Media Praxis

Die Online-Media Welt ist voll von verlockenden Angeboten: Hoch-affine Premiumumfelder zu möglichst niedrigen TKPs – und das am besten noch mit Auslieferungsgarantie und allem Drum und Dran. Da wird der innere Schnäppchenjäger wach und leckt sich die Lippen nach dem vermeintlichen Superdeal. Doch ist der Preis, den ich für meine Werbeleistung bezahle wirklich so gut – oder gibt es nicht doch den einen oder anderen Haken?

Die Krux an TKP-Platzierungen ist, dass eine Bannereinblendung abrechnungsrelevant ist. Egal, ob der Banner für den User je sichtbar war oder nicht. Eine Impression wird in der Regel als sichtbar definiert, wenn der Banner für mindestens eine Sekunde zu mindestens 50% der Fläche im Viewport des Users war.

Für die Berechnung einer Impression zählt allein das Anfordern eines Zählpixels oder eines Redirects. Ob das Werbemittel dann jemals im Viewport sichtbar war oder nicht, ist für die Abrechnung irrelevant. So kann mein vermeintliches Schnäppchen effektiv schnell teurer sein als der herkömmliche Deal. Beispielsweise dann, wenn die InView-Rate, also der Anteil der sichtbaren Impressionen, vergleichsweise niedrig ist.

Ein kleines Rechenbeispiel: Ich habe eine Platzierung A für 12€ TKP mit einer InView-Rate von 75%. Zum Vergleich habe ich meinen Superdeal B für 5€ TKP, bei dem allerdings nur 25% der Impressionen sichtbar sind. Wenn ich die Preise nun umrechne auf Impressionen, die für den User auch wirklich sichtbar waren, sieht das Bild schon ganz anders aus. Dann hat meine Platzierung A einen effektiven TKP von 16€ und meine Platzierung B einen effektiven TKP von 20€. Damit ist die Platzierung B teurer als Platzierung A, trotz des vermeintlich besseren TKPs.

 

Doch nicht nur die Kosten werden von der Sichtbarkeit meiner Werbemittel beeinflusst, sondern auch die meisten Media-KPIs. Sei es nun die Klickrate oder die Werbeerinnerung. Ein nicht sichtbares, aber bezahltes Werbemittel wirkt sich immer schlecht auf meine Kampagnen-Performance aus. Um dem entgegenzuwirken und unsere Kampagnen entsprechend zu optimieren, setzen wir für unsere Kunden Tools zur Messung der Viewability von Werbemitteln ein. In diesem Beitrag möchte ich deshalb kurz das Angebote des US-amerikanischen Ad verification Anbieters MOAT vorstellen.

Das Viewability-Tracking von MOAT ist mit den meisten großen Adservern kompatibel und daher relativ einfach für viele Kampagnen einsetzbar. Für den Adserver Adition fehlt zurzeit leider noch eine reibungslose Schnittstelle, wodurch die Umsetzung hier etwas erschwert ist. Ein klarer Vorteil von MOAT ist, dass es ein lizensierter Partner von Spotify, YouTube, Facebook und Twitter ist. Damit wird uns auch bei diesen Plattformen eine problemlose Umsetzung unseres Trackings ermöglicht. MOAT bietet einerseits ein tiefgehendes Analysetool an, andererseits ein übersichtliches, vor allem für Kunden relevantes Dashboard, in welchem die wichtigsten KPIs gebündelt und optisch ansprechend aufbereitet werden.

Quelle: MOAT Live

 

MOAT gibt uns eine beeindruckende Vielzahl an Metriken und Tools an die Hand, um die Viewability von Display-Bannern zu bewerten und grafisch darzustellen. Von Sichtbarkeitsraten in diversen Staffelungen über Verweildauern bis hin zu Interaktionsheatmaps bietet MOAT Möglichkeiten aller Art, um die Sichtbarkeit unserer Banner zu analysieren. Als zusätzliches Feature weist MOAT auch eine Gesamtbewertung der Sichtbarkeit aus, den sogenannten „MOAT Score“. In den MOAT Score fließen verschiedene einzelne Faktoren wie die Sichtbarkeitsdauer und -rate, die Interaktionen der User mit dem Banner und einige mehr ein. Dieser Gesamtscore gibt einen sehr schönen Überblick über die Sichtbarkeit einzelner Platzierungen und macht auch unterschiedliche Formate gut vergleichbar. Die Vielzahl an Metriken ermöglicht eine sehr tiefe Detailanalyse, kann aber vor allem bei oberflächlicher Betrachtung auch verwirren. Wenn man Platzierungen schnell und auf einen Blick bewerten möchte ist der MOAT Score deshalb eine sehr gute Alternative.

 

Quelle: MOAT Analytics

 

MOAT ist natürlich nicht der einzige Anbieter, der Viewability-Messungen anbietet. So werden für einige Kunden im Haus auch Anbieter wie Batch oder Meetrics genutzt. Jeder Anbieter hat seine Vor- und Nachteile: So kämpfen die Kollegen, die Batch nutzen mit der Aufbereitung der Exportdaten und haben dafür keinerlei Probleme mit der Integration der Messpixel in ihrem Adserver. Bei den Meetrics-Kollegen ist das genaue Gegenteil der Fall: Die Aufbereitung der Datenexporte ist einwandfrei, aber die Integration im Adserver erschwert. Was die Anzahl der Auswertungsmetriken und der Partnerlizenzen mit großen Plattformen (Facebook, Youtube, etc.) angeht hat MOAT klare Vorteile.

Es lässt sich zusammenfassend sagen, dass alle Anbieter von Viewability-Messungen ihre Stärken und Schwächen haben. Trotzdem raten wir generell zu einer regelmäßigen Kontrolle der Viewability-Werte. Auf diese Weise können erhebliche Kostennachteile und Performanceeinbußen bei vielen Kampagnen vermieden werden.

Wir haben bereits vor zwei Jahren einen Blogbeitrag zum Mehrwert und zur Funktionalität des DBT-Systems veröffentlicht. Aber wie unsere prospektive Autorin Maria Möstl damals schon richtig feststellte: „Never change a running system ist hier definitiv die falsche Prämisse“. Daher wurde das Dynamische Banner Tool von der NFQ seither stetig weiterentwickelt und erstrahlt nun unter neuer Benennung in neuem Glanz. Le „DBT“ est mort, vive le „Dynamic Ads“.

Aber kommen wir zu den Fakten – was hat sich eigentlich geändert?

Auf den ersten Blick fällt auf, dass das GUI überarbeitet wurde. Dies erleichtert dem User die Arbeit mit dem Tool, da dieser nun einen besseren Überblick über die einzelnen Funktionen erhält. Der Strukturbaum ist klar in die Bereiche Ads, Data und Account aufgeteilt, sodass die manuelle Steuerung der Kreation und der Inhalte sehr leicht fällt.

Screenshot des GUIs aus dem Dynamic Ad

 

Der elementare Unterschied zum DBT ist trotzdem ein anderer: das Dynamic Ads System funktioniert weitestgehend nicht mehr als proprietäres System, sondern durch eine tiefgehende Systemintegration via SOA/SOAP Schnittstellen mit dem ADITION Adserver. Bei SOA/SOAP handelt es sich um Netzwerkprotokolle, mit deren Hilfe Daten zwischen Systemen ausgetauscht werden. So kann gewährleistet werden, dass jederzeit die aktuellsten Standards im Bereich Adserving genutzt werden. Konkret bedeutet dies, dass das direkte Verwenden aller Targeting-Funktionalitäten, als auch die Verwendung der NERO Daten, in der Kampagnensteuerung möglich ist. Die hochspezialisierte Serverfarm von ADITION führt zu geringen Ausfallquoten und die Adserverreporting-Funktionalitäten sind direkt verfügbar. Zudem gibt es eine Direktanbindung an Active Agent für DSP Kampagnen.

Grundsätzlich ist über das Dynamic Ads die Aussteuerung der Standardwerbeformate möglich, allerdings empfiehlt NFQ die Verwendung der folgenden Formate, um eventuelle Komplikationen von Anfang an ausschließen zu können:

 

Werbeempfehlung Display

 

 

Werbeempfehlung Mobile

 

Für all diejenigen, denen das Dynamic Banner Tool noch nicht so geläufig ist – und die die Verlinkung am Anfang des Artikels übergangen haben – hier alle Vorteile der Dynamic Ads auf einen Blick:

  1. Relevanz dank zielgerichteter Kommunikation und individueller Useransprache (Kreation & Inhalt)
  2. Automatisierung – Produktassets & Inhalte werden systemseitig anhand von API/Datenfeed- Anbindungen aktualisiert
  3. Varianz durch einfaches Testen und Optimieren
  4. Effizienzsteigerung aufgrund schneller Anpassungsmöglichkeit und Reduktion von Kreationsbudgets
  5. Multichannelansatz – Zentrale Datenverwaltung für eine Vielzahl von Ausgabekanälen (Offsite, Onsite, Video, DOoH, etc…)

 

Last but not least: es gibt kein Zurück mehr, alle DBT-Kampagnen wurden bereits auf Dynamic Ads umgezogen und sind zum Teil bereits online.
Wäre dieser Artikel ein Werbebanner, würde an dieser Stelle der CTA „Jetzt kaufen“ erscheinen. Wir sagen aber nur: Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihre NFQ.

Im letzten Jahr haben wir in unserem Blog bereits über Live-Streams informiert. Nun gibt es aber einige neue Mitspieler auf dem Markt und auch die Relevanz für Live-Streams ist deutlich gestiegen. Immer mehr Unternehmen und Influencer nutzen die verschiedenen Plattformen, um ihre Fans live am Geschehen teilhaben zu lassen. Ein guter Grund für ein kurzes Update

Die Mechanik eines Live-Streams ist weitestgehend bekannt. Einzelpersonen oder Unternehmen können via Live-Übertragungen Content mit ihrer Community teilen und ihnen so ein intensiveres Wir-Gefühl vermitteln. Zum Teil können die Zuschauer auch aktiv auf die Geschehnisse Einfluss nehmen, beispielsweise durch Kommentare oder Likes.

Wohin haben sich die Plattformen nun im letzten Jahr bewegt?

Facebook

Facebook lässt schon seit Mitte letzten Jahres alle User ihre Inhalte live übertragen. Zu Beginn war dies nur möglich, wenn man als offizielle Person des öffentlichen Lebens bei Facebook geführt wurde und genügend Fans vorzuweisen hatte.

Grade für Unternehmen gewinnt die Live-Streaming-Funktion von Facebook immer weiter an Bedeutung, wobei es weniger um den spontanen Moment geht, als um professionell produzierte Live-Shows. Diese Live-Streams werden geplant und Abonnenten können Benachrichtigungen für das kommende Facebook Live-Video abonnieren. Die Übertragungen finden also mehr stationär als mobil statt.

Instagram

Seit Beginn dieses Jahres ist es auch möglich, via Instagram Live-Streams zu produzieren. Instagram zeichnet sich durch einen eher spontanen Charakter aus. So nutzen insbesondere Influencer die Plattform, um mit ihren Followern live in Kontakt zu treten. Die Live-Funktion lässt den Fan nun noch näher an dem Leben ihres Vorbilds teilhaben. Über die Instagram-App erhalten die Follower eine Benachrichtigung, können sich zuschalten oder Live-Videos kommentieren und mit Herzchen liken.

Als direktes Konkurrenzprodukt zu Snapchat zeichnete sich der Stream anfangs noch dadurch aus, dass der Inhalt nach Beendigung sofort gelöscht wurde. Dies wurde im März optimiert und die Videos sind nun 24 Stunden im Bereich der Stories abrufbar.

YouTube

Auch YouTube will seine Möglichkeiten in Bezug auf Live-Streams weiter ausbauen. Konnten zuvor nur YouTuber die Funktionen nutzen, die mindestens 10.000 Abonnenten ihr Eigen nannten, wurde die Hürde nun auf 1.000 Abonnenten gesenkt. Noch in den nächsten Monaten soll auch diese letzte Barriere fallen.

Wie auch Instagram und Facebook können Zuschauer mithilfe eines Live-Chats am Geschehen teilnehmen. Noch ist die Möglichkeit des spontanen Mobile-Live Chats via YouTube recht neu und genaue Zahlen sind noch nicht bekannt. Fakt ist, dass diese Funktion sicherlich eine große Bedeutung für Influencer bekommen und somit in direkter Konkurrenz zu Instagram stehen wird.

Twitter

Auch Twitter macht einen deutlichen Schritt hin zur professionellen Live-Streaming-Plattform. Eine API (Programmierschnittstelle) wird es künftig Unternehmen erleichtern, Videos in Echtzeit im Feed zu veröffentlichen. Ähnlich wie auch bei Facebook stehen dabei professionell produzierte Videos im Vordergrund. In der Vergangenheit bot Twitter nur über den Periscope Producer eine Schnittstelle für semi-professionelle Live-Videos an.

Auf dem US-Amerikanischen Markt findet der Dienst besonders im Bereich Sports und eSports großen Anklang. In Deutschland hat die gesamte Plattform allerdings nie richtig Fuß fassen können.

Was können wir festhalten?

In Sachen professionell produzierte Live-Streams stehen insbesondere Facebook und Twitter in Konkurrenz zueinander, wobei es auf dem deutschen Markt eher nach einem Kampf David gegen Goliath aussieht. Zurückgeführt auf die nur geringe Relevanz von Twitter hierzulande, wird sich Twitter wohl Nischen suchen müssen, um zu glänzen, während Facebook die breite Masse bedient.

Spannend wird es sein, zu beobachten, welche Plattform sich innerhalb der Influencer-Kreise durchsetzen wird. Der geschäftstüchtige Influencer ist auf mehreren Plattformen zuhause, ausschlaggebend werden also Werbespendings und Verträge mit Unternehmen sein. Momentan hat Instagram noch die Nase vorn, betrachten wir aber die Größe von YouTube, kann sich dies recht schnell ändern.

Dem aufmerksamen Leser wird es nicht entgangen sein, dass die Plattformen Snapchat, Meerkat und Periscope nur beiläufig erwähnt wurden. Aber sind wir mal ehrlich, es ist kaum jemandem aufgefallen, was wohl bezeichnend für alle drei Dienste ist.

Wir bleiben weiter live dabei und werden berichten!

 

Im letzten Artikel über Snapchat haben wir bereits einige Werbeformen auf der jungen Plattform vorgestellt. Da das noch lange nicht alles ist, was Snapchat zu bieten hat, legen wir natürlich noch einmal nach.

Sponsored Lenses

Ähnlich zum Sponsored Geofilter, den wir im letzten Artikel beschrieben haben, kann der Werbetreibende auch hier einen Filter einsetzen. Allerdings deutlich aufregender, da sich der Filter auf ein Video bezieht! Gesponserte Linsen eröffnen völlig neue Wege, die Marke spielerisch bekannt zu machen und mit einem lustigen Filter auch in Erinnerung der Nutzer zu bleiben. Sinn hinter Sponsored Lenses ist es, dass Nutzer ein Video drehen und durch bestimmte Bewegungen den Markenfilter nutzen. Snapchatter spielen also mit der interaktiven Anzeige. Call of Duty hat zum Start einer Special Edition die Sponsored Lenses besonders aufmerksamkeitsstark umgesetzt:

 

World Lenses

Die Uhr steht niemals still – erst recht nicht bei einer jungen und hippen Plattform wie Snapchat. Daher wurde vor zwei Wochen eine neue Werbemöglichkeit auf Snapchat vorgestellt: die sogenannten World Lenses.

Die World Lenses ist eine Augmented-Reality-Funktion, was bedeutet, dass Bilder aus der Umwelt mit dreidimensionalen Gegenständen erweitert werden können. So kann beispielsweise ein Bild der Umwelt mit einer Sonne oder einer Regenwolke erweitert werden. Die World Lenses unterscheiden sich von den Sponsored Lenses insofern, dass diese sich hauptsächlich auf die Hauptkamera des Nutzers beziehen sollen, also Bilder und Videos der Umwelt mit 3D Gegenständen erweitert werden können. Die Sponsored Lenses hingegen beziehen sich mehr auf die Frontkamera das Nutzers, sodass Videos aus der Selfie-Perspektive mit coolen Filtern aufgewertet werden können. Als Launchkampagne der World Lenses startet Warner Bros. mit der Vermarktung ihres neuen Films „Everything Everything“.

Aktuell ist Werbung bei Snapchat nur für Kunden mit einem hohen Budget möglich. Allerdings will Snapchat seinen Werbetreibenden noch weiter entgegenkommen und im Juni einen sogenannten Business Manager launchen. Werbetreibende haben hier die Möglichkeit, ihre Ads selbst einzustellen, zu managen und zu optimieren. Zudem sollen Reportings sowie Kampagnen-KPIs im Business Manager abrufbar sein. Es bleibt abzuwarten, ob mit dem Business Manager die Kosten sinken und bald Werbung auf Snapchat auch für Unternehmen mit kleineren Budgets möglich ist.

Wir sind gespannt, was sich Snapchat noch alles einfallen lässt, um die App nicht nur für Jugendliche, sondern auch für Werbetreibende noch spannender und relevanter zu machen!

In diesem Sinne… 3…2…1…! Jetzt drücken, um den Snap zu wiederholen!

5…4…3…2…1… und schon ist das Bild verschwunden. Es gibt noch einen Joker. Du kannst Dir das Ganze noch einmal ansehen, danach ist es dann aber wirklich weg. Und wer so schlau ist und denkt, mit einem Screenshot hat er das Bild gesichert – Todsünde! Zumindest ein ungeschriebenes Gesetz unter den Usern der App. Screenshots werden nicht gemacht, und wenn doch, wird der Absender direkt darüber informiert.

Bei wem es immer noch nicht klick gemacht hat, dem helfe ich gerne auf die Sprünge – es geht um Snapchat! Eine App, die seit 2011 sämtliche Smartphones und das Leben ihrer Besitzer revolutioniert. Die Idee dahinter: Snapchat ermöglicht es seinen Nutzern, Fotos, die für maximal 10 Sekunden sichtbar sind, an Freunde zu versenden. Um das Ganze noch interessanter zu machen, stellt Snapchat seinen Nutzern jeden Tag neue lustige Filter zur Verfügung, mit denen die Fotos kreativ aufgehübscht werden können. Zudem ist es möglich, kurze Videos zu verschicken, die nach einmaligem Ansehen ebenfalls wieder verschwinden. Simpel, aber erfolgreich: Snapchat verzeichnete im Dezember 2016 stolze 158 Millionen Nutzer und setzte dem Erfolg im März 2017 mit dem Börsengang die Krone auf.

Ein solcher Hype um eine App bleibt Werbetreibenden natürlich nicht verborgen, sodass der Schrei nach Werbemöglichkeiten und Productplacement auf Snapchat immer größer wurde – erfolgreich. Bis letztes Jahr war eine Buchung von Snapchat in Deutschland nur in Kombination mit UK möglich. Vor kurzem hat Snapchat final die Tore für Werbetreibende in Deutschland geöffnet, sodass es ab sofort möglich ist, allein Snapchat Deutschland zu belegen und zu buchen. Grund genug für uns, die Marketing Optionen in der App vorzustellen.

Sponsored Geofilters

Da sich bei Snapchat alles rund um Bilder und Filter dreht, ist eine der beliebten Werbemöglichkeiten der Sponsored Geofilter. Damit besteht die Möglichkeit, ein Bild mit einem Filter seiner Marke zu branden. Der Filter kann mit diversen Targetingkriterien gebucht werden, sodass beispielsweise mit Geotargeting und Datumangabe die Neueröffnung eines Stores beworben werden kann. Das Selfie wird gemacht, an sämtliche Freunde geschickt und schon verbreitet sich die spielerische Werbung wie ein Lauffeuer.

Snapchat Werbefilter von Starbucks und Michael Kors

 

Snap Ads

Da Fotos und Videos, die nur für wenige Sekunden sichtbar sind, auf Dauer langweilig werden, hat sich Snapchat im Laufe der Zeit etwas Neues einfallen lassen und sogenannte „Stories“ eingeführt. Diese sind dann für ganze 24h sichtbar. Angezeigt werden dem Nutzer die Stories in einem extra Newsfeed in der App. Der Snapchat Nutzer hat hier eine Übersicht aller Stories seiner Freunde und die Möglichkeit, diese innerhalb von 24 Stunden so oft er möchte anzusehen. Der User sieht sich dementsprechend mehrere Stories hintereinander an. Und natürlich besteht auch hier die Möglichkeit, geschickt Werbung zu platzieren. Vorstellen kann man sich das wie ein MidRoll: Man sieht sich nach und nach die Stories seiner Freunde an und zwischendurch kommt ein Werbevideo. Optimal ist es natürlich, wenn das Video so gut gemacht ist und so gut in den Content passt, dass dem Snapchat Nutzer gar nicht auffällt, dass es sich dabei um eine Werbeanzeige handelt. Das Video sollte daher kein klassisches Werbevideo sein, sondern im Snapchat Style, also kurz, selfmade und mit Filtern gestaltet werden. Für den Werbetreibenden besteht neben einem klassischen Video auch die Möglichkeit, eine Canvas Ad aus Fotos, Videos und Artikeln zu bauen. Diese kann der Nutzer dann durch Swipes nach unten nacheinander angezeigt bekommen. Zudem können Videos zum direkten Download einer App auffordern oder nach extern verlinken. Definitiv eine spannende Platzierungsmöglichkeit für eine Marke!

Bei Snapchat gilt: Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt! Auffällige Filter bringen den Usern Spaß und überzeugen sie, den Content mit Freunden zu teilen. So bietet Snapchat eine spannende neue Werbeplattform, bei der Werbetreibende die Möglichkeit haben, die Marke spielerisch und gekonnt vor allem bei jüngeren Zielgruppen zu platzieren. Und da das noch lange nicht alles war, was bei Snapchat möglich ist, könnt Ihr Euch bereits auf Teil 2 freuen.

Steht uns derzeit eine neue Welle der Digitalisierung bevor oder befinden wir uns bereits mitten drin?

Bislang lassen sich zwei Phasen der Digitalisierung beschreiben, die unseren direkten Alltag und somit unsere Art zu leben und zu arbeiten signifikant beeinflusst haben. Steve Case, bekannt als Co-Gründer von America Online (AOL) und CEO von Revolution LLC, beschreibt die erste Phase als den Aufbau des Internets und die Schaffung der hierfür notwendigen Infrastruktur in Form von Software, Servern und Netzwerken. In dieser Zeit (etwa 1985-1999) ging es darum, die Menschen an das Medium Internet zu gewöhnen und mit diesem vertraut zu machen.

Die zweite Welle (etwa 2000-2015) nutzten Unternehmen wie Amazon, Facebook, Twitter, und Google, um die Errungenschaften der ersten Welle für sich zu nutzen und den Alltag der Menschen zu beeinflussen. Hierbei waren besonders die mobile Revolution und die Entwicklung von Apps auschlaggebend. Die durchgehende (mobile) Vernetztheit liefert hierbei einen wichtigen Mehrwert. Soziale Netzwerke und Messenger Dienste haben unsere Art der Kommunikation signifikant verändert. Für viele Menschen sind Smartphones und die Möglichkeit, von nahezu überall Zugriff auf die Inhalte des Internets zu haben, nicht mehr wegzudenken. Durch dessen Nutzung bieten sich Unternehmen und Werbetreibenden wie uns vielfältige Möglichkeiten der Kundenaktivierung.

In der jetzigen Zeit befinden wir uns an der Schwelle zum nächsten Schritt der Digitalisierung. Der Begriff Internet of Things ist allgegenwertig und die Entwicklung hin zu einer Vernetzung von immer mehr Geräten, Sensoren und Produkten wird unsere Wirtschaft, aber auch unser tägliches Leben, gravierend verändern.

Ein Beispiel hierfür ist das Konzept von Amazon Go, das unsere über Jahrzehnte angewöhnte Art und Weise einzukaufen, revolutionieren soll. Der Konsument betritt hierbei einen Laden und muss sich lediglich mittels Smartphone und der darauf installierten App einchecken. Während des Einkaufs landen die ausgewählten Produkte dann nicht nur in der eigenen Einkaufstasche, sondern mittels Sensorik und Kamera-Technik auch automatisch in dem virtuellen Warenkorb des Einkäufers. Beim Verlassen des Ladens ist somit kein Anstehen an der Schlange zur Kasse mehr notwendig, da der Einkauf automatisch erfasst und über das hinterlegte Konto abgerechnet wird. Die Beacon Technologie bietet hier die Möglichkeit, Konsumentenströme durch gezielt ausgespielte Angebote auf das Smartphone zu lenken und die Kunden somit in ihrer Kaufentscheidung zu beeinflussen.

Ein weiteres Thema, das uns den Alltag erleichtern soll, sind Smart Home Installationen, mit denen beispielsweise die Heizung, das Licht, Küchengeräte oder die Hauseigene Hi-Fi-Anlage gesteuert und kontrolliert werden können. Über Google Home lässt sich beispielsweise die Musik steuern oder sprachgesteuerte Suchanfragen initiieren, auf die man eine direkte Antwort aus dem Internet erhält. Hier stellt sich aus Marketingsicht die Frage, wie dieser technologische Fortschritt für die Ausspielung von Werbebotschaften genutzt werden kann, um einen Mehrwert für Unternehmen und Kunden zu erhalten.

Burger King hat beispielsweise kürzlich mit einem TV-Spot in den USA für Aufsehen gesorgt, der die Google Sprachassistenten dazu veranlasst hat, unbeabsichtigt den Whopper Burger zu bewerben. Hierfür wurde ein 15-sekündiger Spot produziert, in dem ein augenscheinlicher Burger King Mitarbeiter die Frage stellt: „OK, Google, what is the Whopper burger?“. Das Gerät beantwortete die Frage mit einem zuvor vom Unternehmen editierten Wikipedia-Eintrag (der Beitrag ist leider nicht mehr auf YouTube verfügbar).

Die Diskussion, ob es sich dabei um einen gelungen, witzigen Werbe-Clou oder um einen moralisch verwerflichen Eingriff in das Home System der Nutzer handelt, sei an dieser Stelle unkommentiert. Google zumindest hielt diese Form der Verbindung von digitalen Medien und TV-Werbung (in diesem Fall) für nicht sonderlich amüsant und sorgte innerhalb weniger Stunden dafür, dass die Geräte nicht mehr auf den Spot reagieren. Es zeigt jedoch, das sowohl Marken als auch Agenturen stets die technologischen Entwicklungen mitgehen sollten, um neuartige, kreative und aufmerksamkeitsstarke Wege zu finden, den Konsumenten direkt mit ihrer Botschaft anzusprechen.

Smart Home Systeme, selbstfahrende Autos, automatisch abgewickelte Einkäufe oder smarte Assistenzsysteme auf dem Smartphone wie Apples Siri oder Googles Assistant mögen uns in Zukunft unseren Alltag erleichtern und sicher viele spannende Möglichkeiten für die Industrie und die Welt des Marketings mit sich bringen.

Doch ist das die bedeutende digitale Revolution, auf die wir alle gewartet haben?

Es mag ein Vorbote sein für die dritte Welle der Digitalisierung, dem „Internet of Everything“. Hierbei geht es darum, das Internet in wirklich jeden Aspekt des täglichen Lebens zu integrieren. Besonders Bereiche wie das Bildungs- und Gesundheitssystem, die Logistik- und Energiebranche, aber auch die Lebensmittelindustrie weisen ein großes Potenzial für die voranschreitende Digitalisierung auf.

Mit dem zunehmenden technologischen Fortschritt geht jedoch auch ein ansteigendes Wachstum der Verantwortung einher. Wenn beispielsweise digitale Systeme zukünftig die lebenserhaltenden Funktionen von Patienten im Krankenhaus überwachen und mittels künstlicher Intelligenz die exakt berechnete Dosis von Medikamenten automatisiert verabreichen, sind Fehlfunktionen deutlich gravierender, als wenn ein Smart Home System es verpasst, am Morgen für frisch aufgebrühten Kaffee zu sorgen.

Hier wird die Entwicklung und Anpassung von gesetzlichen Vorgaben und Kontrollmechanismen eine große Herausforderung darstellen, die im partnerschaftlichen Verhältnis zwischen Wirtschaft und Politik zu bewältigen seien werden.

 

Der oder das Blog ist aus der Welt des World Wide Webs gar nicht mehr wegzudenken. Der Begriff stammt aus dem englischen und hieß ursprünglich auch nicht Blog, sondern Web-log – eine Kombination aus den Worten web und logbook. Die Kreuzung dieser beiden Wörter macht durchaus Sinn, da Blogbeiträge erstens im Web erscheinen und zweitens der neueste Artikel ganz oben steht und sich damals meist wie ein Tagebucheintrag las. Mit der Zeit wurden die Begriffe Web-logger und Web-log den Nutzern in einer sich immer schneller drehenden Welt aber zu lang. Wer braucht schon zwei Silben, wenn es auch mit einer getan ist? Der Web-log wurde zum Blog und der Web-logger zum Blogger.

Folgt man der Definition aus dem Gabler Wirtschaftslexikon, handelt es sich bei einem Blog um ein „elektronisches Tagebuch im Internet“. Ob der Begriff Tagebuch dem Gros der Blog-Beiträge heutzutage noch gerecht wird, darf bei einem Blick in die Blogosphäre jedoch bezweifelt werden. Zu den weltweit beliebtesten Blogs, die im März 2017 die meisten Unique User verzeichnen, zählen unter anderem ein Klatsch-Portal für Prominente und die Huffington Post. Um nur zwei Beispiele zu nennen, die keine Ähnlichkeit zu einem Tagebucheintrag vorweisen.

Abbildung 1: Blograngliste nach unique usern (global), Quelle: http://www.ebizmba.com/articles/blogs

 

An allen Charakteristika des ursprünglichen Blogs wurde aber nicht gerüttelt. Nach wie vor ist das zentrale Kriterium eines Blogs, dass er Sachverhalte chronologisch abhandelt. Damit stehen Blogs für inhaltlich dynamische Websites. Das bedeutet, dass ein Sachverhalt nicht beendet sein muss, sondern immer wieder aufgegriffen werden kann. Nehmen wir den mediascale Blog als Beispiel, der über Jahre hinweg die neuesten Entwicklungen von Facebook begleitet und kommentiert. Oder den Comunio-Blog, der ab und zu Kauf- oder Verkaufsempfehlungen abgibt, die ein paar Wochen später kritisch beleuchtet werden.

Ein weiteres zentrales Merkmal eines Blogs besteht darin, dass die Blogger ihn als Medium nutzen, um ihrer eigenen Meinung Ausdruck zu verleihen. Diese persönliche Sicht auf die Dinge ist oft ausschlaggebend, um das Interesse und Vertrauen der Blog-Leser zu gewinnen, die häufig stärker an und der Person hinter den Artikeln interessiert sind, als bei klassischen Medien.

Der Blogbeitrag als PR Instrument

Leser besuchen ausschließlich die Blogs, deren Themen sie interessieren und in deren Qualität und Urteil sie vertrauen. Dies bietet eine Plattform für werbetreibende Unternehmen, ihre Produkte in einem passenden, weniger werblichen Umfeld zu präsentieren. Erscheint der Artikel, in dem das Produkt eines Werbetreibenden beschrieben wird, in authentischem Layout der anderen Posts und äußert sich der Blogger positiv darüber, so hat dies eine ganz andere Wirkung auf die Leser als Produktwerbung in Form von Anzeigen. Wichtig ist jedoch nur, dass Blogger die Beiträge, die in Zusammenarbeit mit Unternehmen entstanden sind, sichtbar kennzeichnen, um den Vorwurf der Schleichwerbung vorzubeugen.

Weiterhin bekommt der Werbetreibende vielfältige Beiträge und kreative Ideen zu seinem Produkt. Der Vorteil für den Kunden: Die Leistung muss nicht inhouse erbracht oder extern bei Agenturen eingekauft werden, sondern liegt in den Händen der Blogger. So kann ein Kunde aus der Lebensmittelbranche beispielsweise davon profitieren, wenn aus seinen Produkten ein leckeres Rezept hervorgeht. Häufig werden diese Beiträge von Lesern des Blogs geteilt und tragen so zu einer Verstärkung der Werbewirkung bei. Die Kehrseite der Outsource-Medaille besteht allerdings darin, dass das Unternehmen die Zügel nicht mehr allein in der Hand hält, sondern auf die Urteilskraft und Qualitätskontrolle der Blogger angewiesen ist.

Schließlich kann der Einsatz von Blogs, die Produkte des Unternehmens bewerben oder dieses gar namentlich in ihrem Fließtext erwähnen, dazu führen, dass das Unternehmen bei den Google-Suchanfragen höher gelistet wird. Der Vermarkter Blogfoster gibt auf seiner Website jedoch zu bedenken, dass Blogbeiträge nicht nur dem Ziel dienen, positive Resultate in Suchmaschinen zu erzielen. In erster Linie müssten die Blogbeiträge gut leserlich bleiben.

Natürlich kann man nicht davon ausgehen, dass prinzipiell jeder im Internet kursierende Blog für die Bewerbung eines Produktes in Frage kommt – sowohl für Influencer Marketing als auch für klassische Display-Anzeigen. Wie bei anderen Mediakampagnen auch, muss das Umfeld, in dem das Produkt ins Schaufenster gestellt wird, passen und die Qualität der Blogs sichergestellt werden. Auf einem vor Rechtschreibfehlern triefenden Blog präsent zu sein, stellt für Unternehmen keine gute PR dar.

Aus diesem Grund ist es sinnvoll, sich an Vermarkter zu wenden, die sich auf die Vermarktung von Blogs spezialisiert haben. Hieraus entstehen für die Werbetreibenden zwei wesentliche Vorteile: Erstens können kleinere Blogs zu Clustern gebündelt werden und zusammengenommen eine größere Reichweite abdecken und zweitens stellen die Vermarkter sicher, dass gewisse Qualitätsstandards eingehalten werden.

Wann sollte ein Unternehmen auf den Einsatz von Blogs setzen?

Wie bei jeder Mediplanung orientiert sich das eingesetzte Werbeformat an den Zielsetzungen der Kampagne. Für eine rein performanceorientierte Abverkaufskampagne ist ein Blogbeitrag wenig zielführend, da er im Verhältnis zu Bild-Text-Kombinationen oder klassischen Standardformaten (AdBundles) hinsichtlich CPO oder CPL das Nachsehen hat. Auch für Kampagnen, bei denen großflächig Aufmerksamkeit und eine hohe Reichweite erzielt werden soll, sollte ein Blogbeitrag nicht als erste Wahl in Betracht gezogen werden. Hier fährt der Werbetreibende mit Großformat- oder Bewegtbild-Formaten über die altbekannten Vermarkter besser, ist doch die Reichweite von Blogs sehr eingeschränkt. Interessant wird das Medium Blog, wenn eine kleine oder sehr spezielle Zielgruppe gezielt angesprochen werden soll oder eine tiefergehende Analyse des Produkts gewünscht ist.

Dass Kongresse ihre Location wechseln ist an sich nichts besonders Aufregendes, so geschehen auch bei der d3con in diesem Jahr. Man könnte nun sagen, dass der Platz nicht mehr ausgereicht hat und man deswegen von der altehrwürdigen Handelskammer in das eher zweckmäßige Cinemaxx am Hamburger Dammtor ausgewichen ist. Man kann aber auch sagen, dass dieser Locationwechsel auch ein (wahrscheinlich nicht beabsichtigtes) Zeichen für die Inhalte und die Mission des Kongresses ist.

Da war auf der einen Seite die Handelskammer in den letzten Jahren der richtige Platz, um dem Thema mehr Größe zu geben und mehr Relevanz – da ist heute das zweckmäßige aber dafür wesentlich praktischere Cinemaxx der richtige Ort, um Programmatic heute inhaltlich besser und intensiver zu diskutieren.

Wenn ich mir die Vorträge und Panels aus diesem Jahr im Nachgang vor Augen halte, dann habe ich das Gefühle, dass der Kongress endlich da angekommen ist, wo wir alle ihn uns wünschen – auf einer inhaltlichen Ebene und nicht mehr auf einer missionarischen. Und dieser inhaltliche Fokus ist in vielen Podien deutlich spürbar gewesen und war ehrlich gesagt ein Segen für das Thema und die Veranstaltung.

Aus meiner Sicht sind es die folgenden „Big Programmatic 3“, die uns beschäftigen und für die wir in den nächsten Monate Lösungen und Ansätze finden müssen:

  1. Transparenz (durch Programmatic) betrifft alle

Was wurde und wird auf die Mediaagenturen eingedroschen – der Reflex ist einfach und deswegen (gerade von Journalisten) gern bemüht: „Wir wissen ja nicht, was da genau läuft – und die Agenturen sind daran schuld, sie bereichern sich und sind die Bösen im Spiel“, so der oft verwandte Tenor.

Doch so einfach ist es vielleicht doch nicht, denn  Werbungtreibende haben auf offener Bühne endlich mal ein „transparentes Wort in dieser Causa“ gesprochen. Da sind sich Christian Meyer von Müllermilch und Angela Kim von Ferrero einig und nutzen ein gutes Beispiel: Die Zusammenarbeit und Transparenz zwischen Kunde und Agentur ist eben wir eine gute Ehe – man muss daran arbeiten, aber gegenseitiges Vertrauen ist notwendig und für beide Seiten hilfreich. Und irgendwie sind sich da auf einmal alle einig, bis auf den Moderator, der gerne die reißerische Diskussion ob der bösen Agenturen haben möchte und sie nicht bekommt, weil eben die Zusammenarbeit zwischen Kunde und Agentur in den allermeisten Fällen einer guten Ehe gleicht und nicht einem Rosenkrieg…

 

  1. Fragmentierung und Orchestrierung

Die programmatische Welt vergrößert sich exponentiell: Schon heute sprechen wir nicht mehr nur über digital. Die Panels waren voll mit Anbietern für DooH, Programmatic Radio, ATV und weiteren. Diese Fragmentierung stellt uns – und auch das wurde auf den Panels klar, vor die große Herausforderung, alle möglichen Maßnahmen richtig zu orchestrieren. Die Technik kann uns hier helfen und bietet neue Möglichkeiten. Doch den allermeisten, die Programmatic ernst meinen, wird oder ist bereits klar, dass keine Technik der Welt ihnen die zentrale Aufgabe abnimmt, eine datenbasierte Kampagne erfolgreich zu machen: die richtige Orchestrierung der Maßnahmen auf immer mehr möglichen Devices basierend auf immer mehr Daten.

Doch ist das neu? Sicher nicht, auch da hat Angela Kim recht – das war schon immer der Job eines Mediamanagers und seiner Agentur. Doch ich glaube, es wird immer offensichtlicher, wo die Reise für uns Agenturen hingeht: Wenn wir nicht in der Lage sind, für den Kunden ein Berater in dieser fragmentierten Welt zu sein, werden wir uns bald überlegen müssen, was unser Job ist. Denn sich auf den Einkauf und die schiere Einkaufsgröße zurückzuziehen, wird nicht mehr reichen, um die Anforderungen an eine effiziente Kampagne zu erfüllen. Von der Integration von Kreation in programmatische Kampagnen – ebenfalls ein Thema, das endlich auf der d3con angekommen ist – , habe ich hier noch gar nicht gesprochen, obwohl dies sicherlich DER entscheidende Faktor sein wird!

 

  1. Qualität

Wenn über datenbasierte Kommunikation gesprochen wird, ist die Frage der Qualität allgegenwärtig – so auch auf den Panels der d3con. Interessant aus meiner Sicht waren hier vor allem die sehr unterschiedlichen Vorstellung von Qualität. Da wird Qualität als „maximale Wirkung“ beschrieben, oder auch nur als „Werbung, die von einem Menschen gesehen wird“ bis hin zu „Qualität umfasst die relevante Botschaft“.

Nichts davon ist falsch, doch keine dieser Aussagen ist umfassend und vielleicht ist genau das das Learning: Es gibt nicht den EINEN Qualitätsbegriff. Qualität liegt wohl wirklich im Auge des Betrachters. Was uns alle vor die zentrale Herausforderung stellt, sich gegenseitig im Vorfeld jeder kommunikativen Maßnahme die Frage zu stellen, welche Form von Qualität es denn am Ende zu erreichen gilt beziehungsweise auf welcher Basis von Qualität wir denn eine Kampagne optimieren sollen. Und gerade hier liegt die Krux, denn es gibt de facto sehr unterschiedliche Felder, die es zu integrieren gilt, bei denen es teilweise sehr konträre Meinungen über Qualität gibt. Egal, ob wir über Qualitäten von Reichweiten sprechen (bei denen der CpC nochmals bemüht wurde) oder über inhaltliche Qualität bis hin zu Datenqualität – es war nicht leicht, hier ein gemeinsames Verständnis aller aufzubauen, auch wenn man sich mit Beispielen von Autos, Autohändlern und Autoaustattungen versucht hat, zu behelfen.

Und natürlich wurde der Klassiker diskutiert: der ewige Adblocker. Doch so konträr die Meinungen auch in diesem Jahr sind, so leicht abgenutzt war die Diskussion. Man hatte das Gefühl, dass hier der große Hype vorbei ist, dass man schon irgendwie Wege gefunden hat, mit dem Phänomen umzugehen – jeder auf seine Art. Genau deswegen würde ich ihn nicht als zentrales Entwicklungsthema in der Programmatik sehen. Denn er wird uns begleiten, so oder so, aber wir alle haben gelernt, dass man mit dem Thema inhaltlich umgehen muss. Eine reine Verteufelung führt nicht weiter, was auch alle auf dem Panel wohl unterschreiben.

Was hat gefehlt?

Lieber Thomas Promny, eigentlich nur ein Thema, das aber dringender denn je für die Branche ist und sein wird: das Thema Datenschutz und ganz aktuelle die Überarbeitung der ePrivacy Verordnung!

Warum?

Wir hatten (glaube ich) alle gedacht und gehofft, dass mit der Umsetzung der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) und den darin getroffenen Regelungen endlich ein rechtsicherer Modus gefunden wurde, mit dem wir alle in der Branche gut leben können. Und jetzt wieder eine Verordnung – wozu das denn?

Ich bin kein Jurist, doch ich mache mir im Moment die Mühe, die Richtlinie zu verstehen und mich weitgehend zu informieren, was diese Verordnung für unsere Branche bedeutet. Und ehrlich gesagt kann uns allen nur Angst und Bange werden, wenn das, was da im Moment auf europäischer Ebene diskutiert wird, Realität werden sollte. Nur so viel: Eigentlich verlangt jede Form der datenbasierten Kommunikation gegenüber einem User die vorherige Zustimmung, also ein Opt-In. Was das für Programmatik bedeutet, ist glaube ich allen klar….

Hier hätte ich mir ein eigenes Panel gewünscht, denn dieses Thema betrifft uns mehr als jede Inhalt- oder Transparenzdebatte. Diese Verordnung wird maßgeblich darüber entscheiden, ob programmatische Kampagnen außerhalb von Google und Facebook in Zukunft noch möglich sein werden. Daher möchte ich jeden, der daran glaubt, dass es mehr geben muss, als diese beiden Player, dazu auffordern, sich intensiv damit zu beschäftigen und entsprechend laut aufzubegehren, um das Schlimmste zu verhindern. Informationen dazu unter http://www.bvdw.org/interessenvertretung/datenpolitik/eprivacy-verordnung.html

Mein Fazit: Gute Veranstaltung, gute Location, drei Themen drin: Transparenz, Fragmentierung und Qualität, ein Thema leider nicht: Datenschutz – ich freu mich auf nächstes Jahr!

 

Präsident Trump wird vom Papst unterstützt, Social Bots sorgen für die Abspaltung Großbritanniens von der EU und Falschmeldungen über Übergriffe von Flüchtlingen sorgen in der Bevölkerung für Empörung und Unverständnis. All diese Meldungen sind Bestandteil der öffentlichen Diskussion über Fake News, also der gezielten Verbreitung von fiktiven Ereignissen, einer bewussten Irreführung der Leser. Umso reißerischer, emotionaler, abstoßender und polarisierender diese Artikel sind, desto mehr Eindruck hinterlassen sie bei den Lesern, wie uns versierte Bild-Leser sicherlich bestätigen können.

Was ist die Idee hinter Fake News?

Prinzipiell gibt es für die Autoren zwei Hauptbeweggründe zur Erstellung von Fake News: Zum einen der seit jeher genutzte Einfluss auf die politische Meinungsbildung, zum anderen auch der finanzielle Anreiz, der erst durch die dynamische Verbreitung über das Internet möglich wurde. Wie allgemein bekannt ist, bedeuten Klicks auf Websites bares Geld: Je mehr Traffic auf einer Website generiert wird, desto mehr Werbeeinblendungen sind möglich. Nicht zuletzt wir Online Display Agenturen wollen den im Internet verfügbaren Traffic für unsere Kunden nutzen, um den Websitebesuchern Werbeinhalte zu präsentieren. Voraussetzung hierfür ist die qualitative Sicherung der Werbereichweiten, die keinen Raum für Fake News bietet. Somit verfolgt auch die Marketingbranche gespannt, wohin die Debatte über Fake News führt.

Ebenso leidet aber auch die Vermarkterseite unter dem Phänomen Fake News, die deren Glaubwürdigkeit und Transparenz empfindlich treffen. Besonders soziale Netzwerke sind betroffen, da hier Einträge ohne Quellennachweise einfach erstellt und in Sekunden geteilt werden können. Hier kommen auch Social Bots ins Spiel, deren Zielsetzung nicht die Generierung von Werbereichweiten, sondern primär die politische Einflussnahme ist. Social Bots sind vorprogrammierte Skripte, die automatische Antworten zu einem bestimmten Thema absetzen. Sie geben vor, persönliche Meinungen über ein augenscheinlich reales Profil zu verbreiten. So erscheint bereits eine kleine Zahl von Programmierern wie eine große Anzahl an Aktivisten, die über Blogeinträge, Leserbriefe und E-Mails die vermeintliche „Meinung des Volkes“ kundtun.

Wie kann man Fake News erkennen?

Einseitige Berichterstattung, schwache oder keine Quellenangaben sowie unvollständige Impressumsangaben können Hinweise auf Fake News sein. Experten raten auch zu einem gesunden Misstrauen, wenn Nachrichten zu unglaubwürdig wirken. Man sollte sich immer fragen: Wem nutzt diese Nachricht? Wird hier nur eine Meinung kundgetan, handelt es sich um die Schilderung von Fakten oder ist es bereits Verleumdung einer Person oder Gruppe? Auch ein Blick in spezielle Suchmaschinen gibt einen schnellen Aufschluss darüber, ob eine bestimmte Nachricht oder ein Bild bereits als Fake News klassifiziert wurde. Über die Website http://hoaxsearch.com/ kann man beispielsweise prüfen, ob Nachrichten bereits als Fake News klassifiziert worden sind.

Wie wird gegen Fake News vorgegangen?

Die Sorge um die Auswirkungen der Fake News hat auch bereits die Politik erreicht, die mit einem entsprechenden Gesetz dafür sorgen will, dass Einträge mit Hinweisen auf einen zweifelhaften Wahrheitsgehalt innerhalb einer Frist von 24 Stunden konsequent geprüft werden. Hier steht insbesondere die Sorge um die anstehende Bundestagswahl im Vordergrund, die nach dem Vorbild des US-Wahlkampfes Ziel von Fake News Attacken werden könnte.

Laut Aussage von Facebook gibt es bereits einen Mechanismus, welcher die Verlinkung zu einer Fake News Seite nicht mehr ermöglicht. Wie dieser Mechanismus aber arbeitet, wird bislang nicht weiter erläutert. Zusätzlich hat Facebook in einem Blogpost die Möglichkeit einer Fake News Einstufung angekündigt, die neben den bisherigen Möglichkeiten zur Meldung angezeigt werden soll. Bei vermehrten Fake News Hinweisen werden diese Beiträge dann auf ihren Wahrheitsgehalt hin untersucht und gegebenenfalls sichtbar als Fake News markiert.

Fake News bei Facebook melden.

 

Hierfür hat Facebook unter anderem bei Publishern wie der ARD, ZDF, N-TV, dpa, Gruner + Jahr sowie Focus Online angefragt. Abgesehen von G+J und Focus Online haben die restlichen Medien und Nachrichtenagenturen eine Zusammenarbeit allerdings abgelehnt. Laut einer Stellungnahme von G+J sei man aber auch nur dann zur Mitarbeit bereit, wenn Facebook weiterhin alleiniger Verantwortlicher für die Inhalte bleibt und auch mehr Einblicke als bisher in die bereits bestehenden Mechanismen der Plattform ermöglicht.

Eine etwas andere Herangehensweise zur Enttarnung von Fake News zeigt die Fastfoodkette McDonalds. Hier werden Mythen und Gerüchte aufgenommen und in der Kampagne „Die Wahrheit über McDonalds“ medienwirksam verarbeitet, wobei sich McDonalds teilweise bewusst nicht ganz ernst nimmt, wie das Video zum Thema „Sägespäne in Pommes“ zeigt: https://youtu.be/hlKlCi974Jw

Mischt McDonald’s tatsächlich Sägespäne in seine Pommes?

 

Eine Zukunft ohne Fake News?

In einer vernetzten Welt mit einer freien Meinungsäußerung wird es nie eine absolute Identifizierung von Fake News geben. Sollte der Staat hier zu stark regulieren, kann man diesem schnell Zensur vorwerfen. Wird ein Beitrag ab einer gewissen Anzahl von Hinweisen automatisch als Fake News klassifiziert, läuft man Gefahr, die Artikel zu blocken, die eigentlich wahr sind und einfach nicht in das Weltbild einiger User passen. Im Digital Business führt der Weg normalerweise nur schwer an den revolutionären Ideen von Facebook, Google und Co. vorbei. In der Fake News Debatte erscheint der sonst so mächtige Weltkonzern Facebook jedoch ungewöhnlich hilflos. Dass diese Herausforderung manche Publisher insgeheim ein wenig freut, zeigt die mangelnde Bereitschaft zur Zusammenarbeit. Denn: Die Erkenntnis, dass ein Algorithmus nicht die Antwort auf alle Problem sein kann, kommt der Weltfirma aus dem Silicon Valley vergleichsweise selten.

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