Findet Frings

Der dmexco Nighttalk gastierte in dieser Woche im schönen München. Der Abend stand im Zeichen des Realtime Biddings, also des Echtzeithandels von AdImpressions über standardisierte Plattformen. Was in der Theorie zunächst prima klingt, warf dann doch einige Fragen auf, die nicht wirklich erschöpfend beantwortet wurden – wie auch unsere Freunde der Fachpresse feststellten. Aber der Reihe nach:

Geladen wurde ins Oberangertheater, welches selbst meinem einzigen Kollegen, der in der SZ das Feuilleton liest und ein Theaterabo besitzt, ein böhmisches Dorf war. Später wurde mir zugetragen, dass man hier sehr launige Travestie-Shows besuchen kann. Ich werde also so schnell nicht wiederkommen. Dennoch war der Ort für den Rahmen passend gewählt, auch wenn die Herren auf der Bühne eher Sakko und Lederschuhe als Minirock und Pumps trugen. Es waren gut 170 Besucher anwesend, die das Theater gut füllten und deren Herkunft kurz und knapp wie folgt beschrieben werden kann: Adnetworker, (Performance-)Agentur‘ler, Affiliate‘ler, Vermarkter, anderweitige Onlineglücksritter und nicht zu vergessen: die PR‘ler. Kunden suchte man vergeblich, was man durchaus auch als Fingerzeig sehen kann, in welchen Kreisen das Thema gerade diskutiert wird.

Los ging es mit einem Herrn Kalauerka, der die Ankündigung vornahm und galant zu Herrn Barokas überleitete. Dieser hielt einen sehr amerikanischen – aber keineswegs uninteressanten – Vortrag, in dem er kurz die Geschichte des Internets Revue passieren ließ, um dann zu erklären, warum RTB eine glänzende Zukunft und in den USA schon die Gegenwart eingeholt hat. Auf den Punkt gebracht geht er davon aus, dass der Vermarkter mehr verdient, der Kunden/die Agentur gezielter einkauft und im Grunde alle Seiten Vorteile davon haben, sofern es hinterlegte Profildaten gibt, die aus einer beliebigen Impression für einzelne Advertiser ein sehr wertvolles Gut machen. Das vielzitierte Beispiel hierzu war der Autokäufer, der für einen KFZ-Versicherer von hohem Interesse ist und für den dieser bereit ist, sehr viel mehr zu zahlen als für eine x-beliebige Impression.

(v.l.n.r.): Jochen Kalka (w&v), Thomas Mendrina (Admeld), Wolfgang Bscheid (mediascale), Christian Griesbach (mediasports) und Robert Lang (Criteo)

In der folgenden Podiumsdiskussion wurde es dann vielschichtiger. Thomas Mendrina (von admeld) vertrat die Thesen seines Chefs, Christian Griesbach (mediasports) im Grunde  nur die Publishersicht und Robert Lang von criteo war es letzten Endes egal, wo der Traffic herkommt, da er eh nur dann eine Impression kauft, wenn der User vorher Kontakt mit einer Homepage seiner Kunden hatte. Blieb noch ein gewisser Herr Bscheid, der mir persönlich nicht ganz unbekannt ist und nun wohl auch allen Teilnehmern in Erinnerung bleiben wird. Zum einen sollten die Veranstalter eines wissen: Zwei Mikros reichen nicht, wenn Herr Bscheid in beckenbauerschem Tonfall mal „kurz“ seinen Standpunkt klarmacht. Inhaltlich ging es ihm vor allem darum, dass es eh mehr Traffic als Nachfrage gibt und es somit schwierig wird, ein Börsenprinzip zu etablieren. Interessant wäre es nur, wenn die Profile mit Daten wie Kaufabsicht angereichert werden. Diese Infos werden aber aufgrund bestehender Regularien in absehbarer Zeit kaum im Handelssystem abbildbar sein. Alternativ wären hochbegehrte Werbeflächen wie PreRoll-Ads durchaus ein handelbares Gut. Dieses werden die namhaften Anbieter allerdings in ihren eigenen Verkaufstöpfen behalten, weswegen der RTB-Napf leer bleiben dürfte. Eine grundsätzliche Berechtigung – wenn auch weniger rasant wachsend und auf kleinerem Niveau – gestand er der Thematik letzten Endes jedoch ein.

Nachdem der oberbayerische Orkan über die Podiumsduellanten gefegt war, kamen dann vor allem von RTB-Fürsprechern aus dem Publikum kritische Fragen in Richtung des Kollegen Bscheid. Es wurden Zahlen ins Spiel gebracht,  wie 400 Millionen gehandelte AdImpressions pro Tag oder aber auch die Einstellung, dass das Umfeld ja inzwischen zweitrangig sei, sondern nur noch der User zähle. Dem sei nun von meiner Seite vielleicht folgendes angemerkt: 400 Mio. AIs-Bulk werden auch nicht dadurch besser, dass sie gehandelt werden, und nein, das Umfeld in dem ein Banner ausgespielt wird,  ist keinesfalls irrelevant. Es muss natürlich keine Telko-Seite sein, auf der man einen Mobilfunk-Banner ausspielt. Ich kann Ihnen aber auch sagen, dass die Wahrscheinlichkeit einer Conversion auf z.B. www.couchkartoffelsalat.de in etwa der Wahrscheinlichkeit entspricht, dass Claudia Roth morgen den FDP-Vorsitz übernimmt, während parallel Ilse Aigner Country Manager Deutschland bei Google und wird und nach den Straßen auch alle Wohnzimmer fotografieren lässt.

Letzten Endes hatte man das Gefühl, dass die Diskussion noch eine Weile weiter getobt hätte, aber irgendwann musste auch mal Schluss sein. Bei Häppchen, Bier und Inter vs. Schalke auf der Leinwand (in Realtime!) gab es dann noch den obligatorischen Small Talk in den Kategorien „Wer mit wem“, „Wer wohin“ und „Vorwärts immer, rückwärts nimmer“. Und so ging man dann auseinander mit dem festen Vorsatz beseelt, seiner Meinung und Linie am besten erst mal  treu zu bleiben.

Und wer sich noch durch Bildergalerien klicken will: Bitte!

Ein Kommentar zu “Good Night Munich – dmexco an der Isar!

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