Tag Archiv für "Digitalisierung"

Digitale Medien sind aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Aber dennoch ist die Nutzungsdauer der klassischen Medien noch höher. So schaut der durchschnittliche Deutsche ca. 4 Stunden pro Tag Fernsehen, hört gute 3 Stunden Radio und beschäftigt sich knappe 2 Stunden mit dem Internet. Betrachtet man die Kurven im Zeitverlauf, so kann man unschwer erkennen, dass die Internetnutzung stetig ansteigt, die Radio Nutzung leicht abnimmt, während TV in den letzten Jahren zwar mit Schwankungen aber dennoch stabil ist.

Mediennutzung Bild1
Quellen: TV: AGF/GfK: 2000-2013, jeweils 1. Halbjahr; Radio: MA 2000, ma 2003/I, ma 2006 II, ma 2007/II, ma 2008/I, ma 2009/I, ma 2010/I, ma 2011/I, ma 2012/I, ma 2013/I; Online: ARD/ZDF-Onlinestudien 2000-2013/ plan.net Insights

In der Gesamtbevölkerung liegen TV und Radio also noch deutlich vor dem Internet. Weitere Medien wie Tageszeitungen, Zeitschriften etc. folgen mit deutlich weniger Anteil:

Basis: BRD gesamt (bis 1990 nur alte Bundesländer), Mo-So (bis 1990 Mo-Sa), 5-24 Uhr,  14+ Jahre, bis 2005 Deutsche, ab 2010 deutschsprachige Bevölkerung Quelle: ARD/ZDF-Langzeitstudie Massenkommunikation 1964 – 2010 / plan.net Insights
Basis: BRD gesamt (bis 1990 nur alte Bundesländer), Mo-So (bis 1990 Mo-Sa), 5-24 Uhr,
14+ Jahre, bis 2005 Deutsche, ab 2010 deutschsprachige Bevölkerung
Quelle: ARD/ZDF-Langzeitstudie Massenkommunikation 1964 – 2010 / plan.net Insights

Spannend wird es, wenn man sich das Mediennutzungsverhalten der jüngeren Zielgruppe ansieht. Hier liegt die Online Nutzung auf einem Niveau mit TV und sogar über der Radio Nutzung.

Basis: BRD gesamt (bis 1990 nur alte Bundesländer), Mo-So (bis 1990 Mo-Sa), 5-24 Uhr,  14+ Jahre, bis 2005 Deutsche, ab 2010 deutschsprachige Bevölkerung Quelle: ARD/ZDF-Langzeitstudie Massenkommunikation 1964 – 2010 / plan.net Insights
Basis: BRD gesamt (bis 1990 nur alte Bundesländer), Mo-So (bis 1990 Mo-Sa), 5-24 Uhr,
14+ Jahre, bis 2005 Deutsche, ab 2010 deutschsprachige Bevölkerung
Quelle: ARD/ZDF-Langzeitstudie Massenkommunikation 1964 – 2010 / plan.net Insights

Für die Zukunft bedeutet diese Entwicklung also eine stark zunehmende Rolle des Mediums Online, nicht zuletzt durch die voranschreitende Digitalisierung der „alten“ Medien. Das Fernsehen wird zunehmen mehr on Demand über Mediatheken etc. Online genutzt. WebRadio bzw. Streaming Dienste laufen dem klassischen Radio den Rang ab. Das digitale Zeitalter kommt nicht – wir sind schon mittendrin.

 

Jetzt ist es also raus. Weißer Rauch ist aufgestiegen über den Köpfen der Journaille und den sogenannten Experten. Habemus Sündenbock! Die Mediaagenturen sind die modernen Raubritter, welche aktiv den Untergang des Qualitätsjournalismus betreiben und sich ganz nonchalant noch selbst abschaffen, während sie dem unmündigen Kunden noch ein altes Seemannsgarn um die Nase binden. Onlinewerbung taugt eh nur zum Nerven des Users und auch wenn Telegramme nicht unbedingt wieder eingeführt werden sollten, so darf es kein Verbot geben, darüber nachzudenken.

Ja, so verwirrt wie Sie nun schauen, so sparsam habe auch ich reagiert. Stein des Anstoßes war ein Artikel auf faz.net, welcher eine Digitalisierungsoffensive der Agenturen mehr oder minder auf die Optimierung der Erlöse reduzierte. Die Mediaagentur ist auch die treibende Kraft, die Budgets von Print ins Netz verlagern will und damit jede Kundenklinke putzt, die nicht unter Strom steht. Als ob das nicht schon genug der einseitigen und unreflektierten Darstellung sei, kommt dann noch eine Stimme aus dem Off, die uns erklärt, was vermeintlich hinter den listigen Worten einer Mediaagentur steckt.

Ich bin ja nun selber Onliner und könnte mich bei der Debatte entspannt zurücklehnen, da man von mir eh erwartet, dass ich das Internet nur schön rede. Will ich aber nicht. Fakt ist, dass digitale Kommunikation nicht per se zielführend ist. Des Weiteren ist sie zunächst mal sehr mühsam und nicht nach der Planung und dem Aufhängen von ein paar poppigen, peppigen Pappplakaten erledigt. Wenn ich also glaube, mir es mit einer digitalen Kampagne einfach (= wenig Aufwand auf dem Rücken eines Dukatenesels) zu machen, dann heilt eine Planung, die Google, Facebook, Targetingreichweite, klassische Reichweite, Affiliate, Shoppingintegrationen und ein paar Sonderformate in sich vereint, radikal schnell. Wenn von penetrant aufploppenden Bannern die Rede ist, dann sollte man mal eines der vielen Lifestyle-Heftchen aufschlagen und beten, nicht von der Masse an Beilagen erschlagen zu werden. So viel Bier kann ich zur Wiederaufforstung des Regenwaldes gar nicht trinken und der Gang zum Altpapier ist sicherlich mühsamer als ein Click auf den Close-Button. Um mich jetzt aber nicht zu sehr im Detail zu verlieren folgende Kernbotschaft:

Wenn die Wirkungsnachweise für das Medium Online im Vergleich zu anderen Medien so hinterwäldlerisch sind, warum profilieren sich andere Medien (Print!) nicht darüber? Anstatt zu jammern, würde ich doch genau das ins Rennen werfen, was mich abhebt. Dass der Printmarkt im Vergleich zur Mediennutzung seit jeher überkapitalisiert war, mag man vermutlich in Zeiten sinkender Auflagen noch weniger gerne hören, aber ein Blick auf Nutzung und Spendings spricht eine eindeutige Sprache. Die daraus resultierenden Budgetshifts sind eine Zwangsläufigkeit, sie aber nun allein den Mediaagenturen anzulasten, ist völliger Nonsense. Wer glaubt, dass hier einzig die Agenturlandschaft die treibende Kraft ist, hat schon lange nicht mehr mit einem Kunden gesprochen. Denn hier ist der Digitaldrang zum Teil noch viel stärker. Einen Kunden hält oder gewinnt man aber auch nicht durch eine reine Bytehörigkeit, sondern durch das Aufzeigen des besten individuellen Mediamixes und einer Beweisführung hierfür. Das kann man als desillusionierter Journalist oder graue Eminenz nicht unbedingt wissen, aber dann sollte man sich auch nicht auf so dünnes Eis begeben. Es bleibt natürlich immer ein Rest Deutung und Deutungshoheit. Dem werde ich aber nicht durch das Abspulen von Halbwahrheiten und wild zusammengeworfenen (und zum Teil inhaltlich falschen) Plattitüden sinnvoll entgegentreten können, ohne nicht selber als Märchenonkel im Wald dazustehen.