Klartext!

Vera Günther

Heute gibt es endlich mal wieder ein Klartext-Interview. Die Fachjournalistin Vera Günther spricht über den Unterschied zwischen PR und Journalismus, lässt sich gerne von Blogs inspirieren und verrät uns, welche App auf ihrem Smartphone am meisten genutzt wird.

1. Frau Günther, Sie sind freie Fachjournalistin in der Online-Branche. Welches digitale Thema beschäftigt Sie zurzeit am intensivsten?

Das verzweifelte Bemühen, mit den Entwicklungen Stand zu halten. Die gesamte digitale Welt wächst zusammen. Radio funkt im Internet, Plakate verbinden sich mit Smartphones, die wiederum dienen als Second Screen, während ich fernsehe. Bewegte Bilder auf jedem Kanal und riesige Datenmengen, die über Auktionsmodelle oder Ad Trading den Besitzer wechseln. Dazu immer wieder neue interaktive Werbeformate und Diskussionen über Mediawährungen. Ich weiß gar nicht, mit was ich mich momentan zuerst beschäftigen soll.

2. Sie haben nicht nur als Journalistin, sondern auch als PR-Fachfrau gearbeitet. Auf welcher Seite fühlen Sie sich wohler? Und warum?

Es hat beides seinen Reiz, PR-Arbeit ist im Grunde ja vielseitiger als Journalismus. Allerdings bin ich trotzdem lieber Journalistin, ich liebe die Recherche, den Dingen auf den Grund zu gehen, Themen herauszukitzeln und dann auch etwas kritischer an Texte herangehen zu dürfen. Da sind die Möglichkeiten in der PR ja zugegebenermaßen beschränkt, auch wenn man nicht immer zwangsläufig mit Superlativen und zu vielen ausschmückenden Adjektiven arbeiten sollte.

3. Wie oft werden Sie via Twitter oder Blogs auf Themen gebracht, über die Sie dann später schreiben?

Über Twitter? Eigentlich nie. Man müsste schon sehr viele Tweets verfolgen, um dann über den einen wichtigen zu stolpern. Und wer hat schon die Zeit dazu? Gut gemachte Blogs können hingegen sehr viele Anregungen und auch Hintergründe für Artikel liefern.

4. Welche Online- oder Social Media-Kampagne ist Ihnen in den letzten sechs Monaten besonders aufgefallen? Warum?

Dazu müsste die Kampagne erst mal Zeit haben, abgespielt zu werden. Klick und weg. Seit der clever gemachten Greenpeace-Antwort auf VWs Darth Vader Spot, ist mir eigentlich sehr wenig ins Auge gestochen. Sehr eindringlich fand ich allerdings die „Deutschland findet Euch“-Kampagne für die „Initiative Vermisste Kinder“, die ja auch zahlreiche Preise abgeräumt hat. Genial, wenn auch höchst kontraproduktiv für Onlinewerbung, ist dabei die Idee des Vermisst-Add-on. Ein Bannerblocker, der dafür sorgt, dass statt Werbebannern Vermisstenanzeigen von Kindern eingeblendet werden.

5. Gute Werbung ist…

… so originell oder eindringlich, dass man sie gerne schaut und so intelligent mit der Marke verwoben, dass man sich diese dabei auch merken kann.

6. Was wird auf der diesjährigen dmexco Ihrer Meinung nach das Gesprächsthema Nummer eins sein? Und welches Thema wird schon jetzt grenzenlos überschätzt?

Ich glaube, dass es das eine beherrschende Thema nicht geben wird, dazu schwirren mit Bewegtbild, Realtime Bidding, Big Data, Multiscreen momentan viel zu viele Themen durch den Raum. Die Bereiche Mobile und Second Screen werden aber ganz sicher ein viel größeres Gewicht haben als noch in den Vorjahren, weil nach dem Hype nun langsam auch die gelungenen Realisierungen kommen. Ansonsten geht es wie immer um Währungen. Währungen für Bewegtbild, Währungen für Mobile, Währungen für Webradio. Nach wie vor glaube ich, dass das Thema Social Media als Lösung für die werbemüden Zielgruppen überschätzt wird.

7. Xing, Twitter, Facebook oder Google+? Wie sieht es mit Ihrer persönlichen Online Reputation aus, und wie viel Zeit nehmen Sie sich für die Pflege?

Ganz schlecht sieht es damit aus, jederzeit aktuell halte ich eigentlich nur mein Xing-Profil als digitale Visitenkarte im Netz. Xing nutze ich regelmäßig, um mit meinem Netzwerk zu kommunizieren und neue Kontakte zu suchen. Meine tapferen 18 Twitter-Follower hingegen stehen wohl eher auf den schweigsamen Typ, und auch in Facebook nehme ich eher beobachtend teil. Wenn ich meinen Freunden etwas mitteilen möchte, mache ich das immer noch lieber gezielt per Email oder persönlich.

8. Sie haben zwei Söhne im Grundschulalter. Handy, Wii Nintendo, iPad – welche Geräte finden sich bei Ihnen zu Hause? Und gibt es feste Regeln im Umgang mit digitalen Medien?

Wii – Was? Gibt es bei uns nicht und vermisst auch keiner. Glücklicherweise mussten wir für den Umgang mit digitalen Medien noch keine Regeln aufstellen. Unsere Söhne spielen häufiger Monopoly (klassisch auf dem Spielbrett) als FiFA 12 auf dem PC. Meistgenutzte  Applikation auf meinem Smartphone ist insbesondere in der Bundesliga-Saison die Kicker-App. Ansonsten sind meine Söhne eher auf dem Bolzplatz als vor irgendeiner Form von Mattscheibe zu finden.

9. Und zum Schluss: Was ist Ihr Lieblingssommerurlaubsziel? Und warum? Und wann fahren Sie das nächste Mal hin?

Da gäbe es viele. Motorradfahren über den Passo di Falzorego oder Passo die Gavia in Südtirol, oder Paddeln in Kanada oder Norwegen. Was das Motorradfahren angeht, so war die Fahrt zum TÜV meine letzte große Tour seit Jahren, Paddeln in Norwegen steht hingegen für nächstes Jahr auf dem Plan. Durch Jobwechsel bleibt für dieses Jahr nur eine Woche auf einer Berghütte in Österreich, auch sehr schön, aber viel zu kurz.

 

 

 

Ein Kommentar zu “Klartext-Interview mit Vera Günther: „Die ganze digitale Welt wächst zusammen.“

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