Klartext!

Runde 3 des Mittwochmittag Clubhouse Talks am 10. März: „Let’s talk about Audio! – Warum man bei Podcasts mit der klassischen Radio-Denke nicht weit kommt.“ Diesmal als Gast mit dabei: Audio-Expertin Ina Tenz, Geschäftsleiterin bei Anda Business Communication, erfahrene Radiomacherin und Produzentin der Podcasts „Der fünfte Satz“ mit Boris Becker und „Die Agenda“ mit Gerhard Schröder.

Eine wichtige Erkenntnis des Clubhouse-Talks vornweg: Audio ist nicht gleich Audio. Radio läuft oft im Hintergrund, als Klangteppich, der einen durch den Tag begleitet. Mal ist die Aufmerksamkeit der HörerInnen höher, manchmal gar nicht da. Für Radio spricht: Die hohe Reichweite, die Mischung aus charterprobten Musiktiteln, gute Wortbeiträge und der Schlagabtausch der ModeratorInnen. Sie können das Radio zu einem kurzweiligen Vergnügen machen.

Podcasts hingegen sind das Gegenteil: Über längere Zeit und in Ruhe einem interessanten Thema lauschen – damit bedient das Langformat ganz neue Ansprüche und Nutzungssituationen. Ina Tenz: „Es handelt sich dabei um ein bewusstes Zuhören und selektives Einschalten. Ich entscheide, was ich jetzt in diesem Moment hören will. Und auch für den Host oder Gast ist es eine Art Deutungshoheit der eigenen Geschichte: einmal seine Sicht der Dinge erzählen, Zeit haben, die Gedanken schweifen zu lassen – natürlich ohne den Anspruch auf die absolute Wahrheit.“

Neue Audioformate im Wettbewerb mit Radio

Fakt ist: Die Mediennutzungszeit steigt parallel mit der Auswahl an Audiomedien. Die Vielfalt an Podcasts und Clubhouse setzen das klassische Radio unter Druck, auch weil mit Smartphones und Smart Speakern omnipräsente Abspielgeräte immer dabei sind. Die mit Formatradios groß gewordenen Konsumenten entdecken ganz neue Facetten von Audio. Geschichten, die Zeit brauchen und sich auch entwickeln können. Ina Tenz spricht hier sogar von einer „Konditionierung“: Die Hörer gewöhnen sich daran, dass sie noch mehr, noch tiefere Inhalte bekommen, und ändern entsprechend ihre Erwartungen an Audio.

„Podcasts sind einfach etwas völlig Neues, kein anderes Format bekommt eine so individuelle Aufmerksamkeit und das ist es auch, was Marken sich zunutze machen sollten. Klar muss aber sein: Werbung im Podcast bzw. Kommunikation via Podcasts unterliegt anderen Gesetzmäßigkeiten als Radiowerbung“, ergänzte Wolfgang Bscheid. In Podcasts, so Bscheid, können Marken wirklich Persönlichkeit zeigen. Dabei gilt es, transparent und authentisch zu sein, offen und kreativ mit Markenbotschaften und den Markenwelten umzugehen. Kaufmich-Spots, wie wir sie aus Radio und TV kennen, stören im Podcast hingegen den Flow.

Audio holt Bewegtbild ein

Der Audio-Boom, so eine Erkenntnis, hat scheinbare Wahrheiten nicht nur in Frage gestellt, sondern gleich widerlegt. Immer kürzer, immer schneller, immer provokanter? Es geht auch anders, wie die Erfolge der Langformat-Podcasts zeigen. Die Vormachtstellung des Bewegtbildes? Sie führt dazu, dass die Sehnsucht nach einem Medium wächst, dass nur den Hörsinn bedient und die Augen entspannt. Und die Emotion? Sie ist mindestens genauso stark wie im TV, weil Audio und die Kraft der Stimmen den Film im Kopf auslösen kann.

Fazit des Talks: Audio boomt, aber jedes Medium hat seine eigenen Stärken. Die Stärke der Podcasts liegt darin, endlich wieder ein Medium zu haben, dass ZuhörerInnen in einer meist exklusiven Nutzungssituation über einen längeren Zeitraum erreicht. Ein Buch für die Ohren, dass Werbetreibenden die Chance gibt, Menschen wieder in einer entspannteren Situation und länger als 30 Sekunden zu erreichen.

0 Kommentare zu “Clubhouse: Let’s talk about Audio!

Einen Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.