Tag Archiv für "Algorithmus"

Die erste Folge Bscheid gsagt im neuen Look & Feel dreht sich um den Algorithmus. Wer ist dieser Typ, der scheinbar alles kann und weiß und von vielen Techies beinahe angebetet wird? Wolfgang Bscheid führt uns ein in die Welt der Algorithmen und welchen Einfluss sie auf uns als Verbraucher und auch als gesamte Gesellschaft haben. Denn seine Aufgabe – Muster erkennen – führt im Endeffekt oftmals zu Schlussfolgerungen, die wir menschlich gesehen als diskriminierend betrachten. Und die für uns Menschen nicht mehr nachvollziehbar sind.

Künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen gehören zu den Trendthemen 2018. Vielleicht sollten wir uns deshalb langsam Gedanken darüber machen, was das eigentlich für unsere Zukunft bedeutet. Wird der Algorithmus irgendwann über unsere Welt herrschen und mächtiger als jede bestehende Religion sein? Was passiert, wenn wir Maschinen erfinden, die alles besser können als wir? Wird die Menschheit dann überflüssig? Wolfgang Bscheid hat sich näher mit dem Thema befasst und rezensiert heute in seinem neuen Bscheid gsagt-Video das Buch „Homo Deus“ von Yuval Noah Harari.

Facebook will wieder sozial werden. Dieser Wunsch, so formuliert von Mark Zuckerberg in einem am 12. Jan veröffentlichten Facebook Post, soll  sich zunächst vor allen Dingen im Newsfeed des Nutzers bemerkbar machen. Das hier Handlungsbedarf besteht, deckt sich mit der (subjektiven) Wahrnehmung dieses Autors. So war der Newsfeed eines Nutzers vor Jahren noch das Tor in alle wichtigen (und oft auch weniger wichtigen) Ereignisse der Freunde und Kontakte. Doch seitdem hat sich Facebook stark kommerzialisiert und ist mittlerweile „Big Business“. Viele Unternehmen und Marken, vor allen Dingen aber Verlage und Medienunternehmen kommen um Facebook nicht mehr herum. Für Erstere bietet die Plattform, eine im Verhältnis zu klassischen Werbekanälen, sehr granulare Möglichkeit spezifische Zielgruppen werblich zu erreichen, sowohl über bezahlte als auch organische Posts. Letztere wiederum beziehen bis zu 90 Prozent ihres Webseiten-Traffics über organische (oder bezahlte) Posts, die auf Facebook geschalten werden. All das hat dazu geführt, dass der durchschnittliche Newsfeed heute zu einem überwiegenden Teil aus redaktionellem Content und Bewegtbild besteht. Problem hierbei ist, dass diese in der Regel recht passiv konsumiert werden. Genau dieser Entwicklung will Facebook mit seinen geplanten Änderungen am Newsfeed-Algorithmus entgegenwirken. Zukünftig sollen wieder verstärkt Posts von Freunden und Familie im Vordergrund stehen, also vor allen Dingen jene, die zu verstärkten Interaktionen (Kommentare, Likes und Reaktionen) mit dem Beitrag führen. Bei der Entscheidung, welcher Post einem Nutzer angezeigt werden soll, wird nun also ein vermehrter Fokus auf das zu erwartende Engagement mit dem Post gelegt.

Was bedeutet das nun für all die Unternehmen, Marken und anderen kommerziellen Nutzer der Plattform? Bei einer festen Anzahl von ausgesteuerten Newsfeed-Beiträgen führt dies erstmal zwangsläufig zu einer geringeren organischen Reichweite.  Dieser Trend zeigt sich schon seit mehreren Jahren, hat aber durch die weitere Umstellung noch an Stärke gewonnen. Mittlerweile erreichen laut einer Auswertung von social@Ogilvy organische Posts von Seiten mit über 500T Likes nur noch knapp zwei Prozent der jeweiligen Fans. Die Möglichkeit wiederum, Communities von Fans aufzubauen und mit diesen über gepostete Beiträge im regelmäßigen Austausch zu stehen, war für viele Unternehmen, Marken und Werbetreibende einer der anfänglichen Hauptargumente, die Plattform für sich zu nutzen. Viele dieser Unternehmen haben hohe Budgets und Zeit investiert, um diese Communities aufzubauen und zu pflegen.

Abhilfe für die schwindende organische Reichweite schaffen verschiedene Best Practices, die den Fokus auf die „Spielregeln“ des Newsfeed-Algorithmus legen. Posts mit externen Links sind meist nicht sehr interaktionsstark – deshalb werden diese Art von Beiträgen nachrangig behandelt. Es wird empfohlen, nach Möglichkeit auf externe Verlinkungen zu verzichten. Ein weiterer Punkt ist der erhebliche Anstieg an tagtäglichen Posts auf Facebook im Allgemeinen, welcher dazu geführt hat, dass vor allen Dingen sich die Posts durchsetzen, die besonders viele Likes und Shares generieren. Es gilt also der Grundsatz „Qualität statt Quantität“, um gesehen zu werden. Der Fokus sollte besonders auf aussagekräftigen und starken Postings liegen, um aus der Masse herauszustechen (aber kein Clickbait). Weitere Maßnahmen sind beispielsweise vermehrt auf interaktionsstarke Bewegtbild-Posts (besonders beliebt bei Nutzern sind die Live-Videos) zu setzen und/oder seine Zielgruppe schon im Voraus einzuschränken, um unter den Fans nur die anzusprechen, die am wahrscheinlichsten auf den jeweiligen Post reagieren.

Dennoch können auch diese Maßnahmen nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich das Verhältnis von Paid zu Earned Content deutlich in Richtung Paid verschoben hat. Wenn ein Werbetreibender eine garantierte, umfangreiche Reichweite mit seiner Kommunikation erreichen möchte, kommt er in der Regel nicht mehr um gesponsorte Posts herum. Die Konsequenz dessen, auf die Facebook-Kommunikationsstrategien der Werbetreibenden, variiert je nach Branche und Unternehmen. Die Reaktionen schwanken von einer abwartenden Haltung, hin zu einer zunehmenden Abkehr der organischen Earned-Nutzung, verbunden mit einer Revalierung der Ziele (bspw. reduzierter Fokus auf Anzahl der Follower). Für Publisher sind die Konsequenzen mit am gravierendsten, da diese bisher über organische Posts oft einen großen Teil ihres Traffics generiert haben.

Letztendlich stellt sich auch die Frage, ob die von Facebook vorangetriebenen Änderungen im Sinne der Mehrheit der Nutzer sind. Facebooks Evolution hin zu einer übergreifenden Plattform, die als erste Anlaufstelle zum Konsum jeglicher Art von Informationen dient (Nachrichten, Veranstaltung, private Updates, etc.) und weg von einem rein auf dem privaten Austausch zwischen Freunden und Familie ausgelegten Netzwerk, war auch im Sinne vieler User. Letzteres wickeln eine zunehmende Anzahl an Nutzern, mittlerweile rein über Facebooks Schwesternetzwerk Instagram, oder den privaten Messenger WhatsApp, ab.

Wie auch immer die neuerlichen Änderungen sich ausgehen, sicher ist, dass diese nicht die letzten gewesen sein werden. Auch in Zukunft wird die Suche und die Definition nach dem „für den User relevantesten Inhalt“ weitergehen. Relativ sicher ist auch, dass im Spannungsfeld des Trios Werbetreibender, Nutzer und Facebook, letzterer meist als Gewinner hervorgehen wird.

Das schöne an Wellen ist, dass sie mit zuverlässiger Regelmäßigkeit an der gleichen Stelle wieder auftreffen, wo man sie zuvor schon gesichtet hatte. So ist es mit Licht genau wie an der Nordsee und so kommt auch die Welle der Entrüstung justament genau da an, wo schon alle anderen Empörungen anbrandeten, nachdem die Euphorie über den digitalen Werbegral entfleucht war: Im Markt und in den Medien.

Folglich melden sich wieder alle Wellenreiter zu Wort, die sich doch ach so sehr betrogen fühlen von Facebook, weil die vermeintlich kostenlosen Reichweiten nun offenkundig doch nicht mehr so üppig verfügbar sind und weil es sich widererwarten doch nicht um eine Wohltätige Stiftung handelt, sondern um ein Unternehmen mit kommerziellen Interesse. Diese Entwicklung wurde übrigens schon seit geraumer Zeit von Leuten prognostiziert, die sich deutlich intensiver mit sozialen Netzwerken beschäftigen, als ich dies zu tun vermag. So ganz unabsehbar kommt es tatsächlich nicht, dass ein System das sich Netzwerken, Relevanz und ja auch Profit auf die Fahnen geschrieben hat genauso vorgeht, wie nun geschehen.

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