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mediascale, multiscreem, second screen

Die Begriffe der Screen-Nutzung haben sich in den vergangenen Jahren stark gewandelt und sich auch dem veränderten Nutzungsverhalten angepasst. Heute soll diese Entwicklung im Laufe der Zeit einmal näher betrachtet werden.

 

Dafür ist es notwendig einmal zurück zum Beginn der TV-Nutzung zurückzugehen. Dem ursprünglichen First-Screen. Mit der ersten Übertragung von bewegten Bildern in den 1920er Jahren ist die Televisionstechnik für die damalige Zeit als neuartiges Medium einzuordnen. Hieraus entwickelten sich das heutige Fernsehprogramm, wie auch die Technik für Kinovorstellungen. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ist durch den andauernden technischen Fortschritt das heute bekannte Internet entstanden. Als wichtige Grundlage dafür ist die Verbreitung und Verfügbarkeit von Telefon-Breitbandanschlüssen zu sehen. Zu Beginn des aktuellen Jahrtausends kamen dann die ersten Smartphones hinzu, deren Verbreitung in Deutschland vergangenes Jahr bei über 46 Mio. lag. Tendenz weiter steigend.

Durch die Entwicklung der verschiedenen Medien hat sich auch die Mediennutzung gewandelt. Besonders deutlich zu sehen ist es in den vergangenen 20 Jahren durch das Internet. Ein Vergleich der Nutzungsdauer von Fernsehen, Hörfunk und Internet über einen Zeitraum von mehr als zehn Jahren durch die Online Studie von ARD und ZDF weist eine starke Steigerung im Bereich des Internets auf.

Es zeigt sich auch, dass die Nutzung dieser Medien in ihrer Gesamtheit in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen ist. Von knapp sieben Stunden im Jahr 2000 auf über neun Stunden in 2014. Da allerdings feststeht, dass die verfügbare Zeit für die Nutzung mit 24 Stunden je Tag konstant geblieben ist, lässt sich folgern, dass verschiedene Medien mit hoher Wahrscheinlichkeit auch parallel genutzt werden.

Dabei wird eines der Medien als Hauptmedium gesehen, während alle weiteren unter den Begriff der Begleit- bzw. Hintergrundmedien fallen. Beispielsweise wird morgens die Tageszeitung gelesen und gleichzeitig Musik über das Radio konsumiert. Dabei gilt das Medium Print als Hauptmedium und die Radionutzung erfolgt über das Hintergrundmedium. Die Unterscheidung zwischen Haupt- und Hintergrundmedium ist dabei allerdings nicht immer eindeutig zu treffen. In der Regel wird das Medium, welchem die höchste Aufmerksamkeit der Nutzer zuteil wird, als Hauptmedium gesehen. Im aufgezeigten Beispiel der Parallelnutzung von Tageszeitung und Radio gilt das Lesen der Zeitung als Beschäftigung mit dem Hauptmedium, da der Nutzer den Großteil seiner Aufmerksamkeit darauf verwendet.

Unsere heutige Mediennutzung ist häufig auch an die Verwendung mehrerer Screens gekoppelt. Ob lineares TV oder Pay-TV, Radionutzung über Streaming-Apps, Mobile oder Digital OOH. Dadurch hat sich in den vergangenen Jahren der Begriff Second-Screen-Mediennutzung etabliert. Damit war zuerst die Parallelnutzung von TV und Internet gemeint. Im Allgemeinen wurde davon ausgegangen, dass TV als erster Screen anzusehen ist und somit das Hauptmedium bildet. Dies ist vor allem auf die langjährige Etablierung des Mediums TV im Nutzungsverhalten gegenüber den neueren Onlinemedien zurückzuführen. Ein weiterer Aspekt, warum TV als First-Screen gesehen wird, liegt in seiner Größe. Die Oberfläche eines TV-Bildschirms ist denen eines stationären PCs oder Laptops deutlich überlegen.

Dabei umfasst die Second-Screen-Nutzung nicht nur die Verwendung des zweiten Bildschirms mit Thematiken, die eine direkte inhaltliche oder technische Verbindung zum Fernsehprogramm aufweisen. Vielmehr werden auch abgerufene Inhalte die nichts mit dem aktuellen TV-Programm zu tun haben damit beschrieben. Voraussetzung für die Second-Screen-Nutzung ist demnach lediglich die parallele Nutzung eines Mediums über einen zweiten Bildschirm unabhängig von den konsumierten Inhalten auf den beiden genutzten Geräten. Bei dem Abruf von E-Mails über ein Endgerät und dem gleichzeitigen Konsum von TV-Inhalten, fällt dieser Vorgang ebenfalls unter den Nutzungsbegriff der Second-Screen-Nutzung.

Der Begriff des zweiten Screens sollte sämtliche digitalen Endgeräte mit einschließen, nicht mehr nur den stationären PC oder Laptop. Ob Spielekonsole, Tablet, Smartphone oder Wearable überall wird ein Screen für die Nutzung eines Mediums verwendet. Damit zeigt sich, dass der Begriff Second-Screen mittlerweile nicht mehr ausreicht um die aktuelle Mediennutzung zu beschreiben. Daher spricht man heute von eher einer Multi-Screen-Mediennutzung. Damit ist die gleichzeitige Nutzung von mindestens zwei Endgeräten gleichzeitig gemeint.

Man kann also sagen, dass es von der ersten TV-Nutzung in den 1920er Jahren bis zur Second-Screen-Nutzung zu Beginn des aktuellen Jahrtausends fast 80 Jahre gedauert hat. Der Sprung zur Multi-Screen-Nutzung hingegen keine zehn Jahre. Wir sind gespannt, wie es weitergeht.

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Verfasst von:

Sabiene Viertel

Telefon: 089/ 2050 4700 | E-Mail: info@mediascale.de