerausbildung im Vorort eines Dorfes nahe Chemnitz. Trotzdem find ich es ganz ok, dass solche Nebenerscheinungen stattfinden und so zumindest alle auf ein absolutes Mindestwissensniveau gehoben werden können. Mobile war schon auch ein Thema, wie in den letzten fünf Jahren mit dem Unterschied, dass nun wirklich Traffic drüber läuft.

Dominik: So denn meine Herren, da haben wir doch wieder einiges mitgenommen. Zukunft ist für alle gut und bis die Zukunft da ist, heißt es beide Füße aufs Gaspedal und ran an Q4. Mit der internationalen Inspiration im Genick wird das mal ein richtig spannender Herbst in der spannendsten Branche aller jemals dagewesenen Zeiten. Bei so viel Innovationskraft schieben wir Targetings nur auf iPhone5-User an, die als Second Screen mit dem iPad vor der noch linearen Mattscheibe sitzen und Social herumgiften.  Der Rest ist Holzhacken.

Tobias:  Ich überlege schon, mich mehrfach zu klonen, damit ich wirklich keine Innovation mehr  auslassen muss. Ein Klon lebt dann  nur in Facebook, der nächste erstellt dreidimensionale Dashboards aus nachhaltig angebauten Rohdaten und der Rest  bevölkert eine Klickfarm auf Tuvalu.

Taskin: Absolut, absolut… jetzt wird zum Herbst und zur Vorweihnachtszeit wieder Vollgas gegeben, weil es ja sonst nie Zeit gibt, Werbung zu schalten und man aber auch jeden Cent des Jahresbudgets loswerden muss, damit es wieder bis Ende 2013 zurückgehalten werden kann. Naja, war schee und ich freu mich auf 2013 mit einer besser organisierten dmexco bitte, da ich keine Lust habe, meine eh so knappe Zeit mit Warten aufs Taxi oder Anstehen vor der Garderobe zu vergeuden.

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Tobias Wegmann ist Chief Technical Officer bei mediascale. Mit seinem technischen Knowhow schreibt er hauptsächlich über die Themen Tracking, Software, Programmatic Advertising und das mediascale Profiling-Produkt NE.R.O. Dabei schafft er den Spagat zwischen der Vermittlung von fundiertem technischem Hintergrundwissen auf der einen Seite und allgemein verständlichen Formulierungen für weniger Versierte andererseits.

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