Monatliches Archiv für November 2021

Eine der ersten und häufigsten Fragen, die wir von der Mediaplus Initiative Nachhaltige Media im Gespräch mit Kund:innen hören, ist die, nach der Sichtweise der Konsumierenden. Haben Sie schon mal von Nachhaltigkeit in der Media gehört? Werden nachhaltige Mediaumsetzungen positiv aufgenommen und führen sie zu einer Steigerung der Sympathiewerte und Kaufbereitschaft? Offene Fragen, die zu Zweifeln bei vielen Kund:innen führen.

Macht es aus wirtschaftlicher Sicht überhaupt Sinn, in ein nachhaltiges Konzept zu investieren?

Gemeinsam mit der University of Florida haben wir dazu eine Konsumentenbefragung durchgeführt, um Licht ins Dunkel zu bringen. Neben den folgenden spannenden Ergebnissen hat diese Umfrage übrigens zum Gewinn des emma Best Paper Awards geführt:

emma – European Media Management Association Gewinnerinnen
Quelle: emma – European Media Management Association

 

Wie sieht der aktuelle Wissensstand bezüglich nachhaltige Media bei Konsumierenden aus?

Im Kern haben wir erfahren, dass die Konsument:innen nach eigenem Empfinden wenig über die Nachhaltigkeit von Marken wissen und sich mehr informative Inhalte dazu wünschen. Eine transparente Kommunikation der Nachhaltigkeitsaktivitäten ist für viele sogar kaufentscheidend.

nachhaltige Media Management
Quelle: „Sustainable Media Management“, 2021, University of Florida, Mediaplus, Mediascale; Betreuende Professorin Prof. Dr. Lisa-Charlotte Wolter; N=808

 

Konsumierende sehen Marken an erster Stelle, wenn es um die Kommunikation nachhaltiger Botschaften geht. Presse-, Webseiten- und Werbekommunikation sind die bevorzugten Kanäle. Die Marken selbst müssen also das Thema Nachhaltigkeit zu ihrer Botschaft machen!

Sustainable Media Management
Quelle: „Sustainable Media Management“, 2021, University of Florida, Mediaplus, Mediascale; Betreuende Professorin Prof. Dr. Lisa-Charlotte Wolter; N=808

 

Da unsere Konsument:innen die Infos zum nachhaltigen Handeln generell gutheißen, sollten wir sie auch über nachhaltige Mediastrategien aufklären. Etwa durch die Integration eines Sigels („Klimaneutral“) oder eine deutlichere Kennzeichnung, wie eine vorgeschaltete Vignette.

Mediaplus, Kreationsbeispiel einer Info-Vignette für einen klimaneutralen Werbespot

Quelle: Mediaplus, Kreationsbeispiel einer Info-Vignette für einen klimaneutralen Werbespot

So haben erste Tests einen deutlichen Uplift durch den Einsatz einer Vignette erzielt. Im Vergleich zum TV-Spot ohne vorgeschaltete Vignette weisen diejenigen, die eine Vignette gesehen haben, eine höhere AdAwareness auf (+9%), sie empfinden die Werbung als glaubwürdiger und die Kaufbereitschaft stieg folglich um 12%. Die Aussage „Die Werbung gibt mir ein gutes Gefühl“ wurde sogar um 25% durch die Einblendung der Vignette gesteigert! Wow! Zweifelsohne danken es uns die Konsument:innen also, wenn wir Gutes tun und parallel darüber sprechen.

Wirkungsvergleich

Quelle: Mediaplus Insights. Basis: Wirkungsvergleich è 335 Befragte mit Kontakt zum Einzel-Spot TV vs. 197 Befragte mit Kontakt zu Vignette + Einzel-Spot TV, denen Nachhaltigkeit wichtig ist

Bleibt zum Schluss die Frage: Wie sieht eine nachhaltige Mediastrategie aus?

In unserem nächsten Blogartikel lesen Sie dazu mehr. Und wenn Sie es nicht mehr erwarten können, dann schreiben Sie uns gerne: nachhaltigkeit-mediaplus@house-of-communication.com

Twitch ist mehr als nur Gaming!

Wer sich in letzter Zeit ein bisschen mit der Welt des E-Sport beschäftigt hat, dem ist Twitch garantiert ein Begriff. Der Streaming-Dienst, der 2014 für eine knappe Milliarde von Amazon gekauft wurde, bietet Nutzenden die nötige Plattform, um mit ihren Lieblings-Gamern in Kontakt zu treten und ihnen beim Zocken zuzuschauen.

Aber auf Twitch geht es längst nicht mehr nur um Gaming: Die Corona-Pandemie hat dafür gesorgt, dass immer mehr Branchen – unter anderem auch Musik und Sport – für Livestreams auf Twitch zurückgreifen. Schon während des ersten Lockdowns gab es einen regelrechten Boom, was die Nutzung der Plattform angeht, und noch immer kann Twitch ein starkes Wachstum verzeichnen. Egal ob Koch-Streams, oder die aktuell besonders gefragte Rubrik „Just Chatting“ – Twitch ist über die letzten Jahre zu einer Plattform geworden, die Content für diverse Interessen bereitstellt und so immer mehr Nutzende anzieht. [1]

Das macht Twitch so besonders

Mit 65,8% Marktanteil an gesehenen und 90% Marktanteil an gestreamten Stunden[2] ist Twitch unter allen Streaming-Anbietern bei Weitem die größte und relevanteste Plattform, sowohl international als auch im deutschsprachigen Raum. Aber kann Twitch auch mit dem TV mithalten?

Schaut man sich die Anzahl der Zuschauenden an und berücksichtigt das stetige Wachstum, so lautet die Antwort: Twitch ist definitiv eine würdige Ergänzung des TV. Allein die Tatsache, dass mehrere deutsche Streamer wie „MontanaBlack88“ kürzlich eine Rundfunklizenz zur Fortführung ihrer Livestreams erwerben mussten, sagt einiges über die Reichweite der Plattform aus. Große internationale Events im E-Sports- und Gaming-Bereich erreichen „Einschaltquoten“ von bis zu 600.000 Viewern, und auch deutsche Entertainment-Formate schaffen Quoten im unteren 100.000er-Bereich: So knackte beispielsweise „Knossis Angelcamp“ im Sommer 2020 die 300.000-Marke an parallelen Zuschauenden. Das Format brachte im 72-stündigen Livestream verschiedene Promis und Gamer zusammen und stellte den Rekord unter anderem durch einen Live-Auftritt von Sido auf.

Screenshot Twitch Livestream
Semifinal 2021 League of Legends World Championship – Eigene Aufnahme vom 30.10.2021

 

Was aber macht Twitch so attraktiv für Nutzende? Ein „Game Changer“ gegenüber dem klassischen TV ist mit Sicherheit die Möglichkeit zur Interaktion über den Twitch-Chat. Zuschauende können sich nicht nur untereinander austauschen, sondern auch mit den Streamern selbst in Kontakt treten. Bedenkt man, dass Twitch-Größen wie MontanaBlack inzwischen auch in der realen Welt zu echten Promis geworden sind, ist es verständlich, dass dieser persönliche Austausch als Magnet für Zuschauende wirkt. Hinzu kommt das Preismodell: Zwar gibt es verschiedene Möglichkeiten, wie Viewer ihr Geld bei dem Streaming-Dienst lassen können, die Livestreams funktionieren an sich aber auf rein kostenloser Basis.

Welches Potential hat der Streaming-Dienst für Werbetreibende?

Besonders gut lassen sich männliche Personen im Alter von 16-34 Jahren ansprechen, deren Interessen spätestens seit dem Nutzungsanstieg während der Pandemie nicht mehr ausschließlich im Gaming-Bereich liegen. Twitch bietet dadurch Zugang zu einer Personengruppe, die über das Fernsehen nur noch begrenzt erreichbar ist. Dazu werden die Werbeformen Homepage Carousel, Homepage Headliner, Medium Rectangle, Super Leaderboard sowie Twitch Premium Video mit der Zusatzoption First Impression Takeover angeboten. Noch ein Pluspunkt: die Seite lässt sich auch von Ad Blockern nicht austricksen.[3]

Twitch Formate
Übersicht Werbeprodukte auf Twitch: https://twitchadvertising.tv/ad-products/

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Und ein weiteres Potential besitzt Twitch für Werbetreibende: Durch Kooperationen mit den Streamern können Produkte direkt im Livestream platziert werden. Das sorgt nicht nur für ein höheres Maß an Authentizität, sondern ist – im Gegensatz zu Kampagnen mit Influencer:innen beispielsweise über Instagram – auch noch non-skippable.

Alles in allem ist Twitch also durchaus eine lohnende Ergänzung / Alternative zum TV, die in den kommenden Jahren wohl noch relevanter und attraktiver werden wird – für Konsumierende wie auch für Werbetreibende jeglicher Art.

 

 

[1] Angaben lt. Twitch Advertising / https://blog.streamlabs.com/streamlabs-and-stream-hatchet-q4-live-streaming-industry-report-a898c98e73f1

[2] https://blog.streamlabs.com/streamlabs-and-stream-hatchet-q4-live-streaming-industry-report-a898c98e73f1

[3] Angaben lt. Twitch Advertising

 „Siegen!“- Das ist die Antwort von Denise Schindler auf die Frage nach dem, was sie im Leben antreibt. Mit 35 Jahren gilt die Top-Athletin aktuell als das deutsche Gesicht des paralympischen Sports und machte ihrem Nicknamen „Killerbiene“ erst vor Kurzem in Tokio wieder alle Ehre, indem sie die erste zu ergatternde Medaille für Deutschland mit nach Hause brachte.

Denise Schindler als Interview Gast der aktuellen Folge

In der neuen Podcastfolge von BSCHEIDGSAGT darf unser Geschäftsführer Wolfgang Bscheid auch mal hinter die Fassade der sonst so taffen Sportlerin blicken und bekommt Einblicke in ganz persönliche, prägende  Erlebnisse in ihrer Jugend. Ihr Weg zum Erfolg und zum Glück war alles andere als leicht: Im Alter von 2 Jahren verlor Denise bei einem Tramunfall ihren rechten Unterschenkel und musste sich daraufhin ins Leben zurück kämpfen. Unangenehme Situationen, mit denen sie bereits im frühen Alter zurechtkommen musste, waren für sie ganz normaler Alltag: „Ich kann mich noch an eine Stunde erinnern, bei der Mannschaften gewählt wurden. Weil in einer Gruppe mehr Leute drin waren, hat sich die andere Gruppe beim Sportlehrer beschwert. Dieser meinte darauf, dass das nichts macht, weil die eine Gruppe ja behindert ist. Das macht es nicht leichter, als pubertierender Teenager mit der eigenen Situation umzugehen und den eigenen Körper zu lieben.“ Eine Sache, die Ihr bei dieser schwierigen Aufgabe geholfen hat: der Sport. „Durch den Sport habe ich gemerkt, was ich mit eineinhalb Beinen schaffen kann. Das gab mir Vertrauen in meinen Körper.“

Porträt Denise Schindler
Denise Schindler

 

Prothese und Spitzensport? Na logo!

Mit Prothese zur gefragten Spitzensportlerin werden? Bei diesem Gedanken runzeln viele immer noch skeptisch die Stirn. Und auch Denise Schindler hat nicht daran geglaubt, bis ein Gang ins heimische Fitnessstudio ihr Leben um 180 Grad drehte. Ein einziger Besuch im Cyclingkurs und das Feuer für den Radsport war entfacht. Hobbysportlerin zu sein, reichte ihr irgendwann nicht mehr, denn sie wollte –typisch Denise – ganz nach oben.

Doch allein im paralympischen Sport tätig zu sein, reichte finanziell lange Zeit nicht aus, berichtet die Athletin und macht damit auf die immer noch herrschenden Unterschiede und Missstände aufmerksam. Sie sei sehr froh darüber, dass mittlerweile viele Menschen wissen, was Inklusion ist, betont aber im Gespräch, wieviel es dies bezüglich noch zu tun gibt. So war ihre Teilnahme in Tokio an den paralympischen Spielen ein Beispiel dafür, dass es immer noch – trotz Inklusionsdebatte – viel zu viele Diskrepanzen gibt. Die paralympischen Spiele stehen beispielsweise immer noch im Schatten der olympischen Spiele.

Trotz der Barrieren in der Gesellschaft und trotz Ihres „Makels“, bewies sie unter dem Motto „Jetzt erst recht!“ all ihren Widersachern, dass es sich lohnt zu kämpfen, und stellte 2018 neben dem Gewinn von zahlreichen Medaillen in Straßenrennen und einer Bronze-Medaille auf der Rennbahn in Tokio einen inoffiziellen Weltrekord in der 3000-Meter-Einerverfolgung auf. Im Podcast-Interview bleibt eine Aussage ganz besonders präsent: „Alles ist möglich, wenn du es wirklich willst.“

Doch selber erfolgreich zu sein, reicht für sie nicht aus. Sie möchte sich aktiv für mehr Inklusion und mehr „Sexyness“ im paralympischen Sport einsetzen und appelliert an alle Unternehmen und Marken: „Traut euch! Der paralympische Sport bietet viele spannende Geschichten.“

 

Wie tickt die Killerbiene privat

Von sieben Tagen die Woche sitzt Denise Schindler sechs Tage auf dem Fahrrad. Alles oder gar nichts, lautet das Motto des Radprofis, welches sich auch in einer ausgewogenen, vitaminreichen Ernährung widerspiegelt. Doch immer perfekt sein ist anstrengend. Ab und zu muss man laut Denise auch mal die Grenzen des Körpers anerkennen, auf sein eigenes Wohl achten und der Disziplin eine Pause gönnen – zum Beispiel mit einer Maß auf der Wiesn.

Ihrer Ausstrahlung nach ist es kaum zu glauben, aber nur „perfekt“ zu sein ist nicht ihr Ding. Im Gespräch rechnet Denise Schindler mit dem idealisierten Schönheitsbild in den sozialen Medien ab. „Kein Mensch ist perfekt und das muss er auch nicht sein.“ Es ist ihr ein Anliegen, Jugendlichen den Druck für den perfekten „Look“ zu nehmen und authentisch zu sein. Deswegen postet sie auch mal ein Foto ohne „Holidayfilter“. Bei aller Dankbarkeit für ihre Fanbase ist es Denise jedoch wichtig, ihre Privatsphäre zu wahren – Fotos von gemütlichen Couchabenden zuhause wird man von ihr also nicht zu sehen bekommen.

Dafür zeigt sie sich ihren Fans in ihrem autobiografischen Buch „Vom Glück Pech zu haben“ von einer nahbaren, intimen Seite. Denn darin lässt sie sie an ihrer körperlichen und seelischen Entwicklung sowie ihren inneren Kämpfen teilhaben.