Tag Archiv für "Auszeit"

Unsere liebe Kollegin Nadine Schollmeier genießt aktuell ihre Auszeit in den USA. Von dort hat sie uns einen Reisebericht geschrieben. Für alle, die sich für ihre Erkenntnisse zur Medienlandschaft in USA interessieren, hier eine kurze Übersicht:

  1. Digitalisierte Billboards: In den USA wird einem während des Fahrens so einiges abverlangt. Neben verwirrenden Straßenschildern gibt es riesige Billboards, die teilweise bereits digitalisiert sind und damit auch wechselnde Inhalte präsentieren. Doch nicht nur bunte Werbung kann ablenken: Zwischen den einzelnen Werbeeinblendungen sieht man auch gerne mal eine Fahndungsmeldung der Polizei.

2. Nachrichtenwert vs. Entertainment: Bei amerikanischen Radiosendern steht Unterhaltung absolut im Vordergrund, Nachrichten und Informationen sind eher zweitrangig. Selbst die Werbespots sind in der Regel eher unterhaltend als informativ. So ruft ein Hausbesitzer, dessen Haus bereits lichterloh brennt, lieber hundertfach den Pizzaservice als die Feuerwehr. Drückt den Lieferanten dann Wassereimer in die Hand um sein Haus zu retten – denn natürlich sind die Lieferjungs schneller als die Feuerwehr.

3. Couponing: Nadine ist leidenschaftliche Schnäppchenjägerin und liebt das sehr geläufige Couponing in den USA. Bewaffnet mit ausgedruckten und digitalen Coupons sowie zwei Cashback Apps geht sie in ihrer aktuellen Wahlheimat einkaufen. Couponing ist ein alter Hut, Cashback ist der neue Trend. Dank der Kombination von Angeboten, Coupons und den Apps ist es ihr bereits mehrfach gelungen, einzelne Lebensmittel komplett kostenlos zu bekommen, beziehungsweise sogar mit einem Plus aus dem Laden zu gehen.

Dir, liebe Nadine, wünschen wir noch eine schöne Zeit! Wir freuen uns schon riesig auf deine neuerworbenen Backkünste!!

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Vor etwa einem Jahr ist die Idee zu meiner Auszeit entstanden. Kaum zu glauben, dass eben diese schon wieder halb vorbei sein soll.

Der Zufall will es, dass ich kein ausschließlich berufliches Interesse an Cookies besitze. Zugegeben, an den Wochenenden konzentriere ich mich auf die essbare Variante und erweitere mein Repertoire auch um Kuchen und Torten. Als ich bei meiner Recherche zum Zeitvertreib in der Auszeit über die Wilton School of Cake Decorating & Confectionery Art gestoßen bin, war es um mich geschehen.

Ende Februar habe ich mich dann auf den Weg nach Chicago gemacht. Entgegen aller Befürchtungen war die Einreise mit meinem ESTA Visum ein Klacks. Mit dem Mietauto ging es dann in einen der Vororte, um von dort regelmäßig zur Schule zu fahren. Für alles was ich dort so erlebe, gibt es einen eigenen Blog. Hier möchte ich vielmehr meine außerschulischen Erlebnisse und die Eigenheiten, die mir in meinem täglichen Leben begegnen, teilen. Am besten, ich beschreibe einen typischen Sonntag.

Nach einem ausgiebigen Frühstück um 8am morgens geht es nach Darien in die Wilton School, beispielsweise zu einem Tagesworkshop in Sachen „Modeling Chocolate“. Vorbei an dem verrücktesten Verkehrsschild, das ich hier bisher gesehen habe:

Es würde mich ja nicht wundern, wenn ein Straßenarbeiter angefahren wurde, weil ein Autofahrer gerade versucht hat, das Schild zu entziffern. Ich war mir kurzzeitig nicht sicher, ob hier ein Kopfgeld auf die Arbeiter ausgesetzt wurde, da ich beim ersten Leseversuch nur bis „HIT A WORKER $“ gekommen bin.

Überhaupt wird einem hier während des Fahrens so einiges abverlangt. Neben verwirrenden Straßenschildern gibt es riesige Billboards, die teilweise bereits digitalisiert sind und damit auch wechselnde Inhalte präsentieren. Zwischen den einzelnen Werbeeinblendungen sieht man dann auch gerne mal eine Fahndungsmeldung der Polizei. Zum Glück sind die Straßen größtenteils mit dem Lineal gezogen und wirklich schnell fahren ist ja auch nicht erlaubt. Allerdings kann ich nur jedem raten, die Augen strikt auf die Straße vor sich zu richten. Schlaglöcher, so groß, dass ein komplettes Rad darin verschwinden kann, sind durchaus keine Seltenheit. Am Rand liegen dann die Überreste der völlig zerfetzten LKW Reifen, die – wenn man sie überfährt – zu sehr gefährlichen Flugobjekten werden können. Meine bisherigen Highlights an Fundstücken auf der Interstate 55 sind ein kleiner Sessel, eine silberne Stoßstange vom hinteren Ende eines Autos, zwei Meilen später die vordere sowie eine Holzschublade. Ich möchte hinzufügen: alles an einem Tag während der Fahrt zur Schule und zurück. Leider bin ich dem silbernen Auto nie begegnet, aber ich bezweifle schwer, dass es seinen Fahrer bis ans Ziel gebracht hat.

Einen tollen Radiosender habe ich auch schon gefunden. Auf 100.3 – WSHE läuft 2nd Date Update. Eine am ersten Date beteiligte Person richtet sich mit dem Wunsch nach einem investigativen Anruf bei der zweiten Datehälfte an den Radiosender. Nachdem Anrufer eins seine Version der Geschichte erzählt hat, wird die zweite Person angerufen und kann ihre Version zum Besten geben. Und dann kommt die Frage: Möchtest du auf ein zweites Date mit X gehen? Wir bezahlen! Wirklich äußerst unterhaltend, und man sieht das Ende in den wenigsten Fällen kommen. Wer rechnet schon damit, dass sie sich kurz nach dem Date beim Verlassen ihrer Wohnung mit der Vordertür die Zähne ausgeschlagen hat, und ihm jetzt so lange aus dem Weg gehen will, bis der Zahnarzt sich dem Problem angenommen hat? Generell würde ich sagen steht bei den hiesigen Radiosendern Unterhaltung absolut im Vordergrund. Selbst die Werbespots sind in der Regel eher unterhaltend als informativ. So ruft ein Hausbesitzer, dessen Haus bereits lichterloh brennt, lieber hundertfach den Pizzaservice an als die Feuerwehr. Drückt dem Lieferanten dann Wassereimer in die Hand, um sein Haus zu retten. Denn natürlich sind die Lieferjungs schneller als die Feuerwehr.

Nach einer zwanzigminütigen Fahrt komme ich dann auch schon in der Schule an. Ich musste bereits feststellen, dass alles unter einer Stunde Fahrzeit nicht wirklich ungewöhnlich ist. Zwischen 9am und 4pm wird gewerkelt, geknetet, geformt und dekoriert, bis dann so etwas entsteht:

Dann fällt mir ein, dass mein Kühlschrank komplett leer ist, also nichts wie ab zum Walmart an der nächsten Ecke. Parken ist glücklicherweise absolut kein Problem, denn was für mich ein großes Auto ist, geht hier eher als untere Mittelklasse durch. Aber zurück zum Shopping! Ich gebe es zu, ich bin ein Schnäppchenjäger und da kommt mir Couponing in den USA sehr gelegen. Bewaffnet mit meinen ausgedruckten als auch digitalen Coupons sowie zwei wunderbaren Cashback Apps mache ich mich ans Werk. Genau genommen ist Couponing nämlich schon ein alter Hut, Cashback ist der neue Trend. Dank der Kombination von Angeboten, Coupons und den Apps ist es mir bereits mehrfach gelungen einzelne Lebensmittel komplett kostenlos zu bekommen, beziehungsweise tatsächlich sogar mit einem Plus aus dem Laden zu gehen. Ich bin in der Zwischenzeit so geübt, dass ich den Cashback schon bestätigt bekomme, bevor die Einkäufe im Auto verstaut sind.

Bezahlt wird natürlich ausschließlich per Kreditkarte. Sollte man dann doch Bargeld benötigen, muss man hier sein Auto dazu nicht verlassen. Drive Through ATM ist das Zauberwort, und natürlich lässt man sein Auto in der Zeit auch schön weiterlaufen.

Zuhause angekommen habe ich keinerlei Probleme, mein Essen zu kühlen oder zuzubereiten, denn auch die Elektrogeräte sind entsprechend riesig. Allerdings musste ich mich beim Anblick mancher „Familienpackungen“ doch auch fragen, wie groß denn so eine amerikanische Durchschnittsfamilie ist. Mal kurz eine Gallone Eis zum Nachtisch ist durchaus eine Ansage.

Man gewöhnt sich sehr schnell an die Annehmlichkeiten und vor allem das Level an Service das einen hier permanent umgibt. Ich bereue meine Entscheidung keine Sekunde und genieße jeden Tag in vollen Zügen. Mein kleiner Wunsch an Petrus: Frühling! Diese Woche soll es sogar nochmal Schnee geben, nur um dann am Wochenende das Thermometer auf 20 Grad Celsius schießen zu lassen. Aber abgesehen vom Wetter freue ich mich auf die zweite Hälfte meiner Auszeit, noch mehr Kurse und einen musikalischen Roadtrip durch Memphis und Nashville und damit ganz vielen Chancen, Land und Leute noch besser kennenzulernen, als es mir bisher möglich war.

Ach, fast hätte ich es vergessen: Ein süßer Gruß in die Heimat mit dem ersten aus Isomalt mundgeblasenen Nupsi der Welt!