Monatliches Archiv für März 2010

Ich bin immer wieder verblüfft, worauf manche Menschen doch so kommen. Nun stellen Sie sich einmal vor, dass ein nicht näher genannter Branchendienst herausgefunden hat, dass sich Facebook vor allem für die Pflege privater Kontakte eignet. Das wiederum war mir bis dato völlig neu und ich werde mich vielleicht doch mal registrieren, denn nun weiß ich, warum ich keine Freunde mehr habe. Ich dachte immer, es läge an meinem Raubtierodem oder an meinem grenzdebilen Humor. Aber nein, in Wirklichkeit war es nur ein Problem der Pflege. Außerdem konnte ich nicht mehr mitreden, wenn sich die Kolleginnen zur „Entspannung“ mit Weizenzucht und Erntemaschinen beschäftigt haben. Ich bin gleichermaßen erleichtert und erleuchtet und werde mein neues Wissen nicht scheuen, der Weltöffentlichkeit preiszugeben. Daneben habe ich noch spannende Erkenntnisse wie „Hand im Häcksler erspart dir den Handschuhkauf“, „trinken macht Durst überflüssig“ und „vorne ist das Pferd hinten als höher“. Außerdem behaupten fast 100%, die diesen Blog gelesen haben, dass sie ihn gelesen haben und auch das stimmt mich froh in so turbulenten Zeiten. Es gibt allerdings noch ein paar offene Punkte, die ich gerne in einer Umfrage klären würde:

Stimmt es, dass Schalke-Fans nicht in gelb-schwarzen Socken schlafen?

Wie viele User von StudiVZ geben an, Student zu sein?

Würden Sie sich gut finden, wenn Sie nicht Sie wären?

Zuschriften zu diesen Themen nehme ich gerne an per Fax, Telegramm und Flaschenpost.

Lieber Spammer aus dem Horizontalen Gewerbe,

mit Freude haben wir bei mediascale zur Kenntnis genommen, dass Du (ich verzichte auf das „Sie“, weil es in Deiner Branche wohl eher üblich ist von der heißen Olga, als von der scharfen Fr. Rogaschowa zu sprechen) meinen Artikel zur Pornosucht der Hamburger Morgenpost im Crawler gefunden hast. Das Du dann auch noch einen Kommentar hinterlässt, finden wir schön und zeigt, dass diese Möglichkeit der Interaktion auch tatsächlich funktioniert und Zuspruch findet. Als Text wähltest Du die fast lyrischen Worte: Geiles Fickdate auf Hamburger Messe | Geile Luder | www

Dieser poetischen Wortgewalt habe ich nicht viel hinzuzufügen, ich möchte aber doch noch mal kurz auf ein paar Kleinigkeiten hinweisen:

1. „Fickdate“ ist in dieser Form nicht möglich lieber Autor. Entweder wir bleiben im teutonischen Heimatklang, dann müsste es „Fickverabredung“ heißen oder wir verfallen ins randeuropäische und dann sollte hier wohl „Fuckdate“ stehen.

2. „Auf Hamburger Messe“ ist ein Konstrukt, dass meiner Deutschlehrerin Alpträume beschert hätte. Korrekt muss es natürlich auf „der“ Hamburger Messe heißen. Gehst Du noch mal Schule, oder?

3. Geile Luder war uns ein bisschen zu abstrakt. Hier wäre eine genauere Beschreibung nicht schlecht gewesen.

4. Eine Verlinkung sollte grundsätzlich funktionieren.

5. Das Regio-Targeting hat auch nicht so ganz funkioniert. So schön die Luder in Hamburg auch sein mögen, die grundsätzliche Möglichkeit des bezahlten außerehelichen Beischlafs besteht auch in München (s.a. Skandal im Sperrbezirk) und man munkelt, dass auch was fürs Auge dabei wäre.

Man sieht also, dass auch in einem durch und durch professionalisierten Gewerbe – welches zudem als ältestes der Welt gilt-  immer noch Optimierungspotenziale stecken. Bitte liebe Spammer versorgt uns auch weiterhin mit interessanten Surftipps, vorzugsweise zu folgenden Themen: Drogen, Prostitution, Alkohol, Schokolade, Fischbrötchen und atomar betriebene Eisbrecher.

Es dankt,

Euer msc Team (tendenziell der männliche Teil der Belegschaft)

 


Wie wir bereits zum Auftakt der Lexikonreihe gelernt haben, hat Targeting viele Gesichter. Es spannt einen breiten Bogen und reicht von der einfachen Zielgruppenansprache bis hin zur hochtechnischen und gezielten Ansprache ausgewählter Profilgruppen.

In unserem Targetinglexikon wollen wir versuchen, die verschiedenen Grundformen des Targetings so zu erläutern, dass nicht nur Experten verstehen, was sich hinter den Fachbegriffen versteckt.

Unser heutiges Thema: Umfeldtargeting!

Umfeldtargeting nennt man alle Ansätze, die mit Hilfe von technischen Mitteln versuchen, eine Onlinekampagne im dazu passenden redaktionellen Umfeld zu platzieren.  Damit nicht zu verwechseln ist die Buchung von inhaltlich geeigneten Rubriken – also etwa des Reisechannels im Gegensatz zur Run-Of-Alles-Platzierung. Das nennt sich dann bitte nicht Targeting, sondern Mediaplanung.

Lösungen, die automatisiert die Kampagne aufs Umfeld schalten wollen, versuchen den Inhalt der Website, auf welcher der Bannertag eingebaut ist,  zu analysieren, indem sie den Text „lesen“ und dann nach einer mehr oder weniger ausgefeilten Schlagwortliste werblich nutzbaren Kategorien zuweisen.

Dies wirft  allerdings eine  ganze Reihe von Problemen auf.  Relevanter Content ist  fast immer auch aktueller Content, und die meisten aktuellen Inhalte stehen auf dynamischen, also erst bei Anforderung durch den Browser erzeugten, Webseiten. Dies bedeutet aber, dass das Targetingsystem die Seiten nicht einmalig absuchen und kategorisieren kann, sondern dass dieser Vorgang häufig  wiederholt werden muss.  Auf vielen Seiten muss die Analyse und Zuweisung sogar real-time, das heißt direkt beim Aufruf der Seite erfolgen. Dies macht das System technisch aufwändig und damit teuer.

Ein zweites, weit größeres Problem ergibt sich daraus, dass sich die tatsächliche Bedeutung eines Begriffes und damit die Eignung des Umfelds, mit dem Kontext sehr stark verändern kann: Viele Wörter sind homonym, also mehrdeutig.  Die Firma Zwilling ist sicherlich glücklich, Werbung für ihre Messer  im Umfeld eines Onlinekochkurses platziert zu sehen, in dem der richtige Umgang mit Messern gelehrt wird. Erscheint dasselbe Werbemittel neben der Meldung über einen mit einem Küchenmesser begangenen Mord,  ist das ein potentieller Kommunikations-GAU.  Frühe Lösungen für Umfeldtargeting waren berüchtigt für solche Fehlschlüsse – der Airlinebanner neben dem Bericht über den Flugzeugabsturz ist hierfür das bekannteste Beispiel.

Eine Antwort auf dieses Problem versucht das sogenannte Semantische Targeting zu geben. Dabei werden von  Hand lexikalische Listen von Wortzusammenhängen erstellt und in der Software hinterlegt.  Anhand dieser Listen fällt es dem System leichter zu entscheiden, welches inhaltliche Umfeld auf einer Seite tatsächlich vorherrscht und ob dieses „gut“ oder „böse“ ist.  Somit eignet sich semantisches Targeting im Prinzip auch, um nach dem Ausschlussprinzip  technisch zu verhindern, dass eine Werbekampagne  in unerwünschter Umgebung, etwa solcher mit pornographischen oder gewaltverherrlichenden Inhalten, erscheint.

Trotz dieser Möglichkeiten ist das semantische Targeting von allen aktuellen Targetingformen sicher die Variante mit der geringsten Verbreitung. Der Grund hierfür ist simpel: Da Entwicklung und Unterhalt eines solchen Systems aufwändig und teuer sind, verlangen die Anbieter für dessen Nutzung auch entsprechende TKP-Aufschläge. Diese sind aber, im Gegensatz zu anderen Targetingformen, nicht in der Lage einen echten Mehrwert gegenüber konventionellen Umfeldbuchungen zu liefern. Deshalb haben sie sich bis heute im Onlinemarkt nicht wirklich durchsetzen können. Und auch für  den reinen Ausschluss unerwünschter Umfelder gibt es eine einfache, kostenfreie Lösung: Keine seröse Agentur bucht bei Vermarktern, die entsprechende Inhalte mit Kampagnen belegen.

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