Klartext!

Wenn die Schweden eines können, dann sind das global funktionierende Brands, die mitunter schon mal ganze Märkte revolutionieren. Eine Welt ohne IKEA, ABBA oder H&M – kaum mehr vorstellbar. Fast schon im gleichen Atemzug kann bald wohl auch Spotify genannt werden. Der Online Musikstreaming-Dienst mit einem der größten Angebote an Songtiteln weltweit ist bereits in mehr als 50 Ländern verbreitet. Das heißt über 20 Millionen verfügbare Titel, die global von über 75 Millionen Nutzern gestreamt werden – Tendenz steigend. Etwa 20 Millionen dieser Nutzer verwenden die kostenpflichtige Premium Version. Für etwa zehn Euro pro Monat erhält der Nutzer u.a. nicht nur die Möglichkeit Playlisten offline zu speichern und wiederzugeben, sondern nutzt den Dienst auch werbefrei. Die anderen 73 Prozent – und damit die große Mehrheit – werden im Tausch für das kostenlose Streaming Angebot mit Werbung bespielt. Hierzulande sind das etwa 4,5 Millionen Nutzer, was einer wöchentlichen Reichweite von 8,8 Prozent der deutschen Internetnutzer entspricht.

Doch der Musikstreaming-Markt boomt und alle möchten ein Stück vom Kuchen abhaben. Ende Juni startete Apple seinen eigenen Streaming-Dienst Apple Music, der französische Konkurrent Deezer hat erst im Frühjahr den Service Simfy übernommen, nachdem er bereits letztes Jahr Ampya aufkaufte. Noch hat Spotify im Hinblick auf die Marktführerschaft die Nase vorne. Um diese Position zu halten, arbeitet der schwedische Dienst verstärkt an seiner Vermarktung und legte nun eine erste Reichweitenanalyse vor.

Musikprogramm und zwischendrin Werbung – das ist doch nichts anderes als altbekannte Radiowerbung, oder? Falsch gedacht! Die kürzlich von Spotify und TNS Research veröffentlichte Studie zeigt eben einige Unterschiede zwischen den beiden Medien auf. Allein das Durchschnittsalter der Spotify Nutzer liegt in Deutschland mit 33,5 Jahren deutlich unter dem des Radiohörers mit 41,9. Außerdem wird Spotify eher in den Abendstunden genutzt, während dem UKW-Radio dem Morgen gehört. Die beiden Medien sind damit zu einem gewissen Grad komplementär und nach Spotifys Studie können Funkkampagnen durch eine Ergänzung mit dem Streaming Dienst sogar an Reichweite gewinnen.

Spotify Studie
Quelle: Spotify

 

Im Unterschied zum linearen Hörfunk und auch den jeweiligen Webradio Angeboten, bietet der Streaming Dienst aber auch weitaus mehr Interaktionsmöglichkeiten. Nutzer erstellen ihre eigenen Playlisten, folgen Künstlern oder Freunden, entdecken neue, auf Empfehlungen basierende Musik und teilen ihre Aktivitäten in anderen sozialen Netzwerken wie Facebook oder Twitter.  Nach dem Einschalten der Musik passiert auf der Plattform selbst somit noch sehr viel mehr als beim klassischen Radiokonsum. Das wiederum ermöglicht ganz andere Werbemöglichkeiten abseits von Audiospots, die die Plattform auch für digitale Kampagnen interessant machen. Ob Videospots, Display Banner, Begrüßungsbildschirme, Sponsorings von Playlists oder ganze Brand Microsites – Marken und Produkte können auf diese Weise individuell in einem hoch emotionalem Umfeld platziert werden. Das und natürlich der große Vorteil aller digital basierten Werbemaßnehmen – die direkte Messbarkeit aller nachgelagerten Nutzeraktivitäten – machen Spotify zu einem Hybrid-Werbeplatz, der die Vorteile der beiden Medien Funk und Digital geschickt vereint.

Doch welchen Mehrwert haben Marken von einer Platzierung bei Spotify, die über reine Funkspots hinausgeht? Was bringt visuelle Werbung auf einem primär audiogetriebenen Werbeumfeld?

Spotify liefert (natürlich) selbst die passenden Erfolgsgeschichten von Kunden wie Adidas Originals, Ford, Sony Pictures und vielen anderen. Ob gesteigerte Markenbekanntheit, erhöhter Traffic in anderen Marketingkanälen oder Umsatzzuwächse – es gibt scheinbar für jedes Kunden-Ziel den passenden Ansatz.

Sony Pictures zum Beispiel nutzte Video-Werbung, um Kinobegeisterte auf den Science-Fiction-Film „Chappie“ aufmerksam zu machen.

Sony
Quelle: Spotify

 

BMW erstellte wiederum eigene Playlists für kultige USA Road Trips, um den Bekanntheitsgrad eines neuen Modells zu steigern

BMW
Quelle: Spotify

 

Und selbstverständlich weiß auch Spotify um eines seiner größten Assets, wenn es um das Thema Monetarisierung der 55 Millionen Spotify Free Nutzer geht – reale Nutzerdaten, die eine passgenaue Zielgruppenansprachen ermöglichen. Die Zeiten, in denen Werbetreibende ihre Marketingbudgets nach dem Prinzip Gießkanne ausgegeben haben, sind längst vorbei. Im Fokus steht heute mehr denn je der einzelne Konsument mit seinen Bedürfnissen und individuellen Verhaltensmustern. Wohl dem, der Nutzer nicht mehr nur nach Geschlecht und Alter oder verwendeten Betriebssystem zuordnen kann. Nein, interessant wird es doch erst, wenn man aus dem Verhalten der Nutzer tiefergehende Schlüsse ziehen kann. In welcher Stimmung befindet er sich, welcher Aktivität geht er gerade in diesem Moment nach, mit welcher Botschaft kann ich ihn am besten erreichen?

Spotify sammelt und verwertet entsprechend nicht nur Nutzerdaten zu Standardmerkmalen wie Alter, Geschlecht, Standort oder verwendetem Betriebssystem, sondern natürlich auch dem Musikkonsum an sich. Welche Genres werden gehört, welche Playlists passen zu bestimmten Aktivitäten oder Stimmungen wie Party, Fitness, Entspannen usw. und was lässt sich daraus über den Nutzer und seine jeweilige Empfänglichkeit für Werbung bestimmter Marken oder Produkte ableiten?

Laut Vermarktungskonzept des Streaming Dienstes natürlich einiges: Für jede Situation den richtigen Sound – äh Werbeplatz.

 

Ein Kommentar zu “Spotify – wenn Audio und Digital Werbung zusammen kommen

  1. Spotify – wenn Audio und Digital Werbung zusammen kommen – Serviceplan Blog verfasst am Mittwoch, 09. März 2016 - 16:13 Uhr
    Pingback: Was Spotify für Werbungtreibende so interessant macht, beschreibt Maria Möstl im mediascale-Blog.

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