Monatliches Archiv für Oktober 2019

Das Internet wird 50, der Banner wird 25 und Tobias Wegmanns Agenturzugehörigkeit wird 20! Als CTO bei mediascale hat er in den letzten 20 Jahren natürlich so einiges miterlebt. Grund genug, ihn dazu mal kurz zu befragen.

 

Tobi, herzlichen Glückwunsch zum 20-jährigen Jubiläum. Jetzt interessiert uns natürlich was dich vor 20 Jahren zu uns trieb?

Tobi: Ich hatte kleine Kinder und Windeln waren teuer 😊 Gestartet bin ich in der Plan.net media und da gab es damals niemanden, der mehr als ein rudimentäres Anwenderwissen über die technischen Zusammenhänge im World Wide Web hatte, wie das damals hieß. Um das zu beheben, wurde ich eingestellt. Wobei ich zu Beginn auch mehr der Einäugige unter den Blinden war.

 

20 Jahre – ein langer Weg! Was fällt dir ein wenn du an deine Anfänge bei uns denkst? Computer gab es schon, oder? 😉

Tobi: Die gab es tatsächlich schon. An den Arbeitsplätzen standen sündteure, flimmernde 19-Zoll-Röhrenmonitore, die als der letzte Schrei der Technik galten. Wir waren sehr stolz auf unseren 2 Mbit-Breitband-Internetanschluss, denn zuhause hatte das ganze Land noch Modems. Bewegtbildinhalte gab es deshalb noch nicht mal auf Erotikseiten und einen Gif-Banner im Standardformat auf spiegel.de zu schalten kostete 90 € TKP, die ohne jeden Rabatt auch so bezahlt wurden.

 

Fällt dir ein Ereignis der letzten Jahre ein, das die Branche grundlegend verändert hat?

Tobi: Es war nicht in den letzten Jahren (eher um 2001), da zeigte mir ein sonst sehr renitenter Entwickler begeistert eine Website über die er endlich alles finde, was er suche. Da sah ich das erste Mal das Logo von Google.

 

In unsere Branche stehen Veränderungen an der Tagesordnung – Technologien wandeln sich, Trends kommen und gehen. Was wünschst du dir für die Zukunft? Wohin soll es gehen?

Tobi: Digitale Werbung ist keine belächelte Spielwiese mehr. Jetzt treten wir auf dem Center Court an. Ich würde mir wünschen, wenn mehr Menschen im Markt verstehen würden, dass das auch bedeutet ein Stück erwachsener werden zu müssen.

 

Blick in die Zukunft: Was erwartet uns? Und wo stehen wir in 20 Jahren?

Tobi: Keine Ahnung. Aber ich bin mir sicher, dass es Agenturen wie uns in zwanzig Jahren noch genauso geben wird – auch wenn wir dann bestimmt ganz andere Dinge tun und uns beim Blick in die Vergangenheit genauso amüsieren, wie wir das heute tun.

 

Und zum Abschluss? Gibt es eine spannende Geschichte, die du uns noch erzählen möchtest? Plauder gerne aus dem Nähkästchen…

Tobi: In meinem Vorstellungsgespräch habe ich nicht mehr als fünf ganze Sätze gesagt, weil Wolfgang so begeistert Visionen für meine zukünftige Tätigkeit entwickelt hat. Einen Lebenslauf oder Zeugnisse wollte auch niemand sehen. Diesem Vertrauensvorschuss habe ich seitdem versucht gerecht zu werden.

Native Advertising ist eine Werbeform, bei der Inhalte in einen redaktionellen Kontext gebettet werden. Die größte Herausforderung dabei: Wie schaffe ich es für Kunden interessante Inhalte zu produzieren und gleichzeitig die Produkte oder gezielte Kompetenzen entsprechend hervorzuheben? Außerdem zu beachten: Nativ eignet sich nicht für alle Bereiche. In welchen Bereichen funktioniert nativ sehr gut? Und wann sollte man lieber Abstand davon nehmen?

Seit mediascale zur DMEXCO 2016 erstmals das Native Campaign Cockpit (NCC) vorstellte, sind gut 2,5 Jahre vergangen. Heute zieht Wolfgang Bscheid eine erste Zwischenbilanz und wirft einen Blick in die Zukunft.

Mit seiner aktuellen Version blockiert Firefox standardmäßig Tracking-Cookies. Diese Entwicklung kam tatsächlich alles andere als unerwartet, da die Mozilla Foundation Ähnliches in den vergangenen Jahren mehrfach angekündigt, dann aber nicht umgesetzt hatte. In seiner Grundeinstellung erlaubt Firefox jetzt den meisten Trackingsystemen und Adservern nicht mehr, Cookies zu setzen. Wobei die Auswahl der betroffenen Tracker willkürlich erscheint. Das bedeutet aber keineswegs, dass Werbebanner dem Nutzer nicht mehr angezeigt werden. Das Cookie-Blocking führt aber zu Einschränkungen bei der Frequenzsteuerung und Leistungsmessung von Kampagnen und macht bei den entsprechenden Nutzern ein auf Third-Party-Cookies beruhendes Profiltargeting unmöglich.

In unserer Wahrnehmung ist das Update bei den meisten Firefox-Nutzern schon installiert, denn es wird ohne Nachfrage aufgespielt. Wir erleben in der Folge deutlich messbare Rückgänge in den Cookie-Populationen, ohne dass allerdings Kampagnenreichweiten einschneidend betroffen wären. Bei der Leistungsmessung von Kampagnen gewichten wir diesen Rückgang entsprechend, um weiterhin eine saubere Bewertung vornehmen zu können.

Wir sehen die Herausforderungen deshalb weniger in der aktuellen Situation, als in der Zukunft. Auch Google hat Änderungen bei seinem sehr reichweitenstarken Browser Chrome angekündigt – wie diese aussehen werden, bleibt aber noch ein Geheimnis. Und Safari und Firefox als Browser, die Cookies bereits stark einschränken, machen dies völlig nach eigenem Ermessen und ignorieren dabei die Consent-Abgabe des Users auf einer Webseite ebenso wie das standardisierte Signalwerk des European Transparency and Consent Framework (TCF). Was wir im Moment erleben, ist ein Wettrüsten der Systeme. Benötigen würden wir aber eine kooperative Lösung für den Gesamtmarkt, die es dem Nutzer erlaubt, differenziert seine Einstellung zur Datenverarbeitung zum Ausdruck zu bringen.

Der deutsche Markt auf neuen Wegen

Für unseren Markt ist das geänderte Verhalten von Firefox von erhöhter Bedeutung, da der Browser mit knapp 15 Prozent einen relevanten Marktanteil besitzt, während er in anderen Märkten eher in der Nische angesiedelt ist. Für einen zunehmenden Verlust von Third-Party-Cookies gibt es aus unserer Sicht nicht den einen heilsbringenden Lösungsansatz. Vielmehr ist hier ein ganzes Bündel von Maßnahmen relevant, die das ersetzen oder gar verbessern können, was Cookies heute noch für unsere Industrie leisten.

Das reicht von First-Party-Cookies über cookielose, aber trotzdem natürlich datenschutzgerechte Tracking-Verfahren über den dringend notwendigen Ausbau von loginbasierten Identifier-Lösungen bis hin zu nicht auf Profilen beruhenden Targeting-Verfahren. Lösungen muss es dabei sowohl auf nationaler, wichtiger aber noch auf europäischer Ebene geben.

Eine optimale Lösung sollte den gesamten Markt umfassen. Dabei darf sie weder den User im Unwissen lassen noch bevormunden, sondern muss ihm die informierte Kontrolle über Werbung und Content ermöglichen.

 

(Die w&v nimmt in folgendem Artikel ebenfalls Bezug auf Tobias Statement.) 

Bei Pinguinen gibt es immer einen der als erster von der Eisscholle ins Wasser springt.  Alle anderen warten erst einmal ab, ob er etwas zu fressen findet oder gefressen wird. Erst dann folgen sie ihm.

Wer ist bei uns mutig genug, den Sprung ins kalte Wasser zu wagen? Diese Frage habe ich mir gestellt, als ich beim diesjährigen Innovationstag am vergangenen Mittwoch dem Vortrag von Frederik Pferdt zugehört habe.

Der Innovationstag bei Serviceplan stand in diesem Jahr ganz im Zeichen der Transformation. Die Agenda hat deutlich gezeigt, wie allumfassend sich unsere Welt verändert: Ob Europa, Geschäftsmodelle, Customer Journey, transatlantische Beziehungen, Politik, Sport oder Unternehmenskultur. Alle Bereiche befinden sich im Wandel und wurden von unterschiedlichen Speakern in spannenden und inspirierenden Vorträgen in einem neuen Licht beleuchtet.

Die Botschaft war schnell klar: Um besser zu werden, brauchen wir Innovationen und dafür müssen wir Veränderungen zulassen. Aber das reicht noch nicht aus. Wir sind gefordert, den Wandel aktiv mit zu gestalten. Doch wie kann das in der Alltagsroutine gelingen?

Besonders beeindruckt hat mich zu dieser Fragestellung der sehr interaktiv gestaltete Beitrag von Frederik Pferdt. Der Gründer von Google’s „The Garage“ und Innovationsexperte hat uns herausgefordert, unsere Denkweise neu zu programmieren.

Sehr eindrucksvoll und leidenschaftlich hat Frederik das Publikum animiert, einen Zukunftsentwurf 2030 zu gestalten. Dabei haben wir alle festgestellt, dass es nicht einfach ist, sich die Zukunft vorzustellen. Viele Ideen sind in Ansätzen schon real, doch für echte Visionen fehlt uns oft die Phantasie.

Um also echte Innovationen zu entwickeln, ist unsere Kreativität und unsere Empathie gefordert. Frederik hat uns ermutigt, spannende Fragen zu stellen: „Was wäre wenn, …“? und die Fragen unserer Mitarbeiter mit einem optimistischen Blick auf das Potential hin zu bewerten, dass diese Fragen beinhalten. Er hat mich überzeugt, dass die Antwort nur: „Ja, und …!“ lauten darf. Mit einer gesunden Missachtung des Unmöglichen sollen die Fragen nicht abgeschmettert, sondern transparent geteilt und weiterentwickelt werden, damit neue Ideen wachsen können.

Es muss erlaubt sein, durch Erfolg und Misserfolg lernen zu dürfen. Das Vertrauen im Team und von der Geschäftsführung ist die wichtigste Voraussetzung, um bessere Lösungen zu entwickeln. Folglich müssen wir eine sichere Umgebung schaffen, die Fragen und neue Ideen zulässt. Nur so werden Innovationen entwickelt, die sich in der Umsetzung als erfolgreich erweisen können.

Diese Perspektive war für mich sehr anschaulich und einleuchtend. Ich habe mir daher fest vorgenommen, offen zu sein für Fragen, die im ersten Augenblick vielleicht unrealistisch erscheinen.

Zum Abschluss seines Vortrags hat Frederik von seiner Pinguinbeobachtung in der Antarktis berichtet und uns dringend empfohlen, einen Pinguin-Award an die Mitarbeiter zu vergeben, die neugierig und mutig genug sind, voran zu gehen und neue Ideen zu entwickeln.

Bei der Umsetzung der Ideen gibt es dann vielleicht sogar einen Award für unsere Kunden.