Klartext!

Nachdem ich gebeten wurde, den Blog um einen Artikel aus programmatischer Sicht zu erweitern, fiel mir direkt ein Thema ein: Adressable TV. Adressable TV ist nicht unbedingt brandneu, die ersten Kampagnen wurden bereits 2015 umgesetzt und auch schon auf unserem mediascale Blog behandeltDoch für viele Kunden ist das Thema nach wie vor aktuell, nicht zuletzt wegen der Programmatic-Komponente.

Fangen wir mit den Basics an:

Adressable TV ist als Begriff noch gar nicht alt und genau genommen auch nicht richtig definiert – selbst auf Wikipedia kann man nichts dazu finden. Versuchen wir den Begriff abzugrenzen:

  • Adressable TV ist ein Sammelbegriff für die individuell ermöglichte (Werbe-) Ansprache von TV Nutzern über einen mit dem Internet verbunden TV, dem sogenannten Connected TV.
  • Connected TV umfasst die Summe der Smart-TVs und TV-Empfangsgeräte, die über Peripheriegeräte internetfähig gemacht wurden. Zum Beispiel: digitale Receiver, Set-Top-Boxen, Spielekonsolen, Media Dongles (Fire TV, Apple TV, Roku, Google Chromecast), etc.
  • HbbTV ist ein Standard für Content-Einbindungsmöglichkeiten im Connected TV. Damit können abgesehen von Apps auch Einblendungen im linearen TV erfolgen. Neben Zusatzinformationen der Sender zu Sendungen, Mediatheken & Co., ist dies genau die Technik, die uns zusätzliche Werbeflächen im linearen TV verschafft.

Digital und individuell ausgesteuerte Werbeflächen im TV sind natürlich ein Traum. Und das in dem Medium, das wir nur mit der „Ein-Spot-für-alle“-Tradition kennen. Dort wurden  sogar jegliche Versuche unterbunden, bei nationalen Sendern regionale Werbung auszusenden. Aber wie sieht dann die Werbung im Adressable TV aus? Hier muss zwischen zwei grundsätzlichen Bereichen unterschieden werden: die Werbung in Applikationen des Fernsehers und die im linearen Programm selbst.

In-App TV Werbung umfasst überwiegend Pre Roll-Videos sowie Display Banner. Bei den großen privaten Sendergruppen in Deutschland (IP Deutschland/SevenOne Media) wird meistens einfach der Multiscreen Content der Online-Bewegtbildbuchungen verlängert. Leider sind hier die beiden vermutlich größten Apps – Amazon Instant Video und Netflix – bisher nicht werblich nutzbar.

Werbung über HbbTV im linearen TV hingegen ist aufgrund der großen TV-Reichweite bedeutend spannender. Aktuell werden rund 16 Millionen Unique Devices seitens der Vermarkter gezählt und das wird weiter wachsen. Aktuell sind rund ein Drittel aller TV-Haushalte mit diesen Geräten ausgestattet – Tendenz steigend. Noch dazu haben wir wieder ein WM-Jahr. Das heißt: mehr Reichweite für neue Werbeformate.

Das dominierende Format bei HbbTV-Werbung ist Switch-InSevenOne macht es vor. Neben diesen Bannern im TV gibt es noch die Möglichkeit, ein Spot-Overlay zu schalten – dies ist bisher nur bei vereinzelten Sendern in vordefiniertem Content möglich. Auch wenn sowohl die SevenOne als auch IP-Deutschland – Letztere mittels Smartclip – an weiteren Möglichkeit arbeiten. Doch sekundengenaue Spot Overlays sind erst ab HbbTV Standard 2.0 umzusetzen. Diesen beherrschen in Deutschland derzeit gerade einige zehntausende Endgeräte. Als Zwischenlösung könnten Spot Overlays in weniger teuren Programmteilen, wie den Eigenwerbungsblöcken, laufen. Da Spot Overlays auch eine geringere Reichweite des linearen TV-Programms bedeuten, eignen sie sich zukünftig eher für Motivindividualisierung des eigenen Spots.

Grundsätzlich kann sowohl mit einem Switch-In oder Spot Overlay über einen Knopfdruck auf eine TV Microsite weitergeleitet werden. Im einfachsten Fall ist das ein Video, es geht aber bis hin zur komplexen Microsite mit Produkt-Feed unter interaktiven Elementen. Eine Verlinkung aus der Microsite hinaus in andere Apps und Webseite ist derzeit aber leider nicht möglich.

Welche Werbeformate und Targeting-Möglichkeiten es noch gibt, erfahrt ihr nächste Woche.

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