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Online-Werbebetrug, auch AdFraud genannt, ist immer wieder ein heiß diskutiertes Thema in der Online-Werbebranche. Nicht zuletzt der zunehmende programmatische Handel mit Werbeplätzen lässt das Thema häufig erneut aufkeimen. In diesem Blogartikel wird unter anderem auf die Verursacher von AdFraud und deren Motive eingegangen. Doch zunächst ein kurzer Überblick über die verschiedenen Ausprägungen von AdFraud.

Beim Online-Werbebetrug wird zwischen Klickbetrug und Impression-Betrug unterschieden. Beim Klickbetrug wird der Klick auf eine Werbeanzeige mit Hilfe sogenannter „Bots“ simuliert. Diese Bots sind Softwareprogramme, die eigens für den Zweck des Online-Werbebetrugs programmiert werden. Sie besuchen verschiedene Websites und generieren so ein realistisch wirkendes Nutzerprofil mit individuell einstellbaren Klick- und Viewability-Raten. Impression-Betrug hingegen bezeichnet die vorgetäuschte Einblendung einer Werbeanzeige.

AdFraud hat viele Gesichter, doch wie ist der Werbebetrug zu erkennen? Jede Kampagne sollte gepflegt und überwacht werden. Regelmäßige Qualitätskontrollen der Kampagnen gehören zum Tagesgeschäft eines jeden Mediaplaners. Hierbei sollte auf Abweichungen zwischen den Vermarkter-Klickzahlen und den selbst mitgetrackten Klickzahlen geachtet werden. Außerdem ist darauf zu achten, ob eine ungewöhnlich hohe Anzahl an Klicks nur von einer bestimmten IP-Adresse, von einem bestimmten Ort oder von einem bestimmten Betriebssystem ausgeht. Zudem nutzen wir für unsere Kunden Adverification-Systeme wie z.B. MOAT, Meetrics, comScore oder Integral Ad Science, welche von Bots erzeugten Traffic erkennen. Hierzu werden zusätzlich Pixel im Werbemittel verbaut, welche prüfen, ob der Traffic einem bestimmten Muster folgt, z.B. ob AdRequests oder Klicks sich auf einige wenige Clients mit identischem technischen Setup wie IP-Adressen zurückzuführen lassen. Erkennen die Adverification-Systeme ein Muster, ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass der Traffic durch Bots entstanden ist.

Nun stellt sich die Frage, wer vom Online-Werbebetrug profitiert und worin die Motivation der Betrüger liegt. Ausgeführt wird die Betrugsmasche von Hackern, Botnet-Betreibern, Pixel Stuffern und vielen mehr. Sie werden für die Umsetzung des Betrugs vergütet. Außerdem sind sie dafür zuständig, die Methoden auf dem neusten Stand zu halten, sodass es für die jeweiligen Tools und Adverification-Systeme stets eine Herausforderung bleibt, AdFraud identifizieren zu können.

In Auftrag gegeben wird der Betrug jedoch hauptsächlich von Webseitenbetreibern. Die Motivation besteht dabei hauptsächlich darin, einen Mehrverdienst durch Leistungen zu generieren, die eigentlich gar nicht erbracht wurden und die der Vermarkter im Normalfall auch nicht erbringen könnte. Dabei geht der Vermarkter allerdings das Risiko eines enormen Imageschadens ein.

Wird AdFraud nicht erkannt und nicht aus den Zahlen herausgefiltert, so kann dem Werbetreibenden tatsächlich ein erheblicher wirtschaftlicher Schaden entstehen. Laut Adjust, einem Berliner Adtech-Dienstleister, liegen die jährlich durch Klickbetrug entstehenden Schäden in Milliardenhöhe. Doch können die Verantwortlichen für ihren Betrug am Werbetreibenden belangt werden? Natürlich ist die Ausführung und das in Auftrag geben von Online-Werbebetrug in vielerlei Hinsicht strafbar. Grundsätzlich gilt im Falle von AdFraud der Betrugstatbestand des § 263 StGB und der Tatbestand des Computerbetrugs gemäß § 263a StGB (Medienstrafrecht und Internet- und Computerstrafrecht). Computerbetrug bedeutet in diesem Fall das rechtswidrige Verschaffen eines Vermögensvorteils durch die unrichtige Gestaltung eines Computerprogramms. Bei Erfüllung des Tatbestandes ist mit einer Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren oder einer Geldstrafe zu rechnen. Zusätzlich verstößt das konkurrierende Unternehmen aber auch gegen das Wettbewerbsrecht, wenn es vorsätzlich auf Werbeanzeigen klickt oder den Klickbetrug in Auftrag gibt, um dem Wettbewerber Kosten zu verursachen und ihm dadurch Schaden zuzufügen. Theoretisch plausibel.

In der Praxis lässt sich diese Theorie nur leider schwierig umsetzen. Das Problem liegt in der Beweisführung: Kann dem Verursacher des Klickbetrugs nicht einwandfrei nachgewiesen werden, dass er nur auf die Anzeige geklickt hat, um anderen Schaden zuzufügen oder sich selbst zu bereichern, so lässt sich der Tatbestand nur schwer durchsetzen.

Häufig sind ein gutes Qualitätsmanagement bei der Kampagnenbetreuung und der Einsatz der richtigen Tools der deutlich einfachere Weg, um gegen AdFraud vorzugehen. Auch eine gute Zusammenarbeit mit den richtigen Marktpartnern ist ein wichtiger Grundstein um Betrugsversuchen vorzubeugen. Durch die Bemühungen der deutschen Online-Werbebranche hat der Online-Werbebetrug in Deutschland bislang ein relativ geringes Ausmaß angenommen. Dies geht auch aus dem BVWD-Qualitätsreport 2017 hervor, welcher von der Fokusgruppe Digital Marketing Quality (DMQ) im Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW) e.V. erhoben wurde. Für die Erhebung dieser Statistik haben sich fünf Adverification-System-Anbieter zusammengeschlossen und ihre Daten ausgewertet. Laut dem Qualitätsreport liegt der AdFraud-Anteil in Deutschland lediglich bei rund 2,2 Prozent. Dieses Niveau gilt es zumindest zu halten.

Adobe Flash ist seit vielen Jahren der Produktionsstandard für animierte Onlinewerbemittel. Die Kreativen arbeiten gerne mit der Entwicklungsumgebung und die Mediamenschen sind froh über den belastbaren Adserver-Workflow, der sich mit Flashbannern realisieren lässt. Doch damit wird es nun zu Ende gehen. Flash als Standard zum Abspielen von animierten Webinhalten steht schon länger in der Kritik. Denn das Programm ist als Ressourcenfresser auf dem Rechner berüchtigt, hatte immer wieder mit Sicherheitslücken zu kämpfen und geriet darüber hinaus zwischen die Fronten im Machtkampf der großen Geräte- und Systemhersteller. Apple hat Flash schon vor geraumer Zeit aus seinen Produkten praktisch verbannt. Angesichts des geringen Marktanteils von Apple bei den stationären PCs und der Tatsache, dass mobile Werbemittel meist sowieso nicht animiert wurden, bewog dies allein bisher nur wenige Werbekunden zum Abschied von der Technologie.

Doch die Ankündigung von Google, dass der Browser Chrome demnächst Flashfilme nur noch dann von selbst abspielen wird, wenn diese „zentralen Content der Website“ bereitstellen, wird das ändern. Wir haben die Auswirkungen dieser Einstellung vorab getestet, alle Flashwerbemittel, die wir vorgefunden haben, funktionierten nur noch auf Klick, beim Laden der Seite erscheinen sie als Standbild mit Play-Button:

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Der Anteil von Google Chrome am deutschen Browsermarkt beträgt in etwa ein Viertel. All diesen Usern ab September nur noch ein nichtanimiertes Fallbackwerbemittel zu zeigen, kann bestenfalls eine Übergangslösung sein.

Mit HTML 5 steht schon länger eine Alternative zu Flash zur Verfügung. Allerdings ist HTML 5 kein Standardprogramm eines bestimmten Softwareherstellers. Es ist mehr als eine Ansammlung von Methoden zur Erzeugung animierter Webinhalte zu verstehen. Diese fehlende Vereinheitlichung bremste bis jetzt die Verbreitung von HTML 5, genauso wie die Tatsache, dass die Kreativagenturen voller kompetenter Flash-Producer sind. Erfahrene Script-Programmierer, wie man sie für die Erstellung von HTML-5-Werbemitteln benötigt, sind aktuell dagegen noch wesentlich dünner gesät.

Doch jetzt wird es für Werbekunden Zeit umzusteigen. Alle mit HTML 5 auftretenden Schwierigkeiten sind zudem lösbar. Mögliche Probleme durch Scriptinteraction mit dem Code der Website, die manchmal als Argument gegen HTML 5 angeführt werden, lassen sich durch eine vernünftige Einbindung der Werbeplätze vermeiden. Wenn die Banner durch den Agenturserver ausgeliefert werden, können wir dieses Problem schon an der Wurzel ausmerzen.

Bewegen werden sich die Vermarkter auch bei den Werbemittelspezifikationen. Die Größenbeschränkung von 40 Kilobyte für Standardwerbemittel, bis heute der heilige Gral des OVK, wird fallen müssen. Denn Werbemittel in HTML 5 sind meist etwas größer als ihre Brüder in Flash. Eine Grenze von 100 Kilobyte, wie sie Google schon heute für sein Netzwerk angibt, könnte zur sinnvollen neuen Richtgröße werden.

 

 

 

 

 

Ob Impressions, Clicks, Leads, Orders oder Warenkorbwerte: Im Online-Marketing ist nahezu alles messbar. Hierzu werden Adserver eingesetzt, die eine exakte Dokumentation der Kampagnenleistung anhand der eingangs erwähnten Kriterien erlauben. Diese Daten stehen bei nahezu jeder Kampagne standardisiert zur Verfügung.

Etwas schwieriger ist es, wenn neben rein quantitativ-technischen Daten qualitative Aspekte erhoben werden sollen. Wenn es also nicht nur um Click- oder Conversionrates geht, sondern um die Sichtbarkeit und Wirkung von Werbemitteln. Ein Mittelweg, der vom Adserver zur Verfügung gestellt wird, ist beispielsweise die Visibilitymessung, also die Dokumentation wie lange und in welchem Umfang ein Werbemittel im Browserfenster sichtbar war. Den Nachweis, ob CTAs oder Störer ihre Wirkung nicht verfehlt haben, liefern bis zu einem bestimmten Grad Heatmaps, die das Clickverhalten eines Users auf ein Werbemittel dokumentieren. Solche Heatmaps bieten allerdings nur wenige Adserver an.

Doch wie sieht es mit klassischen Werbewirkungsindikatoren aus? Mit Werbeerinnerung, Markenbekanntheit, Sympathie, First Choice und Relevant Set? Steht die Erhebung solcher Indikatoren im Widerspruch zu der quantitativen Datenerhebung, wie sie über Adserver realisiert wird und im Kontext der meisten Onlinekampagnen den aktuell vorherrschenden Vorstellungen entspricht?

Unsere Antwort ist klar – Nein! So haben wir ein Modell entwickelt, welches die regelmäßige und kosteneffiziente Auswertung einer Kampagne auf Basis klassischer Werbewirkungsindikatoren erlaubt. Untersucht werden die Kampagnen dabei aus drei Perspektiven: Zum einen werden die verschiedenen Formattypen analysiert und miteinander verglichen. Funktionieren Großformate besser als Videos? Welche Brandingleistung liefern Standardformate? Diese Fragen lassen sich mit der Formatanalyse beantworten. Zum anderen lassen sich die Einzelbelegungseinheiten auswerten. Dies ermöglicht beispielsweise eine Antwort auf die Frage, ob zielgruppenorientierte Umfeldplanungen besser als generische Netzwerkbelegungen funktionieren. Bei beiden Betrachtungsebenen lässt sich zudem auf Basis des Mediaspendings ein Preis-Leistungs-Index bilden, was bei kontinuierlicher Kampagnenoptimierung zu einer maximalen Effizienz von Branding-Kampagnen führt. Darüber hinaus gibt es noch eine dritte Analyseebene: Neben Belegungseinheit und Formattyp lässt sich die Kontaktdosis analysieren und somit die Frage beantworten, wann die ideale Kontaktdosis erreicht ist und ab welcher Kontaktdosis kein nachweisbarer Uplift in der Werbewirkung mehr messbar ist.

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Und wie funktioniert ein solcher mediascale BrandIndex technisch? Keine Angst, ich möchte an dieser Stelle nicht mit zu vielen Details langweilen. Aber vereinfacht gesagt funktioniert es so: Die Mitglieder eines oder mehrerer ausgewählter Onlinepanel, wie beispielsweise YouGov oder Payback, werden markiert, sobald sie Kontakt mit einem Werbemittel hatten. Protokolliert wird hierbei sowohl die Einzelbelegung (Vermarkter, Belegung), als auch das Format sowie die Anzahl der Kontakte, die ein Panelist mit der Kampagne hatte. Nach Ablauf einer Kampagne oder in regelmäßigen Abständen, beispielsweise am Ende eines jeden Monats, werden die Panelisten mit Kampagnenkontakt per E-Mail zu einer standardisierten Onlinebefragung eingeladen, in der die Werbewirkungsindikatoren Markenbekanntheit, Werbeerinnerung, Sympathie, Relevant Set und First Choice erhoben werden. Gleichzeitig wird eine Kontrollgruppe moduliert, die hinsichtlich Stichprobengröße und soziodemographischer Beschaffenheit mit der Kontaktgruppe vergleichbar ist, um einen kampagneninduzierten Uplift messbar zu machen.

Im Idealfall erhält man so in regelmäßigen Abständen valide Zahlen zur Brandingleistung einer Kampagne. Dass dieses Konzept praxistauglich ist, zeigt die Arbeit mit unseren Kunden: Im Kontext von Brandingkampagnen wird die Optimierung auf Clickrates oder CPX-Werte im Grunde obsolet, und gerade bei PreRolls oder Großformaten fällt eine systematische Analyse anhand des mediascale BrandIndex wesentlich leichter, als bei der reinen Bewertung nach quantitativ-technischen Daten, wie sie der Adserver liefert. Durch die Auswertbarkeit auf Basis der verschiedenen Betrachtungsperspektiven – ob Belegungseinheit, Kontaktdosis oder Format – wird der mediascale BrandIndex zu einem effizienten Standardtool zur kontinuierlichen Kampagnenoptimierung.

Beim Customer Journey Tracking erfahren Werbungtreibende mehr über den Weg, den ihrer Kunden im Internet bis zum Kauf zurücklegen. Durch den Einsatz der richtigen Tools können zahlreiche nützliche Antworten über die Wirkung der eingesetzten Online-Kampagnen gegeben werden. Wie stark ist der Einfluss meiner Display-Werbung auf die Kaufentscheidung?  Von welchen Parametern hängt ein solcher Einfluss ab?  Und gibt es eine optimale Kontaktdosis?

In der ersten Folge zum Customer Journey Tracking gab mediascale-Geschäftsführer Wolfgang Bscheid Antworten auf die Fragen und erläuterte die Bedürfnisse, die unterschiedliche „Typen“ von Werbungtreibenden haben. In der Jubiläumsfolge (Folge 50) von „Bscheid gsagt“ erklärt er, warum sich Customer Journey Tracking wirklich lohnt und wie man die erhobenen Ergebnisse richtig auswertet, um sie für eine gezielte Optimierung zu nutzen.

Weitere Folgen von Bscheid gsagt gibt es im YouTube-Kanal von mediascale.

Ja, das Fieber steigt wieder und da wir uns dieses Jahr nahe der tropischen Wälder befinden, kann man ja ganz unterschiedliche grippale Effekte beobachten. Und wie immer stellen sich (fast) die selben Fragen: Schaffen wir es diesmal? Kommen die Jungs in Schwung und die Rekonvaleszenten (Klose, Khedira, Lahm, Schweini, Neuer) rechtzeitig von der Trage gesprungen? Was wird Jogi bei 80% Luftfeuchtigkeit anziehen? Gibt es in der JVA Landsberg einen Fernseher? Kann Lothar Matthäus wenigstens einmal seine Prognosen für sich behalten? Sollen wir werben oder lassen wir es lieber bleiben?

Allzu gerne würde ich intensiv auf die ersten Fragen eingehen und nebenbei noch in Erfahrung bringen, von wem ich für mein Panini-Heft die Nummern 29, 38, 39, 71, 138, 145 ff. bekomme (sachdienliche Hinweise bitte an d.frings@mediascale.de), aber ich wurde angehalten mich auf das Berufliche zu konzentrieren.

ALSO: Der Ball ist rund, die WM ein großes Thema, aber ich warne seit ehedem vor WM-Gewinnspiel Me-Too-Kampagnen, bei denen man einfach noch ein paar Marketing-Euronen für eine entsprechende Umsetzung im Budgetspeicher gefunden hat. Warnen ist dabei vielleicht übertrieben, denn das Risiko besteht lediglich im sinnlosen Ausgeben von Geld und da darf ein Panini-Sammler eigentlich nicht den Zeigefinger heben. Ich mache es jedoch aus Spaß an der Freude und lege die Ambitionen auf die Freizeit (also meistens zumindest). Beruflich und werblich geht es aber dann nicht nur um die bezahlten Beträge, sondern insbesondere um fehlgeleitete Ressourcen. Diese sind besser darin gebündelt, seine herkömmlichen Kampagnen zu optimieren und sich zu überlegen, ob man den WM-Zeitraum ausspart oder mitnimmt. Gegen Letzteres spricht häufig eigentlich nichts, lediglich Sportumfelder gilt es aufgrund des intensiveren Werbedrucks zu meiden. Einen viel größeren Einfluss auf die Kampagnen haben in der Regel Ferienzeiten und die Großwetterlagen. Privater (Online-)Konsum geht bei 14 Grad und Regen (ACHTUNG: Ausnahme sind Sturm, Starkregen und damit verbundener Stromausfall) einfach leichter von der Maus, als bei 30 Grad und Biergartenwetter.

Wenn es dann wirklich eine WM-Kampagne sein soll/muss, sollte vor allem darauf geachtet werden, dass ein nachhaltiger Effekt gegeben ist also z.B. bei Gewinnspiel-Kampagnen versuchen, ein Double OptIn nicht nur für die Aktion, sondern vor allem für eine weitere Interessentenkommunikation zu generieren. Nebenbei ist es ratsam Klarheit darüber zu haben, wie genau diese Folgekommunikation auszusehen hat. Darüber hinaus sollten Kampagnen nicht vollkommen losgelöst von der allgemeinen Strategie konzipiert werden, sondern diese ergänzen. Im Grunde sind es also eine Vielzahl von Selbstverständlichkeiten, aber bei Fußball ist man(n) ja nicht zwangsläufig von Rationalität beseelt. Drum lasset die Spiele beginnen, uns Deutschland zum Titel anfeuern und daneben eine Überhöhung der werblichen Bedeutung lieber vermeiden.

Fußball Nubbsi_mediascale

Wir haben durchaus überlegt, ob wir es uns wirklich antun wollen, in der Woche der dmexco auch noch am Ad Trading Summit in London teilzunehmen, oder ob das  unsere Aufnahmekapazität für steil ansteigende Volumengraphen und Jubelmeldungen übersteigen würde. Ein ganzer Tag Ausharren auf den roten Plüschsesseln eines dunklen Kinosaals an der Themse wurde dann aber mit einer durchaus informativen Veranstaltung belohnt.

Die Gold- und Silbersponsoren zeigten zum Auftakt in den Keynotes eine Menge Exponentialkurven und errichteten so manches Luftschloss. Unübertrefflich hierbei der köstliche Konrad Feldmann von Quantcast, der die ach so fruchtlosen konventionellen Optimierungsmühen eines Mediaplaners im „Zeitalter der künstlichen Intelligenz“ („Yes, it has arrived, indeed“) mit dem Schachspiel eines Schulkindes gegen den Supercomputer Deep Blue verglich.

In den Paneldiskussionen ging es dann aber wesentlich nüchterner und nachdenklicher zu, und man konnte so einiges lernen über die aktuelle Großwetterlage  im automatisierten Handel auf den beiden größten Onlinemärkten des Westens.

Logo ATS London

Wir hatten wieder Gelegenheit, eine ganz Reihe von neuen Marktteilnehmern kennenzulernen, die wir bisher weder aus dem Alltagsgeschäft noch von den beliebten Übersichts-Charts der Display-Ökosysteme her kannten. Angesprochen auf die wie Champignons aus dem Humus aufschießenden neuen Akronyme und Start-Up-Firmen kommentierte Marco Bertozzi von Vivaki, dass es da draußen eben viele Menschen gebe, die ein Produktfeature mit einem Businessmodell verwechseln würden. Seine daraus abgeleitete Prognose des kommenden In-Sourcings vieler Funktionalitäten erleben wir tatsächlich auch heute schon in Deutschland. Mit Adition bietet der erste Adservingprovider Sichtbarkeitsmessung jetzt als integrales Produkt ohne zusätzlichen Dienstleister an. Und dass die traditionellen Adnetworks sich demnächst RTB-fähig machen wollen, ist ein offenes Geheimnis.

Was die Kampagnenpraxis auf dem englischen Markt anbelangt, so wird allen anders lautenden „Studien“ zum Trotz weiterhin nur ein sehr kleiner Teil der Kampagnenvolumina wirklich real-time gehandelt. Und was über die Exchanges eingekauft wird, geschieht zu einem überwiegenden Teil noch ganz konventionell zu festen Geboten – auch wenn das jetzt nicht mehr „Marktplatzbuchung“, sondern „Programmatic Buying“ heißt. Die Gründe hierfür liegen weiterhin in den noch nicht wirklich klar erkennbaren Prozess-, Performance- und Erlösvorteilen, die sowohl Kunden als auch viele Publisher in ihrem Engagement zögern lassen.

Offen angesprochen wurde auch das Qualitätsproblem des in den Marktplätzen bereit gestellten Mediainventars. Premiumumfelder sucht man hier bis heute vergebens. Eine Tatsache, die wir auch in Deutschland nur zu gut kennen. Ein Panelteilnehmer behauptete gar, wenn man in den Adnetworks nur noch Belegungsgruppen mit weniger als fünf Bannerplätzen pro Einzelseite zulassen würden, würde sich die Gesamtreichweite im Mid- und Longtail halbieren.

Dies war natürlich zusätzliches Wasser auf die Mühlen von Richard Prince von Blue Hive, der im Panel zum Thema „Branding und Realtime-Time“ recht polemisch den mangelnden Leistungsnachweis anprangerte, den Online-Werbung generell erbringe. Die Begriffe und Prozesse waren ihm zu kompliziert, was nicht falsch ist, zum Teil aber natürlich auch mit der empirischen Messbarkeit der Einzelkontakte und direkten Reaktionen im Kanal Online zu tun hat.

Hier zeichnete sich ganz abseits vom Thema RTB ein interessantes Diskussionsfeld für die nächsten Jahre ab. Wenn irgendwann fast alle Endgeräte IP-fähig sind, wo verläuft dann die Grenzen zwischen den Kanälen TV und Online?

Und wird, wie es manche gerne hätten, die Messbarkeit des Onlinekanals auf indirekte Wirkunsgmessungen zurückgefahren, um eine simple und monolithische Planungsgrundlage zu haben? Oder wird sich irgendwann jeder elektronisch verbreitete Werbemittelkontakt einer individuellen Responsemessung stellen müssen, einfach deshalb, weil die Messung technisch möglich ist? Raten Sie gerne, was ich glaube, was hier geschehen wird.

 

Es ist soweit! Die dmexco öffnet diese Woche ihre Pforten und ich bin dazu auserkoren, ein paar wärmende Worte zum einzig nennenswerten Branchentreff des Jahres zu formulieren. Okay, um ehrlich zu sein, war mein Arm der erste der hochging als die Frage aufkam: Wer macht es?! Nebenbei musste ich noch zwei reflexschnelle Kollegen aus dem Weg räumen, aber es hat geklappt.

Was erwartet uns also? Zum einen sicherlich ein Konferenzprogramm, welches in Qualität und Quantität alles bisher Dagewesene übertreffen soll. Die Vielzahl der hochkarätigen Talkgäste und nicht zuletzt die hohe Zahl internationaler Gäste sind vielversprechend. Die Realität muss dann aber dennoch zeigen, ob sich hier neue Perspektiven eröffnen oder ob es eine Litanei bekannter Interessen und Gräben wird wie: Kunde will Agentur mehr in der Pflicht sehen, Agentur will seine eigene Interessen gegen den Vermarkter etablieren und Vermarkter will Datenhoheit und mehr Geld. Zu guter Letzt kommt dann Herr Welte und sagt, dass Online sowieso kein Medium ist in dem er werben würde, selbst wenn er das Geld dafür geschenkt bekommt. Diese Gefahr lauert bei jeder Diskussion, aber wir wollen hoffen, dass es nicht nur so ausgehen wird.

Dann wäre da noch die Messe selber, von der keine größeren Überraschungen zu erwarten sind. Die Stimmung sollte allseits gut sein und  bevor man sich versehen hat, stehen Verabredungen für 55 Bier auf der Party am Abend – was selbst mir als erfahrenen Kölschtrinker leberistische Höchstleistungen abverlangt. Währenddessen gerät der selbst gesteckte Zeitplan bereits ab Mittag aus den Fugen, weil der Pizzaofen bei Stand XY Identitätsprobleme hat, einem aber doch nun einmal Pizza versprochen wurde und aus Höflichkeit auch noch wartet, bis sich der Gaumen dank zu hastigem Essen in einen Traum aus Feuer und Flamme verwandelt. Schnell noch ein paar unvorhergesehene Überraschungen eingeschoben und schon ist es 17h, die Hände sind wund geschüttelt und die Versuchung ist groß, das resultierende leichte Zittern mit einem der 55 versprochenen Gerstensaftkaltschorlen zu kompensieren, um nebenbei auch nicht die ganze Masse am Abend bewältigen zu müssen.

Und dann kommt sie! Die Party! Die Quoten für diejenigen, die auf einen gelungenen Partyabend wetten, sind in der Regel extrem gut. Bei oddset werden solch mutige Tipps mit einer Quote von 1:12 honoriert (zum Vergleich: Ein Auswärtssieg von Köln in München liegt bei 1:10). Nun kann ich zumindest noch anführen, dass die neue Location nicht mehr so grätzig daherkommt, wie die alte Schredderbude. Aus diversen Jugenderfahrungen kann ich berichten, dass man aus der Halle etwas machen kann. Die Betonung liegt dabei auf „kann“. Ich werde mich hüten, Versprechen abzugeben, die ich nachher bereue (die Quoten sind ja bekannt). Wer übrigens das Abendessen woanders einnimmt, sich dabei der magischen 55 weiter annähert und dann frohgelaunt um 23.15h die Party betritt, empfindet den Partyabend deutlich weniger desaströs.

Der Morgen danach wird maßgeblich davon bestimmt, inwieweit man den gesellschaftlichen Verpflichtungen am Vorabend nachgekommen ist. Dabei ist allerdings eine zunehmende (und von manchem bedauerte) Professionalisierung zu beobachten. Gehörte es auf meiner ersten OMD (2003) noch zum guten Ton, den nächsten Tag mit Schräglage zu begrüßen, so ist es heutzutage eher so, dass die meisten dem Schönheitsideal des gepellten Ei’s nacheifern und partout auch am 2. Messetag in der Früh noch gut aussehen wollen. Unverbesserlich aber nachvollziehbar. Im weiteren Verlauf gestaltet sich Tag 2 auch nicht anders als Tag 1, außer dass der Gaumen bereits verbrannt und somit abgehärtet ist.

Der letzte Schritt aus der Messehölle ist der Rückflug, der gerne überbucht ist, zu spät fliegt, verpasst wird oder einfach mal ausfällt. Wohl dem, der im Flieger sitzt, sich zur Sicherheit schon mal an den Sitz gekettet hat und die Worte „Ready for Take Off“ vernimmt. Denn dann ist es geschafft, das Portemonnaie voller neuer Visitenkarten alter Gesichter und ein redseliger Kommentator wird sich genau an dieser Stelle daran machen, eine Review zu schreiben. Et kütt, wie et kütt und et hätt noch immer joht jejange!