Klartext!

Das hat man nun davon. Jahrelang hat man als gestandener E-Mail-Marketer seine E-Mail- und Newsletter-Kampagnen ausgebaut, hat optimiert und individualisiert und jetzt dies: Das Mobile-Zeitalter erfasst mit voller Breitseite endgültig das E-Mail-Marketing. Und was nun?

Die Phrase „E-Mail oder und Mobile-E-Mail“ ist eine Hommage an eine der größten TV-Pannen Anfang der 80er-Jahre, als die Moderatoren-Autorität Friedrich Nowottny in seiner vielbeachteten Polit-Sendung „Der Bericht aus Bonn“ einen Anfall vor laufender Kamera bekam, weil er seinen Kollegen verzweifelt befahl, man möge doch nun endlich nicht mehr nur Hinterbänkler, sondern die beiden Hauptdarsteller der Wahl – Helmut Schmidt und Helmut Kohl – zum Interview bewegen. „Wir brauchen Schmidt und Kohl! …(Pause)… Schmidt oder und Kohl!“ Er wusste, es muss etwas passieren. Einer alleine, oder am besten beide…

Und genau das ist das Motto: Es muss etwas passieren, am besten beides. Eine normale E-Mail für alle stationären Endgeräte und eine neue mobile Version. Bisher gab es vor allem zwei Argumente, wie man diesen dringenden Wunsch noch gut im Keim ersticken konnte:
Zum einen sind bis vor kurzem in vielen Branchen und Märkten die Nutzungsraten von E-Mails auf mobilen Geräten immer noch recht niedrig gewesen. Doch dieses Argument zählt praktisch nicht mehr. Die artegic AG, Anbieter für Online-CRM und digitales Dialogmarketing, kommt in einer brandaktuellen Studie zum Ergebnis: „70,9 Prozent der Befragten mit mindestens einem E-Mail-fähigen mobilen Endgerät nutzen dieses für den mobilen Abruf von E-Mails.“
Zum anderen konnte man sich bisher vor allem im eCommerce hinter dem Argument verschanzen, dass eine mobile E-Mail wenig nützt, wenn alle dahinter folgenden Landingpages und Shops wenig bis gar nicht für mobile Endgeräte optimiert sind. Was bringt mir das tollste mobile E-Mail, wenn danach die Conversion sowieso einbrechen wird – und der User noch dazu verärgert zurückbleiben könnte, weil er sich nach dem Klick im E-Mail auf einem Shop tummeln muss, der für ganz andere Pixelgrößen und Bandbreiten optimiert ist. Aber auch dieses Argument schwindet. Es gibt wohl keinen mittleren und größeren eCommerce-Player mehr, der nicht gerade an der mobilen Darstellung seiner Produkte und Angebote auf den Websites feilt…

Kommen wir also zurück zur großen Frage: Was nun? Hier ein kurzer Abriss der aktuell diskutierten Alternativen:

1. Warten
Halt. Ein Argument, das geradezu zum Nichtstun auffordert, haben wir noch nicht diskutiert. Seit sich Apple, Samsung, HTC und so weiter mit jeder neuen Generation von Smartphones gegenseitig in der Bildschirmgröße und der Anzahl der dargestellten Pixel überbieten, könnte man auch den Schluss ziehen, dass es überhaupt keiner Anpassung von E-Mail (und Landingpages) bedarf. Wenn ein Smartphone eine Bildschirmbreite von 1000 oder mehr Pixel darstellen kann, kann man sich zu Recht die Frage stellen, ob der Unterschied zu den meisten stationären PCs, Notebooks oder Tablets überhaupt noch relevant ist. Und auch die übertragenen Bandbreiten werden sich ab dem neuen Mobilfunkstandard LTE auf einem Niveau von stationären Netzwerken bewegen. Also warum noch mobile E-Mails?
Ich halte das für kein ausreichendes Argument. Denn es greift systematisch zu kurz. Auch wenn sich in naher Zukunft nicht völlig neue Bedienkonzepte durchsetzen, bei einem wird es trotz ständigem technischen Fortschritt erst mal bleiben: Unsere Augen werden nicht genauer sehen und unsere Finger auch nicht präziser tippen können. Und wer schon mal auf einem noch so modernen Smartphone versucht hat, einen komplexen Newsletter zu erforschen oder gar im Shop etwas zu kaufen, der weiß, was ich meine.

2. Revolution
Ja, es ist meist der komplette Neuanfang, aber er ist extrem wirksam: Man entwickelt einen komplett neuen Newsletter für mobile Endgeräte. Die Formatfrage stellt sich heute nicht mehr, es geht ausschließlich um die entsprechende Darstellung bei geringer Datenmenge und userfreundlicher Navigation und Bedienbarkeit für mobile Geräte. Der ganz klare Auftrag heißt: Keep it simple. Und auch hier gilt: Wer je einen solchen mobile-optimierten Newsletter gesehen und geklickt hat, der weiß, dass dies auch mit zwei Tüten im Arm und notfalls auf dem Fahrrad geht. Im Detail gibt es hier inzwischen auch sehr interessante grafische und technische Möglichkeiten und Ideen, die diesen Weg weiter entwickeln. Eine sehr interessante Präsentation von einer Spezialistin in diesem Bereich aus Los Angeles zeigt eine gute Auswahl zum aktuellen Stand.

3. Evolution
Seit einigen Monaten entsteht ein weiter Weg, die Herausforderung E-Mail oder und mobile E-Mail anzunehmen. Dank moderner HTML-Programmierung – und der Fähigkeit moderner Smartphones, diese auch darstellen zu können – gibt es immer mehr Möglichkeiten, eine E-Mail so zu programmieren, dass sie sich beim Öffnen dem entsprechenden Endgerät anpasst. Soll im Klartext heißen: Ein und dieselbe E-Mail sieht auf einem normalen Computerbildschirm fast völlig anders aus als auf einem Smartphone. Einschließlich der Größe von Klickbuttons, Farben und ähnlichem. Möglich machen dies spezielle Programmiertechniken, die sozusagen für beide Endgerätevarianten eine simultane Darstellung vorhalten. Noch sind längst nicht alle E-Mail- und Newsletter-Layouts komplett integriert für beide Endgerätetypen umwandelbar, aber ich gehe davon aus, dass sich hier die Möglichkeiten in den nächsten Monaten weiter verbessern werden. Und wenn es kein anderer tut, halte ich Sie hier gerne auf dem Laufenden…

„Auf Wiedersehen. Das Wetter.“ (F. Nowottny, Bericht aus Bonn, 1982)

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