Monatliches Archiv für Dezember 2017

Mein Vater ist ein furchtloser älterer Herr mit knapp 80 Lenzen. Furchtlos unter anderem deswegen, da er sich regelmäßig an unseren Firmen-Newslettern und Blogbeiträgen versucht. Er sei ein Fan von Bscheid gesagt, hat er mir das letzte Mal erzählt. Nicht so sehr wegen des Inhalts, den versteht er eh nicht so richtig, mehr wegen Wolfgang als Anchorman und seiner Art, Themen zu vermitteln. So sprechen mein alter Herr und ich also immer mal wieder über Themen, die wir bei mediascale als so relevant erachten, dass wir sie per Mail oder Blog-Artikel veröffentlichen und damit meinen, die Welt entscheidend weiterzuentwickeln.

Und das Schöne an diesen Gesprächen ist die Erdung, die man in solch einem Austausch unweigerlich erfährt. Dies soll keinesfalls als Kritik ihm gegenüber verstanden werden, sondern als Aufforderung an uns alle und Empfehlung für ein kleines Experiment für die Zeit zwischen den Jahren: Schnappen Sie sich einen beliebigen Verwandten und Bekannten, der entweder aufgrund seines Alters oder aufgrund seines Berufes möglichst weit weg von unserer Branche ist und konfrontieren diesen Delinquenten zwischen Weihnachtsgans und Silvesterknallern einmal offen mit ein paar Fragen, die beispielsweise so lauten könnten:

  • Versuche in zwei Sätzen zu erklären, was Du glaubst, dass ich den ganzen Tag so mache.
  • Was glaubst Du, macht ein XYZ (bspw. CDO, Digital Evangelist, Audience Broker, Data Scientist etc. – Ihnen wird sicher noch ein weiteres spannendes Berufsfeld aus nächster beruflicher Nähe einfallen) den ganzen Tag?
  • Womit glaubst Du, verdienen wir bei XYZ (hier bitte die eigene Firma nennen – wenn Sie Glück haben, kennt der Gegenüber die Firma, sonst wird es noch bitterer mit der Antwort) unser Geld?
  • Und wie viel glaubst Du, verdient die Firma damit?
  • Was meinst Du, wie lange gibt es das Berufsfeld schon, in dem ich arbeite (und mit meinen drei Jahren Erfahrung gefühlt schon ein Digital Supernative bin…)?
  • Wie lange wird es das, was ich heute mache, noch geben?
  • EINSCHUB: Jetzt eine Frage an dich selbst: Was machst du danach?
  • Und was glaubst du, bringt das alles für dich?

Diese Liste lässt sich beliebig fortsetzen und ich bin sicher, Sie alle, werte Leserinnen und Leser, haben noch mehr Fragen in petto, die Sie sich vielleicht auch selbst schon mal so gestellt und – so ging es mir meist – schnell wieder verworfen haben, weil – Gott sei Dank – noch viel anderes auf dem Tisch auf Erledigung gewartet hat.

Ich jedenfalls empfinde diese „Sessions“ mit meinem Vater immer (sofern ich nicht gerade in ein Meeting hetze oder eines meiner Kinder im Hintergrund quengelt) als lehrreiche Bereicherung, denn sie relativieren unseren ach so wichtigen Mikrokosmos ein wenig und halten uns so den Spiegel vor unser doch manchmal eher banales Tun, das wir hinter so einigen Buzzwords verstecken.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen frohe Weihnachten und einen guten Rutsch ins Jahr 2018. Greifen Sie zu einem Glas guten Rotwein und freuen Sie sich auf angeregte Gespräche mit einer völlig neuen Perspektive auf das, was sie eigentlich schon so genau meinen zu kennen …

Unsere Nadine widmet sich bei der mediascale vielen Themen. Guten Gewissens dürfen wir Sie Targeting-Expertin, NE.R.O. Chefin und Excel-Göttin nennen. Abseits vom Schreibtisch ist sie auch noch begnadete Hobby Bäckerin. Und nun letztes Wochenende hat sie „Guzle“ für uns gebacken –  hier kommt ihr Backbericht, hhhhhmmmmm:

 

Wie jedes Jahr konnte ich es kaum bis zum ersten Advent abwarten. Die Tatsache, dass ab Ende September Lebkuchen und Spekulatius zu kaufen sind, macht die Wartezeit kein bisschen einfacher.

Für alle, die sich bisher noch zurückhalten konnten, oder mal ganz schnell einen Teller voll Plätzchen benötigen, habe ich mir dieses Jahr auf Basis von nur einem Teig ganz unterschiedliche Leckereien einfallen lassen.

 

Also los geht’s mit dem Basisrezept:

330g weiche Butter

460g Zucker

4 Eier

1 Päckchen Vanillezucker

1 TL Salz

600g Mehl

10g Backpulver

 

Ich wusste ja, dass ich mehr als nur eine Sorte backen werde, daher war die Teigmenge genau richtig. Für kleinere Projekte können die Zutaten natürlich entsprechend halbiert werden.

Aus den Zutaten einen Mürbeteig zubereiten. Ein Tipp für besonders zarte Plätzchen: Den Teig nicht länger kneten als unbedingt notwendig. Ich knete Mürbeteig gerne mit der Hand. Aber natürlich geht es genauso gut mit einer Küchenmaschine und einem Knethaken. Dann würde ich allerdings nur „pulsweise“ rühren und definitiv dabei bleiben, um das Überkneten zu vermeiden. Der Teig fühlt sich zu Beginn noch sehr feucht an. Einfach trotzdem erst einmal mindestens eine Stunde kaltstellen. Bei der Weiterverarbeitung wird noch einiges an Mehl dazu kommen, von daher darf der Teig ruhig saugfähig sein.

Nachdem der Teig etwas ruhen konnte, eine Wunschmenge zum Ausrollen vorbereiten. Dazu die Arbeitsfläche mit Mehl einstreuen und kurz kneten. Dann den Teig bis zur gewünschten Dicke ausrollen. Ich versuche immer etwa drei bis vier Millimeter zu erreichen.

Wunschformen ausstechen, mit etwas Abstand auf das Backblech legen und für ca. acht Minuten bei 165 Grad Umluft goldbraun backen. Manche mögen ihre Plätzchen etwas dunkler, andere am liebsten fast noch roh. Länger als zehn Minuten im Ofen würde ich jedoch nicht empfehlen, sonst schmecken sie unter Umständen schon brenzlig. Außerdem gilt natürlich auch bei diesen Plätzchen: Bitte nach dem Backen noch etwas auskühlen lassen, sonst verformen sie sich.

Ich habe mich dieses Jahr für folgende Varianten entschieden:

  • Klassische Spitzbuben: Drei unterschiedliche Größen ausstechen, dabei ist es egal ob rund, eckig, oder in Form von Sternchen. Viel wichtiger ist die Auswahl der Marmelade, die zwischen die einzelnen Etagen soll. Ich habe dieses Jahr auf zwei Selbstgemachte zurückgreifen können. Damit ich unterscheiden kann welches Türmchen wie gefüllt ist, habe ich aus der obersten Lage mit ganz kleinen Ausstechern ein weihnachtliches Guckloch ausgestochen. Noch mit etwas Puderzucker bestäuben und schon fertig. Wer möchte, kann die Marmelade zum Beispiel auch noch mit etwas Rum verfeinern.

  • Klassische Ausstecherle: In meiner Heimat sagen wir „Guzle“. Inzwischen ist es der Oberbegriff für all meine weihnachtlichen Gebäcke. Ich würde jedoch sagen, dass die ausgestochenen, mit verquirltem Ei bestrichenen und etwas Zuckerperlen bestreuten Plätzchen das Original „Guzle“ darstellen. Von daher dürfen sie auf keinen Fall in meiner Keksdose fehlen.
  • Pistazienkringel: Optisch erinnern mich diese Plätzchen an einen Adventskranz. Außerdem führen die Pistazien unwillkürlich zu einer Geschmacksvariation, ohne dass man noch zusätzlich etwas in den Teig mischen muss. Und sie sind auch super schnell gemacht. Einfach den äußeren Kringel zuerst ausstechen und auf das Backblech legen und dann erst die Mitte ausstechen. Schnell noch mit Ei einpinseln und die bereits gehackten Pistazien darüber streuen. Fertig.

  • Marzipan – Haselnusssterne: Hier ist es, um ehrlich zu sein, etwas mit mir durchgegangen. Die beiden Sterne habe ich mit einer Mischung aus weißer Schokoladen-Ganache, Marzipan und etwas Lebkuchengewürz gefüllt. Dann wurden jeweils zwei Spitzen in weiße Schokolade getaucht und in gehackten Haselnüssen gewälzt. Eine weitere Variation nach gleichem Prinzip, aber etwas weniger aufwändig: Einfach Nutella in die Mitte, dann mit dunkler Schokolade und Nüssen dekorieren.
  • Zitronen“springerle“: Ich gebe es direkt zu: Mit echten Springerle hat meine Variante nichts zu tun, aber das Muster hat mich einfach so daran erinnert. Mit einem Prägeholz einmal über den ausgewälzten Teig, dann nur noch den gewünschten Bereich ausstechen und fertig. Es lassen sich aber auch alle möglichen anderen Materialien verwenden, um ein Muster in den Teig zu prägen. Bei dieser Variante habe ich mich dazu entschieden noch etwas geriebene Zitronenschale in den Teig zu mischen. Durch das zusätzliche Kneten hat der Teig seine Struktur leicht verändert. So bleibt das Muster auch während des Backvorgang erhalten.

 

Ich werde mich jetzt erst einmal mit einer Tasse heißem Kakao und einer Kostprobe aus meiner Plätzchenbox auf die Couch zurückziehen und den Abend gemütlich ausklingen lassen.

In diesem Sinne, eine frohe besinnliche und vor allem leckere Vorweihnachtszeit.