Media Praxis

… oder wie ich verstanden habe, was ich hier eigentlich tue.

„Da müssen wir die Clickrate im Flippoint raisen und damit den Tabletopper sweepen. Also die User im Funnel noch vor den Flightfield fumbel. Das wäre glaub ich ein guter Einstieg für dich Vanessa, oder?“

Ich hatte viele Fragen an diesem Tag: Warum  bin ich eigentlich nicht Tierärztin oder Raketenwissenschaftlerin geworden? Rakete geht hoch – Rakete geht runter. Das verstehe ich, das ist gut. Zumindest hätte ich die verwendete Sprache verstanden. In der Situation hätte man mir erzählen können, dass Cybermonkeys gerne Berliner mit Marmeladenfüllung mögen und es wäre weniger verwirrend gewesen. Die meisten der Begriffe sind natürlich Quatsch, oder zumindest eine sehr freie Interpretation solcher Gespräche der ersten Tage meines Traineeships. Wenn du hier Reales von künstlerischer Freiheit unterscheiden kannst, bist du bereits auf dem besten Weg, Planer:in und Berater:in zu werden. Media ist eine eigene Welt, eine eigene Sprache und ich würde dir gerne die Top Five Grundbegriffe der digitalen Mediaplanung mitgeben, die dir dabei helfen, deinen neuen Job zu genießen, statt darüber nachzudenken, ob es zu spät für ein Tiermedizin Studium ist.

Digital Media für Dummies
Digital Media für Dummies

 

Zunächst einmal: Was ist Digital Media Planung und Beratung eigentlich?

Planer:innen entscheiden, wer, wann und wo mit einer Werbung während des Surfens in Kontakt kommt. Dafür beraten sie die Kund:innen zu den Umfeldern, Formaten und Platzierungen, die für die gewollte Zielerreichung sinnvoll sind. Ein Beispiel: Das fiktive Unternehmen Sparkle bringt eine neue Geschmacksrichtung ihrer Limonade auf den Markt. Zum Produktlaunch soll eine große Aufmerksamkeit für die Marke und das Produkt geschaffen werden. Käufer der bisherigen Geschmacksrichtungen waren im Kern 20-30 Jahre alt, urban und hatten zumeist einen hohen Bildungsstand. In solchen Fällen macht es, grob vereinfacht, keinen Sinn diese Werbung auf der Startseite des Apothekenblättchens zu platzieren, sondern eher in den Sozialen Medien oder auf der Website eines hippen, jungen Magazins, wo die Zielgruppe eher der gewollten Demographie entspricht. Das wäre eine sogenannte Umfeldplanung.

Zudem gibt es auch die Möglichkeit, über eine Targetingplanung Nutzer in jedem möglichen Umfeld zu erreichen, die dieser Demographie entsprechen, auch auf der Website des Apothekenblättchens. Wenn jemand also jene Website besucht und durch sein Surfverhalten statistisch als ca. 25-jährige, urbane, gute gebildete Person eingeordnet wird, kann in dem Moment die Werbung von Sparkle dort platziert werden und unsere Zielgruppe wird erreicht, auch wenn die Leser dieser Website nicht dem Kern der Limo-Zielgruppe entsprechen.

1. Vermarkter

Dir werden eine Menge Vermarkternamen zu Beginn um die Ohren fliegen, die nicht Google oder Facebook heißen. Ein Vermarkter hat ein, mal mehr mal weniger umfangreiches, Portfolio bestehend aus Websites, Apps, YouTube Kanälen etc., dessen Werbeflächen er verwaltet. Diese Werbeflächen werden dann durch die Mediaplaner:innen gebucht. Beispiel: Wir haben das hippe Onlinemagazin beim Vermarkter Hippe-Magazine Alliance gebucht.

2. Werbemittel und Format

Von Dynamic Sitebar, AdBundle über Mobile Medium Rectangle zu Story Ad gibt es unzählige verschiedene Formate, in denen Werbemittel ausgespielt werden können. Diese Formate haben unterschiedliche Vor- und Nachteile und machen je nach Kampagnenziel mehr oder weniger Sinn. Bei jedem Anbieter haben diese Formate verschiedene Namen, mal mehr mal weniger fancy – Cyber Monkeys wäre aber noch zu haben. Nur so eine Idee… Beispiel: Wir haben für Sparkle eine Dynamic Sitebar im hippen Onlinemagazin gebucht.

3. Ad Impressions

Ad Impression werden auch mit Ais abgekürzt. Es bezeichnet einzelne Aufrufe eines Werbemittels bzw. wie oft eine Anzeige technisch ausgespielt wird. Sie sagen nichts darüber aus, wem die Werbung ausgespielt wird. Beispiel: Es wurden gestern 2 Mio. Ais im hippen Onlinemagazin ausgespielt.

4. TKP

Ist keine Abkürzung für die Tiefkühlpizza sondern steht für den „Tausend-Kontakt Preis“ und gibt den Preis für 1.000 Personen, die mit dem Werbemittel in Sichtkontakt kommen, an. Eine Ad Impression macht einen Kontakt, 1.000 Ad Impressions kosten dann den entsprechenden TKP. Gut mit Geld hauszuhalten ist in der Media entscheidend. Das Gefühl dafür wie groß solche Geldsummen in Realität sind, verliert man jedoch über die Zeit. Denn Media ist teuer und hier schmeißt man, so nennt man es in Fachkreisen, „die Fuffis durch den Klub“. Nur dass das Budget nicht auf dem Klubboden landet und verschwendet wird, sondern stattdessen viel bewirkt, um das Kampagnenziel zu erreichen. Beispiel: Der TKP für die Dynamic Sitebar im hippen Onlinemagazin liegt bei 60€. Heißt für 60€ erreicht man hier 1.000 Kontakte.

5. Klick und Klickrate

Ein Klick wird durch einen Mausklick oder Touch auf dem Bildschirm auf dem Werbebanner ausgelöst. Dieser Klick führt dann bspw. zu der Kundenwebsite. Die Klickrate gibt dann das Verhältnis zwischen Ad Impressions und Klicks in Prozent an. Beispiel: Die Platzierung gestern im hippen Onlinemagazin hatte bei 2.000 Klicks eine Klickrate von 1,10%. Das klingt nach wenig, ist aber durchaus ein großer Grund zum Feiern, denn anders als beim Französisch Vokabeltest sind Raten von über einem Prozent bei der Klickrate supergut und ein Anlass mit einer Sparkle Limo anzustoßen.

Ich hoffe, euch damit in eurer Anfangszeit ein paar Fragezeichen im Gesicht zu ersparen. Trotzdem werdet ihr als angehende Medienplaner:innen eure Cyber-Monkey-Momente haben. Meine anfängliche Überforderung hat sich dank vieler toller Kolleg:innen schnell in Luft aufgelöst.

Allerdings sagt man auch: In der Media lernt man nie aus.

Yoga, Puzzeln, eine neue Sprache lernen oder Bananenbrot backen – jeder hat während Corona wohl neue Lieblingsbeschäftigungen für sich entdeckt oder es zumindest versucht. Und mal ehrlich: Wer hat noch kein lustiges Video auf TikTok gedreht, nur um mal auszuprobieren, wie es funktioniert?

Anzahl der monatlichen Nutzer 2020 stetig gestiegen

Das neue Lockdown-Hobby zahlt sich aus: Allein in Deutschland wird die Plattform monatlich von 13,8 Mio. Nutzern besucht, im Laufe des letzten Jahres hat sich die Zahl somit verdoppelt.

Global Web Index / Mediaplus Strategic Insights
Basis: Visitors: Onliner in Deutschland 16-64 Jahre; Alle anderen Daten: TikTok Nutzer in Deutschland 16-64 Jahre, Zeitraum: Q3 2020

 

Viele der Videoinhalte heben die Laune und laden zum Verweilen ein. Seit unserem letzten TikTok-Update im Mai ist die Verweildauer von rund 58 Minuten auf 73 Minuten pro Tag gestiegen. Der ein oder andere vergisst dabei schon mal die Zeit und swipet nach ein, zwei Stunden immer noch von einer Tanzchallenge zur nächsten. Kurzweilige Unterhaltung at its best.

Werbeformate auf TikTok

Doch nicht nur für User, denen zuhause die Decke auf den Kopf fällt, bietet die Trend-Plattform eine Möglichkeit zur Abwechslung. Die vielseitigen und modernen Werbeformen sprechen insbesondere junge Zielgruppen an und heben sich von Instagram, Facebook & Co. ab. Denn die Mitgestaltungsmöglichkeiten durch den einfachen Nutzer sind individuell wie selten zuvor. Von umfangreichen Hashtag-Challenges, unter Berücksichtigung verschiedener Werbemöglichkeiten, über gebrandete Effekte bis zu einfachen In-Feed Video Ads, können Werbetreibende die verschieden Möglichkeiten je nach Budget und Zielsetzung nutzen.

Werbemöglichkeiten TikTok

 

Vor allem die interaktiven Formate verhelfen nicht nur zu mehr Impressions, sondern ermöglichen eine intensivere Auseinandersetzung mit der Zielgruppe. Nutzer identifizieren sich mit einer Marke und erstellen zusätzlichen, kostenlosen Content für sie. Damit sind es die User selbst, die den viralen Aspekt der Werbung auf ein höheres Level bringen.

Zudem lassen sich im TikTok Creator Marketplace anhand von Daten und Fakten die passenden Creator für eine Marke finden. Das vereinfacht die Kontaktaufnahme, und durch eine individuelle Auswahl ist auch die Engagement-Rate viermal höher als auf anderen Wettbewerbsplattformen.

All diese Faktoren deuten darauf hin, dass es Zeit wird, TikTok nicht mehr nur als Lockdown-Beschäftigung zu betrachten, sondern als neue Chance für moderne Marketingkampagnen.

Mit aktuell über 720 Millionen Usern in mehr als 200 Ländern weltweit ist LinkedIn das größte berufliche Netzwerk der Welt. In Deutschland zählt das soziale Netzwerk, das vorrangig auf die Aufnahme und Pflege von beruflichen Kontakten ausgerichtet ist und 2003 online ging, mittlerweile 16 Millionen Mitglieder.

Seit unserem letzten Blogartikel über LinkedIn hat sich mittlerweile einiges getan. Zu den bereits erwähnten Werbeformaten im Beitrag aus dem Jahr 2018 sind noch einige neue Funktionen und Formate hinzugekommen. In diesem Blogbeitrag werden wir euch zwei der neuen Werbeformate vorstellen. Seit diesem Jahr ist es möglich, über LinkedIn eine Conversation Ad innerhalb des Messengers zu erstellen und zum anderen können Live Videos geschaltet werden.

Conversation Ads

Die Sponsered InMail Ads wurden durch die Conversation Ads ersetzt. LinkedIn hat hier die Werbeform weiterentwickelt, um die Mitglieder persönlich anzusprechen, die Zielgruppe des Unternehmens besser kennenzulernen sowie das Engagement dieser zu fördern. Besonders gut geeignet sind die Conversion Ads im B2B-Bereich. Hier können komplexe Themen aufgegriffen und erklärt werden. Zudem gibt es die Möglichkeit, die Conversation Ads mit anderen Funktionen zu verbinden, wie den Formularen zur Lead-Generierung (Lead Gen Forms) oder dem Conversation Tracking. Im Vordergrund der Conversation Ads steht das interaktive Werbeerlebnis. Der User kann selbst entscheiden, auf welchen Content er sich einlassen möchte. Hierdurch kann hochwertige Conversation generiert werden.

So funktioniert es:

Die Form der Ads erscheint im Messaging-Bereich. Die Bild-Text-Kombination wird auf den User persönlich zugeschnitten und beinhaltet mehrere Call-to-Action Buttons. Über die CTAs bestimmen die User den Konversationspfad.

In dem nachfolgenden Anwendungsbeispiel kann der User auf einen der beiden CTAs klicken. Der User kann entweder auf die Landingpage oder zum Lead Generierungsformular weitergeleitet werden.

Der User wird auf die verlinkte Webseite weitergeleitet.
Der User wird zum Fomular weitergeleitet.

 

Live Video

Neben anderen Social Media-Kanälen bietet LinkedIn nun auch eine Live-Video-Funktion an. Es handelt sich hier mehr um ein Content Format, welches als Werbekanal genutzt werden kann. Die LinkedIn Live-Videos ermöglichen es Einzelpersonen oder Unternehmen, Live-Videoinhalte in Echtzeit in ihr Netzwerk zu übertragen. Die Idee dahinter ist, die Live Videos für Produktankündigungen, Konferenzen, Fragestunden, Events etc. nutzen zu können. Besonders jetzt in Zeiten von Corona ist es eine tolle Möglichkeit für Unternehmen, ihre Zielgruppe über LinkedIn anzusprechen. Dafür braucht es ein bestimmtes Thema, eine Geschichte, die im Zusammenhang mit der Marke erzählt werden kann – ohne direkt ein Produkt zu bewerben. Storytelling lautet hier das Stichwort.

So funktioniert es:

Über den Werbeanzeigenmanager von LinkedIn muss zunächst ein Antrag gestellt werden. Erst wenn der Antrag von LinkedIn freigegeben wurde, hat man die Möglichkeit Live-Videos zu starten. Während des Live-Streamings hat der User die Möglichkeit, über einen Chat Fragen oder Anmerkungen loszuwerden.

Jochen Witte hat sich mit mir in der aktuellen Folge des IGEM-Videocast (IGEM=Interessengemeinschaft elektronische Medien) über die Zukunft der digitalen Werbung nach dem Ende der 3rd-Party-Cookies unterhalten. Wir haben u.a. über die Gewinner und Verlierer dieser Entwicklung gesprochen.Und über die wichtigere Rolle, die First-Party-Daten und die Entscheidungen der Publisher künftig spielen. Ein kleines Plädoyer für mehr Wettbewerb und weniger Oligopole und Monopole ist auch enthalten.

Nachdem wir aktuell einen andauernden Bewegtbild-Boom in der digitalen Medienlandschaft erleben, steht bereits ein neuer/alter Kandidat voll in der Renaissance: (Digital) Audio. Über 43,9 Mio. Deutsche (Stand September 2019) nutzen bereits digitale Audioangebote. Grund genug einmal einen Blick auf das heißeste Eisen im Feuer zu werfen: den Podcast. Wir schauen uns den Trend Podcast genauer an: Warum ist der Podcast so interessant, wer hört ihn und – am wichtigsten für uns von der mediascale – wie wirkt er und wie kann ich diesen als Marke für mich nutzen?

Schaut man sich die Entwicklung dieses Formats an, gibt einem die Google Trends Analyse einen guten Einblick in die zunehmende Relevanz des Podcasts bei den Usern. (Die Legende zeigt die gewichteten Zahlen, wobei 100 die höchste gemessene Zahl an Anfragen in einer bestimmen Region beschreibt). Nachdem Apple den Podcast in den 2000er Jahren salonfähig gemacht hat, besteht seit 2016 wieder eine konstante Zunahme beim Interesse an Podcasts. Während der Verbreitung von COVID-19 verzeichnet die Kurve einen besonders starken Anstieg. Analysiert man die Suchbegriffe zum Thema in dieser Zeit, wird schnell klar, dass der Podcast in erster Linie aus informativen Beweggründen rund um die Pandemie herangezogen wird – allen voran Podcasts mit und von dem Virologen Christian Drosten.

Welche strukturellen Änderungen haben dafür gesorgt, dass sich der Podcast einer immer höheren Beliebtheit erfreut?

1.) Neue Devices

Digitale Audioformate haben vor allem auf Smartphones, Smart Speakern & Connect Cars einen deutlichen Zuwachs in der Nutzungsdauer erfahren.

2.) Neue Plattformen und Reichweiten

Zusätzlich zu den klassischen Radioformaten haben Streaming & Music on Demand Anbieter signifikante Marktanteile gewinnen können. Vorreiter ist die Plattform Spotify mit einem Nutzeranteil von 19 Prozent in der deutschen Gesamtbevölkerung ab 14 Jahren, dicht gefolgt vom ehemaligen Primus und Konkurrenten Apple. Insgesamt liegt Deutschland im internationalen Vergleich noch ziemlich zurück, in Spanien liegt der Nutzungsanteil (je Monat) europaweit mit 39 Prozent am höchsten. Zugegebenermaßen ist das reichweitentechnisch kein Optimum, aber vor allem im Bereich Special Interest besteht schon jetzt großes Potenzial.

Aber auch Hörbuchanbieter, designierte Podcast Plattformen und Hubs von User Generated Content (z.B. laut.fm) erweitern die digitalen Audioangebote zu Gunsten des Podcast.

3.) Neue Inhalte

Die Entwicklungen aus 1.) & 2.) bilden die Basis für die zunehmende Verbreitung von Hörbüchern und Podcasts. Entscheidender Unterschied zu den parallelen Medien wie dem Radio ist die notwendige Aufmerksamkeitsspanne, beide Formate werden nicht wie Musik einfach nebenbei, sondern mit voller Aufmerksamkeit gehört. Zusätzlich bilden eine nie dagewesene Themenvielfalt und interaktive Diskussionsmöglichkeiten Alleinstellungsmerkmale gegenüber anderen Formaten.

Wer hört den Podcast?

Eine überdurchschnittliche Affinität zeigen User im Alter von 14 bis 49 Jahren mit Tendenz zu den jüngeren Zielgruppen. Dabei sind es sowohl Schüler als auch User mit einem Bildungshintergrund über der Fachhochschulreife. Klare Tendenzen erkennt man auch beim Beziehungsstatus: Kinderlose Singles scheinen dem Podcast-Format besonders zugetan, was aber natürlich auch der Altersstruktur geschuldet ist. Soweit grenzt sich die Zielgruppe nicht großartig von anderen digitalen Werbeformaten ab, neue Möglichkeiten eröffnen sich dann erst beim Blick auf den konkreten Podcast. Obwohl die Reichweite je nach Podcast erst einmal recht überschaubar erscheint, kann man User erreichen, die ein 100 prozentiges Interesse an dem behandelten Thema haben und den Inhalt mit voller Aufmerksamkeit verfolgen. Politik, Sport, Gesundheit, Comedy, Wirtschaft und Kultur sind nur einige der Top-Themen, die in den zahlreichen Podcasts behandelt werden. Also eine ideale, umfeldbezogene Mediabühne!

Die Wirkung und Relevanz von Podcast-Werbeformaten:

Die Vorteile einer werblichen Nutzung von Podcasts liegen auf der Hand: Eine hohe Werbeakzeptanz, viele kreative Möglichkeiten zur Werbemittelgestaltung und ein hoher Share of Voice abseits des üblichen Werbemarktes. Will man einen externen Podcast zur werblichen Einbindung nutzen, hat man hauptsächlich drei Möglichkeiten: Eine Native Einbindung in den Podcast durch bspw. den Podcast Sprecher (Native Ad), ein offizielles Sponsoring (Podcast sponsored by XY) oder als klassischer Werbespot vor-, mitten- oder nachgelagert.

Untersuchungen zeigen das höchste Potenzial an Werbewirkung bei der Native Ad – aber nur, wenn die Integration auch wirklich native ist. Eine Studie von AS&S misst eine um den Faktor 3,1 höhere Werbewirkung von erfolgreichem Native Advertising in Podcasts im Vergleich zum klassischen Audiospot in einem Werbeblock (Faktor 1,0). Schafft man es aber nicht, die Native Ad authentisch zu gestalten, verpufft die positive Wirkung jedoch und kehrt sich im Extremfall ins Gegenteil um. Hierbei ist eine enge Zusammenarbeit mit dem Podcast-Sprecher und ein grundlegendes Verständnis über die Hörerschaft Voraussetzung für den Erfolg.

Wie erstellt man als Marke seinen eigenen Podcast und bleibt dabei authentisch?

Bislang gibt es zwar diverse Best-Practices, wie erfolgreiche Podcasts aufgebaut sind, allerdings stellt die hohe Themenvielfalt diese jedes Mal wieder auf den Prüfstand. Diese Herausforderung wurde im Haus der Kommunikation früh erkannt, weshalb aktuell auch an einer Studie zur Erstellung von branchenspezifischen, authentischen Podcasts gearbeitet wird:

Das „Podcast Playbook“ – verständliche und praxisnahe Handlungsempfehlungen zur Podcastkreation

Ziel der Studie ist es, die relevanten Faktoren einer wirksamen Podcast Kreation durch die (a) emotionale & inhaltliche Anpassung in Verbindung mit dem (b) wirtschaftlichen Medienvergleich zu erstellen. Daraus wiederum werden branchenspezifische Regeln abgeleitet, die das jeweilige Erfolgsrezept des Podcasts verraten sollen. Aktuell werden Insights aus den psychologischen und quantitativen Befragungen von Podcast-Hörern unserer teilnehmenden Kunden generiert. Dabei können Kunden die Analyse von bereits bestehenden, externen Podcasts aus der entsprechenden Branche in Auftrag geben oder Produktionen und Konzepte aus dem eigenen Haus auf Herz und Nieren prüfen lassen. In Kooperation mit der Hamburg Media School, der University of Florida und der Mediaplus-Gruppe wird das Projekt vermutlich bereits im dritten Quartal 2020 Ergebnisse präsentieren können. Qualität soll damit kein Zufallsprodukt mehr sein, sondern planbar umgesetzt werden können. Sollten Sie mit ihrer Marke an dieser Studie teilnehmen wollen, können Sie gern auf uns zukommen: Wir beraten Sie hinsichtlich einer bestehenden oder geplanten Podcast Kreation.

Ob der Podcast für Sie als Marke Sinn macht, muss individuell geprüft werden. Im Bezug auf die Reichweite, sollte grundsätzlich untersucht werden, ob ich mit dem Podcast auch einen Mehrwert zum bestehenden Media Mix generieren kann: Steht der Aufwand im Verhältnis zu der (spitzen) Zielgruppe, die ich dafür aber mit hohem Impact erreichen kann? Falls ja, sollte der Podcast auch in Ihrer Mediastrategie einen Platz haben!

 

 

Seit unserem letzten Blogartikel über TikTok ist bereits 1 Jahr vergangen. Damals haben sich die meisten noch gefragt, ob TikTok nur ein vorübergehender Trend sein wird, oder ob sich die App zum nächsten Instagram entwickeln wird. Wir wollen wissen, wie sich die App seitdem verändert hat und wie die Zeichen für TikTok in der Zukunft, vor allem für Werbetreibende, stehen.

2018 als Social-Video-App gegründet, hat es TikTok mittlerweile zu weltweit mehr als 500 Millionen aktiven Nutzern pro Monat geschafft! Auch in Deutschland ist der Trend längst angekommen. Die Video-App begeistert monatlich 7,8 Millionen aktive Nutzer – Tendenz steigend! Klar ist, dass die App, im Vergleich zu anderen Social Media-Plattformen, jüngere User anspricht. Schließlich sind 73 Prozent der User gerade mal zwischen 13 bis 24 Jahren alt. In Deutschland verbringen sie täglich rund 58 Minuten auf der Video-Plattform. Doch was macht man 58 Minuten pro Tag mit der neuartigen App?

TikTok-User posten gerne unterhaltsame, meist lustige Kurzvideos, nehmen an sogenannten Hashtag-Challenges teil und folgen anderen Accounts, immer mit dem Ziel, viral zu gehen. Hier die beliebtesten Tools und Features:

Duett                             Sounds                          Challenges                 Effekte

Ist TikTok auch für Unternehmen interessant, die üblicherweise Social Media-Plattformen wie Instagram oder Facebook nutzen, um dort Werbung zu schalten? In den letzten Monaten sind viele Unternehmen anhand der hohen Verweildauer, rasant wachsender Nutzerzahlen und der Möglichkeit, Generation Z zu erreichen, auf die App aufmerksam geworden. Besonders attraktiv für Werbetreibende ist, dass die App noch nicht zu stark von Werbung frequentiert ist, wie beispielsweise Facebook und Instagram.

Im Folgenden geben wir einen kurzen Überblick über die wichtigsten TikTok-Werbemöglichkeiten, die es aktuell in Deutschland gibt:

Branded Hashtag-Challenge:

Mit diesem Format können Brands unter einem personalisierten Hashtag eine sogenannte Hashtag-Challenge starten. Verwenden Nutzer diesen Hashtag, nehmen sie automatisch an der Challenge teil und erstellen user generated content zu einem gebrandeten Thema. Das Handelsunternehmen Otto hat beispielsweise mit seiner Branded Hashtag-Challenge mit dem Hashtag #MachdichzumOtto in nur fünf Tagen 155 Millionen Views generiert. Dieses Format erlaubt eine starke Sichtbarkeit der Marke und garantiert eine extrem hohe Aufmerksamkeit der User.

Global Hashtag-Challenge:

Mit dieser Werbeform können Unternehmen ihre Kampagnen in verschiedenen Märkten gleichzeitig aussteuern. Dabei werden die gebrandeten Hashtags und Sounds automatisch an die Spracheinstellungen des Users auf TikTok angepasst. Möglich ist so eine globale Reichweite mit lokalen Assets.

Brand-Takeover:

Dieses Format ist ein Full-Screen-Takeover und besteht entweder aus einem 3 Sekunden sichtbaren Bild oder aus einem 3-5 sekündigen Video (sound-off). Es zahlt stark auf die Brand-Awareness ein, da diese Ad bei jedem User, direkt nachdem die TikTok App geöffnet wurde, erscheint. Das Beste daran ist, dass dieses Ad-Format 24 Stunden sichtbar bleibt – und zwar als einzige Ad.

TopView:

Auch dieses Video Ad-Format zeigt die werbende Marke direkt nachdem der User TikTok öffnet. Mit einer Video-Länge von 5 bis 60 Sekunden und der Möglichkeit von sound-on, eignet sich dieses Format ideal, um die Aufmerksamkeit der User mit einem visuell ansprechenden Video zu catchen.

In-Feed-Video:

Das Besondere an dieser Video-Ad ist, dass sie In-Feed, also auf der TikTok For You-Page platziert ist. Somit fügt sich die Werbung in den Content des Users optimal ein. Durch die Möglichkeit einen Call to Action zu verwenden, können externe oder interne Landingpages sowie App Downloads sehr gut beworben werden.

Viele Unternehmen wie beispielsweise BMW, Otto, Nike oder H&M haben diese Formate bereits für sich genutzt und sehr erfolgreiche TikTok-Werbeanzeigen geschaltet. Wir sind gespannt, wie andere Unternehmen in den nächsten Monaten auf den aktuellen TikTok-Hype reagieren werden. Sicher ist, dass es sich bei TikTok nicht um einen vorübergehenden Trend handelt, sondern vielmehr um eine etablierte Social Media-Plattform.

 

In einer künftigen cookie-freien Werbelandschaft werden Browser und Betriebssysteme zum Gatekeeper des digitalen Marketings. Das hat gravierende Folgen – und zwar wesentlich gravierender, als den meisten bislang wohl bewusst ist.

Wer entscheidet künftig darüber, ob und wo wir im digitalen Universum welche Werbung zu sehen oder hören bekommen? Einige wenige Gatekeeper? Oder wollen wir den Marktzugang im demokratischen bzw. marktwirschaftlichen Sinne offener halten? Wir stehen derzeit vor wichtigen Fragen und Weichenstellungen. Sie werden das digitale Marketing wahrscheinlich der nächsten zwei Jahrzehnte maßgeblich prägen. Und die meisten von uns ahnen vielleicht lediglich, was da auf sie zurollt.

Wie sind wir eigentlich in die heutige Situation gekommen? Die Kurzzusammenfassung: Zu viel BlingBling auf den Websites, zu viele Tracker und ein zu hoher Nervfaktor des KaufMichEndlich-Retargetings. Vielleicht haben wir es als Branche einfach ein bisschen übertrieben. Als Reaktion darauf haben Nutzer Adblocker installiert und der Gesetzgeber mit der DSGVO reagiert. Die Politik hat es gut gemeint, aber schlecht gemacht! Denn nun führt unser europäischer bzw. deutscher Datenschutz absurderweise dazu, dass wir globale Datenoligopole fördern. Diese schränken unseren Gestaltungsspielraum und unsere wirtschaftlichen Möglichkeiten massiv ein. Dass „Eine Welt ohne Cookies ist schon mal ein erster guter Schritt“ ist, wie Jürgen Scharrer unlängst in Horizont kommentierte, halte ich persönlich für eine sehr naive Sicht. Das Gegenteil könnte der Fall sein: „Cookies raus“ bedeutet „GAFAs vor“! Der Verlust der Cookies stärkt Datenoligopole, vielleicht sogar ein Datenmonopol.

Auf dem Weg ins Datenoligopol: Wenige Bohrinseln mit exklusiven Rechten

Wenn Daten das neue Öl sind, dann besitzen – wenn wir nicht aufpassen – künftig einige wenige große US-amerikanische digitale „Ölkonzerne“ die Quellen. Mit nur wenigen Bohrinseln, aber sehr exklusiven Förderrechten. Ich glaube, viele in Deutschland und Europa haben die wahre Dimension dieses Umbruchs noch nicht wirklich verstanden. Vor allem Google hat in diesem Spiel strategisch sehr geschickt agiert:

Im ersten Schritt wurde das Augenmerk der Regulierer allein auf das „böse“ Third-Party-Cookie gelenkt. LogIns, die viel weitreichendere Rechte an Daten beinhalten, die sich perfekt auch geräteübergreifend miteinander verknüpfen verbinden lassen, blieben außen vor.

In Schritt 2 wird eine Lösung für ein Problem präsentiert, das erst durch Schritt 1 entstand. Die derzeitige DSGVO-Realität mit ihren Consent-Lösungen ist, sowohl für User als auch für Firmen, viel zu komplex und intransparent. Für Google die perfekte Ausgangssituation: Denn nun naht im zweiten Schritt – als Retter auf dem weißen Pferd – Google mit seiner Initiative der „Privacy Sandbox“.

Und sowohl aus technischer als auch organisatorischer Sicht ist das ein durchaus interessanter Ansatz: Eine zentrale Stelle, die die gesamten Daten erhebt und verwaltet. Schluss mit dem völlig unübersichtlichen Meer an Dienstleistern, die in jeden Opt-In-Prozess verwickelt sind und sich am Ende auch nicht mehr wirklich kontrollieren lassen. Und Google sein Dank gibt es auch schon eine passende Infrastruktur. Den Browser bzw. das Betriebssystem bei mobiler Nutzung. Die digitale Werbewelt, so wird uns suggeriert, würde dadurch wieder simpel und beherrschbar.

Wir sollten jetzt aber nicht zu schnell in die Convenience-Falle tappen. Wenn der Markt nur weil es einfach, schneller und scheinbar leichter ist – zur Google-Lösung greift, könnte er sich dauerhaft den freien Weg zu Daten verbauen. Und damit auch alle Chancen künftig eigene, mit umfangreicheren Daten verbundene Businessmodelle auf- und umzusetzen.

Die Frage, was nach den Cookies kommt, ist deshalb so fundamental, weil unter dem Deckmantel des Datenschutzes eine neue technische Infrastruktur entstehen soll, die die gewohnten Kräfteverhältnisse im World Wide Web noch weiter zu unseren Ungunsten verschiebt. In einem Third-Partie-Cookie-freiem Internet schwingen sich Browser und Betriebsysteme nämlich zu den zentralen Gatekeepern auf. Das ändert das Wesen des Netzes. Künftig wollen wenige Gatekeeper entscheiden, welche Art von Daten Werbetreibenden, Agenturen und Publishern zur Verfügung stehen. Und damit auch, wer sich in welchem Umfang refinanzieren kann.

Die Blackbox entscheidet, mit welchen Daten wir arbeiten dürfen

Der Browser wird zur Black Box. Alles, was an Daten und Informationen für ein sinnvolles Targeting wichtig ist, wird dort hinter verschlossenen Türen gemessen und generiert. Liest man die Äußerungen von Google genauer, scheint es auf eine Situation hinauszulaufen, die wir u.a. vom Videoportal Youtube im Prinzip heute schon kennen: Advertiser erfahren zwar, ob sie ihre Zielgruppen erreichen. Aber sie können künftig nicht mehr selbst tracken und die Ergebnisse überprüfen. Auch die Leistungswerte erhebt nur YouTube. Kontrolle? Kaum möglich. Aus einem einstmals offenen, arbeitsteiligen System, wird ein zentral gelenktes Internet mit völlig verändertem Charakter. In diesem System lernt und optimiert vor allem einer: der Gatekeeper. Eine externe Leistungskontrolle und ein Anpassen bestehender Strategien wird damit für uns als Mediaagenturen extrem erschwert. Kreative Eigenentwicklungen lohnen sich nicht mehr, weil der Gatekeeper entscheidet, welches Set an Daten zur Verfügung gestellt wird.

Natürlich kann man dieses attraktive Angebot von Google annehmen. Man sollten sich nur der eventuellen Konsequenzen wohl bewusst sein. Denn hinterher soll keiner sagen, er hätte das nicht gewusst.

Das Internet ist erst der Anfang, Mobile folgt und TV kommt bald

Online haben sich die Gewichte bereits verschoben. Nur das ist erst der Anfang, denn im heutigen digitalen Ökosystem hängt alles mit allem zusammen. Der größte Browser beispielsweise (Chrome) gehört dem weltweit dominierenden Werbenetzwerk Google. Und Google stellt mit Android auch das beherrschende Mobile-Betriebssystem. Aus dieser Perspektive wird aus dem anfangs erwähnten Oligopol der Browser schnell ein Duopol der Betriebssysteme mit einem eher kleinen (Apple mit iOS) und einem übermächtigen Player (Google hat mit Android beispielsweise 76 Prozent Marktanteil in Deutschland). Und es wird keinesfalls bei Desktop, Laptop und Smartphone blieben. Diese Ausdehnung der Betriebssysteme wird Folgen für die Werbung auf allen Bildschirmen haben, vor allem auch für das Fernsehen. Damit würde eine Firma mit einem Marktanteil von rund 80 Prozent in der westlichen Welt, Google, die beiden größten Werbemedien weltweit dominieren, weil sie ihre Erlösprozesse steuert.

Die Diskussion um Cookies, Browser und Betriebssysteme ist also nicht nur ein Thema für das Internet im engeren Sinne, sondern betrifft letztlich unsere gesamte Medien- und Werbelandschaft. Es ist auch eine kulturelle Auseinandersetzung. Vielleicht sogar die fundamentalste, die wir derzeit führen. Es geht um die Refinanzierung der Inhalte, die Basis unserer demokratischen Gesellschaft sind. Betrachten wir das Internet als öffentlichen Raum, mit der Möglichkeit der Teilhabe von vielen Bürgern und Unternehmen? Oder wird es zu einer rein wirtschaftlichen Infrastruktur, die von einem oder wenigen US-Konzernen bestimmt wird?

Es ist höchste Zeit, dass wir in Deutschland und Europa diese Auseinandersetzung intensiver führen. Gerade wir Deutschen neigen bisweilen dazu, uns in allzu kleinteiligen Branchendebatten zu verlieren. Es wird Zeit, gemeinsam größer zu denken und ernsthafte Alternativen zu entwickeln!

Die Dauerfehde „Marketing vs. Performance“ erlebt gerade eine Neuauflage. Aktuell sieht sich die Marken-Fraktion im Vorteil. Dabei erzählen die neuen Erkenntnisse eigentlich eine ganz alte Geschichte. Ein paar Gedanken dazu…

Ein zeitloses Streitthema steht in diesen Tagen wieder ganz oben auf der Agenda. Es begleitet mich schon mein halbes Berufsleben. Es lautet: „Branding vs. Performance“. Seit den Anfängen des digitalen Marketings befehden sich die Vertreter dieser Disziplinen in einer Art Grabenkrieg. Die Performance-Fraktion behauptet: „Spart euch doch den Umweg über diese diffuse Markenwerbung. Wir können durch gezielte Performance-Maßnahmen direkt die Umsätze ankurbeln. Und wir haben hier eine Sack voller Tools, mit denen wir das auch messen und beweisen können.“ Die Marken-Gläubigen kontern: „Bleibt uns weg mit diesem Technikkram. Markenbildung ist die Ikone der Kommunikationsplanung und was eine Marke leistet, ist nicht immer messbar – schon gar nicht kurzfristig. So war es schon immer, und so wird es immer bleiben. Amen.“

Diese Diskussion führen wir so und ähnlich seit mehr als 20 Jahren. Jetzt hat das Thema wieder Hochkonjunktur. Der jüngste Erzählstrang geht etwa so: Werbekunden entdecken zunehmend die Kombination aus Branding und Performance. Das Thema Branding gewinnt dabei wieder mächtig an Bedeutung und holt gegenüber Performance auf. In der jüngsten Umfrage des Mediaagenturverbands OMG erklären 41 Prozent der Werbekunden, 2020 liege ihr Kommunikationsschwerpunkt bei Imagewerbung. Das sind doppelt so viele wie noch vor einem Jahr.

Was hinter der Renaissance des Branding steckt

Es scheint also, als sei eine Renaissance des Branding angebrochen. Deshalb brauchen wir endlich mehr Nachweise für die Wirksamkeit der Marken- und Imagewerbung, vor allem auf den Abverkauf, lautet nun die aktuelle Forderung. So, wie die Performance-Fraktion jede Wirkungs-Facette mit Dashboards und Echtzeit-ROIs dokumentiert, sollen doch bitte auch die klassischen Werber die Kraft der Markenwerbung endlich mal im Detail belegen.

Diese Geschichte liest sich zwar spannend und sie beschäftigt derzeit Branche und Fachmedien. Ich glaube aber, man muss sie etwas anders erzählen. Vielleicht brauchen wir ja gar keine neuen Daten. Vielleicht benötigen wir auch keine neuen Messinstrumente und auch keine weiteren Wirkungsstudien. Möglicherweise sehen wir einfach den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr. Beim unverstellten Blick auf die Dinge stellen wir nämlich fest, dass diese ganzen neuen Zahlen eigentlich eine alte Geschichte erzählen.

Eine Marke kann sich nicht entscheiden, in Brand- oder in Sales-Werbung zu investieren. Aus der Sicht des Konsumenten ist das schon immer ein integraler Prozess gewesen. Der Kaufprozess ist ja eben nicht rational, er ist emotional geprägt. Markensympathie und Markenimage sind überhaupt die zentrale Ursache für die Steigerung der Kaufbereitschaft. Je höher die Markensympathie, desto stärker wird der Wunsch, eine Marke zu kaufen und zu besitzen. Marketing ist schon immer ein fließender Prozess gewesen – und er beginnt ganz vorne mit der Markenbekanntheit. Diesen Blick auf das Wesentliche haben wir in den vergangenen Jahren etwas verloren. Er wird verstellt von hunderten kurzfristig verfügbarer Messergebnisse, die uns permanent aktuelle Wasserstände zu E-Commerce-Ergebnissen und Echtzeit-ROIs auf unsere Bildschirme spülen.

Werbewirkung ist nicht teilbar

Die relativ junge Disziplin des Performance-Marketing hat diese Zahlen systematisch benutzt, um die letzte Meile in der Customer-Journey und damit jeden einzelnen Verkaufsklick stets für sich zu reklamieren. Auf diese Weise haben sich die Technik-Nerds gegenüber den klassischen Marketeers positioniert. So ist ein zentraler Irrtum entstanden: die Vorstellung, man könne einzelne Wirkungsbereiche im Marketingprozess gezielt ansteuern. Seit Jahren werden Kampagnen danach geplant. Als ob es sich um voneinander isolierte Wirkprozesse handeln würde, die man gleichsam mit einem Skalpell herauslösen könnte. Es gibt aber keine getrennten Wirkungsverläufe. Werbewirkung ist nicht teilbar.

Was in den meisten Fällen aber dargestellt wird: Welchen zusätzlichen Effekt bringen Sonderangebote und sonstige Aktionspromotions. In Wirklichkeit kapitalisieren auch diese nur die verfügbare Markensubstanz. Und nicht selten haben sie auf Dauer auch noch eine nicht zu unterschätzende Korrosionswirkung.

Verkürzter Blick auf die letzte Marketing-Meile

Auch große Konzerne mit großen Marketing-Abteilungen voller kluger Köpfe sind in diese Falle getappt. Simon Peel, der globale Mediachef des Sportartikelherstellers Adidas, hat das vor einigen Monaten in einem bemerkenswerten Vortrag zugegeben. Man habe sich zu sehr „auf die digitale Attribution konzentriert“. Nicht zuletzt, weil man „kurzfristige Messungen in Echtzeit betrachten“ könne.

Dieser verkürzte Blick habe dann zu „irreführenden Ergebnissen“ und zu einem falschen Media-Mix geführt, sagt Peel. Adidas habe nur 23 Prozent seines Budgets in emotionale Markenwerbung und 77 Prozent für Performance investiert. Dank neuer ökonometrischer Messungen habe man aber festgestellt: es ist in Wirklichkeit die Markenwerbung, die Abverkäufe und E-Commerce wirklich antreibe.

Schütten wir den Graben zwischen den Disziplinen Performance und Branding zu

Es gibt eine direkte Abhängigkeit und Wechselwirkung zwischen Sales- und Brand-Effekten. Diese eigentlich alte Erkenntnis hat nun auch Adidas dank veränderter Perspektive aus seinen Daten wieder zu Tage gefördert. Es ist es letztlich das emotional aufgeladene Image einer Marke, welches wesentlich bis zum Kauf des Produkts wirkt. Ein anderer Hebel, um Abverkäufe anzukurbeln, wären Rabattaktionen. Die aber strahlen langfristig negativ auf das Markenimage ab.

Seien wir ehrlich – hinter der vermeintlichen Streitfrage, wem die Werbewirkung „gehört“ steckt doch oft eine viel banalere Frage: Wer bekommt mehr Budget vom Werbekunden? Diese Frage darf uns aber nicht entzweien. Ein erster sinnvoller Schritt wäre deshalb: Schütten wir den Graben zwischen den Disziplinen Performance und Branding zu. Der Kopf und Bauch der Konsumenten ist eben nicht teilbar in unterschiedliche Fachabteilungen. Lasst uns doch stattdessen endlich gemeinsam am Vertriebserfolg unserer Marken arbeiten.

Dass Daten nicht nur relevant für unsere Digital- und Kommunikationsbranche, sondern auch für die moderne Gesellschaft an sich sind, steht außer Frage. Doch lange schien es, als wollten die deutsche Regierung und die EU der Industrie das Erheben und den Zugang zu Daten so schwer wie möglich machen – DSGVO und ePrivacy lassen grüßen. Jegliche Argumente, z.B. das moderne digitale Geschäftsmodelle, die unsere Zukunft darstellen, doch auf Daten beruhen, liefen bei Politikern ins Leere. Die politischen Entscheider hatten Angst, dem Bürger die Wahrheit zu sagen. Der Umgang mit Daten und der Datenschutz sind sehr komplexe Themen, mit denen sich scheinbar keine Wahlen gewinnen ließen. Die Konsequenz: Gut gemeint, aber schlecht gemacht (=DSGVO) kostet uns immer noch jede Menge Zeit, Geld und Nerven.

Doch nun vollführt die Regierungspolitik eine 180-Grad-Wende und präsentiert ein neues Eckpunktepapier, das als Basis für die Entwicklung einer Datenstrategie der Bundesregierung dienen soll. Im O-Ton heißt es: „Die Datenstrategie soll dazu dienen, die Datenbereitstellung und Datenzugang zu verbessern, eine verantwortungsvolle Datennutzung zu befördern, Datenkompetenz in der Gesellschaft zu erhöhen und den Staat zum Vorreiter einer Datenkultur zu machen“. Besserer Datenzugang, das klingt natürlich wie Musik in den Ohren der Kommunikationsindustrie. Aber der Staat als Vorreiter der Datenkultur? Da ist noch viel Überzeugungsarbeit zu leisten.

Weiter heißt es in dem Eckpunktepapier: „Trotz dieser immensen Chancen und trotz fortschreitender Digitalisierung schöpfen wir in Deutschland das enorme Innovationspotenzial von Daten für Gesellschaft, Wirtschaft, Wissenschaft und Staat bei Weitem nicht aus.“ Auch wenn diese Einsicht mehr als überfällig ist, bleibt zu hoffen, dass die Digitalpolitiker nun auch bei dieser Position bleiben. Bei Fragen von derart zentraler wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Wichtigkeit wie der Digital- und Datenstrategie würde ich mir eine verlässlichere Position und durchdachte Umsetzung wünschen – auch wenn der politische Gegenwind stärker werden sollte. Was durchaus auf der Hand liegt.

Mehr dazu findet ihr im Übrigen hier.

Mit phänomenalen 4 Mio. Zuschauern im Peak haben die Halbfinalspiele der League of Legends World Championship am 3. November einen neuen Zuschauerrekord aufgestellt. Bis dahin war das Finale des Fortnite World Cup im Juli 2019 mit 2,33 Mio. Zuschauern das meist gesehene Turnier.

Das waren mehr als doppelt so viele Zuschauer, wie beim Bundesliga-Highlight-Spiel FC Bayern München gegen Borussia Dortmund in der letzten Saison mit 1,16 Mio. Zuschauern. Zugegeben, die 4 Mio. Zuschauer haben weltweit die Schlachten verfolgt. Allerdings haben laut einer repräsentativen YouGov Umfrage in Deutschland 13 Mio. – also jeder 5. – schon mal ein eSports Match angesehen.

Das rasante Wachstum der Zuschauerzahlen macht deutlich, wie schnell das Thema eSports jetzt an Fahrt aufnimmt. Da ist es nur verständlich, dass unsere Kunden sich mit Blick auf die Planungen für das kommende Jahr die Frage stellen, wie sie von diesem Hype profitieren können. Ganz besonders weil eSports überwiegend die Zielgruppe Männer im Alter von 16-35 Jahren anspricht, die über konventionelle Mediakanäle nur schwer zu erreichen ist.

Aber was ist so faszinierend daran, anderen Spielern beim Spielen zuzusehen? Fast alle eSportler sind selbst Gamer und haben schon Spielerfahrungen mit dem Game gemacht, bei dem sie zusehen. Der Action-Level ist bei den beliebten Spielen wie League of Legends, Fortnite oder Dota II besonders hoch, ständig passiert etwas Neues, was die Fans mitfiebern lässt. Man kann von taktischen Spielzügen lernen und bekommt den ein oder anderen Trick gezeigt, den man dann selbst umsetzen kann. Daher können sich 21% der Gamer sogar vorstellen, in Zukunft selbst an eSports Wettkämpfen teilzunehmen.

Nicht nur die großen eSports Events finden ihre Zuschauer auf den beliebtesten Streaming-Plattformen, wie dem Marktführer Twitch, Youtube oder Mixer. Im Grunde kann jeder ambitionierte Gamer als Micro-Community-Influencer seinen eigenen Gaming-Channel einrichten. Die erfolgreichen Gamer sind Vorbilder für ihre Fans und überzeugen durch Ihren Unterhaltungswert. Sie inszenieren ihre Spiele wie eine Show mit Intro und Kommentierung. Je witziger und ausgefallener die Gamer performen, desto erfolgreicher sind sie.

Diese weniger spektakulären eSports Umfelder bieten mittlerweile ebenfalls relevante Zuschauerreichweiten und können mit Bewegtbildformaten belegt werden.

Um das Thema eSports für die Kommunikation zu erschließen und die Herzen der anspruchsvollen eSportler für sich zu gewinnen, reicht es allerdings nicht aus, eine Adaption des Kampagnenspots im eSports Umfeld zu schalten. Die Gamer erwarten eine authentische Markeneinbindung, die ihnen einen klaren, idealerweise spielerischen Mehrwert bietet.

Wer noch skeptisch ist, sollte sich einfach mal die Beispiele von DHL für den EffiBOT, die Grow Up Kampagne von Mercedes oder ganz aktuell die Charity-Aktion „Gemeinsam Heilen für den guten Zweck“ der R+V Versicherung ansehen. Diesen Marken ist es mit ganz unterschiedlichen Ansätzen gelungen, die eSportler für sich zu erobern, obwohl sie bisher keine Anknüpfungspunkte zu ihrer Lebenswelt hatten.

Da eSports erst von wenigen Marken als Spielwiese entdeckt wurde, lohnt es sich diesen Wachstumsmarkt im Auge zu behalten und auch Mediapotentiale mit kreativen Ideen auszuschöpfen.

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