Klartext!

Welches Potential hat die App und lohnt es sich den Hype mitzumachen?

Wie es sich für einen neuen coolen Club gehört, kommt man nur mit Einladung rein. Die neue App Clubhouse setzt auf Exklusivität. Somit ist die FOMO (fear of missing out), die Angst etwas zu verpassen vorprogrammiert.

Anfang des Jahres schwappte die FOMO durch alle deutschen Social Media Kanäle. Alle bekannten Influencer und die, die es noch werden wollen, twitterten und posteten über die neue App namens Clubhouse.

Aber was ist Clubhouse überhaupt genau?

Bei Clubhouse geht es primär um Audioinhalte. Es gibt sogenannte rooms, in denen so etwas wie digitale Diskussionen stattfinden, eine Bühne mit Speakern und ein Publikum. Die Personen im Publikum können aber auch selber ihr Mikro einschalten und von den Moderatoren auf die Bühne eingeladen werden.

Sobald man einem Profil folgt, sieht man, ob sich der oder diejenige in einem Raum befindet. Auf diese Weise werden sehr schnell sehr hohe Reichweiten (1.000 Zuhörer sind keine Seltenheit) erzielt.

Was ist das Besondere an Clubhouse?

Clubhouse verspricht Zuhörern das „Twitch“-Gefühl (jeder kann zum Sender werden), kombiniert es mit der persönlichen Ansprache in Podcasts und einer gewissen Themenoffenheit. Somit erinnert die App an einen digitalen Speakers‘ Corner, einen öffentlichen Platz, der dem Meinungsaustausch dient.

Bisher dominieren Talks zu Start-ups, aktuellen Branchenthemen und Trendbewegungen. Dabei sind besonders die Speaker interessant, denen man lauschen kann. Von dem Mitbegründer des Online Handels Tarek Müller (About You) zum Thema E-Commerce, FDP-Chef Christian Lindner, Star Rapper Drake bis hin zur Fridays-for-future-Aktivistin Luisa Neubauer.

Clubhouse
Quelle: https://www.hna.de/verbraucher/clubhouse-social-media-app-experten-warnung-datenschutz-promis-kassel-hna-zr-90173881.html

 

Wer steckt hinter Clubhouse?

Alpha Exploration heißt die Firma, die die App entwickelt hat, Paul Davison und Rohan Seth (ein ehemaliger Google-Mitarbeiter) sind die beiden Gründer. Die App kam im Frühjahr 2020 auf den Markt und gewann sofort ein Investment von mehr als 10 Millionen Dollar. Zu diesem Zeitpunkt wurde die App trotz nur weniger Tausend Nutzer bereits auf etwa 100 Millionen Dollar geschätzt. Dass bislang nur iPhone-Besitzer und Eingeladene Zugang zu der App bekommen, die weltweit inzwischen rund zwei Millionen Nutzer hat, ist verkaufspsychologisch natürlich ein intelligenter Schachzug.

Jetzt mitmachen – oder ist der Hype bald vorbei?

Spannend ist der Ansatz von Clubhouse auf jeden Fall. Selten war es so einfach, so vielen interessanten Gesprächen zuhören zu können, ohne dafür ein Messeticket zu kaufen oder eine Podiumsdiskussion besuchen zu müssen.

Allerdings gibt es viele Beispiele für Apps, die als das nächste große Ding gehandelt wurden. Tik Tok ist vom Hype zu einer inzwischen etablierten Social-Media-Plattform geworden. Konkurrent Snapchat hat immer wieder Probleme, versucht aber nun durch die Zusammenarbeit mit Influencern die Plattform zu sichern.

Ein „lean-back“ Scrollen und Stories schauen gibt es bei Clubhouse allerdings nicht, stattdessen muss man die ganze Zeit aktiv zuhören. Die Talks finden live statt und werden nicht gespeichert. Die Termine sind also gesetzt und wer Besseres zu tun hat, verpasst die Gespräche. Ob die Menschen ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt Lust dazu haben, wenn sie ohnehin langen Digitalkonferenzen aus dem Homeoffice zuhören müssen, ist die Frage. Anders als in Zoom-Meetings müssen sich die User zumindest nicht überlegen, wie sie aussehen und ob der Bildhintergrund aufgeräumt ist.

Bisher ist über die Datenverarbeitung der App noch nicht viel bekannt – außer, dass Clubhouse mit den hochgeladenen Telefonbüchern der Nutzerinnen und Nutzer Schattenprofile auf dem eigenen Netzwerk anlegt. Damit befindet sich Clubhouse in der rechtlichen Grauzone.

Ist Clubhouse also eine Plattform für High-Involvement-Themen, dafür aber mit begrenzter Reichweite?

Die Mediascale hat schon lange erkannt, dass das digitale native Audio eine Schlüsseltechnologie unserer jetzigen Zeit ist und dass sich der Medien- und Werbemarkt durch interaktive Audiomedien in den kommenden Jahren stark wandeln wird. Die Zukunftsfähigkeit von Clubhouse wird davon abhängen, ob die App Geld verdienen kann und ob sie auch für Werbetreibende interessant wird. Im Kundenservice, im Recruiting oder PR-Bereich kann man sich schon jetzt sinnvolle Ansätze vorstellen. Wie das Geschäftsmodell aussieht, mit dem die App langfristig Geld verdienen will, ist noch unklar. Audiowerbung, die den Talks vorgeschaltet wird? Oder werden die Daten der Nutzerinnen zum Kapital des Unternehmens? Das wird eng mit dem Datenschutz der App einhergehen.

Unser Geschäftsführer Wolfgang Bscheid ist bereits auf Clubhouse sehr aktiv, im nächsten Termin diskutiert er mit Ingo Rentz (Horizont), Katrin Ansorge (Horizont), Markus König (Evonik), Barbara Wandrei (Media4Planet) und Jana Bernhard (S20) über Green Media: Wie nachhaltig muss Marketing heute sein?

 

Seit mittlerweile 3 Jahren arbeite ich als Werkstudentin bei der Mediascale in München, derzeit schreibe ich meine Masterarbeit über das Thema „Frauen in Führungspositionen“. Die weibliche Position in der Arbeitswelt ist schon seit einiger Zeit ein vieldiskutiertes Thema, besonders in Hinblick auf die Führungsebene. Gerade in Deutschland lässt der aktuelle Status Quo hier einiges zu wünschen übrig: Der Anteil an Frauen in Führungspositionen liegt deutlich unter dem EU Durchschnitt. Hier ist also noch viel Luft nach oben.

Mit diesen Werten im Hinterkopf haben sich mir folgende Fragen gestellt:

„Wieso werden Frauen überhaupt anders behandelt?“

„Was wird unternommen, um dieser Ungleichheit entgegenzuwirken?“

Auch wenn die Zahlen eine eindeutige Sprache sprechen, gehen die Meinungen bei der Beantwortung oben genannter Fragen bekanntlich häufig auseinander.

Ein Blick auf die Ursachen hilft zur Beantwortung: Geht es um die Gründe für Geschlechterungleichheit, werden meist eine negative Arbeitsatmosphäre, Sexismus und die Familie genannt.

Um es etwas konkreter zu machen: Frauen werden häufig von ihren männlichen Kollegen ausgeschlossen, da Männer sich typischerweise unter männlichen Kollegen deutlich wohler fühlen. Dadurch werden jedoch weibliche Kolleginnen abgesondert, was oft in einem Gefühl der Scham und Zurückhaltung endet und Frauen in ihrer Karriere bremsen kann.

Oft sind Frauen in der Arbeitswelt auch von sexistischen Stereotypen betroffen. Frauen werden typischerweise als weniger talentiert oder weniger produktiv eingeschätzt und deshalb als inkompetent für bestimmte Aufgaben befunden. Eine andere Form von sexistischen Stereotypen sieht Frauen als schwächer und schutzbedürftig an, was sie ebenfalls als unqualifiziert einstuft. Als Resultat fühlen sich Frauen oftmals eingeschüchtert, sodass sie nicht mehr an ihre eigenen Fähigkeiten glauben. Was hier am meisten überrascht: Nicht nur Männer, sondern  auch viele Frauen haben solche Stereotypen bewusst wie unbewusst inne.

Der letzte große Faktor im Zusammenhang mit Geschlechterungleichheit ist die Rolle der Frau in der Familie. Hier wird oftmals angenommen, dass Mütter im Vergleich zu Frauen ohne Kinder weniger karriereorientiert seien, weshalb seltener Aufstiegsmöglichkeiten geboten werden. Zudem erschweren unflexible Arbeitszeiten und fehlende Möglichkeiten zur Kinderbetreuung die Situation.

Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass es immer noch Hindernisse für Frauen in der Arbeitswelt und somit noch einiges zu tun gibt. Da stellt sich mir als Frau am Anfang meiner Karriere die Frage:

Wie sieht es mit Gleichberechtigung denn eigentlich bei der Mediascale aus?

Tatsächlich wird bereits einiges angeboten. Neben diversen Infoveranstaltung und Weiterbildungsmöglichkeiten, gibt es ein Elternprogramm in Zusammenarbeit mit dem pme Familienservice. Das Programm bietet eine Austauschplattform zur Vernetzung beim Elternstammtisch, zur Kinderbetreuung in den Ferien, für Familienevents sowie zur Hilfe bei der Betreuungssuche während der Arbeitszeiten. Flexible Arbeitszeiten zur Vereinbarkeit von Job & Familie sind bei uns ebenfalls an der Tagesordnung. Davon profitieren allein bei der Mediascale aktuell drei Kolleginnen, eine davon hat eine Teamleiterposition inne. Zusätzlich bietet das Fe&Male Projekt in regelmäßigen Abständen Veranstaltungen zur Vernetzung, zum Austausch und zur Diskussion. Hier werden sowohl Impulsvorträge als auch Workshops angeboten.

Neu seit diesem Jahr gibt es das Plus Mentoring Programm. Hier bekommen einige weibliche Kolleginnen die Möglichkeit, sich von starken Persönlichkeiten aus der Gruppe als MentorInnen Unterstützung zu holen und Neues zu lernen. Unsere Geschäftsführerin Martina Staudinger ist hier als Mentorin mit im Programm dabei und freut sich, ihr Wissen und ihre Kompetenz weitergeben zu können. So sagt sie: „Als zweifache Mutter ist es mir persönlich sehr wichtig, Frauen bei der Mediascale die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu ermöglichen und sie bei ihren Karriereambitionen zu unterstützen. Ich wurde auf meinem Weg zur Geschäftsführerin immer wieder von MentorInnen bestärkt und möchte im Rahmen des Mentoring + Programmes jetzt gerne meine Erfahrungen weitergeben.“

Wir sind bereits auf einem guten Weg, den es weiterhin für uns Frauen zu ebnen gilt. Für mich persönlich habe ich mitgenommen: Als Frau hat man es in der beruflichen Laufbahn nicht immer einfach. Selbstbewusstes Auftreten und Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten sind wichtig, jedoch gibt es auch einige Bereiche, in denen man als Frau auf die Hilfe seiner KollegInnen angewiesen ist. Deshalb freut es mich umso mehr, dass die Mediascale hier bereits großen Einsatz zeigt. Für meinen künftigen Karriereweg bedeutet das also: optimale Voraussetzungen für einen guten Start!

Runde 3 des Mittwochmittag Clubhouse Talks am 10. März: „Let’s talk about Audio! – Warum man bei Podcasts mit der klassischen Radio-Denke nicht weit kommt.“ Diesmal als Gast mit dabei: Audio-Expertin Ina Tenz, Geschäftsleiterin bei Anda Business Communication, erfahrene Radiomacherin und Produzentin der Podcasts „Der fünfte Satz“ mit Boris Becker und „Die Agenda“ mit Gerhard Schröder.

Eine wichtige Erkenntnis des Clubhouse-Talks vornweg: Audio ist nicht gleich Audio. Radio läuft oft im Hintergrund, als Klangteppich, der einen durch den Tag begleitet. Mal ist die Aufmerksamkeit der HörerInnen höher, manchmal gar nicht da. Für Radio spricht: Die hohe Reichweite, die Mischung aus charterprobten Musiktiteln, gute Wortbeiträge und der Schlagabtausch der ModeratorInnen. Sie können das Radio zu einem kurzweiligen Vergnügen machen.

Podcasts hingegen sind das Gegenteil: Über längere Zeit und in Ruhe einem interessanten Thema lauschen – damit bedient das Langformat ganz neue Ansprüche und Nutzungssituationen. Ina Tenz: „Es handelt sich dabei um ein bewusstes Zuhören und selektives Einschalten. Ich entscheide, was ich jetzt in diesem Moment hören will. Und auch für den Host oder Gast ist es eine Art Deutungshoheit der eigenen Geschichte: einmal seine Sicht der Dinge erzählen, Zeit haben, die Gedanken schweifen zu lassen – natürlich ohne den Anspruch auf die absolute Wahrheit.“

Neue Audioformate im Wettbewerb mit Radio

Fakt ist: Die Mediennutzungszeit steigt parallel mit der Auswahl an Audiomedien. Die Vielfalt an Podcasts und Clubhouse setzen das klassische Radio unter Druck, auch weil mit Smartphones und Smart Speakern omnipräsente Abspielgeräte immer dabei sind. Die mit Formatradios groß gewordenen Konsumenten entdecken ganz neue Facetten von Audio. Geschichten, die Zeit brauchen und sich auch entwickeln können. Ina Tenz spricht hier sogar von einer „Konditionierung“: Die Hörer gewöhnen sich daran, dass sie noch mehr, noch tiefere Inhalte bekommen, und ändern entsprechend ihre Erwartungen an Audio.

„Podcasts sind einfach etwas völlig Neues, kein anderes Format bekommt eine so individuelle Aufmerksamkeit und das ist es auch, was Marken sich zunutze machen sollten. Klar muss aber sein: Werbung im Podcast bzw. Kommunikation via Podcasts unterliegt anderen Gesetzmäßigkeiten als Radiowerbung“, ergänzte Wolfgang Bscheid. In Podcasts, so Bscheid, können Marken wirklich Persönlichkeit zeigen. Dabei gilt es, transparent und authentisch zu sein, offen und kreativ mit Markenbotschaften und den Markenwelten umzugehen. Kaufmich-Spots, wie wir sie aus Radio und TV kennen, stören im Podcast hingegen den Flow.

Audio holt Bewegtbild ein

Der Audio-Boom, so eine Erkenntnis, hat scheinbare Wahrheiten nicht nur in Frage gestellt, sondern gleich widerlegt. Immer kürzer, immer schneller, immer provokanter? Es geht auch anders, wie die Erfolge der Langformat-Podcasts zeigen. Die Vormachtstellung des Bewegtbildes? Sie führt dazu, dass die Sehnsucht nach einem Medium wächst, dass nur den Hörsinn bedient und die Augen entspannt. Und die Emotion? Sie ist mindestens genauso stark wie im TV, weil Audio und die Kraft der Stimmen den Film im Kopf auslösen kann.

Fazit des Talks: Audio boomt, aber jedes Medium hat seine eigenen Stärken. Die Stärke der Podcasts liegt darin, endlich wieder ein Medium zu haben, dass ZuhörerInnen in einer meist exklusiven Nutzungssituation über einen längeren Zeitraum erreicht. Ein Buch für die Ohren, dass Werbetreibenden die Chance gibt, Menschen wieder in einer entspannteren Situation und länger als 30 Sekunden zu erreichen.

Clubhouse Talk „Media & Nachhaltigkeit“ mit Udo Schendel, CEO von Weischer.JvB, und Florian Weischer, Co-Chairman von Weischer

Ob ökologisch, wirtschaftlich oder sozial – Nachhaltigkeit ist das Thema der Stunde. Am 3. März startete Gastgeber Wolfgang Bscheid die zweite Runde des Mittwochmittag Mediatalks auf Clubhouse. Dieses Mal mit an Bord: Florian Weischer, Inhaber der gleichnamigen Mediengruppe, und Udo Schendel, CEO von Weischer.JvB. Auf das Thema Umweltschutz sind die beiden auf ganz verschiedene Weise gestoßen: Während der stetig steigende Flutpegel der Elbe ein Umdenken beim in Hamburg beheimateten Florian Weischer bewirkte, gab Udo Schendel zu, ein Late Adopter gewesen zu sein, für den häufige Flugreisen lange nicht in Frage standen. In Berührung mit den Nachhaltigkeitszielen der UN gekommen, setzte bei Udo Schendel dann der Aha-Moment ein. Und genau darum ging es auch bei der Diskussion: Es ist okay, nicht zu den Early Adoptern zu gehören, am Ende zählt die Initiative. Da lohnt es sich, auch mal ins kalte Wasser zu springen: Mit Weischer.Green bietet die Agentur für Außenwerbung ihren Kunden erstmals klimaneutrale OOH-Kampagnen an. Das Besondere an dem Projekt: Die Idee für nachhaltige Außenwerbung entwickelte sich aus der Motivation und den Ideen der Mitarbeiter heraus. Ähnlich auch bei Mediascale. Wolfgang Bscheid: „Als wir vergangenes Jahr bei Mediascale das Projekt Nachhaltige Media gestartet haben, war die Begeisterung sofort groß. Das war eines der populärsten internen Projekte, die wir je gemacht haben. Im digitalen Business ist ja das Meiste kennzahlengetrieben und selten haptisch anfassbar. Deshalb ist es für die Mitarbeitermotivation und die Unternehmenskultur unglaublich wertvoll, nach konkreten Ideen für Verbesserungen zu forschen. Beim Thema nachhaltige Mediaplanung hat das super funktioniert!“

Clubhouse Talk „Media & Nachhaltigkeit“

 

Einigkeit bestand darüber, dass nachhaltige Ziele durch die gesamten Ebenen eines Unternehmens hindurch kommuniziert und skalierbar gemacht werden müssen. „Vor allem die Vorstände oder Gesellschafter müssen den Managern klar machen, dass sie offen für eine systematische Umstrukturierung in Richtung nachhaltige Mediaplanung sind“, weiß Florian Weischer. Bevor eine nachhaltige Kampagne messbar werden kann, muss allerdings eine gründliche Analyse her: „Die Einflussfaktoren auf den CO2-Abdruck einer OOH-Kampagne müssen definiert werden. Wie groß sind unsere Spuren beispielsweise in der Logistik, Produktion, Technologie, bei der Aussteuerung bzw. beim Stromverbrauch der Screens? Mit den Daten dazu konnten wir unsere Systematik entsprechend anpassen“, erklärt Udo Schendel. Es gibt bei Weischer jetzt sogar einen eigens definierten KPI: Der Tausender-Kontakt-Emissionswert (TKE) ermittelt den CO2-Ausstoß einer Kampagne im Verhältnis zur Reichweite. Wird Weischer.JvB diesen USP dem Markt zur Verfügung stellen? „Natürlich ist das auf den ersten Blick ein Wettbewerbsvorteil, aber wir teilen unser Know-How und die Mechanik gerne mit dem Markt. Umso mehr Leute im Nachhaltigkeitsboot sitzen, desto besser. Wir wollen nicht nur im OOH-Bereich, sondern auch branchenübergreifend diesen Standard setzen“, ergänzt Florian Weischer.

Beim Fazit herrschte bei allen Beteiligten Konsens: Werbetreibende, Agenturen und Medien müssen die Marketingprozesse auf links drehen, in die Diskussion gehen und auch Fragen aufwerfen, auf die es derzeit noch keine Antworten gibt. Das Ziel einer nachhaltigeren Mediaplanung ist es wert.

„Die Nachricht schlug ein wie eine Bombe“ titelt ein Werbefachmedium über die aktuelle Entscheidung von Google kein siteübergreifendes Tracking mehr unterstützen. Google Advertising hatte das in einem Blogpost  nochmals klargestellt.

Aber so überraschend kommt der Schritt nicht. Er ist eine logische Folge des schon lange angekündigten Wegfalls des Third-Party-Cookie, das bisher die technische Grundlage für das Tracking darstellt. Im Blogpost wird nur zusätzlich explizit betont, dass Google Advertising keinen alternativen übergreifenden Identifier bereitstellen und auch keine externen ID-Lösungen (wie etwa die eben aus der Taufe gehobene Universal ID 2.) innerhalb ihrer Werbesysteme unterstützen wird. Alles andere wäre aber auch eine große Überraschung  und  im Widerspruch zur von Google  seit über einem Jahr verfolgten Strategie gewesen. Zugleich betont Google ausdrücklich, dass sie First-Party-Daten, die auf einem Login oder einem nachvollziehbaren Consent beruhen auch in Zukunft unterstützen.

Und damit kann Google auch weiterhin – entgegen der aktuellen Darstellung in den Medien – Nutzer für Werbeprodukte personalisieren. Die Personalisierung  innerhalb ihres Owned Contents, also etwa in der Google Suche oder auf Youtube,  ist  ja vom Wegfall der Third-Party-Cookies gar nicht betroffen. Siteübergreifend soll dann in Zukunft exklusiv der Chrome-Browser profilieren (der bekanntlich  ebenfalls zum Konzern gehört) und diese Informationen mit  dem Rest des Ökosystems nur noch in einer Form ( den FLoCs oder Federated Learning of Cohorts) teilen, die keinen Rückschluss auf den einzelnen Nutzer mehr erlaubt.

Sehr spannend wird bei einer zentralen Frage: Lässt der Browser in Zukunft die siteübergreifende Identifikation von Nutzern über Lösungen wie die Universal ID 2.0 jenseits der Werbe-Ökosystems von Google selbst  technisch zu oder behindert er sie? Die Entscheidung darüber liegt dann formal wieder beim Chrome-Team im Haus Google.

Yoga, Puzzeln, eine neue Sprache lernen oder Bananenbrot backen – jeder hat während Corona wohl neue Lieblingsbeschäftigungen für sich entdeckt oder es zumindest versucht. Und mal ehrlich: Wer hat noch kein lustiges Video auf TikTok gedreht, nur um mal auszuprobieren, wie es funktioniert?

Anzahl der monatlichen Nutzer 2020 stetig gestiegen

Das neue Lockdown-Hobby zahlt sich aus: Allein in Deutschland wird die Plattform monatlich von 13,8 Mio. Nutzern besucht, im Laufe des letzten Jahres hat sich die Zahl somit verdoppelt.

Global Web Index / Mediaplus Strategic Insights
Basis: Visitors: Onliner in Deutschland 16-64 Jahre; Alle anderen Daten: TikTok Nutzer in Deutschland 16-64 Jahre, Zeitraum: Q3 2020

 

Viele der Videoinhalte heben die Laune und laden zum Verweilen ein. Seit unserem letzten TikTok-Update im Mai ist die Verweildauer von rund 58 Minuten auf 73 Minuten pro Tag gestiegen. Der ein oder andere vergisst dabei schon mal die Zeit und swipet nach ein, zwei Stunden immer noch von einer Tanzchallenge zur nächsten. Kurzweilige Unterhaltung at its best.

Werbeformate auf TikTok

Doch nicht nur für User, denen zuhause die Decke auf den Kopf fällt, bietet die Trend-Plattform eine Möglichkeit zur Abwechslung. Die vielseitigen und modernen Werbeformen sprechen insbesondere junge Zielgruppen an und heben sich von Instagram, Facebook & Co. ab. Denn die Mitgestaltungsmöglichkeiten durch den einfachen Nutzer sind individuell wie selten zuvor. Von umfangreichen Hashtag-Challenges, unter Berücksichtigung verschiedener Werbemöglichkeiten, über gebrandete Effekte bis zu einfachen In-Feed Video Ads, können Werbetreibende die verschieden Möglichkeiten je nach Budget und Zielsetzung nutzen.

Werbemöglichkeiten TikTok

 

Vor allem die interaktiven Formate verhelfen nicht nur zu mehr Impressions, sondern ermöglichen eine intensivere Auseinandersetzung mit der Zielgruppe. Nutzer identifizieren sich mit einer Marke und erstellen zusätzlichen, kostenlosen Content für sie. Damit sind es die User selbst, die den viralen Aspekt der Werbung auf ein höheres Level bringen.

Zudem lassen sich im TikTok Creator Marketplace anhand von Daten und Fakten die passenden Creator für eine Marke finden. Das vereinfacht die Kontaktaufnahme, und durch eine individuelle Auswahl ist auch die Engagement-Rate viermal höher als auf anderen Wettbewerbsplattformen.

All diese Faktoren deuten darauf hin, dass es Zeit wird, TikTok nicht mehr nur als Lockdown-Beschäftigung zu betrachten, sondern als neue Chance für moderne Marketingkampagnen.

Clubhouse Talk „Media und Nachhaltigkeit“ mit Peter Christmann, Co-Founder und CEO von Media4Planet

Eigentlich ist es höchste Zeit, dass auch die Media- und Werbebranche sich ernsthaft mit dem Thema Nachhaltigkeit auseinandersetzt. Und so langsam gewinnt die Bewegung deutlich an Fahrt. Das ist – ganz verkürzt – das Ergebnis des ersten Mittwochmittag Mediatalk am 17. Februar zu „Nachhaltigkeit und Media“ auf Clubhouse – powered by Mediaplus. Gastgeber Wolfgang Bscheid, Managing Director der zur Mediaplus-Gruppe gehörenden Mediascale, und Peter Christmann, Co-Founder und CEO von Media4Planet, waren sich in einer Bewertung relativ schnell einig: „Marketer, Werber und Medien sollten als erste der großen Branchen klimaneutral agieren. Wir müssen die Mediabranche grüner machen“ Dabei geht es nicht nur darum, das eigene Unternehmen oder die eigene Agentur klimaneutral aufzustellen, sondern vor allem auch um die 25 Milliarden Euro netto, die Werbetreibende jedes Jahr investieren.

Clubhouse Talk „Media und Nachhaltigkeit“

 

Für Peter Christmann war eine durch Plastik verendete Meeres-Schildkröte im Brasilien-Urlaub sein ganz persönlicher Einstieg in das Thema. Der „Environmentalist“ ist Co-Founder und CEO von Media4Planet, einem Anbieter für ein nachhaltiges Mediamodell und Gründer der Meeresschutz-Organisation Orange Ocean. Christmann will die Mediabranche „grüner machen“, in dem er Werbeflächen günstiger einkauft, diese an nachhaltige Firmen oder Produkte weiterverkauft und mit der Marge die Klimaschutzkommunikation der UNEP (das Umweltprogramm der Vereinten Nationen) unterstützt und CO2 über zertifizierte Klimaschutzprojekte kompensiert. Media4Planet hat bereits erste Projekte gestartet, wurde durch Corona, den Lockdown und Budgetstornierungen in seiner Dynamik aber gebremst.

Ist die werbetreibende Industrie vielleicht auch noch nicht so weit? Um die Bereitschaft und Stimmungslage der Werbetreibenden zu erkunden, hat Mediaplus vor kurzem 160 Marketingentscheider befragt. Das Ergebnis überraschte. Wolfgang Bscheid: „Über 80 Prozent der von uns befragten Marketer sind der Ansicht, dass Werbebudgets Gesellschaften verändern können. Es gibt anscheinend eine hohe Bereitschaft nachhaltiger zu agieren, wenn man Werbetreibenden Angebote macht, ihre Budgets sinnstiftender zu investieren.“

Bscheid weiter: „Natürlich ist jeder gerne grundsätzlich nachhaltig, wenn es nichts kostet. Deshalb muss Nachhaltigkeit auch aus einer Sachargumentation für den Kunden Sinn machen. Wenn man Media nachhaltig plant und schaltet, dann muss sich das am Ende für den Werbetreibenden auch lohnen. Zum Beispiel weil die Kampagnen vor allem in den Zielgruppen eine höhere Werbewirkung erzielen, für die Nachhaltigkeit heute schon ein wichtiger Aspekt ist. Es ist doch schöner, beides zu tun: Nachhaltig zu werben und trotzdem die gesteckten Mediaziele zu erreichen.“

Um das gemeinsame Ziel einer nachhaltigeren Wirtschaft schneller zu erreichen, plädiert Peter Christmann für einen Schulterschluss auch mit Verbänden wie der OWM (dem Verband der Werbetreibenden) und der OMG (dem Verband der Mediaagenturen): „Deutschland hat sich verpflichtet, bis 2030 rund 55 Prozent der CO2-Emissionen gegenüber 1990 einzusparen. Das geht nur in einem gemeinsamen Ansatz zwischen Politik, Industrie, NROs und Verbrauchern. Es ist also höchste Zeit für einen Schulterschluss.“

Um mit Werbetreibenden beim Thema Green Media in einen konstruktiven Dialog zu gehen, regt Wolfgang Bscheid eine gemeinsame Basisarbeit der Branche an: „Da geht es um Leistungskataloge, Lösungen, aber auch um standardisierte KPIs, um Nachhaltigkeit überprüfbar zu machen. Wir müssen eine verlässliche Grundlage schaffen, um nachhaltige Media exakt zu definieren. Dabei geht es nicht nur um ökologische Themen, sondern auch um die ökonomischen und sozialen Dimensionen der Nachhaltigkeit.“

Das Fazit des Clubhouse Talks: Gemeinsam mit allen Marktteilnehmern müssen Lösungen gesucht und definiert werden, um den Kunden entsprechende Wege zu zeigen.

Der Mittwochmittag Mediatalk zu „Nachhaltigkeit und Media“ – powered by @Mediaplus – wird fortgesetzt. Am 3. März ab 12 Uhr spricht Gastgeber Wolfgang Bscheid mit Udo Schendel, dem CEO Weischer.JvB, über nachhaltige Außenwerbung. https://www.joinclubhouse.com/event/PYb88zb3

 

Frei nach James Deans Blockbuster „Denn Sie wissen nicht, was sie tun“ blicke ich für diesen Beitrag auf meine Ausbildungszeit bei der mediascale GmbH zurück.

Hatte ich zum Start im September 2018 eine Vorstellung davon, was auf mich zukommen wird? Wusste ich, was Mediaplanung ist und wozu man das braucht? Nettoreichweite? Conversion-Rates? Consent-Layer? Offen gesagt: Mir war nicht einmal klar, wie wenig ich wusste. Oder anders gesagt: Wie viel es zu verstehen und zu lernen gibt.

Letztendlich haben mir aber das strukturierte Kennenlernen anderer Serviceplan-Agenturen und das aktive Mitwirken an unterschiedlichen Aufgabenstellungen den nötigen Überblick für meine Arbeit als Mediaplanerin gegeben. Im Rahmen des Ausbildungsplans konnte ich während meines Aufenthalts in der Abrechnungsabteilung sehen, wie eine erbrachte Medialeistung fakturiert und verrechnet wird. Dass wir, das Personal in einem Dienstleistungsunternehmen, nicht nur Kosten verursachen, sondern ein wesentliches und erhaltenswertes Glied der Wertschöpfungskette sind, erlebte ich in meiner Zeit in der Personalabteilung. Dort begleitete ich gemeinsam mit den HR-Kollegen Projekte rund um die Themen Benefits, Mitarbeiterbindung sowie Personalentwicklung.

Und auch auf meine Zeit in der Berufsschule kann ich positiv zurückblicken. Sogar im Lockdown haben uns die Lehrer mit viel Humor und abwechslungsreichem Unterricht erfolgreich zur IHK-Abschlussprüfung geführt. Quasi über Nacht wurde auf Online-Unterricht via Zoom umgestellt. Mich hat sehr beeindruckt, wie wichtig unseren Lehrern war, dass wir trotz der Distanz eine umfassende Prüfungsvorbereitung erhalten. Viele kleine Nettigkeiten und Späße hielten die Moral aufrecht und zeigten uns Schülern: Wir sind nicht allein und sitzen alle im gleichen Boot.

Und vielleicht, so sehe ich es heute, war meine Unvoreingenommenheit rückblickend sogar ein wesentlicher Erfolgsfaktor. Denn eines ist besonders charakteristisch für meine Zeit als Azubine – einfach mal machen, aus Fehlern lernen, mit Herausforderungen wachsen. Das Wasser, in das ich geschmissen wurde, war manchmal so kalt, dass mir fast die Luft wegblieb. Fast! Denn nur so konnte ich Herausforderungen und Probleme meistern und aus der Welt schaffen – trotz Puls von 180. Was für ein tolles Gefühl, etwas zu schaffen, von dem man nie geglaubt hätte es zu können. Ich habe vieles gelernt, von dem ich nicht einmal wusste, dass es existiert: fachlich UND über mich selbst.

Und euch, meiner lieben mediascale, bin ich sehr dankbar, dass ihr mir von Anfang an Vertrauen geschenkt und Rückhalt gegeben habt. Ihr habt mich immer bis an meine Grenzen gefordert, ihr habt mich gefördert und mir viel wertvolles Feedback und nicht zuletzt die Möglichkeit gegeben, meine Ausbildung von drei auf zwei Jahre zu verkürzen. Ich habe mich nie wirklich als Azubine gefühlt oder als das letzte Glied am Ende der Nahrungskette. Mein Weg bei der mediacale geht weiter so, wie er begonnen hat: Jeden Tag mehr Verantwortung übernehmen, sich immer weiterentwickeln und dabei niemals den Spaß verlieren!

Empfang nach erfolgreich absolvierter Abschlussprüfung

Mit aktuell über 720 Millionen Usern in mehr als 200 Ländern weltweit ist LinkedIn das größte berufliche Netzwerk der Welt. In Deutschland zählt das soziale Netzwerk, das vorrangig auf die Aufnahme und Pflege von beruflichen Kontakten ausgerichtet ist und 2003 online ging, mittlerweile 16 Millionen Mitglieder.

Seit unserem letzten Blogartikel über LinkedIn hat sich mittlerweile einiges getan. Zu den bereits erwähnten Werbeformaten im Beitrag aus dem Jahr 2018 sind noch einige neue Funktionen und Formate hinzugekommen. In diesem Blogbeitrag werden wir euch zwei der neuen Werbeformate vorstellen. Seit diesem Jahr ist es möglich, über LinkedIn eine Conversation Ad innerhalb des Messengers zu erstellen und zum anderen können Live Videos geschaltet werden.

Conversation Ads

Die Sponsered InMail Ads wurden durch die Conversation Ads ersetzt. LinkedIn hat hier die Werbeform weiterentwickelt, um die Mitglieder persönlich anzusprechen, die Zielgruppe des Unternehmens besser kennenzulernen sowie das Engagement dieser zu fördern. Besonders gut geeignet sind die Conversion Ads im B2B-Bereich. Hier können komplexe Themen aufgegriffen und erklärt werden. Zudem gibt es die Möglichkeit, die Conversation Ads mit anderen Funktionen zu verbinden, wie den Formularen zur Lead-Generierung (Lead Gen Forms) oder dem Conversation Tracking. Im Vordergrund der Conversation Ads steht das interaktive Werbeerlebnis. Der User kann selbst entscheiden, auf welchen Content er sich einlassen möchte. Hierdurch kann hochwertige Conversation generiert werden.

So funktioniert es:

Die Form der Ads erscheint im Messaging-Bereich. Die Bild-Text-Kombination wird auf den User persönlich zugeschnitten und beinhaltet mehrere Call-to-Action Buttons. Über die CTAs bestimmen die User den Konversationspfad.

In dem nachfolgenden Anwendungsbeispiel kann der User auf einen der beiden CTAs klicken. Der User kann entweder auf die Landingpage oder zum Lead Generierungsformular weitergeleitet werden.

Der User wird auf die verlinkte Webseite weitergeleitet.
Der User wird zum Fomular weitergeleitet.

 

Live Video

Neben anderen Social Media-Kanälen bietet LinkedIn nun auch eine Live-Video-Funktion an. Es handelt sich hier mehr um ein Content Format, welches als Werbekanal genutzt werden kann. Die LinkedIn Live-Videos ermöglichen es Einzelpersonen oder Unternehmen, Live-Videoinhalte in Echtzeit in ihr Netzwerk zu übertragen. Die Idee dahinter ist, die Live Videos für Produktankündigungen, Konferenzen, Fragestunden, Events etc. nutzen zu können. Besonders jetzt in Zeiten von Corona ist es eine tolle Möglichkeit für Unternehmen, ihre Zielgruppe über LinkedIn anzusprechen. Dafür braucht es ein bestimmtes Thema, eine Geschichte, die im Zusammenhang mit der Marke erzählt werden kann – ohne direkt ein Produkt zu bewerben. Storytelling lautet hier das Stichwort.

So funktioniert es:

Über den Werbeanzeigenmanager von LinkedIn muss zunächst ein Antrag gestellt werden. Erst wenn der Antrag von LinkedIn freigegeben wurde, hat man die Möglichkeit Live-Videos zu starten. Während des Live-Streamings hat der User die Möglichkeit, über einen Chat Fragen oder Anmerkungen loszuwerden.

Für meine Bachelorarbeit am Institut für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung an der LMU habe ich mich mit den Erwartungen junger Erwachsener an Medien während der Corona-Pandemie beschäftigt. Da uns die Pandemie (leider) immer noch begleitet und wir uns mitten in der befürchteten zweiten Welle befinden, hat die Relevanz dieses Themas nicht abgenommen. In diesem Blogeintrag möchte ich deshalb einige meiner Ergebnisse mit euch teilen.

Das Ziel meiner Forschungsarbeit war es zu bestimmen, wie sich die Erwartungen von Digital Natives an klassische Medien von den Erwartungen an soziale Medien in der Covid- 19-Pandemie unterscheiden. Dazu wurden sechs Digital Natives in der Altersgruppe von 20 bis 25 Jahren nach ihrer Medienzuwendung und den Motiven und Erwartungen ihrer Mediennutzung in der Krisensituation befragt. Die Interviews wurden im Zeitraum vom 02.05.2020 bis 18.05.2020 durchgeführt, also kurz nach dem ersten strengen Lockdown. Der Schwerpunkt lag hierbei auf drei Bedürfniskategorien. Zum einen ging es um die kognitiven Bedürfnisse, also das Bedürfnis nach Information, Wissen, Umweltbeobachtung und danach Up-to date zu sein. Des Weiteren wurden affektive Bedürfnisse abgefragt, darunter fallen das Bedürfnis nach Unterhaltung, Ablenkung, Spannung und Entspannung. Zu guter Letzt wurden auch die sozialen Bedürfnisse, wie das Bedürfnis nach einem Gefühl der Zusammengehörigkeit, sozialer Integration, Anschlusskommunikation und Eigendarstellung betrachtet.

Die klassischen Medien haben sich vor allem als Vorreiter bei der Befriedigung kognitiver Bedürfnisse erwiesen. Die hohe persönliche Betroffenheit hat dazu geführt, dass es den jungen Erwachsenen wichtiger war denn je, Up-to-date zu sein. Vor allem Tageszeitungen und deren digitale Angebote wurden genutzt. Um sich zu informieren, wurden kaum bis gar keine sozialen Medien erwähnt. Die Erwartung darüber, ob sich InfluencerInnen in sozialen Medien zum Thema Corona-Pandemie äußern sollten, ging bei allen in eine ähnliche Richtung: Es besteht keine Erwartung an diese Personen. Die Befragten halten es sogar für gefährlich, wenn diese Personen sich dazu äußern würden und wünschen sich, dass diese eher die Rolle als Unterhalter beibehalten.

Eine Verbesserung der Laune, weniger Langeweile und Ablenkung wurden den sozialen Medien gutgeschrieben, also die Befriedigung affektiver Bedürfnisse. Als die beliebtesten sozialen Medien wurden hier Instagram und YouTube erwähnt. „Wenn mir langweilig ist, ist der erste Gedanke, der mir in den Kopf kommt YouTube, weil es auch echt die Sachen sind, die mich interessieren“, antwortete ein Befragter. Die Interviewten möchten bei der Nutzung sozialer Medien ihr „Gehirn ausschalten und was zu lachen haben.“ Instagram erfüllt weitere affektive Bedürfnisse der Digital Natives. Vor allem bei der Suche nach inspirierenden Beiträgen werden die Interviewteilnehmenden dort fündig. Von den psychischen Belastungen der Pandemie können sich die jungen Erwachsenen auch mit dieser Applikation ablenken und werden durch Videos, Stories, Bilder und Memes unterhalten und aufgemuntert. Für die Digital Natives scheint es wesentlich zu sein, selbstbestimmt und aktiv nach Inhalten suchen zu können, die sie interessieren. Vor allem in der Krisensituation hören, sehen und lesen die Digital Natives in den Medien viel über das Virus und die möglichen wirtschaftlichen Folgen. Das setzt die jungen Erwachsenen unter Druck und kann ein Grund dafür sein, dass soziale Medien in dieser Bedürfniskategorie besonders relevant sind. Die Digital Natives können dort autonom bestimmen, welchen Medieninhalten sie sich zuwenden möchten und welchen nicht. Das Ignorieren von Nachrichten zum Thema Corona wird vor allem auf sozialen Medien durch ein triviales „Nicht Anklicken“ möglich.

Zur Befriedigung sozialer Bedürfnisse wurden ausschließlich soziale Medien herangezogen – das dürfte keine große Überraschung sein. Die Interaktion mit anderen Nutzenden auf Plattformen wie Instagram habe dabei geholfen, sich weniger alleine zu fühlen. Auch das eigene Mitteilen wird durch soziale Medien möglich und die Funktion von Hashtags schafft ein besonderes Zusammengehörigkeitsgefühl. Interessant war jedoch, dass in dieser Kategorie vor allem die Grenzen sozialer Medien deutlich wurden. Die Pandemie hat die Relevanz ‚echter‘ sozialer Kontakte in den Fokus gerückt. Die Befragten waren zwar dankbar für die sozialen Plattformen, betonten aber, dass diese niemals den echten Kontakt ersetzen könnten.

Corona hat alle gelehrt, dass viele Dinge im Leben zweitrangig sind und hat auch bei jungen Erwachsenen für neue Prioritäten gesorgt. Nun befinden wir uns mitten in der zweiten Welle und es ist wieder der Zusammenhalt aller Generationen gefragt.

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