Monatliches Archiv für März 2018

Täglich grüßt bekanntlich das Murmeltier, aber Facebook macht ihm hier sicher Konkurrenz. Sowohl für die rund 31 Mio. Nutzer aller Altersklassen in Deutschland als auch für die Werbetreibenden lässt sich das soziale Netzwerk gefühlt täglich etwas Neues einfallen.

Und das scheint sich zu lohnen: Ungefähr 20 Minuten täglich verbringen die User damit den Newsfeed auf und ab zu scrollen. Damit das nicht langweilig wird, gibt es immer wieder spannende Updates.

Um im Formatdschungel auf Facebook nicht den Durchblick zu verlieren, habe ich einen kleinen Überblick über die Neuerungen der letzten Monate zusammengestellt. Alle vorgestellten, neuen Formate sind auch für Deutschland buchbar.

Facebook Stories in der Desktop-Version

Seit Sommer 2016 gibt es die beliebten Instagram Stories, die seit März 2017 mit einem „Sponsored Story Ad“ werblich belegbar sind. Facebook Stories gibt es ebenfalls seit Anfang 2017. Seit August 2017 laufen die Stories nun auch in der Desktop Version auf Facebook.

Collection Ads

Bei diesem Format sollten seit dem Sommer 2017 vor allem Kunden im Bereich E-Commerce hellhörig werden, die den Trend des mobilen Online-Shoppings nutzen wollen. Die Facebook Collection Ads geben dem User die Möglichkeit, auf mobilen Endgeräten, nach dem Klick auf das Werbemittel, die gesamte Produktpalette eines Kunden zu durchstöbern und direkt zu kaufen. Hierbei genießt der User den großen Vorteil, dass er keine langen Ladezeiten mehr aussitzen muss, weil der vom Kunden angelegte Produktkatalog in Form einer Microsite direkt bei Facebook gehostet wird.

Die Ad im Newsfeed zeigt ein großes Bild oder Video und bereits vier Produkte aus dem Sortiment. Klickt der Nutzer sich in die Collection Ad, so werden ihm weitere Produkte und Informationen angezeigt, ohne dass er die Facebook App verlässt.

https://www.adsventure.de/facebook-collection-ads/

 

 

Sponsored Messages

Die Möglichkeit, den Facebook Messenger als Verlinkungsziel für seine Anzeigen zu nutzen, gibt es schon etwas länger. Mit 1,2 Milliarden Usern weltweit bietet sich hier eine nennenswerte Reichweite für den Werbetreibenden. Im November 2017 wurde der Facebook Messenger noch weiter für Werbung geöffnet. Durch „Sponsored Messages“ können Unternehmen den Nutzern Direktnachrichten im Posteingang zustellen. Anfangs konnte eine solche Nachricht aber nur einmal pro Tag und nur, wenn der User schon einmal mit dem Unternehmen über den Messenger in Kontakt war, verschickt werden. Mittlerweile kann Facebook die Ad auch auf eine Costum Audience der Nutzer ausspielen, die mit der jeweiligen Seite interagiert haben.

Aber warum sollen Werbetreibende jetzt auch noch Werbung im Messenger schalten? Dazu ein paar Fakten, die für sich sprechen:

  • 2 Milliarden Nachrichten pro Monat werden zwischen Menschen und Unternehmen verschickt
  • 53% kaufen lieber bei Unternehmen, mit denen sie direkt Nachrichten austauschen können
  • 56% der Menschen möchten lieber mit einem Kundenservice schreiben anstatt zu telefonieren
http://www.thomashutter.com/index.php/2017/11/facebook-erweitertes-sponsored-messages-rollout/

Der ständige Ausbau der Werbeplätze auf Facebook wird wohl nie ein Ende haben und das ist auch gut so. So bleibt das Social Media-Umfeld für die Werbetreibenden und auch für die User weiterhin spannend.

Die Basics der Fernsehwerbung kennen wir schon von meinem letzten Blog-Beitrag. Heute dreht sich alles um Werbeformate und Targeting-Möglichkeiten und die Frage, wieso Adressable TV und speziell HbbTV für viele Kunden so interessant sind. Schließlich können erstmals großflächige hundert Prozent viewable Werbemittel ganz individualisiert in den TV-Reichweiten eingeblendet werden.

Targeting-Möglichkeiten

Welcher Kunde würde nicht gerne seine Nettoreichweite erweitern oder die Kontaktdosis bestimmen? Für diese Fälle gibt es verschiedene Targeting-Möglichkeiten. Von technischem Targeting (Zeit, Ort, Frequenz, Sender, Empfangsweg) über Zielgruppen-Targeting (AGF-Zielguppen der Sendungen als Standard, Fusion von Nutzungsgewohnheiten mit externen Daten) bis hin zu Retargeting (auf Spots oder Sendungen) ist alles machbar. Große Kunden können durch Regio-Targeting beispielsweise ihre Botschaft individualisieren und auf der Microsite Zusatzinformationen anbieten. Kunden mit begrenztem Budget haben ebenfalls die Möglichkeit, auf dem TV Werbung zu schalten.

Programmatic

Jetzt wirds programmatisch: Über das Zusammenspiel zwischen DSP und SSP können die oben genannten Informationen, die seitens der Sender vorliegen, übergeben werden und zum Monitoring sowie zur Motivaussteuerung genutzt werden. Das geht von verschiedenen Motiven für unterschiedliche Wetterlagen und Unterzielgruppen bis zu komplett dynamisierten Switch-ins. Diese können beispielsweise Bilder, Texte und Preise per Feed der Zeit, Region und dem Wetter des Users anpassen.

Das muss noch besser werden

Allerdings gibt es aktuell noch einige Herausforderungen beim Adressable TV. Zwar hat die recht junge Werbeform schon rasante Fortschritte gemacht, nichtsdestotrotz gibt es noch einige Punkte, die verbessert werden können. Dies sind die wichtigsten:

  • Die Datenqualität zur Ausspielung muss weiter steigen, gerade vor dem Hintergrund des Mehrpersonenhaushalts.
  • Ein Kanalvergleich ist derzeit noch schwierig, gerade der Vergleich von TV-Metriken versus Ad-Impressions und Unique Clients online. Planungen gestalten sich mangels passender Tools entsprechend schwierig.
  • Eine übergreifende Steuerung über alle Anbieter ist aktuell nicht möglich – dies ändert sich erst, wenn auf die Inventare komplett durch eine Auktion zugegriffen werden kann. Erst dann kann bei Ausspielung über mehrere Anbieter die Gefahr von unerwünschten Mehrfachkontakten vermieden werden.
  • Die User-Daten stehen derzeit lediglich den jeweiligen Anbietern zur Verfügung und sind somit nicht in Zusammenhang mit Daten auf Kunden-/Agenturseite zur Aussteuerung nutzbar. Ideal wäre eine übergreifen Met-DMP, in die alle Seiten Daten einbringen. Anforderungen an Werbemittel, Microsites und Mechanik (yellow-button versus red-button) sind je nach Anbieter unterschiedlich. Hier könnte ein gemeinsamer Standard den Aufwand deutlich reduzieren.
  • Im Idealfall würden die Anbieter ihre Daten zusammen mit den Kundendaten in eine Meta-SSP fließen lassen. Mit dieser könnte der richtige User das richtige Werbemittel zur richtigen Zeit vollprogrammatisch ausgespielt bekommt.

Und was sagt ein Blick in die Glaskugel für das folgende Jahr? Kampagnen werden bereits programmatisch mit fixen Preisen je Kunde gehandelt und die Themen Spot-Overlay und Cross-Device Targeting haben Einzug in den Kampagnenalltag genommen. Wir bleiben gespannt!

Bist Du schon bei Vero? Ist Vero das neue Instagram? Was genau kann man damit machen? Neben zahlreichen Fragen tauchte „Was ist denn dieses Vero“ auch vermehrt in den Instagram Stories auf:

  

Von einem Tag auf den anderen war Vero prominent und stand die letzten Wochen zeitweise auf Platz eins des App Stores. Doch warum auf einmal dieser Hype um eine App, die es bereits seit 2015 gibt? Ist das tatsächlich die Social Media-Revolution, auf die wir alle sehnsüchtig gewartet haben und die nun endlich ihren Durchbruch feiert?

Vero – was ist das eigentlich?

Vero wurde 2015 von dem libanesischen Milliardär Ayman Hariri ins Leben gerufen. Die App wirbt mit dem Slogan „True Social“, was durch den Namen vero = lat. „wahr“ bereits klar signalisiert wird. Die Philosophie des Gründers verspricht eine Social Media App ohne Werbung und unsortiertem Newsfeed. Die Posts im Newsfeed sollen chronologisch nach Veröffentlichungszeitpunkt sortiert werden, nicht nach unbekannten Algorithmen, wie es bei Facebook und Instagram der Fall ist. Alles ist sichtbar, man muss nur weit genug runter scrollen. Ziel der App: Weg von Katzenvideos, zurück zu mehr Content von tatsächlichen Freunden.

Was kann Vero, was alle anderen nicht können?

Neben dem Vorteil, dass Vero vollkommen werbefrei bleiben soll und User dementsprechend nur Inhalte von Freunden und Usern sehen, denen sie folgen, bietet Vero noch einige andere Features. Neben Fotos und Videos lassen sich deutlich mehr Inhalte teilen. Man kann also Musik, Links, Buchtitel, Filme oder Orte in einem Beitrag posten und Freunde darüber informieren. Vero vereint also die Funktionen von Facebook und Instagram sowie von Empfehlungsportalen wie Yelp oder Foursquare in einer App.

Quanta Costa?

Der Vorteil einer werbefreien App bringt natürlich auch Nachteile mit sich. Der plötzliche Hype um die App hängt sicherlich auch damit zusammen, dass den ersten eine Million Nutzern die App lebenslang kostenlos zur Verfügung gestellt werden soll. Alle weiteren Nutzer müssen monatlich zahlen – wie viel ist noch ungewiss.

Wo liegen die Schwachpunkte?

Keine neue App ohne Kritik. Ansonsten wäre es ja langweilig. Auch Vero kämpft während des ganzen Hypes mit negativen Schlagzeilen:

  • Alles nur gekauft: Für den plötzlichen Hype muss es eine Begründung geben, sagt die Medienwelt. Influencer wurden gekauft, um die App publik zu machen. Grundsätzlich würde das natürlich gegen die Unternehmensphilosophie sprechen, werbefrei zu sein. Nichtsdestotrotz gibt es schon seit vielen Jahrzehnten Testimonials, das ist nichts Neues. Schwache Kritik!
  • Performance: Durch den plötzlich hohen Andrang kommt es zu Überlastungen und Vero stürzt regelmäßig ab. Da der Hype wohl tatsächlich überraschend kam, war Vero auf die hohe Anzahl der Nutzer nicht vorbereitet. Laut Aussage der Gründer sind die Betreiber allerdings bereits dran, die Performance zu verbessern.
  • Datenschutz: Bei der Anmeldung in der App wird der User dazu gezwungen, seine Telefonnummer anzugeben. Eine Anmeldung ohne Telefonnummer ist schlichtweg nicht möglich. Laut der Gründer dient die Telefonnummer nur dazu, die Echtheit des Nutzers sicherzustellen. Ob das der einzige Grund für die Angabe der Telefonnummer ist, sei mal dahingestellt.

Wie werde ich Vero wieder los?

Aktuell lassen sich auf Google bereits 260.000 Einträge zum Thema „Vero löschen“ finden. Dies zeigt, dass der anfängliche Hype zwar groß war, einige Nutzer die App jetzt aber wieder loswerden möchten. Die Löschung stellt sich allerdings als nicht ganz so einfach heraus. Innerhalb der App gibt es tatsächlich keine Funktion, den Account zu löschen. Dies ist nur möglich, indem man eine Anfrage an den Kundenservice stellt. Da nicht nur die Server, sondern auch der Kundenservice von Vero überlastet ist, kann die Löschung des Accounts einige Zeit in Anspruch nehmen. Es gilt also: Lieber vorher informieren, ob Vero wirklich das ist, wonach man sucht, bevor man die App installiert und danach nicht mehr los wird.

Hand aufs Herz – brauchen wir das wirklich?

Nach dem Hype, sich die App zu installieren, wechselt die Stimmung bereits jetzt schon in die andere Richtung mit Hashtags wie #deletevero. Tatsächlich ist fraglich, ob eine werbefreie, chronologische Timeline wirklich den Mehrwert bringt, den Nutzer zahlungswillig macht. Allerdings macht der Hype der letzten Tage deutlich, dass Vero der sogenannte FOMO-Effekt (Fear of missing out) zugutekommt. Zudem scheint der Durst nach einer neuen Social Media-Revolution im Netz groß zu sein, nachdem das letzte Highlight mit Snapchat nun bereits fünf Jahre zurückliegt. Ob Vero tatsächlich die eine App sein wird, die sich in die Liste von Facebook, Instagram und Snapchat einreihen wird, bleibt abzusehen.

Nachdem ich gebeten wurde, den Blog um einen Artikel aus programmatischer Sicht zu erweitern, fiel mir direkt ein Thema ein: Adressable TV. Adressable TV ist nicht unbedingt brandneu, die ersten Kampagnen wurden bereits 2015 umgesetzt und auch schon auf unserem mediascale Blog behandeltDoch für viele Kunden ist das Thema nach wie vor aktuell, nicht zuletzt wegen der Programmatic-Komponente.

Fangen wir mit den Basics an:

Adressable TV ist als Begriff noch gar nicht alt und genau genommen auch nicht richtig definiert – selbst auf Wikipedia kann man nichts dazu finden. Versuchen wir den Begriff abzugrenzen:

  • Adressable TV ist ein Sammelbegriff für die individuell ermöglichte (Werbe-) Ansprache von TV Nutzern über einen mit dem Internet verbunden TV, dem sogenannten Connected TV.
  • Connected TV umfasst die Summe der Smart-TVs und TV-Empfangsgeräte, die über Peripheriegeräte internetfähig gemacht wurden. Zum Beispiel: digitale Receiver, Set-Top-Boxen, Spielekonsolen, Media Dongles (Fire TV, Apple TV, Roku, Google Chromecast), etc.
  • HbbTV ist ein Standard für Content-Einbindungsmöglichkeiten im Connected TV. Damit können abgesehen von Apps auch Einblendungen im linearen TV erfolgen. Neben Zusatzinformationen der Sender zu Sendungen, Mediatheken & Co., ist dies genau die Technik, die uns zusätzliche Werbeflächen im linearen TV verschafft.

Digital und individuell ausgesteuerte Werbeflächen im TV sind natürlich ein Traum. Und das in dem Medium, das wir nur mit der „Ein-Spot-für-alle“-Tradition kennen. Dort wurden  sogar jegliche Versuche unterbunden, bei nationalen Sendern regionale Werbung auszusenden. Aber wie sieht dann die Werbung im Adressable TV aus? Hier muss zwischen zwei grundsätzlichen Bereichen unterschieden werden: die Werbung in Applikationen des Fernsehers und die im linearen Programm selbst.

In-App TV Werbung umfasst überwiegend Pre Roll-Videos sowie Display Banner. Bei den großen privaten Sendergruppen in Deutschland (IP Deutschland/SevenOne Media) wird meistens einfach der Multiscreen Content der Online-Bewegtbildbuchungen verlängert. Leider sind hier die beiden vermutlich größten Apps – Amazon Instant Video und Netflix – bisher nicht werblich nutzbar.

Werbung über HbbTV im linearen TV hingegen ist aufgrund der großen TV-Reichweite bedeutend spannender. Aktuell werden rund 16 Millionen Unique Devices seitens der Vermarkter gezählt und das wird weiter wachsen. Aktuell sind rund ein Drittel aller TV-Haushalte mit diesen Geräten ausgestattet – Tendenz steigend. Noch dazu haben wir wieder ein WM-Jahr. Das heißt: mehr Reichweite für neue Werbeformate.

Das dominierende Format bei HbbTV-Werbung ist Switch-InSevenOne macht es vor. Neben diesen Bannern im TV gibt es noch die Möglichkeit, ein Spot-Overlay zu schalten – dies ist bisher nur bei vereinzelten Sendern in vordefiniertem Content möglich. Auch wenn sowohl die SevenOne als auch IP-Deutschland – Letztere mittels Smartclip – an weiteren Möglichkeit arbeiten. Doch sekundengenaue Spot Overlays sind erst ab HbbTV Standard 2.0 umzusetzen. Diesen beherrschen in Deutschland derzeit gerade einige zehntausende Endgeräte. Als Zwischenlösung könnten Spot Overlays in weniger teuren Programmteilen, wie den Eigenwerbungsblöcken, laufen. Da Spot Overlays auch eine geringere Reichweite des linearen TV-Programms bedeuten, eignen sie sich zukünftig eher für Motivindividualisierung des eigenen Spots.

Grundsätzlich kann sowohl mit einem Switch-In oder Spot Overlay über einen Knopfdruck auf eine TV Microsite weitergeleitet werden. Im einfachsten Fall ist das ein Video, es geht aber bis hin zur komplexen Microsite mit Produkt-Feed unter interaktiven Elementen. Eine Verlinkung aus der Microsite hinaus in andere Apps und Webseite ist derzeit aber leider nicht möglich.

Welche Werbeformate und Targeting-Möglichkeiten es noch gibt, erfahrt ihr nächste Woche.