Monatliches Archiv für September 2021

Aus Trends wird entweder das neue „Normal“ oder sie verschwinden wieder von der Bildfläche. Zur zweiten Kategorie fällt mir spontan „Second Life“ ein – erinnert sich noch jemand? In die Kategorie „Hit“ zählen wir bei Mediascale nachhaltige Mediastrategien. Denn Nachhaltigkeit ist für viele Unternehmen ein zentrales Thema, das es nun auch in die Kommunikation und Mediaplanung zu überführen gilt.

Nachhaltige Media bei der Mediascale

Seit mittlerweile 1,5 Jahren beschäftigen wir uns in der Projektgruppe Nachhaltige Media damit, das Thema für unsere Kunden zu erschließen. Zum Start haben wir evaluiert, wie Konsumenten, Medien und Unternehmen das Thema sehen. Einen kleinen Einblick in unsere Befragungs-Ergebnisse sehen Sie in den Grafiken.

Umfrageergebnis bei Mediaentscheidern - Nachhaltige Media
Umfrageergebnis bei Mediaentscheidern Quelle: Appinio/Mediascale; Basis: All(N=158)

 

Transparente Kommunikation
„Sustainable Media Management“, 2021, University of Florida, Mediaplus, Mediascale; Betreuende Professorin Prof. Dr. Lisa-Charlotte Wolter; N=808

 

Gemeinsam mit großen Medienhäusern arbeiten wir an weiteren Umfragen, forschen zusammen mit der Uni Florida und der Hamburg Media School auf diesem Gebiet und freuen uns auf neuen Input durch eine Masterarbeit einer Kollegin mit Fokus auf den werbepsychologischen Effekt nachhaltiger Kommunikation.

Doch jetzt wollen wir in den Dialog gehen, denn noch spannender als die Forschung ist für uns der persönliche Austausch mit unseren Kunden in den letzten Monaten, der uns gezeigt hat, dass es immer noch einen hohen Klärungsbedarf zum Thema Nachhaltigkeit in der Mediakommunikation gibt. Hier wird deutlich, wie viele ungeklärte Fragestellungen es zum Thema Nachhaltigkeit in der Mediakommunikation zu beantworten gilt:

  • Welche Möglichkeiten der nachhaltigen Kommunikation gibt es?
  • Wie tragen wir ethischem Journalismus Rechnung?
  • Wenn unsere Kommunikation nachhaltig umgesetzt ist, wie kennzeichnen wir das gegenüber dem Konsumenten? Wie nimmt der Konsument diese Infos wahr?
  • Sollten wir in die Kommunikation gehen, wenn unsere Produkte / Lieferketten / Produktionen (noch) nicht den Nachhaltigkeitsanforderungen gerecht werden?

Die Liste ließe sich durchaus noch erweitern.

Die Konsumenten werfen einen immer kritischeren Blick auf die Marken, die sie kaufen. Das ganzheitliche Agieren einer Marke rückt mehr und mehr in den Fokus. Daher halten wir es für wichtig, schon jetzt über die nachhaltige Kommunikation der Zukunft zu sprechen.

Bewegen Sie ähnliche Fragestellungen?

Wenn Sie Interesse an einem kurzen Impuls zum Thema oder an einem Workshop haben, dann freuen wir uns sehr auf Ihre Teilnahme. Gerade beim Thema Nachhaltige Media sehen wir den Austausch und das Voneinander Lernen als große Chance. Wir glauben an dieses Zukunftsthema und bringen es durch Forschungsprojekte voran, gehen in den Austausch mit Unternehmen in unserem monatlichen Sustainability Circle und entwickeln das Thema frühzeitig – gerne gemeinschaftlich mit Ihnen! Ich freue mich auf Ihre Nachricht!

 

Ach, was waren das noch für Zeiten, in denen man sich auf etwas verlassen konnte? Als der Sommer seine Bezeichnung noch verdiente und nicht erst Mitte August begann. Als man den Monat August dafür verwenden konnte, durch die verschiedenen Trachtenläden zu schlendern, um kritisch zu hinterfragen, ob die Schürzenfarbe dieses Jahr eher rosa oder doch gelb ist, bzw. ob nun eher karierte Hemden und Hirsch oder doch uni und Schwein die richtige Wahl für das nahende Oktoberfest sind. Zumindest konnten wir den August dafür nutzen, mal durchzuschnaufen, lange aufgeschobene Projekte aus dem alten Geschäftsjahr doch noch zu vollenden und sicherzustellen, dass man um 19h einen guten Platz im Biergarten ergattert.

Und heute – quo vadis, Du schönes Sommerloch????

Klar, viele von uns gehen trotz Corona (oder vielleicht gerade deswegen) jetzt in den Urlaub, , nur leider nicht die Projektlisten und Kundenjobs… „Schön“ werden Sie sagen, „seid’s doch froh“, „nach Corona, wo eh ned so viel los war, könnt ihr ja jetzt a bissi Gas geben“, wird da gerne gefachsimpelt.

Nur, die Realität sieht im Moment leider anders aus: Für uns war Corona wie ein Brandbeschleuniger – viele unserer Kunden haben erst jetzt richtig verstanden, wie wichtig und wertvoll digitale Kommunikation ist, und wie essentiell die Unterstützung durch uns Agenturen während Corona ist. Wir arbeiten seit Monaten teils im Home-Office, teils im Büro auf Hochtouren – immer mit einem Auge und Ohr im Teamscall, immer online, immer unter Volllast. Und seit die Inzidenzen wieder sinken, steigt in gleichem Maße die Flut an Neugeschäften und Anfragen unserer Kunden an. Wer also nicht bis Mai schon voll ausgelastet war – jetzt ist er und sie es auf jeden Fall.

Verstehen Sie mich nicht falsch – wir alle sind froh, dass wir so gut durch die Krise gekommen sind und wir auch jetzt auf gut gefüllte Projektlisten schauen können, aber so ein bisschen „Sommer-Laissez-Faire“ würde uns allen nicht schaden v.a. weil wir wissen – Q4 kommt bestimmt, der Wahnsinn hat daher seinen Namen!

Und nun?

Nun kann ich nur im Namen des ganzen Teams an dieser Stelle postulieren: Wir rennen, so schnell wir können, wir machen, was möglich ist und wir geben alles, um Kunden glücklich zu machen und Pitches zu gewinnen. Verzeiht nur, wenn vielleicht die ein oder andere Anfrage bei uns ein Stündchen länger dauert oder unter Umständen erst am nächsten Tag erledigt werden kann. Vielleicht sind wir doch um 21h nochmal schnell in den See gesprungen oder haben ein Radler im Schanigarten bestellt – das Sommerloch existiert für uns dieses Jahr eben nur am Abend ein paar Stunden lang.

Feierabendbier im Serviceplan Innenhof
Feierabendbier im Serviceplan Innenhof

 

Prost und auf die lauen Sommerabende!

Ein grundsätzliches Problem der Brand Lift Study ist, dass die Ergebnisse in dem Tool oft nur übergeordnet auf Gesamtumfrageebene ausgewiesen werden. Eine detaillierte Analyse ist hierbei nicht möglich, da Ergebnisse nicht angezeigt werden, wenn diese laut Google nicht signifikant sind oder zu wenige Umfrageantworten pro Item gesammelt worden sind.

Dieses Problem kann seit März 2021 mit einer neuen Version der BLS 2.0 zumindest teilweise umgangen werden. Am 24.03.2021 wurde die Mechanik der Brand Lift Study 2.0 umgestellt auf die Accelerated Flight & Re-Measurement Study. Dadurch ergeben sich einige Implikationen für die Messung der Anzeigenwirkung:

  1. Verkürzter Messzeitraum (wenige Tage)
  2. Dadurch entsteht die Möglichkeit für ein Re-Measurement der Ergebnisse

Im Idealfall dauert die Messung mit der beschleunigten Methodik nur noch wenige Tage (abhängig von der Reichweite der Kampagne). Dabei werden im Tool die Umfrageergebnisse so schnell wie möglich gesammelt, anstatt ein bestimmtes Tagesziel anzustreben, wie bei der kontinuierlichen Messmethode.

Hat man beispielsweise mehrere Creatives (beispielsweise Creative A & Creative B) zur Verfügung und möchte bewerten, ob die Anzeigenerinnerung für eines der Videos besser ist, so können beide Videos zum Kampagnenstart eingesetzt werden. Anders als bei der kontinuierlichen Messung können die Ergebnisse bereits nach kurzer Zeit analysiert werden. Performt beispielsweise Creative A deutlich besser als Creative B, kann Creative B nach wenigen Tagen deaktiviert werden und das Mediabudget nur noch für das Creative A eingesetzt werden. Dadurch kann die Performance der Kampagne potenziell verbessert werden.

Eine Schwierigkeit der Brand Lift Study 2.0 ist, dass nicht in jedem Fall  Ergebnisse erzielt werden. Oft werden keine Ergebnisse nach der Umfrage angezeigt, wenn ein bestimmtes Signifikanzniveau nicht erreicht wird, bzw. wenn nicht genügend Antworten für bestimmte Items bei der Umfragevorhanden sind. Durch die beschleunigte Messung soll die Wahrscheinlichkeit erhöht werden, dass genügend Antworten während der Messung gesammelt und somit aussagekräftige Ergebnisse erzielt werden. Es ist jedoch nicht garantiert, dass Ergebnisse angezeigt werden, da auch hier ein bestimmtes Signifikanzniveau erreicht werden muss.

Durch die beschleunigte Messung gibt es die Möglichkeit eine erneute Umfrage während einer Kampagne einzustellen. Ist die Kampagne von längerer Dauer (bspw. vier Wochen), kann eine Umfrage am Anfang der Kampagne und eine zusätzliche Umfrage am Ende der Kampagne durchgeführt werden. Werden etwa Änderungen am Kampagnensetup vorgenommen (z.B. Änderung am Targeting, Hinzufügen neuer Creatives), können die beiden Umfrageergebnisse direkt miteinander verglichen werden. Hierfür müssen jedoch die Budgetrestriktionen erfüllt werden.

Zu beachten ist auch, dass sich durch die Anpassungen an der Brand Lift Study 2.0 die Anforderungen an das Budget verändern. Bei der BLS 2.0 hatte man ein Tagesbudget-Ziel (beispielsweise ca. 1.000€ pro Tag in Deutschland für eine Frage) als Voraussetzung für das Einstellen einer Frage. Mit der beschleunigten Messung muss nun ein 10-Tages-Budget-Limit erreicht werden. Dies liegt für eine Frage bei ca. 10.000 € für Deutschland. Laut Google Ads liegt das Budget für Deutschland für zwei Fragen bei knapp 17.000€/10 Tage und bei drei Fragen bei knapp 51.000€/10 Tage.

Diese budgetäre Grundvoraussetzung ist nicht bei allen Kampagnen erfüllt und ist somit nur für Kampagnen mit einem hohen Budgeteinsatz relevant. In diesen Fällen ist die BLS 2.0 eine gute Ergänzung für die Kampagnenoptimierung, jedoch bei vielen Kampagnen mit einem kleineren Budgetrahmen nicht verfügbar.

Allgemeine Schwächen der Brand Lift Study:

Brand Lift Studies können nicht nur auf YouTube durchgeführt werden, sondern auf verschiedenen Plattformen, wie z.B. Facebook, Pinterest, etc. Eine klassische Schwäche von Brand Lift Studies ist, dass sich diese einer neutralen Panelkontrolle entziehen. Es besteht kein klassisches Verbraucherpanel, auf das bei der Befragung zurückgegriffen wird, wie bei einer klassischen Marktforschung. Stattdessen werden die Fragen an die Testgruppe ausgespielt, die das Ad gesehen haben und an eine Kontrollgruppe in derselben Zielgruppe, die das Ad nicht gesehen haben.

Bei einem klassischen, weit verbreiteten Verbraucherpanel steht ein gleichbleibender Personenkreis für Befragungen und Beobachtungen zur Verfügung, der bevölkerungsrepräsentativ aufgestellt ist. Vor allem bei Stichproben wird bei der Rekrutierung klassischer Marktforschungen darauf geachtet, dass die Panel-Stichprobe repräsentativ ist. Die Stichprobenziehung ist der gängige Qualitätsstandard klassischer Marktforschungen. Bei den Brand Lift Studies fehlt die Panelkontrolle hingegen und ein mögliches Bias ist nicht ersichtlich.

Ein ebenfalls wichtiger Punkt ist, dass sich die Social Media Plattformen, wie YouTube, Facebook, etc. einer neutralen Kontrolle durch dritte Instanzen entziehen und kein technisches Tracking zulassen. Somit können unabhängige Anbieter wie beispielsweise die AGOF keine unabhängige Messung der Userschaft der Plattformen durchführen und bedienen sich nur Hochrechnungen der Befragungsdaten.[1]

Eine weitere Schwäche von Brand Lift Studies ist das mangelhafte Befragungsdesign. Die Befragungen werden beispielsweise bei YouTube direkt vor oder nach einem Video abgespielt, das bedeutet, dass die Befragungen im gleichen Kontext stattfinden. Dieser Bias ist nicht zu unterschätzen, da dies keine gut kontrollierte Situation der Befragung darstellt. Bei klassischen Marktforschungen wird die Befragung bewusst in einem anderen Kontext (z.B. Experimentaldesign, Laborsituation durch Befragung in Studios, etc.) durchgeführt.

Somit entsprechen die Brand Lift Study nicht den Anforderungen an klassische Marktforschungen und sind nur oberflächlich betrachtet eine objektive Befragung. Für valide Ergebnisse von Kampagnen sind klassische Marktforschungen daher unabdingbar, vor allem wenn die Ergebnisse für Rückschlüsse außerhalb dieser Plattformen gezogen werden sollen.

 

Fazit

Mit der beschleunigten Messdauer der Brand Lift Study 2.0 ergeben sich Vorteile für die schnellere Analyse der Kampagnenergebnisse, die zu Effizienzvorteilen in der Kampagnenoptimierung führen können. Jedoch sind die Mindestmediabudgetvorgaben für die Brand Lift Study 2.0 sehr hoch, vor allem bei der Abfrage mehrerer Fragen, und daher nicht für jeden Kunden bzw. jede Kampagne geeignet.

Wichtig zu erwähnen ist, dass es keine Garantie dafür gibt, dass nach der Umfrage die Ergebnisse für die abgefragten Metriken erzielt werden. Vor allem bei der Detailanalyse fehlen häufig die Werte für die Bewertung der Demografie oder auf Einzelkampagnen-/Einzelfolgenebene, da auf Einzelitem-Ebene nicht genügend Daten erhoben worden sind, die ein bestimmtes Signifikanzniveau erreicht haben.

Da die Ergebnisse Google-intern erhoben werden und nicht von einer neutralen Instanz, sollte darauf hingewiesen werden, dass die Ergebnisse nicht mit konventionellen neutralen Marktforschungen vergleichbar sind. Die Brand Lift Study 2.0 ist eine gute Hilfestellung zur Bewertung der YouTube-Kampagnen und der Messung der Anzeigenwirkung auf die User innerhalb des YouTube-Universums. Die Brand Lift Study hilft ergänzend bei der Optimierung von YouTube-Kampagnen, sollte aber als Add-On gesehen werden nicht als zentrales Planungselement

[1] https://www.agof.de/agofacts/wissen/neues-forschungsfeld-der-agof-social-media-user-influencer-follower/