Tag Archiv für "Internet of Things"

Steht uns derzeit eine neue Welle der Digitalisierung bevor oder befinden wir uns bereits mitten drin?

Bislang lassen sich zwei Phasen der Digitalisierung beschreiben, die unseren direkten Alltag und somit unsere Art zu leben und zu arbeiten signifikant beeinflusst haben. Steve Case, bekannt als Co-Gründer von America Online (AOL) und CEO von Revolution LLC, beschreibt die erste Phase als den Aufbau des Internets und die Schaffung der hierfür notwendigen Infrastruktur in Form von Software, Servern und Netzwerken. In dieser Zeit (etwa 1985-1999) ging es darum, die Menschen an das Medium Internet zu gewöhnen und mit diesem vertraut zu machen.

Die zweite Welle (etwa 2000-2015) nutzten Unternehmen wie Amazon, Facebook, Twitter, und Google, um die Errungenschaften der ersten Welle für sich zu nutzen und den Alltag der Menschen zu beeinflussen. Hierbei waren besonders die mobile Revolution und die Entwicklung von Apps auschlaggebend. Die durchgehende (mobile) Vernetztheit liefert hierbei einen wichtigen Mehrwert. Soziale Netzwerke und Messenger Dienste haben unsere Art der Kommunikation signifikant verändert. Für viele Menschen sind Smartphones und die Möglichkeit, von nahezu überall Zugriff auf die Inhalte des Internets zu haben, nicht mehr wegzudenken. Durch dessen Nutzung bieten sich Unternehmen und Werbetreibenden wie uns vielfältige Möglichkeiten der Kundenaktivierung.

In der jetzigen Zeit befinden wir uns an der Schwelle zum nächsten Schritt der Digitalisierung. Der Begriff Internet of Things ist allgegenwertig und die Entwicklung hin zu einer Vernetzung von immer mehr Geräten, Sensoren und Produkten wird unsere Wirtschaft, aber auch unser tägliches Leben, gravierend verändern.

Ein Beispiel hierfür ist das Konzept von Amazon Go, das unsere über Jahrzehnte angewöhnte Art und Weise einzukaufen, revolutionieren soll. Der Konsument betritt hierbei einen Laden und muss sich lediglich mittels Smartphone und der darauf installierten App einchecken. Während des Einkaufs landen die ausgewählten Produkte dann nicht nur in der eigenen Einkaufstasche, sondern mittels Sensorik und Kamera-Technik auch automatisch in dem virtuellen Warenkorb des Einkäufers. Beim Verlassen des Ladens ist somit kein Anstehen an der Schlange zur Kasse mehr notwendig, da der Einkauf automatisch erfasst und über das hinterlegte Konto abgerechnet wird. Die Beacon Technologie bietet hier die Möglichkeit, Konsumentenströme durch gezielt ausgespielte Angebote auf das Smartphone zu lenken und die Kunden somit in ihrer Kaufentscheidung zu beeinflussen.

Ein weiteres Thema, das uns den Alltag erleichtern soll, sind Smart Home Installationen, mit denen beispielsweise die Heizung, das Licht, Küchengeräte oder die Hauseigene Hi-Fi-Anlage gesteuert und kontrolliert werden können. Über Google Home lässt sich beispielsweise die Musik steuern oder sprachgesteuerte Suchanfragen initiieren, auf die man eine direkte Antwort aus dem Internet erhält. Hier stellt sich aus Marketing icht die Frage, wie dieser technologische Fortschritt für die Ausspielung von Werbebotschaften genutzt werden kann, um einen Mehrwert für Unternehmen und Kunden zu erhalten.

Burger King hat beispielsweise kürzlich mit einem TV-Spot in den USA für Aufsehen gesorgt, der die Google Sprachassistenten dazu veranlasst hat, unbeabsichtigt den Whopper Burger zu bewerben. Hierfür wurde ein 15-sekündiger Spot produziert, in dem ein augenscheinlicher Burger King Mitarbeiter die Frage stellt: „OK, Google, what is the Whopper burger?“. Das Gerät beantwortete die Frage mit einem zuvor vom Unternehmen editierten Wikipedia-Eintrag.

Die Diskussion, ob es sich dabei um einen gelungen, witzigen Werbe-Clou oder um einen moralisch verwerflichen Eingriff in das Home System der Nutzer handelt, sei an dieser Stelle unkommentiert. Google zumindest hielt diese Form der Verbindung von digitalen Medien und TV-Werbung (in diesem Fall) für nicht sonderlich amüsant und sorgte innerhalb weniger Stunden dafür, dass die Geräte nicht mehr auf den Spot reagieren. Es zeigt jedoch, das sowohl Marken als auch Agenturen stets die technologischen Entwicklungen mitgehen sollten, um neuartige, kreative und aufmerksamkeitsstarke Wege zu finden, den Konsumenten direkt mit ihrer Botschaft anzusprechen.

Smart Home Systeme, selbstfahrende Autos, automatisch abgewickelte Einkäufe oder smarte Assistenzsysteme auf dem Smartphone wie Apples Siri oder Googles Assistant mögen uns in Zukunft unseren Alltag erleichtern und sicher viele spannende Möglichkeiten für die Industrie und die Welt des Marketings mit sich bringen.

Doch ist das die bedeutende digitale Revolution, auf die wir alle gewartet haben?

Es mag ein Vorbote sein für die dritte Welle der Digitalisierung, dem „Internet of Everything“. Hierbei geht es darum, das Internet in wirklich jeden Aspekt des täglichen Lebens zu integrieren. Besonders Bereiche wie das Bildungs- und Gesundheitssystem, die Logistik- und Energiebranche, aber auch die Lebensmittelindustrie weisen ein großes Potenzial für die voranschreitende Digitalisierung auf.

Mit dem zunehmenden technologischen Fortschritt geht jedoch auch ein ansteigendes Wachstum der Verantwortung einher. Wenn beispielsweise digitale Systeme zukünftig die lebenserhaltenden Funktionen von Patienten im Krankenhaus überwachen und mittels künstlicher Intelligenz die exakt berechnete Dosis von Medikamenten automatisiert verabreichen, sind Fehlfunktionen deutlich gravierender, als wenn ein Smart Home System es verpasst, am Morgen für frisch aufgebrühten Kaffee zu sorgen.

Hier wird die Entwicklung und Anpassung von gesetzlichen Vorgaben und Kontrollmechanismen eine große Herausforderung darstellen, die im partnerschaftlichen Verhältnis zwischen Wirtschaft und Politik zu bewältigen seien werden.

 

kopf

Frings: Tach Taskin, tach Tobi ihr alten Uber-Online Marketeers! Habt Ihr in Zeiten des Internet der Dinge denn auch schon Euren tragbaren Kaffeekocher, Mini-Kühlschrank und das Dritt-Handheld für die dmexco registriert bzw. Euch einen Platz in der WLAN-Corner mit einem Handtuch reserviert?

Erdem: Servus ihr beiden Multi-Screen-Customer-Journey-Opfer. Hab mir gerade ein neues Fahrerloses Raumschiff über die Google Glass App, Mars2030 zugelegt. Kann ich dann per nervösem Augenzucken lenken und wollte eigentlich damit nach Kölle, aber irgendwie gab‘s offensichtlich Lieferschwierigkeiten. Wie kommt Ihr denn auf die dmexco?

Wegmann: Ich fahre diesmal mit dem Flussschiff vor. Da gibt es einen eigenen Lastkahn, der direkt zur dmexco fährt, um die Moleskinnotizbücher für Google und das Tannenzäpfle für die Standparties anzuliefern. Bin aber natürlich auf dem Wasser über Satellit durchgehend  in der Cloud, einschließlich stündlichem kleinen Blutbild und Depressionsprognose. Werde dann auf den Wogen darüber nachsinnen, ob ich meine Small Data in Zukunft lieber Herrn Zuckerberg oder Herrn Putin anvertrauen soll, damit einer von beiden sie groß zieht.

Worauf freut ihr Euch denn dieses Jahr am meisten in Köln?

Frings: Wie immer freue ich mich auf gute Gespräche. Okay, war ein Scherz! Ich freue mich am meisten über die Säue, die von original spanischen Torreros durch Halle 6 und das Congress Center getrieben werden, um danach im Diner als Schnitzel Natur oder Schlawiner Art für überteuerte Kröten auf dem Teller zu landen. Ich habe auch gehört, dass die Schnitzel in diesem Jahr per Bietverfahren an den Mann/ die Frau gebracht werden und dass man mit der dmexco-App ohne Registrierung teilnehmen kann. Dank implantierter Magensonde, wird dann mein Verdauungsprozess exakt berechnet und eine Klokabine automatisch reserviert.

Erdem: Also ich freue mich auf die WM – ach nee, die war ja schon… Na dann freue ich mich auf die 1A Organisation auf der dmexco, wie bspw. die kurzen Wartezeiten an Garderobe (2 mal) und Taxistand (4 mal). Ansonsten noch an die Momente, wenn dir Leute entgegenlaufen und dich grüßen, die man irgendwie schon kennt, aber kein Plan mehr hat woher und warum. Geil werden sicherlich auch die Gespräche mit Neuanbietern, die was-weiß-ich-was anbieten und Begriffe wie, Big Data, Budget Allocation und Attribution Modelling an ihre Wände schmeißen, aber nicht mal wissen, was das heißt, aber in Timbuktu Süd schon 20 Cases aufzeigen können.

Wegmann: Ich finde am schönsten, dass die Agency Lounge heuer exklusiv von der INTOUCH gesponsert wird, wie man hört. Programmatischer Einkauf endlich mal wörtlich genommen.

Frings: Ach Jungs, das klingt mir irgendwie alles so banal und yesterweb. Aber Ihr habt schon Recht. Als Kenner der Messe kann der Way-Forward-Gedanke schon mal unter die Räder kommen. Wie schaut es denn eigentlich mit dem Kongressprogramm aus? Nativity 2.0., Content-Eats-King-Marketing und digital Investments im Fegefeuer des Common-Currency-Ofens, da sind doch wahre Leckerbissen am Start.

Erdem: In meinem Alter interessiert mich auch so langsam mal das Klassische, also klassisch für Digital Natives. Seit Jahren dieses Rumgehopse mit Innovation hier, Innovation da. Was ist denn jetzt mit Armchair-Shopping, wann zahl ich endlich mit Smartphone, was ist jetzt mit Reputation Management und wo ist jetzt eigentlich die Affiliate Rallye? Gab’s da ein Frequency Cap? Bin ich aus dem Profil geschleudert worden? Hab ich schon abgeschlossen? Hat Snowden mich verraten?

Frings: Verraten haben dich nur dein digitaler Fingerabdruck und deine Klarnamen-Kommentare auf unterm-birnbaum-wird-gejodelt.de. Aber nun lass uns hier nicht lange herum machen, sondern ins Getümmel starten!

Wegmann: Also Burschen, dann frisch ans Werk. Der blutrote Mond steht über dem Dom, die Smartwatch beschlägt und Alka Seltzer goes online.

 

Happy dmexco 2014!