Tag Archiv für "Adressable TV"

Die Basics der Fernsehwerbung kennen wir schon von meinem letzten Blog-Beitrag. Heute dreht sich alles um Werbeformate und Targeting-Möglichkeiten und die Frage, wieso Adressable TV und speziell HbbTV für viele Kunden so interessant sind. Schließlich können erstmals großflächige hundert Prozent viewable Werbemittel ganz individualisiert in den TV-Reichweiten eingeblendet werden.

Targeting-Möglichkeiten

Welcher Kunde würde nicht gerne seine Nettoreichweite erweitern oder die Kontaktdosis bestimmen? Für diese Fälle gibt es verschiedene Targeting-Möglichkeiten. Von technischem Targeting (Zeit, Ort, Frequenz, Sender, Empfangsweg) über Zielgruppen-Targeting (AGF-Zielguppen der Sendungen als Standard, Fusion von Nutzungsgewohnheiten mit externen Daten) bis hin zu Retargeting (auf Spots oder Sendungen) ist alles machbar. Große Kunden können durch Regio-Targeting beispielsweise ihre Botschaft individualisieren und auf der Microsite Zusatzinformationen anbieten. Kunden mit begrenztem Budget haben ebenfalls die Möglichkeit, auf dem TV Werbung zu schalten.

Programmatic

Jetzt wirds programmatisch: Über das Zusammenspiel zwischen DSP und SSP können die oben genannten Informationen, die seitens der Sender vorliegen, übergeben werden und zum Monitoring sowie zur Motivaussteuerung genutzt werden. Das geht von verschiedenen Motiven für unterschiedliche Wetterlagen und Unterzielgruppen bis zu komplett dynamisierten Switch-ins. Diese können beispielsweise Bilder, Texte und Preise per Feed der Zeit, Region und dem Wetter des Users anpassen.

Das muss noch besser werden

Allerdings gibt es aktuell noch einige Herausforderungen beim Adressable TV. Zwar hat die recht junge Werbeform schon rasante Fortschritte gemacht, nichtsdestotrotz gibt es noch einige Punkte, die verbessert werden können. Dies sind die wichtigsten:

  • Die Datenqualität zur Ausspielung muss weiter steigen, gerade vor dem Hintergrund des Mehrpersonenhaushalts.
  • Ein Kanalvergleich ist derzeit noch schwierig, gerade der Vergleich von TV-Metriken versus Ad-Impressions und Unique Clients online. Planungen gestalten sich mangels passender Tools entsprechend schwierig.
  • Eine übergreifende Steuerung über alle Anbieter ist aktuell nicht möglich – dies ändert sich erst, wenn auf die Inventare komplett durch eine Auktion zugegriffen werden kann. Erst dann kann bei Ausspielung über mehrere Anbieter die Gefahr von unerwünschten Mehrfachkontakten vermieden werden.
  • Die User-Daten stehen derzeit lediglich den jeweiligen Anbietern zur Verfügung und sind somit nicht in Zusammenhang mit Daten auf Kunden-/Agenturseite zur Aussteuerung nutzbar. Ideal wäre eine übergreifen Met-DMP, in die alle Seiten Daten einbringen. Anforderungen an Werbemittel, Microsites und Mechanik (yellow-button versus red-button) sind je nach Anbieter unterschiedlich. Hier könnte ein gemeinsamer Standard den Aufwand deutlich reduzieren.
  • Im Idealfall würden die Anbieter ihre Daten zusammen mit den Kundendaten in eine Meta-SSP fließen lassen. Mit dieser könnte der richtige User das richtige Werbemittel zur richtigen Zeit vollprogrammatisch ausgespielt bekommt.

Und was sagt ein Blick in die Glaskugel für das folgende Jahr? Kampagnen werden bereits programmatisch mit fixen Preisen je Kunde gehandelt und die Themen Spot-Overlay und Cross-Device Targeting haben Einzug in den Kampagnenalltag genommen. Wir bleiben gespannt!

Nachdem ich gebeten wurde, den Blog um einen Artikel aus programmatischer Sicht zu erweitern, fiel mir direkt ein Thema ein: Adressable TV. Adressable TV ist nicht unbedingt brandneu, die ersten Kampagnen wurden bereits 2015 umgesetzt und auch schon auf unserem mediascale Blog behandeltDoch für viele Kunden ist das Thema nach wie vor aktuell, nicht zuletzt wegen der Programmatic-Komponente.

Fangen wir mit den Basics an:

Adressable TV ist als Begriff noch gar nicht alt und genau genommen auch nicht richtig definiert – selbst auf Wikipedia kann man nichts dazu finden. Versuchen wir den Begriff abzugrenzen:

  • Adressable TV ist ein Sammelbegriff für die individuell ermöglichte (Werbe-) Ansprache von TV Nutzern über einen mit dem Internet verbunden TV, dem sogenannten Connected TV.
  • Connected TV umfasst die Summe der Smart-TVs und TV-Empfangsgeräte, die über Peripheriegeräte internetfähig gemacht wurden. Zum Beispiel: digitale Receiver, Set-Top-Boxen, Spielekonsolen, Media Dongles (Fire TV, Apple TV, Roku, Google Chromecast), etc.
  • HbbTV ist ein Standard für Content-Einbindungsmöglichkeiten im Connected TV. Damit können abgesehen von Apps auch Einblendungen im linearen TV erfolgen. Neben Zusatzinformationen der Sender zu Sendungen, Mediatheken & Co., ist dies genau die Technik, die uns zusätzliche Werbeflächen im linearen TV verschafft.

Digital und individuell ausgesteuerte Werbeflächen im TV sind natürlich ein Traum. Und das in dem Medium, das wir nur mit der „Ein-Spot-für-alle“-Tradition kennen. Dort wurden  sogar jegliche Versuche unterbunden, bei nationalen Sendern regionale Werbung auszusenden. Aber wie sieht dann die Werbung im Adressable TV aus? Hier muss zwischen zwei grundsätzlichen Bereichen unterschieden werden: die Werbung in Applikationen des Fernsehers und die im linearen Programm selbst.

In-App TV Werbung umfasst überwiegend Pre Roll-Videos sowie Display Banner. Bei den großen privaten Sendergruppen in Deutschland (IP Deutschland/SevenOne Media) wird meistens einfach der Multiscreen Content der Online-Bewegtbildbuchungen verlängert. Leider sind hier die beiden vermutlich größten Apps – Amazon Instant Video und Netflix – bisher nicht werblich nutzbar.

Werbung über HbbTV im linearen TV hingegen ist aufgrund der großen TV-Reichweite bedeutend spannender. Aktuell werden rund 16 Millionen Unique Devices seitens der Vermarkter gezählt und das wird weiter wachsen. Aktuell sind rund ein Drittel aller TV-Haushalte mit diesen Geräten ausgestattet – Tendenz steigend. Noch dazu haben wir wieder ein WM-Jahr. Das heißt: mehr Reichweite für neue Werbeformate.

Das dominierende Format bei HbbTV-Werbung ist Switch-InSevenOne macht es vor. Neben diesen Bannern im TV gibt es noch die Möglichkeit, ein Spot-Overlay zu schalten – dies ist bisher nur bei vereinzelten Sendern in vordefiniertem Content möglich. Auch wenn sowohl die SevenOne als auch IP-Deutschland – Letztere mittels Smartclip – an weiteren Möglichkeit arbeiten. Doch sekundengenaue Spot Overlays sind erst ab HbbTV Standard 2.0 umzusetzen. Diesen beherrschen in Deutschland derzeit gerade einige zehntausende Endgeräte. Als Zwischenlösung könnten Spot Overlays in weniger teuren Programmteilen, wie den Eigenwerbungsblöcken, laufen. Da Spot Overlays auch eine geringere Reichweite des linearen TV-Programms bedeuten, eignen sie sich zukünftig eher für Motivindividualisierung des eigenen Spots.

Grundsätzlich kann sowohl mit einem Switch-In oder Spot Overlay über einen Knopfdruck auf eine TV Microsite weitergeleitet werden. Im einfachsten Fall ist das ein Video, es geht aber bis hin zur komplexen Microsite mit Produkt-Feed unter interaktiven Elementen. Eine Verlinkung aus der Microsite hinaus in andere Apps und Webseite ist derzeit aber leider nicht möglich.

Welche Werbeformate und Targeting-Möglichkeiten es noch gibt, erfahrt ihr nächste Woche.